Keine Angst vor Wolfsbegegnungen: PETA-Expertin klärt über Risiken auf und gibt Verhaltenstipps

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Stuttgart, 8. Juni 2021 – Friedliche Koexistenz: Immer wieder berichten Medien über Wolfsbegegnungen. Nachdem die scheuen Tiere in Deutschland durch die Jagd nahezu ausgerottet wurden, zeigen die vor rund 30 Jahren etablierten strengen Schutz-Maßnahmen erste Erfolge: Schätzungsweise 128 Wolfsrudel leben aktuell in deutschen Wäldern [1]. Wölfe sind ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur, denn sie erbeuten schwache und kranke Tiere. Jagd- und Bauernverbände schüren jedoch die Angst vor „Problemwölfen“. Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA, hat einige Wolfs-Fakten zusammengestellt und erklärt, wie sich Spazierende verhalten sollten, wenn sie einem Wolf begegnen.

„Erst durch Märchen und Geschichten ist das Bild vom ‚bösen’ Wolf entstanden, in Wirklichkeit aber sind Wölfe scheu und meiden den Menschen“, so Nadja Michler. „Wenn einige Verhaltensregeln beachtet werden, gibt es keinen Grund, sich vor den sozialen Tieren zu fürchten – ganz im Gegenteil. Sollten Menschen einem Wolf begegnen, gehören sie zu den wenigen glücklichen, die die faszinierenden Tiere zu Gesicht bekommen“.

Wolfsbegegnungen in Siedlungsnähe und Wäldern sind kein Grund zur Sorge. Bei einer Reviergröße von bis zu mehreren Hundert Quadratkilometern können Ortschaften und Höfe im Revier der Tiere liegen. Wenn Menschen tatsächlich auf einen Wolf treffen, handelt es sich in der Regel um unerfahrene Jungtiere, die interessiert und neugierig sind. Norwegische Wissenschaftler, die das Gefahrenpotential von Wölfen untersucht haben, kamen zu dem Ergebnis, dass von gesunden Wölfen für gewöhnlich keine Gefahr für den Menschen ausgeht [2].

PETA gibt Tipps:

  • Auf den Wegen bleiben: Grundsätzlich sollten Menschen respektieren, dass der Wald den Tieren gehört und sich auf den angelegten Wegen Das dient gleichzeitig der eigenen Sicherheit.
  • Hunde: Wer mit Hunden spazieren geht, sollte sie in Waldnähe grundsätzlich anleinen. Treffen Hunde alleine beispielsweise auf eine Wolfsmutter mit Welpen, werden sie womöglich verjagt oder angegriffen. Hunde, die sich angeleint in der Nähe von Menschen aufhalten, werden eher interessiert aus der Ferne beobachtet – mit ein paar Maßnahmen (siehe nächster Tipp) lassen sich Wölfe in der Regel leicht verscheuchen.
  • Genügend Abstand halten und ggf. laut bemerkbar machen: Menschen, die in Siedlungsnähe oder im Wald auf einen Wolf treffen, sollten nicht weglaufen, sondern das Tier ruhig beobachten und ihm Raum für den Rückzug geben. Wer sich unwohl fühlt, kann sich langsam aufbäumen, laut rufen und in die Hände klatschen, auch das Aufspannen eines Regenschirms kann helfen. In der Regel haben die Tiere Angst vor Menschen und treten dann den Rückzug an.
  • Tiere nicht füttern: Wölfe dürfen niemals angelockt oder gefüttert werden, damit sie sich nicht an den Menschen gewöhnen.
  • Kinder vorab informieren: Kindern kann schon früh erklärt werden, dass die Geschichte vom „bösen“ Wolf den Tieren nicht gerecht wird. Wenn sie außerdem über ein angemessenes Verhalten bei einer Wolfsbegegnung informiert werden, hilft das, Ruhe zu bewahren, sollte es tatsächlich zu einem Aufeinandertreffen kommen.
  • Sichtungen dokumentieren: Wer einen Wolf sieht, sollte das Tier, wenn möglich, unauffällig fotografieren und die Sichtung einer örtlichen Naturschutzbehörde melden. Diese behält den Überblick über die Wolfsfamilien in der Region.

Nachdem Wölfe durch die Jagd ausgerottet wurden, dauerte es über 100 Jahre, bis sich die Tiere wieder in Deutschland ansiedeln konnten. 1850 gab es letzte Hinweise auf Wolfsrudel, 1904 wurde der letzte verbliebene Wolf in Sachsen erschossen. Seit 2000 sind Wölfe wieder in Deutschland ansässig, nicht zuletzt wegen der seit 1990 bestehenden Schutzmaßnahmen.

Mittlerweile setzen sich einige Personen aus den Bereichen Jagd, Landwirtschaft und Politik – meist aus wirtschaftlichen Interessen – dafür ein, dass Wölfe ihren Schutzstatus verlieren und als jagdbare Tierart ins Jagdrecht aufgenommen werden. Die Jägerschaft begründet die Tötung von jährlich rund fünf Millionen Wildtieren unter anderem mit der Behauptung, dass natürliche Feinde wie der Wolf fehlen würden, während immer mehr Wölfe illegal oder mit Ausnahmegenehmigung von Jägern erschossen werden. Beutegreifer werden von Jagenden vielfach als Konkurrenz angesehen und verfolgt. Für Verantwortliche in landwirtschaftlichen Betrieben wiederum bedeuten Schutzmaßnahmen zusätzliche Kosten oder Mühen – und mit von Wölfen gejagten Tieren, die andernfalls gewaltsam im Schlachthaus getötet worden wären, lässt sich kein Gewinn mehr machen.

Wolfsrudel bestehen aus etwa acht Tieren, jedes Jahr bringen Wölfinnen drei bis acht Welpen zur Welt. Wolfspaare leben meist ein Leben lang zusammen, wenn die Wolfskinder erwachsen sind, suchen sie sich eigene Reviere.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] BfN (2020): Aktuelle Wolfszahlen: Bundesweit 128 Rudel bestätigt. Online abrufbar unter: https://www.bfn.de/presse/pressemitteilung.html?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=6988&cHash=2753687771ba0ef3fb2a7788a1ca5908. (07.06.2021).

[2] John D.C. Linnell, Reidar Andersen etc. (2002) “The fear of wolves: A review of wolfs attacks on humans“, NINA Norsk Institutt for Naturforskning 731: Trondheim. Online abrufbar unter: http://www.nina.no/archive/nina/PppBasePdf/oppdragsmelding/731.pdf. (07.06.2021).

 

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Woelfe-leben-lassen/

PETA.de/Neuigkeiten/Wahrheit-Wolfs-Abschuss/

PETAkids.de/Willkommen-Wolf

PETA.de/Themen/Jagd-Hintergrundwissen/

PETA Deutschland e.V. ist mit über einer Million Unterstützern die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.


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