YOUR VERY OWN DOUBLE CRISIS CLUB

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Ein übersetztes Klagelied mit furchtbarem Akzent von Sivan Ben Yishai

Flagge zeigen, eine Art Persiflage zum Fahnenapell auf einer Bustour mit Gewissen(s) Fragen

Reiseleiter Ronaldo, Gerrit und Clarissa ausgestattet mit militärischem Drill und blauen Schlipps und Schnürsenkeln statt Helmen. Flaggen sind gehisst und mit Trommelwirbel wird zum Aufmarsch geblasen.

Direkt vor dem Schauspielhaus startet der Bus, vorbei am Regierungspräsidium. Wo einem nochmal zu Ohr gebracht wird was passiert, wenn der rechte Mob Selbst justiert. Vater Staat trägt Scheuklappen. Aufklärung wie in Nachkriegszeiten, als der Storch noch die Kinder brachte.

Zwei der Ereignisse der jüngeren Vergangenheit. Der Mord an Regierungspräsident Lübke und dem an Halit Yozgat.  Vater Staat trägt Scheuklappen. Aufklärung wie zu Nachkriegszeiten, als der Storch noch die Kinder brachte.

Das es auch ganz anders geht, praktiziert man gerade  an der aus dieser ehemaligen Reichkriegerstadt kommenden Lina, der u.a. die Gründung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird und seit annähernd 2 Jahren in Untersuchungshaft ist.

Da wird die Kanone ausgepackt, als wäre die Wiederauferstehung der RAF 4.0 von statten gegangen. Schuss nicht gehört? Waagschale Justizia mit Eichbedarf.

Zurück zur geführten Bustour für den Frieden über Weser Tor, Kasseler Nordstadt und zielgerichtet zu den  Produktionsstätten von Kriegsgerätschaft. Bekanntlich sichert die ja unseren Frieden und doch, wenn Panzer rollen, Bomben niedergehen, sterben Menschen. Kassel kann davon ein ganz trauriges Lied singen. Für jedes Kfz wird Haftpflichtversicherung gezahlt, wie hoch sind die eigentlich bei Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Mercedes-Benz usw. oder gelten, weil keine zivilen Fahrzeuge andere Regeln? Vom Ende gedacht ist nicht das schlechteste.

Die Energie von Iris Becher, Günther Harder und Aljoscha Langel ist auf jeden Fall ansteckend und fährt schweres Geschütz auf, wo auch immer unsere „Friedensmissionare“ Fertigungsorte  der Rüstungsindustrie ausmachen. Der Gang im Bus wird zur Laufbühne des Schaulaufens.

Puma, Leopard, Tiger, Fuchs, Dingo M A N könnte glatt meinen, es würde ein zoologischer Garten eingerichtet, immer bemüht um die Artenvielfalt. Was die Sicherheit so kostet kann man in Teilen  aus der Bordlektüre/Begleitheft entnehmen, auch wie soziale Unsicherheit anderes berechnet wird.

Durchs Objektiv der Geschichte betrachtet gibt es heute weder Henschel, noch eine Altstadt, aber auch keine Zwangsarbeiterlagerstätten.

Mit Erreichen des Stadtteils Rothenditmold fahren wir in eine der ehemaligen Henschel Hallen ein und können aus dem Bus her raus, die mit ihren unzähligen Vor und Rückwärtsrollen eine Art Ablasshandel betreibende SPORTSKANONE Clarissa bewundern.

Die dafür auch vorm verlassenen des Geländes mit einer Waffel für ihre ausgezeichneten Leibesübungen belohnt wird. „Waffeln statt Waffen“.  

Bei unserem 2einhalbstündigen Ritt immer bestens via Monitor für diverse Video Werbeblocks „zugeschaltet“ Emilia Reichenbach. Die anschließende Präsentation z.B. der absolut geruchslosen Seife für den Frieden, hatte schon nahezu was von Seifenoper a la Clarissa.  Nicht weniger omnipräsent, die immer wieder ins Gespräch gebrachte Kerze für den Frieden mit der Extra langen Brenndauer für ganz dunkle Zeiten von Aljosha Langel.

Kostümierung von Jule Saworski, nahezu olympisch das Military Outfit. Clarissa hatte zwar nicht die Hose an, aber manchmal reicht auch ein Rock um die „Show“ zu rocken.

Ein Ausflug in Kassel, ohne Herkules und dem unter ihm liegenden zum Weltkulturerbe erklärten Berg Park geht gar nicht. Deshalb hier dann auch ein Aussteigen um mal die Maske zu lüften. Zu Füßen des Symbolträgers der Stadt 10 Minuten langweilen zum Thema Schwanz. Zeit die man gerne im Nachhinein am Getränke Stand an der Bus Front mit einem Getränk hätte schwänzen können.

Auf dem Nachhause Weg passend zum „Runterfahren“  eine wohltuende Gesangseinlage von unseren drei Reiseführern.  Eine Hommage an Ton Steine und Scherben und deren Liedgut. „Schritt für Schritt ins Paradies.“ Musikalisch Nachdenkliches auf der Prachtstraße Wilhelmshöher Allee.

Ein letzter Abstecher im Dran Vorbeifahren der Trainingsstätte von Airbus Helikopter auf dem Gelände der ehemaligen Lüttich Kaserne, bevor das Reiseschauspiel gegenüber dem ehemaligen Schlossplatz am Schauspielhaus endet.

Um abschließend die Vorlage vom schmerzhaften Klagelied von Sivan Ben Yishai  ersten Teils der Tetralogie „let the blood come out to show“ zu bemühen, ist es nicht immer so: „Welche Stimmen und Geschichten wollen wir hören und welche nicht.“

Während die einen mit Aktien an den Börsen der Welt, mit Kriegsgerätschaften jeglicher Art oder mit Nahrungsmitteln, aus dem Elend und Leid wieder und wieder Kapital ziehen, hätte man sich zumindest visionär auch im Zeichen des menschlichen Ungehorsams in einem Friedensmarsch auf die russische Front in der Ukraine zu bewegen können. So wie einst auf dem Platz des himmlischen (Un-) Friedens von Bejing. Als jener Mensch sich leibhaftig den Panzern entgegenbrachte.

Im Abspann die nächsten Reisetermine  des Staatstheaters Kassel und bitte das Taschentuch der Postmoderne nicht vergessen, Maske.

Letzte Spieltermine vor der Sommerpause: 29. Mai, 1./25. Juni und am 1. Juli

 

p. brauer

Fotos: Isabel Machado Rios


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