Bundeswehr: EPA alias Einmannpackung wird umbenannt

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Millionen von Wehrpflichtigen kennen dieses Spitzenprodukt kulinarischer Exzesse, die ihnen der Dienstherr in den Variationen Typ I bis VI hat zukommen lassen. Bei einigen mögen da nostalgische Gefühle hochkommen, bei anderen eher das Gefühl, dass Wertschätzung des Dienstherren für die eigenen Bedürfnisse anders aussehen könnte.

„Die Einmannpackung“, kurz EPA, war wenig geliebt und oft als Ernährungsgrundlage abseits von Kantine und Feldküche gefürchtet. Die Rezepturen enthielten alles, was gemäß diverser Versuche, Meinungen und medizinischem Sachverstand ein Soldat pro Tag an Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen brauchen würde. Das mochte objektiv stimmen, nur war die Masse aller Konsumenten (gern als Bedarfsträger bezeichnet) der Meinung, dass der so gezeigte Sachverstand am wirklichen Bedarf vorbeigeplant worden wäre. Am Geschmack sowieso, denn der war oft kaum existent oder zumindest dann nicht mehr dem Gericht zuzuordnen gewesen.

Das könnte an der Lagerungsdauer gelegen haben. Denn das, was da ausgeteilt wurde um ein Manöver zu bereichern, war oft an der Verfallsgrenze. Es machte ja auch keinen Sinn die neu beschafften EPAs zu verteilen, wenn es ältere gab, die sonst weggeworfen werden müssten.
Die Truppenküchen waren wahre Meister darin Altbestände aufzupeppen und ihren Kameraden so unterzujubeln, dass es fast nie auffiel.

Die Einmannpackung wurde so zur Bw-Legende. Zu einem sattsam bekannten aber notwendigen Übel abseits all dessen, was wir selbst ungeliebten Gästen zumuten würden. EPAs waren nicht schlecht, im internationalem Vergleich sogar besser als der Durchschnitt, erreichten aber nie italienische Verhältnisse oder die Auswahl der US-Streitkräfte. Aber als Tauschobjekt war es gern gesehen. Nach ein oder zwei Wochen schmeckte halt alles besser als der eigene „EPA-Fraß“. Und so konsumierte man das, was andere Kameraden als Fraß ansahen. Das klappte ganz gut.

Nun soll es Änderungen geben. Nicht was die Zusammensetzung angeht, die ist ja hinreichend optimiert, so der Verwaltungs- und Beschaffungsglaube abseits der Möglichkeit das einmal selbst drei Wochen und ausschließlich zu testen.

Nee, der Name passt nicht mehr. „Einmannpackung“ trifft nicht mehr den Personaldurchschnitt der Bundeswehr, der nun auch von Frauen gestellt ist. Daher ist es opportun die Gleichstellung auch hier zur Anwendung zu bringen. Den Soldaten*innen hätte es durchaus gereicht den Geschmack zumindest auf McDoof-Niveau anzuheben, aber diese verbale Angleichung war vermutlich wieder billiger als jeder andere Gedanke etwas besser zu machen.

Jetzt, nachdem das Problem erkannt ist, sucht man händeringend (händchenringend…) nach einer neuen Bezeichnung für einen Soldat*innen-Fraß mit alten Geschmack. 

Um es den Helden und Genies einfacher zu machen schlägt die Redaktion EIN-MENSCH-PACK vor. Das ist so neutral wie es nur sein kann. Sonst versucht sich nämlich in zwei Jahren der nächste Kandidat für einen goldenen Stern in der Frage, ob auch alle Geschlechter damals berücksichtigt wurden… Auch würde die Bezeichnung EPA erhalten bleiben können.

Der Autor selbst ist nach wie vor von den Panzerkeksen begeistert: Bricht der Zahn warst Du zu weich! 

Ansonsten bleibt zu hoffen, dass sich die Bundeswehr auch allen anderen drängenden Problemen so dringlich annimmt, wie dieser ach so notwendige Änderung, die die Einsatzbereitschaft förmlich in den Himmel zu katapultieren vermag.

Kameraden, wir wünschen weiter guten Appetit!SIC!


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