Rezension DUNE 2021 (Teil1): man wartet auf Teil 2

 

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Die erneute Verfilmung des SciFi-Klassikers „Dune – der Wüstenplanet“ von Frank Herbert hat ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Dem der Regisseur Denis Villeneuve gelang eine wirklich neue Version (HIER) des in den 80er Jahren eigentlich als unverfilmbaren Stoffes angesehenen epochalen Werkes von Frank Herbert.
Die erste Version von David Lynch scheiterte beim Publikum auch deshalb, weil man ihn zwang fast die Hälfte seines Films herauszuschneiden und die verbliebenen drei Stunden nochmals zu kürzen. Letztlich ein fataler Schritt, der die Produktionskosten dann nicht mehr einspielen konnte. Denn die berechneten sich nach der tatsächlich gedrehten Filmlänge…

Nachdem im Jahr 2000 schon zwei TV-Miniserien Dune – Der Wüstenplanet  und The Children of Dune recht erfolgreich waren; zumal sie zusammen die ersten drei Bände des originären Zyklus gut thematisieren konnten, wartete nun die Fangemeinde auf das Werk von Denis Villeneuve.

Die wachsende Begeisterung der Fans an dem Romanzyklus DUNE stieg nach dem Tod von Frank Herbert jährlich. Zumal sein Sohn Brian Herbert die Reihe fortsetze und zusammen mit Kevin J. Anderson zahlreiche Nebenzyklen zu dem einzigartigen Universum formten, das sein Vater erschaffen hatte. 
Das DUNE-Universum zählt als das komplexeste jemals in in der SciFi-Literatur erschaffene Werk schlechthin.

 

 

Doch wie sieht es mit der erneuten Umsetzung des Stoffes aus?

 

Inhalt
Der Film steigt sofort ein. Hat somit nicht wie seine Vorgänger einen Prolog, der den Zuschauer in das Universum von Dune einführt und die handelnden Parteien kurz umreißt, was letztlich den Anfang etwas unverständlich macht.
Es wird zwar deutlich, dass es rivalisierende Fraktionen im Universum gibt, die allesamt das Spice(-Gewürz) des Planeten Arrakis (Dune) als Droge brauchen, doch warum das so ist erschließt sich dem Zuschauer nur in Nebensätzen aus Dialogen.
Es wird auch klar, dass der Imperator Shaddam IV einer der Haupttäter der Verschwörung zum Untergang des Hauses Atreides ist, doch taucht eben dieser Imperator im Gegensatz zu den anderen beiden Verfilmungen noch nicht einmal auf. Genauso wenig wie seine Tochter, Prinzessin Irulan, die für den anfänglichen Dune-Zyklus von entscheidender Bedeutung ist.
So konzentriert sich die Handlung allein auf die Konfrontation der rivalisierenden Häuser Atreides und Harkonnen.
Der Film endet handlungstechnisch nach dem vom Imperator unterstützten Angriff des Hauses Harkonnen auf das Haus Atreides auf Arrakis und der Flucht des einzigen Sohnes und Erbes des Herzogs Leto Atreides zu den Fremen; den Ureinwohnern von Arrakis, in die Wüste.
Damit bleibt für den schon angekündigten Teil 2 der Saga dann die Rückeroberung von Arrakis durch den Erben Paul Atreides, seinen Aufstieg zum Messias der Fremen und dem Sieg über die Harkonnen und den Imperator selbst. Dieser Teil ist für 2023 angekündigt.
Der noch nicht zeitlich festgelegte Teil 3 soll dann das Buch „Der Herr des Wüstenplaneten“ behandeln.

