Narzissmus und wie ich Sie als betroffener Angehöriger therapeutisch begleite

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Aus meiner Primärfamilie sind mir toxische dysfunktionale Beziehungsstrukturen vertraut: 

Erniedrigungen, auch durch das Ausüben von Macht bis hin zum Schweigen (“silent treatment“), aber auch die Gleichgültigkeit, der man ausgesetzt ist, waren stets meine Begleiter. Ich litt unter Essstörungen, einer sozialen Phobie und Antriebslosigkeit. Doch übergriffiges Verhalten und permanente Grenzüberschreitungen meiner Selbst wurden nicht entdeckt, denn narzisstischer bzw. psychischer Missbrauch bleibt oft unentdeckt. 

Wer in der Kindheit häufig beschimpft, gegängelt und entwertet wurde, wird im Erwachsenenalter eher zum Opfer dieser Art von Missbrauch.

 

Mein Partner war ein Narzisst.

Eine Klientin schilderte mir folgendes: „(…) Ich erinnere mich gut an die Zeit, in der ich glaubte, nur gut genug sein zu müssen, damit er mich endlich richtig lieben kann. Wenn ich ihn sehen wollte, musste ich ihn zuvor um einen Termin bitten. Er betrog mich offensichtlich und erklärte mir, dass es nur meine Wahrnehmung sei, die mir einen Streich spielte und wenn ich darauf beharrte, dass er mich betrog, dann schwieg er so lange, bis ich mich bei ihm entschuldigte. Manchmal bis zu drei Monate. Es passierte so schleichend, dass ich diese Veränderungen, die Abhängigkeit von ihm, gar nicht wirklich mitbekam. Und dann wiederum bombardierte er mich mit seiner Liebe, immer dann, wenn er glaubte, dass ich nicht mehr greifbar war (…)“

 

Krankhafter Narzissmus kann zerstörerisch sein. Betroffene haben einen enormen Wunsch nach Bewunderung und Aufmerksamkeit. Sie sind ständig auf Komplimente aus und halten sich für so wichtig, dass jeder sich ihnen unterordnen muss. Sie nutzen ihre Mitmenschen schamlos aus. Erfolge und Leistungen anderer werden abgewertet. Sie müssen andere kleinmachen, um sich selbst groß zu fühlen.

Einmal fragte ich ihn, warum er sich mir gegenüber so verhält, und er antwortete, ich sei erst etwas wert, wenn ich einen Titel tragen würde, so wie er einen trägt. (Er ist Diplomingenieur)

Narzissten neigen zu Wutausbrüchen und sehen in der Regel keinen Anlass, den lieben Frieden zu bewahren. Sie sind sozial unverträglich und zudem sehr extrovertiert.

Häufig leidet vor allem das Umfeld. Der Narzisst selbst, erkennt sich als solchen nicht und sieht keinen Handlungsbedarf. Die Folgen für Opfer sind nicht selten eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (KPTS: eine Dauertraumatisierung von frühester Kindheit an.), Depressionen, Angst, somatoforme Störungen, Panikattacken, Sucht, Suizidalität oder eine Co-abhängigkeit. 

 

Eine Therapie ist unumgänglich!

Meine therapeutische Arbeit besteht aus lösungs- und ressourcenorientierten Gesprächen, in denen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen erkunden, neue Sichtweisen erlangen und Lösungsstrategien entwickeln. Dysfunktionale Denkmuster werden bearbeitet, Glaubenssätze analysiert und aufgelöst. Ihr Selbstwert wird gestärkt und neue Perspektiven besprochen und erprobt. Die Beratung oder ein therapeutisches Setting findet in einem geschützten Rahmen statt. In sehr schweren Fällen unterstütze/begleite ich Sie bei der Aufgabe einer Anzeigte und der Unterbringung in einem Frauenhaus.

 

Ihre Heidi Lepies


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