Aller Anfang ist Öko

 

Tipps für nachhaltige Materialien zum Schulbeginn

Im Vorfeld des ersten Schultags wird oft erbittert debattiert: Welcher Schulranzen, welche Schultüte, welche Materialien sollen es sein? Was jedoch häufig gar nicht bedacht wird: Kann man das alles auch nachhaltig gestalten? Der NABU gibt Tipps

Und auf einmal ist er endlich da: der erste Schultag. Für Eltern eine aufregende Zeit – es entsteht oft der Eindruck, dass der erste Schultag für sie schlimmer ist als für das Schulkind. Im Vorfeld wird oft erbittert debattiert: Welcher Schulranzen soll es sein? Wie sieht die Schultüte aus? Was darf in die Schultüte? Was jedoch häufig gar nicht bedacht wird – kann man das alles auch nachhaltiger besorgen und gestalten?

Ab und an titeln PR-Agenturen, die ein neues Produkt verkaufen wollen: „Grüner Trend im Schulbedarf“ – aber ist das wirklich so? Laut Angaben des „Blauen Engels“ besteht nur eines von zehn der gekauften Schulhefte aus 100 Prozent Recyclingpapier. Daher machen seit 2010 jedes Jahr Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt, Jury Umweltzeichen und RAL gGmbH mit der Kampagne „Schulstart mit dem Blauen Engel“ darauf aufmerksam, beim Kauf von Schulmaterial auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“ zu achten.

Tipps für den Schulbeginn

Der Ranzen
Wichtiger als das Thema Öko ist beim Ranzen für Kinder die Optik und bei Eltern, ob das Kind nicht zu schwer trägt. Und das ist auch richtig so. Wer allerdings beim Ranzen sparen möchte, kann sich die Kollektion des Vorjahres ansehen – viel billiger als die neueste Kollektion. Oder, was der Umwelt wirklich helfen würde: Einen gebrauchten Ranzen kaufen. Dieser sollte aber natürlich noch funktionstüchtig sein. Oft sind Sets auch günstiger. Da gibt es den Ranzen plus Turnbeutel plus Mäppchen zusammen. Grundsätzlich ist es ressourcenschonender, auf Langlebigkeit zu achten, damit nicht jedes Jahr was Neues gekauft werden muss. Zu überlegen, ob er dem Sprössling noch in drei Jahren gefällt und die Qualität verspricht, dass das Material so lange hält, ist der richtige Ansatz. Häufig hilft dabei ein Beratungsgespräch im Fachhandel.

 

Schulhefte
Grundsätzlich gilt: Papier, das zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wurde, belastet die Umwelt am geringsten. Das Öko-Papier von heute ist nicht mehr grau, die Tinte verläuft nicht und das Radieren fällt nicht schwerer als auf anderem Papier. Bezeichnungen wie „Aqua pro Natura“ und „Weltpark Tropenwald“, „holzfrei“ oder „chlorfrei gebleicht“ hingegen können irreführend sein. Zwar wird bei letzterem auf die Bleichung mit Chlor verzichtet, doch der Zellstoff für das Papier wird immer noch aus frischem Holz gewonnen. Bezeichnungen wie „Recyclingpapier“ und „Umweltschutzpapier“ sind nicht geschützt, daher auf Siegel wie „Blauer Engel“ achten. Kleiner Tipp: Öko-Schreibhefte sind zudem meistens günstiger.

Stifte und Co.
Natürlich gibt es auch für Malstifte eine DIN-Norm. Wenn die Norm DIN EN 71 eingehalten wird, dann sind die Schwermetalle unbedenklich. Diese europäische Norm setzt die Richtwerte für diese bei Spielzeugen fest. Allerdings zeigte der letzte Öko-Test dazu aus dem Jahr 2010, dass fast die Hälfte der getesteten Stifte mit Schadstoffen belastet war.

Ausgesprochene „Giftcocktails“ stecken in vielen Filzschreibern oder Markern, besonders aber in der Tinte von Kugelschreibern. Behörden und Schulen in Berlin dürfen solche Stifte gar nicht kaufen. Sie genügen nicht den „Ausführungsvorschriften für umweltfreundliche Beschaffung“. Filzstifte können Lösungsmittel und Konservierungsstoffe enthalten. Aber welches Kind möchte schon darauf verzichten? Dann tun es aber auch nachfüllbare Stifte auf Wasserbasis. Eine Alternative sind Bunt- und Wachsmalstifte mit Papierhülle. Lackiertes Holz ist nicht zu empfehlen, da Kinder häufig auf Stiften herum kauen und das Material dann absplittert.