 

Technik
Warum die Technik letztlich so ist, wie sie ist, wird nicht aufgezeigt. Darum ist es für den Zuschauer schlicht unergründlich, warum die Technik insgesamt, selbst für unser Jahrhundert, so rückständig ist. Warum Computer, Netzwerke und KIs sowie Roboter fehlen, zumal man das Jahr 11000 des Imperiums beschreibt und dieser imperiale Anfang selbst fast 12000 Jahre nach dem Verlassen der Erde spielt.
Daher fragt sich der Zuschauer, warum die Kämpfer zwar mit hochmodernen Körperschilden und Gefechtspanzerungen ausgerüstet sind, aber mit Stichwaffen kämpfen.
Oder warum es keine Raumstreitkräfte gibt.

Megaliner der Gilde und anfliegende Fregatten 1984

Die filmische Umsetzung der Gefechte und Schlachten lässt allerdings nichts zu wünschen übrig und ist auf dem technischen Niveau dessen, was Kino heute bieten kann.
Hier ist ein klarer Sprung nach vorn gegenüber den Vorgängern zu sehen.
David Lynch scheiterte in vielerlei Hinsicht an dem, was in den 80er technisch möglich und machbar war. Ähnlich wie George Lucas 1977 bei Star Wars schon vor ihm.
Die TV-Miniserie konnte dann fast 20 Jahre später schon eher aus dem Vollen schöpfen und beindruckte mit bombastischen Filmkulissen, Kostümen und Szenen, die zum Teil allein aus dem Rechner kamen.

 

 

So ist es verständlich, dass man nun auch Raumschiffe darstellen konnte, die vorher so nicht abbildbar waren. Der Ornithopter zum Beispiel, der bei Lynch wie eine goldene fliegende Schmuckschatulle aussah und in der Miniserie zu einem Fluggerät wurde, das sehr stark an eine Stubenfliege erinnerte…
Villeneuve ließ sich hier von einer Libelle inspirieren, die er in drei verschiedenen Typen beeindruckend in Szene setzte und so dem von Herbert in seinen Büchern beschriebenem Luftfahrzeug bisher am nächsten kam.
Alle Parteien tragen durchweg Körperpanzerungen, die mehr oder weniger gleich aussehen. Auch farblich wenig variieren, was irgendwie für alle Kostüme des Films gilt. Mitunter muss man schon sehr genau hinsehen, wer da gerade wen bekämpft. Das war in den Vorgängerfilmen anders.

Fregatten des Hauses Atreides 1984

Die Megaliner der Raumgilde sind beeindruckend groß, aber letztlich … missglückt. Sie wirken wie ein abgerundetes Rohrstück. Von der technisch vollkommenen Dimension der Miniserie und der klassischen Einfachheit der ersten Verfilmung ist nichts zu sehen.
Somit schließen sich die interstellaren Reiseschiffe den Leichtern und Fregatten an, die Frank Herbert als Landungsschiffe konzipierte, mit denen die Menschen eigentlich reisten. Auch diese sind je nach Herrscherhaus unterschiedlich, wirken aber auch technisch wenig überzeugend.

Beim Abbau des Spice hat Villeneuve allerdings wieder Einfallsreichtum gezeigt und das Ernter-/Carryall-Konzept deutlich verändert. Die Erntefahrzeuge sehen durchdachter aus.

 

Kostüme
sind durch die Bank wenig differenzierend und basieren auf grau, schwarz und dunkelgrün in diversen Variationen. Prägen so ein recht düster wirkendes Gesamtbild, das sich oft in Abstufungen von Grau in Grau visualisiert.
Selbst die Fremen tragen fast schwarze Schutzanzüge, was sie, die erfahrenden Wüstenkrieger, im hellen Sand zu Zielscheiben machen würde.
Ansonsten sind die Kostüme insgesamt, soweit sie dann auf Dune selbst getragen werden, einer Wüstenwelt angepasst und zeigen arabische Einschläge.

