Selenskijs letzte Chance: Wie Kiew den ukrainischen “Volkssturm” aufstellt

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[av_heading heading=’Das ukrainische Militär erleidet riesige Verluste bei der Gegenoffensive. Der Bedarf nach Personal wächst, Reserven reichen nicht aus. Immer weniger Ukrainer wollen eine Fortsetzung des Konflikts, und Freiwillige für die Front sind schlicht nicht mehr übrig. Freilich hält all das Selenskij nicht auf. Die kommende Mobilmachung wird jeden betreffen. ‘

Von Wiktor Schdanow Die neue Welle In erster Linie werden Bewohner der Gebiete Tschernigow, Sumy, Dnjepropetrowsk, Odessa, Saporoschje, Charkow und Nikolajew eingezogen. Diese Angaben veröffentlichte die ukrainische Hackergruppe “Beregini”. Die Wahl der Regionen erklärt sich durch ihre Nähe zu Russland. Kiew rechnet damit, nach dem Scheitern der Gegenoffensive die Kontrolle über diese Gebiete zu verlieren, und will einen maximalen Nutzen aus ihnen ziehen. Alle Unternehmen sowie Hochschulen stellen Rekrutenlisten auf. Lokale Medien berichten unter Verweis auf Quellen im Präsidialamt, dass der ukrainische Generalstab für die Frühlingsoffensive 200.000 Menschen bis Ende des Jahres und weitere 300.000 im kommenden Winter fordert. Bisher rekrutierten regionale Musterungsbehörden etwa 7.000 bis 9.000 Menschen pro Monat. Dies reicht nicht einmal, um die Verluste auszugleichen. “Wie Selenskij ankündigte, wird die Mobilmachung auf Kosten der Jugend im Alter über 20 Jahren durchgeführt. Er kündigte auch eine Mobilmachung von Menschen mit Behinderungen an und behauptete, dass gesundheitliche Einschränkungen nicht helfen werden. Auch die ältere Bevölkerung im Alter von 45 bis 65 Jahren wird einberufen. Es gab bereits Fälle, in denen 70-Jährige in den Reihen des ukrainischen Militärs landeten. Eine halbe Million gesunder Männer bis zum Frühling einzuziehen, ist praktisch unmöglich. Das wird keine Armee sein, sondern so etwas wie der deutsche Volkssturm”, erklärt der Militärexperte Juri Knutow in einem Gespräch mit RIA Nowosti. Nach Angaben einer gemeinsamen Studie des Fonds “Demokratische Initiativen” namens Ilko Kutscherow und des Rasumkow-Zentrums befürworten hingegen 41,5 Prozent der Ukrainer eine Fortsetzung des Konflikts um jeden Preis. Unter diesen wohnen 47,6 Prozent in den westlichen Gebieten der Ukraine und nur 33,8 Prozent in den östlichen. Doch freiwillig an die Front gehen will niemand.

Der mobilisierte Osten “Vorwiegend erfolgt die Mobilmachung in russischsprachigen Gebieten. Im Grunde ist es ein Genozid – die russischsprachige Bevölkerung wird unter dem Vorwand des Konflikts vernichtet. Doch inzwischen ist Kiew gezwungen, auch Bewohner der Westukraine einzuberufen. Diese haben allerdings enge Verbindungen zu Polen. Die Kanäle für eine Flucht ins Ausland sind eingerichtet”, berichtet Knutow. Während des ersten Quartals 2023 musste das Gebiet Odessa dem ukrainischen Militär 24.000 Rekruten stellen. Im Januar wurden nach geleakten Angaben der lokalen Musterungsbehörde nur 400 eingezogen. Die Musterungsbehörden griffen zu Gewaltmaßnahmen und veranstalteten Razzien auf alle Männer der Region. Nach Schätzungen lokaler Telegramkanäle wurden dort im Laufe eines halben Jahres 150.000 Menschen mobilisiert. In den von Kiew kontrollierten Teilen der Gebiete Cherson und Charkow erging der Befehl, jeweils 15.000 und 20.000 “Kollaborateure” einzuziehen. Diesen Plan hatte der Beauftragte des russischen Außenministeriums für Angelegenheiten der Verbrechen Kiews, Rodion Miroschnik, im Dezember bestätigt. Wer sich als nicht loyal erwies, wurde mit Gefängnis oder Vergeltung gegen Angehörige bedroht. Dadurch wurden zehntausende Menschen in Dokumenten als Freiwillige verzeichnet. In den Gebieten Sumy, Tschernigow und Charkow wurden nach dem Rückzug der russischen Streitkräfte diejenigen mobilisiert, die in den ersten zwei Wellen der Mobilmachung nicht eingezogen wurden. Anfang August wurden westukrainische Rekrutierungsbeamte nach Charkow geschickt. Eine operative Gruppe ukrainischer Offiziere sollte die “Ineffizienz” der lokalen Musterungsbehörden aufklären. Im Juni schlug der Rekrutierungsbeamte Wladimir Arap vor, Übersetzerinnen zur Arbeit mit NATO-Ausbildern einzuberufen. Auch unter Medizinerinnen wächst zunehmend die Unruhe wegen Gerüchten über eine baldige Mobilmachung. Aus den Einwohnern Charkows werden ganze Bataillone aufgestellt, die bei der Gegenoffensive aufgerieben werden. Viele Bewohner des Gebiets kämpften in der 92. separaten mechanisierten Brigade. Wegen der hohen Verluste existiert der Verband inzwischen nicht mehr.

