Entwicklung der Wirtschaft in Nordhessen 2020

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Eine von der Hessen Agentur im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums erstellte Studie zeigt, dass sich die Wirtschaft in Nordhessen positiv entwickelt hat.

Unternehmen schätzen die aktuelle und die zukünftige Geschäftslage besser ein als noch im Frühjahr 2020.

Die Auswirkungen des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 waren auch in der nordhessischen Wirtschaft spürbar.

Mittlerweile ist die Wirtschaft wieder auf Erholungskurs. Aussagen darüber, wie sich die Corona-Pandemie künftig auf die Wirtschaft auswirkt, sind aktuell noch nicht möglich.

Entwicklung der Wirtschaft in Nordhessen

Im ersten Halbjahr 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Gesamthessen preisbereinigt um 6,1 Prozent geschrumpft. Die Entwicklung in Hessen verlief damit etwas günstiger als bundesweit, wo ein Rückgang von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war.

Dieser Rückgang ist auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Das größte Minus war im produzierenden Gewerbe zu verzeichnen. Am stärksten von der Krise betroffen war das Dienstleistungsgewerbe, vor allem Reisebüros, Gastronomie und Luftfahrt.

Am stärksten ging das Bruttoinlandsprodukt in Nordhessen im zweiten Quartal 2020 zurück.

Mit gut 10 Prozent war es der stärkste Rückgang in einem Quartal während der Nachkriegszeit. Ein deutlicher Anstieg um ca. 6 Prozent wird für das dritte Quartal 2020 erwartet. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor.

Die IHK Kassel-Marburg hat einen Konjunkturbericht für Nordhessen für den Herbst 2020 vorgelegt. Aufgrund des unsicheren Infektionsgeschehens durch die Corona-Pandemie ist die wirtschaftliche Lage im IHK-Bezirk Kassel-Marburg schwierig. Der Binnenmarkt ist ebenso wie der Export betroffen. Eine zügige Erholung von der Krise war in Nordhessen in der Industrie, in verschiedenen Dienstleistungsbereichen und im Handel festzustellen. Die Erholung erfolgt in kleinen Schritten. Der aktuelle Klimaindex für Nordhessen liegt bei 90,5 Punkten. So schlechte Zahlen wurden zuletzt 2008 gemeldet.

Die Lage in den einzelnen Branchen

Alle Branchen in Nordhessen müssen 2020 beim Klimaindex einen Rückgang von 16,5 Punkten verzeichnen. Die Industrie ist ein Stabilisator für die Konjunktur. Der Klimaindex liegt hier bei knapp 100 Punkten. Die Investitionsgüterproduzenten sind positiv gestimmt. Eher bescheiden sind die Aussichten für die Ge- und Verkaufsgüterproduzenten mit 82,4 Punkten. Das Gastgewerbe ist am stärksten negativ betroffen mit einem Klimaindex von 52,8 Punkten. Anfang des Jahres 2020 lag er noch bei 104,3 Punkten. Im Baugewerbe ist der Klimaindex mit 95,8 Punkten vergleichsweise gut. Im Vorjahr lag er jedoch im gleichen Zeitraum noch bei 97,3 Punkten. Der Großhandel verzeichnet aktuell einen Klimaindex von 89,6 Prozent. Er lag im Vorjahr bei 110,3 Punkten. Der Einzelhandel meldet einen Klimaindex von 97,2 Punkten. Im Vorjahr lag er noch bei 122,3 Punkten. Schlecht ist die wirtschaftliche Lage auch im Kreditgewerbe. Der aktuelle Klimaindex liegt bei 60,2 Punkten. Das ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr mit 53,5 Punkten eine Verbesserung.

Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Nordhessen

Die Arbeitslosenquoten in Nordhessen haben sich weitgehend homogen entwickelt. Sie sind niedriger als im Bundesdurchschnitt und sehen folgendermaßen aus:
– Regierungsbezirk Darmstadt 6,4 Prozent
– Regierungsbezirk Gießen 7,5 Prozent
– Regierungsbezirk Kassel 9,7 Prozent

Aussicht auf die weitere Entwicklung

Einer Umfrage der IHK Wiesbaden zufolge haben sich die Geschäftserwartungen für Hessen seit dem Frühsommer 2020 verbessert. Von den befragten 450 Unternehmen haben 23 Prozent positive Geschäftserwartungen, während 53 Prozent von gleichbleibenden Geschäftserwartungen ausgehen und nur 24 Prozent mit schlechteren Aussichten rechnen.
In Nordhessen unterscheiden sich die weiteren Aussichten deutlich, abhängig von den verschiedenen Branchen:
– Industrie mit aktuell schlechter Geschäftslage, aber guten Erwartungen sowie schlechten Investitionsplänen
– Bau mit guter Geschäftslage, aber schlechten Erwartungen und schlechten Investitionsplänen
– Handel mit guter Geschäftslage, schlechten Erwartungen und schlechten Investitionsplänen
– Dienstleistungen mit schlechter Geschäftslage, schlechten Erwartungen und schlechten Investitionsplänen
Außerordentlich schlecht sieht die Lage auch im Verkehrsgewerbe aus. Auch die Aussichten für die Zukunft sind negativ.
Die Beschäftigungspläne für die Zukunft sehen für alle Branchen schlecht aus.

 

Digitalisierung und technischer Fortschritt in Zeiten von Corona

Digitalisierung kann nicht in allen Unternehmen gleich erfolgen, da die Voraussetzungen, Anforderungen und Prozesse oft sehr unterschiedlich sind.

Daher kann Digitalisierung vom digitalen Ablegen von Unterlagen, Rechnungs- & Angebotserstellung ohne gedrucktes Papier auskommt über cloudbasiertes Arbeiten bis hin zur Einführung einer kompletten ERP-Lösung gehen.

Unternehmen sollten sich daher gut überlegen, welche Prozesse optimiert werden müssen, um effizient zu arbeiten.

Natürlich spielen auch verfügbare Zeit und Budget eine große Rolle, die Einführung einer neuen Software oder die Umstellung eines langen, etablierten Prozesses passiert nicht über Nacht. Eine sorgfältige Vorbereitung ist daher unabdingbar.

Die Automobilbranche, in Nordhessen etwa vertreten durch die Volkswagen AG mit einem großen Werk in Kassel/Baunatal, der Daimler Chrysler AG oder Mercedes Benz, sollte sich auf Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität konzentrieren. „Ein Großteil der Unternehmen befindet sich unter einem enormen Anpassungs- und Innovationsdruck“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, dem „Handelsblatt“.

Fazit: Erholungskurs der Wirtschaft in Nordhessen ist fragil

Im Gegensatz zur bundesweiten Entwicklung hat sich die Wirtschaft in Nordhessen schwach positiv entwickelt. Die schlechteste Entwicklung war im zweiten Quartal 2020 zu verzeichnen, während im dritten Quartal wieder eine leichte Erholung eingetreten ist. Am besten ist die wirtschaftliche Lage gegenwärtig in der Industrie, im Baugewerbe und im Handel, während sie in der Gastronomie und in verschiedenen anderen Dienstleistungsbereichen schlecht ist.

Die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die nordhessische Wirtschaft im Allgemeinen lassen sich noch nicht einschätzen.

 


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