CumEx: Wenn die Berater anfangen zu jammern… wird es peinlich!

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Lesedauer 3 min

Für viele ist immer alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist.

Wer ist hier das Kamel?

Diese Herangehensweise ist modern geworden. Sie gilt als kreativ, dynamisch und modern. Nur ist vieles deshalb nicht ausdrücklich verboten, weil man als Gesetzgeber dachte, dass es ein oder zwei Punkte gibt, die durch Ethik, Moral und gewisse Werte sich von selbst ausschließen würden. Kurz um, dass beim Stellen der berühmten Oma-Frage, man die Antwort beispielsweise auch beim CumEx-Skandal hätte wissen müssen. Oder hätte unsere Oma CumEx- „Geschäfte“ gutgeheißen? Den organisierten und damals noch legalen aber dennoch vorsätzlichen Steuerbetrug durchgewunken? Sogar als Geschäftsmodell?

Auch der „Schummeldiesel“ bediente sich einer gesetzlichen Lücke und wurde dann perfektioniert. Das hat nun eine Reihe rechtlicher Folgen. Für den Konzern, einige Manager und ein paar Mitarbeiter. Und für die Gesellschafter, die ihr Kapital verlieren, während die Kunden zwar ihr Geld zurückbekommen aber ärgerlich sind. Zum Teil aber auch schadenfroh und opportunistisch grinsen. Zusammen mit ihren Anwälten, die eben diesen Fehler anderer zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Auch das muss mal gesagt sein.

Doch wie kommt man auf solche Ideen? Meist fängt es mit einem Gedankenspiel an, auf das man in unverhofften Momenten kommt. Und das erzählt man anderen und dann beginnt die Verfeinerungsphase. Bei CumEx ist das kompliziert. Daher wählt der Autor mal ein einfacheres Beispiel, das aber auch schon zum Denken anregt:

Ein Mann kommt in ein Hotel und möchte ein Zimmer besichtigen, um dort einzuziehen, wenn es ihm denn gefällt. Der Hotelier will aber eine Sicherungsleistung haben. Auch für die Besichtigung. 50 Euro will er. Der Besucher übergibt die 50 Euro und geht das Zimmer besichtigen.
Der Hotelier denkt sich, dass der das Zimmer sowieso nehmen wird und geht zum Geschäft gegenüber und zahlt damit eine Lieferung. Der Geschäftsmann zahlt dann sofort seinem Lehrling 50 Euro als Vorschuss auf den Lohn was der dann nutzt um Lisa zu bezahlen, deren Dienste er letzte Nacht beansprucht hatte. Die geht daraufhin zum Hotelier und zahlt ihre noch offene Zimmermiete.
Der Besucher kommt zurück und will das Zimmer nicht. Bekommt seine 50 Euro zurück und geht. –
Ende der Geschichte! Oder doch nicht? Kann es so einfach sein??
(Anm: Der Hotelier hat einen 50-Euro-Verlust!)

 

Letzte Frage berührt all die, die sich im beruflichen Stress lange genug daran erinnern können und dann vor allem die, die mit dieser Idee Geld machen wollen. Daraus ein System entwickeln. Dieses mit größeren Summen spielen wollen. Wobei natürlich der eigene Kunde am Ende gut dastehen muss. Und man selbst auch verdienen kann. Hier kommen Berater ins Spiel. Rechtsanwälte. Banken. Denn die beschäftigen Leute, die sich hauptamtlich und ganztägig mit solchen Ideen befassen können. Und auch SOLLEN!

Wenn so ein Modell dann auffliegt, es dann doch „nicht ganz koscher ist“, „wie getürkt wirkt“ und Ämter und Behörden das ganze nun „spanisch vorkommt“, dann ist Not am Mann. Besonders, wenn die Öffentlichkeit die Oma-Frage stellt und nach Luft schnappt. Moralisch entrüstet ist, was dann gern auch Politiker auf den Plan ruft. Und dann feiert die geneigte Presse plötzlich ihr neu erwachtes Interesse mit diversen Artikeln.

