Wenn der Wilde Westen mit dem Skateboard kommt – und die Polizei nicht mit Platzpatronen antwortet.
Kassel, Auedamm, 20. Mai. Ein lauer Abend, die Sonne steht tief, das Leben flaniert – und plötzlich reitet ein Cowboy ein. Nicht auf einem Pferd, sondern – wir schreiben schließlich 2025 – auf einem Skateboard. Im Cowboyhut, mit dem Colt in der Hand. Oder besser gesagt: mit einer täuschend echten Softair-Pistole, die für den unbedarften Betrachter (und auch für erfahrene Polizisten) aussieht wie die kleine Schwester der Glock 17.
Der 37-jährige Möchtegern-Marshal ballert munter herum. Erst am Auedamm – da geht der erste Alarm ein –, später dann im Skatepark Giesenallee, wo er sich dem sportlichen Schießen auf Dosen hingibt. Wer’s braucht. Doch die Idylle kippt, als ein 21-jähriger Passant genug hat von dem Showdown und den Hobbycowboy zur Rede stellt. Wortgefecht, Körperkontakt, dann Pfefferspray. Wer wen zuerst erwischt hat, ist noch offen – was bleibt, ist die Eskalation.
Nun wird’s kurios: Unser Revolverheld wählt selbst den Notruf. Er sei, so sagt er, das Opfer. Als die Polizei anrückt, ist der angebliche Geschädigte schnell als der gesuchte Schütze identifiziert. Denn eins ist klar: Wer in der Öffentlichkeit mit einer täuschend echten Waffe herumfuchtelt, kann nicht erwarten, dass man ihm für seine Reitkünste applaudiert.
Und jetzt kommt der eigentlich ernste Teil dieser Posse:
So ein Cowboy-Fantasieausflug ist kein harmloses Rollenspiel. Denn egal wie „soft“ eine Softair-Waffe auch sein mag – sie sieht aus wie eine echte. Und für Polizistinnen und Polizisten, die zu einer Schussmeldung ausrücken, zählt in dieser Situation nur eines: die Gefahrenlage. Wenn dann jemand mit einer Waffe in der Hand steht – und vielleicht auch noch eine falsche Bewegung macht –, kann das ganz schnell tödlich enden. Denn Spoiler: Die Polizei schießt nicht mit Softair.
Wer meint, sein Kindheitstrauma vom verpassten Sheriff-Posten jetzt im Skatepark nachspielen zu müssen, sollte sich klar machen, was auf dem Spiel steht: das eigene Leben. So eine Szene kann in Sekunden eskalieren – und da bleibt keine Zeit für Ratespiele à la „Ist das jetzt Plastik oder echt?“.
Jetzt ermittelt die Polizei – gegen den 37-jährigen Waffenträger wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Auch gegen den 21-Jährigen wird geprüft. Beide dürfen sich nun auf echte Post von der Staatsanwaltschaft freuen. Ob da ein Sternchen für gutes Rollenspiel dabei ist, darf bezweifelt werden.
Fazit?
Cowboy spielen ist okay – aber bitte im Kinderzimmer. In der echten Welt ist der Grat zwischen Fantasy und Fatalität dünn. Und wenn Blaulicht am Horizont aufzieht, sollte man besser keine Waffe mehr in der Hand haben – egal wie sehr man sich wie Clint Eastwood fühlt.