 

Der Sandwurm
ist das Markenzeichen von Dune. Er ist die Manifestation von Gott auf Arrakis und wird von den Fremen verehrt, bewundert, gefürchtet und als Personentransportmittel geritten, wie in der Schlussszene des Films kurz sichtbar wird.
Der Sandwurm erschafft in seinem Lebenszyklus das Spice, das es nur auf Arrakis gibt. Eine Droge, die lebensverlängernd ist, das geistige Potential steigert und diverse parapsychologische Fertigkeiten fördert oder erlaubt.
Er ist das, was Dune einzigartig macht. Und daher ist er für die Zuschauer der… Hingucker.
Bei Lynch war das ein übergroßer Regenwurm, dessen dreigeteiltes Maul wenig gefährlich aussah und nur durch seine Größe beeindruckte.

Das Maul des Sandwurms aus der Miniserie von 2000

Anders sah das in der Miniserie aus. Da wurde aus dem gigantischen Sandwurm ein mit Panzerschuppen besetztes Ungeheuer. In dessen tiefem Schlund die Kriszähne wie gigantische Dolche nach Opfern suchten. Ein Schlund in dessen Tiefe ein höllisches Glühen zu sehen war. Insgesamt ein Wurm, der kaum bedrohlicher sein konnte. Dessen Maul sich nach vorn stülpen konnte, wie bei einem Hai. In meinen Augen die bisher gekonnteste Umsetzung des allmächtigen Ungeheuers der Wüste.
Villeneuve hat seinen Wurm zwar massig, aber irgendwie filigraner konzipiert. Die riesigen Kriszähne wirken eher wie Barteln bei einem Wal, die im runden Maul dicht an dicht kreisförmig angeordnet sind.

Was Villeneuve aber besser hinbekommen hat als seine Vorgänger sind die Auswirkungen der Bewegungen des Wurms. Wie er den Sand bewegt, ihn vor sich herschiebt oder ihn einfach nur verdrängt. Den Wüstensand fast zu Wasser werden lässt, in den er abtaucht oder auf dessen Oberfläche gleitend er tiefe Spuren hinterlässt.

Überhaupt sind in dieser Version des Themas wirklich überall Wüstenspuren zu sehen. Sandablagerungen wohin man schaut. Selbst auf den Dächern des Palastes und in allen Ecken und Winkeln. Die Wüste wird dadurch allgegenwärtig und für den Zuschauer greifbarer.

 

 

Figuren
Die Figuren aus dem Buch sind gut wiedergegeben worden. Ihr Charakter wird deutlich und sind zum Teil auch in Verbindung mit dem gesetzt worden, was erst durch die Bücher von Frank Herberts Sohn so beschrieben wurde, der die Vorgeschichte zu Dune thematisiert hat.
Somit schließt der Film hier eine Lücke, die mit dem originären ersten Buch des Zyklus von Frank Herbert nicht befüllt worden war.
So auch die Vorgeschichte von Duncan Idaho sowie Gurney Hallack und warum sie so fanatisch loyal dem Herzog gegenüber sind.
Auch beim Herzog Leto Atreides selbst wird deutlich, warum er bei anderen Häusern des Imperiums so beliebt ist und zur Bedrohung des Imperators werden konnte. Warum er all das ist, was die Harkonnen nie sein konnten, mit denen er in einer tausenden von Jahren alten Erbfehde verstrickt war.
Die Bene Gesserit und die Raumfahrergilde sowie ihre Rolle im Universum bleiben etwas undeutlich, während die durch das Spice veränderten Navigatoren selbst, anders als in den bisherigen Verfilmungen, noch gar nicht aufgetreten sind.
Villeneuve fokussiert seine Verfilmung offensichtlich auf das Herrscherhaus Atreides und den Werdegang des jungen Paul Atreides hin zum Messias von Dune. Dem Heerführer der Fremen, der Arrakis befreit, das Imperium stürzt und sein neues Reich errichtet. Der letztlich dafür sorgt, dass Arrakis grün wird, wie es sich die Fremen immer erhofft hatten.