Mäppchen, Radiergummi und Textmarker
Erstklässler wünschen sich oft Mäppchen aus buntem Kunststoff. Plastiktaschen sehen zwar gut aus, gehen oft aber rasch kaputt und lassen sich kaum reparieren. Langlebiger und umweltfreundlicher sind Federtaschen aus Leinen oder Leder. Und auf die Taschen lässt sich wunderbar die Eiskönigin Elsa aus dem Disney-Film „Frozen“ zeichnen oder die Mitschüler können sich dort verewigen. Als Inhalt reichen für den Anfang außer den Stiften ein Radiergummi aus Kautschuk und ein Anspitzer aus Holz oder Metall. Dabei sollte auf Qualität geachtet werden – dann halten die Anspitzer auch lange. Ein gutes Indiz ist, ob die Klinge mit einer Schraube befestigt und damit wechselbar ist.

Textmarker lassen sich ersetzen durch weiche, trockene Textmarker in Holz, die trotz leuchtender Farben das Markierte nicht verschmieren. Wer die trockenen Modelle nicht mag, findet auch eine nachfüllbare Variante. Kugelschreiber gelten nicht als Spielzeug, daher sollte man sie aus gesundheitlichen Gründen für Kinder meiden. Wenn es ein Kuli sein muss, bevorzugen Sie Qualitätsmodelle aus Holz oder Recycling-Plastik und mit nachkaufbaren Minen, bei denen ISO 12757 eine Mindestfüllmenge vorgibt. Dabei hilft auch wieder das „Blaue Engel“-Siegel für Schreibgeräte.

Trinkflasche und Co.
Häufig wird bei Trinkflaschen mit dem Hinweis „Hergestellt aus Recyclingmaterial“ geworden. Das Polyester aus alten Einweggetränkeflaschen ist besser als aus Primärfasern, aber: Einweg-PET-Getränkeflaschen sind eigentlich zu schade, um daraus Fasern zu machen. Sie sollten wieder zu Flaschen werden (siehe auch www.NABU.de/pfandschlupf). Ansonsten: Geeignet sind dünnwandige Stahlflaschen mit großer Öffnung, die gut zu reinigen sind und lange haltbar.

Nicht zu empfehlen sind Aluflaschen, Kunststofflaschen aus Polyethylen (PE), da Eigengeschmack im Wasser, oder aus Polycarbonat (PC), eventuell BPA enthalten. Nur ausgewählte Kunststoffflaschen aus Polypropylen (PP) sind zu empfehlen, da sie lebensmittelecht sind und wenig Additive enthalten sind. Glas (Emil Flasche) ist auch in Ordnung, wenn die Flasche viel genutzt wird. Bei der Brotdose sollte auch die Langlebigkeit ganz vorne stehen, beim Material ist PP oder Stahl zu empfehlen. In die Brotdose gehört kein Junk Food: Besser für die Umwelt sind regionale oder Bioprodukte und viel Obst und Gemüse.

Tipps für alte Hasen

Taschenrechner
Bei Taschenrechnern mit Solarzellen hilft ein Blick auf Modelle mit dem „Blauen Engel“. Am besten ist ein gebrauchter Taschenrechner, da die Umwelt- und Sozialstandards in der Elektroindustrie nicht sehr gut sind.

Füllfederhalter
Hier gilt: Mehrweg ist besser als Einweg. Man unterscheidet zwischen Kolbenfüllern, bei denen der Tank in den Füller integriert ist, und so genannten Konvertern, auffüllbaren Patronen, die in herkömmlichen Füllern die Einwegpatronen ersetzen. Blaue und schwarze Tinte sind unproblematisch, andere Farben können giftige Substanzen enthalten.

Tintenkiller
Auf Tintenkiller sollte verzichtet werden, denn sie enthalten giftige Inhaltsstoffe und erzeugen zudem Plastikmüll. Stattdessen einfach durchstreichen oder einen Radierer aus Kautschuk verwenden, mit dem sich auch Tintenspuren beseitigen lassen. Einige Anbieter bieten auch Korrekturflüssigkeiten auf Wasserbasis an. Muss ein Fehler wirklich „unsichtbar“ gemacht werden, empfehlen sich Korrekturbänder oder Korrekturroller, „Mäuse“ genannt.

Klebstoff
Wir sagen Nein zu lösemittelhaltigem Kleber. Für das Zusammenkleben von Papier ist zum Beispiel ein Klebestift völlig ausreichend. Viele Klebehersteller bieten mittlerweile auch Öko-Stifte an.

Wassermalfarbe
Die Malkästen sollten auswechselbare Farbnäpfe enthalten. Ist eine Farbe leer, muss nicht der komplette Kasten ausgetauscht werden. Das spart Geld und schont die Umwelt. Auch gibt es Wasserfarben auf der Basis von pflanzlichen Grundstoffen.

 

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