Impfung in der Apotheke: Ärzte sehen zu viele Risiken

 

Ob Grippeimpfung oder Schutz gegen Covid-19: Modellprojekte zur Impfung in der Apotheke laufen oder sind in Planung. Nach Meinung der Apothekerverbände können Impfungen durch Apotheker schon bald verstärkt Ärzte entlasten und zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beitragen. Doch wie stehen die Arztpraxen zu dieser Entwicklung? Der Ärztenachrichtendienst (änd) fragte bei den Mediziner nach – und die Antwort war deutlich: 91 Prozent der über 1.000 befragten Haus- und Fachärzte lehnen eine Impfung in der Apotheke kategorisch ab.

Die Apotheker seien medizinisch nicht für diese Tätigkeit ausgebildet. Sie setze schließlich voraus, dass Indikationen und Kontraindikationen korrekt bewertet werden können, argumentieren die befragten Ärzte in den Freitextantworten. Apotheker seien im Extremfall auch nicht in der Lage, bei unerwartet auftretenden Komplikationen – zum Beispiel schweren allergischen Reaktion – medizinisch angemessen zu handeln. Das Impfen sei eine grundlegend ärztliche Aufgabe, so der Tenor der Antworten. Interessanterweise sind Kommentare zum möglichen Honorarverlust praktisch nicht zu finden: Finanziell ist das Impfen für die Niedergelassenen inzwischen offenbar kein großer Faktor mehr.

Die wenigen Befürworter (9 Prozent) entsprechender Angebote in Apotheken sehen in der Impfung hingegen „kein Hexenwerk“, weshalb auch anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen einbezogen werden könnten – es müsse dann jedoch auch Notfallpläne und den schnellen Draht zum Arzt geben. In strukturschwachen Gegenden könnten impfende Apotheker die wenigen vorhabenden Ärzte unterstützen und zum Aufbau eines niederschwelligen Impfangebots beitragen. In anderen Ländern funktioniere das ebenfalls.

Interessant auch: Immerhin 17 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass Ihnen schon eine oder mehrere Apotheken in der Umgebung bekannt seien, die den Kunden ein Impfangebot machten. Die Mehrheit beobachtet solche Entwicklungen im Umfeld der eigenen Praxis also bislang noch nicht.

Im Rahmen der Diskussion über impfende Apotheker wird derzeit auch wieder die Forderung nach einem erweiterten Dispensierrecht für Ärzte von Verbänden aufgegriffen. Dies würde bedeuten, dass Ärzte beispielsweise Patienten im ambulanten Bereitschaftsdienst direkt eine erste Notfall-Medikation mitgeben könnten – ohne dass der Patient dafür extra eine Notdienst-Apotheke aufsuchen müsste. Wären die Niedergelassenen für eine solche Regelung? Mehrheitlich ist das der Fall: 66 Prozent der befragten Ärzte stehen nach eigenem Bekunden hinter der Forderung. 20 Prozent halten ein erweitertes Dispensierrecht nicht für nötig, 14 Prozent haben zu dem Thema noch keine Meinung.

 

OV von Ärztenachrichtendienst Verlags-AG (änd)

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