Besondere Verhältnisse im Westen

Zuvor wurden die Bewohner der westlichen Regionen als ideologisch konform und loyal gegenüber dem Regime geschont. Von dort aus gingen nationalistisch aufgeladene Militante an die Front, eine flächendeckende Mobilmachung wurde aber vermieden. Die erforderliche Norm wurde durch Freiwillige gedeckt. Nun ist alles anders. Im Frühling 2023 war das Gebiet Lwow führend bei der Mobilmachung, indem es den Plan um fünf Prozent übererfüllte. Dabei sagte der Chef der lokalen Musterungsbehörde, dass nur 20 Prozent der Einberufenen freiwillig erschienen. Der Großteil sei mit Gewalt eingezogen worden. Der Autor eines russischen Portals hat nachgezählt, dass im Gebiet Lwow seit Februar vergangenen Jahres etwa 140.000 Menschen eingezogen wurden. Im benachbarten Gebiet Wolhynien wurden 2.000 Menschen mehr mobilisiert. Oft werden diese Rekruten für Arbeiten im Hinterland eingesetzt. So repariert die Lwower 103. Territorialverteidigungsbrigade Straßen bei Charkow, statt an die Front geschickt zu werden. Zum Testgelände für Neuerungen wurde Iwano-Frankowsk. Im Juni veröffentlichte die städtische Musterungsbehörde den Befehl über die allgemeine Mobilmachung. Neben anderen Maßnahmen müssen alle Männer bei der Musterungsbehörde erscheinen. Später folgten Tschernowzy und Kiew diesem Beispiel. Überall werden medizinische Atteste revidiert und Akten der Menschen, die einen Aufschub bekamen oder ausgemustert wurden, neu geprüft. Festgemachte Zuwiderhandelnde werden mobilisiert. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration leben 863.000 Binnenflüchtlinge in den westlichen Gebieten der Ukraine. Gemäß offiziellen Daten, die noch während der ersten Mobilisierungswelle veröffentlicht wurden, sind etwa 20 Prozent der Eingezogenen Geflüchtete aus dem Osten und Südosten des Landes. Wer versucht, ins Ausland zu fliehen, wird ebenfalls eingezogen, falls er ergriffen wird.

Niemand will sterben

Witali Lewtschuk, der vor der ukrainischen Mobilmachung nach Europa geflohen ist, berichtet, wer zurzeit eingezogen wird. “Zu Beginn der Militäroperation wurden Ostukrainer in größerem Umfang eingezogen als Westukrainer. Das geschah vorsätzlich, um durch den Tod der Mobilisierten den Bewohnern der Region Hass auf Russland beizubringen. Sie wurden direkt in den Fleischwolf geworfen. Später erschöpften sich dort die Ressourcen”, erklärt er in einem Gespräch mit RIA Nowosti. Inzwischen werden Einberufungsbescheide massenhaft in der gesamten Ukraine ausgehändigt. “Nicht nur in Odessa sind ernsthafte Bürgerrechtsverletzungen zu beobachten. Beispielsweise in Iwano-Frankowsk passiert dies ständig. Es gibt eine Gesetzmäßigkeit: Je weiter eine Region vom Zentrum entfernt ist, desto größer die Willkür. In Kiew ist sie am geringsten”, bemerkt Lewtschuk. Der Anteil der Westukrainer, die an die Front gehen möchten, ist drastisch zurückgegangen. “Sehr viele gesunde und zahlungskräftige junge Menschen gingen nach Kanada, in die USA und Europa. Von dort aus unterstützen sie das Kiewer Regime. Wer kein Geld hat, versteckt sich und nutzt Schlupflöcher. Beispielsweise heiraten sie Menschen mit Behinderungen. Viele kauften sich ihre Ausschließungsscheine, die jetzt auf Echtheit überprüft werden”, sagt Lewtschuk. Selbst nationale Bataillone, die früher durch freiwillige Radikale aus westlichen Gebieten verstärkt wurden, sind inzwischen gezwungen, landesweit Menschen mit fragwürdiger Kampffähigkeit zu rekrutieren. “Sie werden sogar durch Alkoholiker verstärkt, die mit angezogener Schutzweste nicht laufen können. Trinksüchtige, Menschen mit einer Sehschwäche von minus zehn, HIV-Infizierte können ganz einfach einberufen werden, wenn sie sich nicht zu stark widersetzen.” Diejenigen, die sich während der ersten Mobilisierungswelle freiwillig meldeten, verweigern inzwischen den Dienst. Es sei besser, wegen Befehlsverweigerung vor ein Militärgericht gestellt zu werden, als umzukommen. Einer von Lewtschuks Bekannten hatte sich freiwillig zur Territorialverteidigung gemeldet. Nach einer schweren Verwundung und Rehabilitation wurde er unter Zwang einberufen, doch der Wunsch, zu kämpfen, war verschwunden. Nun versteckt er sich bei Verwandten.

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