Dass diese nicht immer ankommen, in manchen Kanzleien Panik hochkocht sieht man an der Kanzlei Clifford Chance, wo die Büros von zwei Angestellten durchsucht worden sind. Das Handelsblatt berichtete darüber und das schien eine gewisse Ader im Hause Clifford Chance getroffen zu haben.

Top-Kanzlei Clifford Chance steckt im Sog des Steuerskandals

Anwälte aus Spitzenkanzleien zählen im Steuerskandal um Cum-Ex-Geschäfte zu den Beschuldigten. Dem Steuerchef von Clifford Chance wird sogar Strafvereitelung vorgeworfen. (Handelsblatt)

Da musste nun gegengehalten werden. Das machte dann auch Christoph Tillmanns (Marketing Direktor bei Clifford Chance) öffentlich auf LinkedIn (10.07. 23:41h und inzwischen gelöscht):
„Fällt mir schwer zu sagen, weil ich Volker Votsmeier (Reporter Handelsblatt) sehr schätze: Das @Handelsblatt will uns am Galgen sehen. Alles an diesem Artikel kommt von (gegen uns) interessierter Seite, leider ist nichts davon wahr. Doch es sind Mandate, deshalb gilt für uns Vertraulichkeit. Wer wissen will, wie es wirklich ist, spricht uns gerne an.“

Krisenmanagement vom Feinsten. Krisenkommunikation wie gelernt. Exakt so macht man das. Wann dürfen wir als um Steuern geprellte Bürger hoffen eine so geschickte, professionelle und gut durchdachte Kommunikation vielleicht auch auf Facebook mitlesen zu können?
Ist Clifford Chance nun schon so weit, dass hier der einzig rettende Anker zu sehen ist? Durch das Rumjammern in den Social Media? Oder ist das erst der Anfang einer ganz besonderen neuen Art der Krisenkommunikation, die wir noch nicht verstanden haben?

Der Steuerzahler wurde um bis zu 50 Milliarden betrogen. 50.000.000.000, die nun in einer Zeit fehlen, wo Arbeitsplätze zu hunderttausenden bedroht sind. Geschäfte schließen. Existenzen den Bach runtergehen. Sehr viele Ältere ihre 47 Beitragsjahre nicht vollbekommen werden. Altersarmut droht. Und da fängt eine Top-Kanzlei an rumzuheulen, nachdem sie ein Gedankenspiel ganz offensichtlich auf das Beratungsniveau angehoben hat? Also auf die Geschäftsebene? Für Kunden, die sich natürlich diese Beratung leisten konnten. Ergo nicht die sind, auf die nun eine brüderlich-sozialistische Anteilnahme fallen wird.

Natürlich gilt auch für Clifford Chance der Unschuldsverdacht. Und um den valide treffen zu können gab es wohl auch Durchsuchungen. Die mussten genehmigt werden. Und es musste hinreichend triftige Beweise für eben diesen Durchsuchungswunsch vorgelegt werden, damit ein Richter das genehmigt.
Es wäre also angebracht, wenn diese Kanzlei alles täte, um den Behörden zu helfen ihre Unschuld zu beweisen. Und – noch besser – auch ihre Kunden zu entlasten!

Und dann noch eines. In Zeiten wie diesen, wo es offensichtlich wird, dass Gier, fehlende Moral und Ethik im Geschäft und zügelloser Opportunismus einen Teil der Krise schon vor Corona hauptursächlich verschuldet haben, will nicht nur das Handelsblatt die Schuldigen „am Galgen sehen“, Herr Tillmanns. Das will der Bürger auch. Und zwar mit Wut im Bauch und Zorn im Herzen!

Die Römer wussten schon: Wehe dem Besiegten!

Und gerade im CumEx-Skandal möge den Besiegten die Gnade des Gottes gehören, der Feuer legt.
SIC!


Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat.

Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


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