 

Und damit ist dann auch klar, wie es vermutlich in Teil 2 und 3 weitergehen wird. Der Fokus liegt auf Paul, der die Fremen in die Revolte führt, den Imperator und seine unbesiegbaren Sardaukar-Truppen vernichtet und dann zum neuen Alleinherrscher über das Universum wird.
Wo seine unschlagbaren Fremenheere über den besiedelten Raum hinwegfegen, um im Djihad alle anderen Häuser besiegen und unterwerfen, während Arrakis immer grüner, die Wüste langsam immer kleiner und der heilige Wurm immer seltener wird.

Die Wahl des Darstellers von des Paul Atreides verspricht hier eine interessante Entwicklung. Im ersten Teil wirkt er jugendlich unbedarft, teils naiv und irgendwie wenig davon begeistert einmal Herzog zu sein. Sein zu müssen. Wie alle Jugendlichen leistet er sein Teil eher widerwillig ab. Hasst das tägliche Training, seine Studien und die gesellschaftlichen Verpflichtungen. Sucht eher das Abenteuer. Das ist besser als in allen anderen Verfilmungen deutlich geworden.
Mit dem Fall des Hauses Atreides wird er zäher und fokussierter. Und nach dem Zweikampf mit Javis, den er als ersten Menschen töten musste, wurde er hart.
Daher verspricht der zweite Teil 2023 dann einen jungen Mann, der die Fremen eint und über sieben Jahre zu einem unschlagbaren Heer formt.
Bis ihm dann als Herrscher des Wüstenplaneten die Sinnlosigkeit seines Tuns bewusst wird, er den notwendigen Weg nicht weitergehen will und allein in die Wüste zurückkehrt. Es letztlich seinen Kindern überlässt die Menschheit zu retten, wie es ihm in seinen Visionen als eine Möglichkeit aufgezeigt wird (Der Herr des Wüstenplaneten).

 

Mit diesem Filmplakat lockte man 1984 die Besucher in die Kinos

 

Als Fazit kann man die Intention und die Umsetzung von Villeneuve wirklich nur als insgesamt gelungen ansehen. Er versucht das umfassende Universum von Frank Herbert auf die Figur des Paul Atreides zu konzentrieren. Auf seinen Werdegang, sein Denken, seine Visionen und seine Geschichte, wie es scheint. Dabei schiebt er viel vom dramaturgischen Ballast beiseite und versucht eben diesen einen Handlungsstrang herauszuarbeiten, anstatt wie Lynch zu versuchen alles umfassend darzustellen.
Ob der Versuch der Reduktion des Gesamtuniversums von Dune so gelingt, thematisch gelingen kann, werden die anderen Teile aufzeigen müssen.
Das Dune von 2021 war jedenfalls ein kurzweiliger Film wo man nach zweieinhalb Stunden so gefesselt war, dass das plötzliche Ende fast schon fassungslos machte. Man enttäuscht war, dass es nicht weiterging.

Es wird aber weitergehen, denn der Film spielte in von Corona geplagter Zeit allein in den Kinos schon mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten (195 Millionen Dollars) ein. Er war also ein kommerzieller Erfolg, was den Teil Zwei dann möglich macht.
Daher können wir uns auf das Jahr 2023 freuen und inständig hoffen, dass es nicht zu Verzögerungen beim Dreh kommen wird.

HIER der offizielle Trailer zur Neuverfilmung 2021, der in den ersten neun Monaten 34 Millionen Aufrufe hatte!

HIER zur Geschichte von DUNE (engl.)

 

 

P.S.:

Das Dune-Universum begeisterte Millionen von Menschen. Bewegte noch mehr Menschen einmal die Bücher selbst zu lesen und ließen die Gemeinde derer wachsen, die sich von der Idee dieses Universums begeistern ließen. Inspirierte zahlreiche Autoren auch mal ein Buch zu schreiben. 

So auch mich… (HIER)

 
SPQR – Der Falke von Rom – Teil 10  „Die dunkle Zuflucht“ liegt beim BoD-Verlag.

SIC!

 

 

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