Zu Tisch für die Ernährungswende

 

Zum Welternährungstag appelliert die Umweltschutzorganisation WWF, kommende Koalitionsverhandlungen zum Einstieg in eine sozial gerechte, gesunde und umweltverträgliche Ernährungspolitik zu nutzen. „Deutschland ist Mitverursacher der globalen Ernährungskrise. Wer Regierungsverantwortung übernehmen und vom Reden ins Handeln kommen will, muss unser Ernährungssystem von Grund auf anders, neu und nachhaltig gestalten. Es braucht ein ernährungspolitisches Gesamtkonzept, das heimische und internationale landwirtschaftliche Produktion, Agrar-Lieferketten und Ernährung zusammendenkt”, sagt Rolf Sommer, Leiter des Bereichs Landwirtschaft und Landnutzung beim WWF Deutschland.

Der WWF wirbt für eine Ernährungsstrategie, deren Maßstab neben gesundheitlichen, sozialen und tierethischen Aspekten auch die ökologischen Grenzen der Erde sind und die das gesamte System vom Acker bis zum Teller betrachtet. Notwendig ist dafür ein klares Bekenntnis zu einer agrarökologisch ausgerichteten Transformation der landwirtschaftlichen Produktion, inklusive der Unterstützung von Ländern des globalen Südens durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, zum Beispiel im Rahmen einer Fortsetzung der Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Ein weitreichenderes Lieferkettengesetz, das entlang der gesamten Lieferkette aller Unternehmen neben Menschenrechten auch die Umwelt adressiert, vervollständigt diese Bemühungen.

„Derzeit sind auf Kosten von Menschen und Natur erzeugte Lebensmittel oftmals günstiger als faire und umweltfreundlichere. Nachhaltige und gesunde Ernährung wird dadurch auch zu einer sozialen Frage. Das muss sich schleunigst ändern“, sagt Rolf Sommer. Dazu solle die Bundesregierung ab 2023 eine Lenkungssteuer für tierische Lebensmittel einführen, die sich an Nachhaltigkeitskriterien orientiert und Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft weniger belastet. 

Über 800 Millionen Menschen leiden weltweit immer noch unter chronischem Hunger und Mangelernährung. Zwei Milliarden Menschen sind übergewichtig oder

fettleibig. Gleichzeitig verschärfen die Folgen der Erderhitzung und der Schwund an biologischer Vielfalt die Ernährungslage weltweit. Und die Art und Weise, wie auf der Welt Nahrungsmittel erzeugt und verteilt werden befeuert wiederum die akute weltweite Klima- und Biodiversitätskrise, so der WWF.

Die globalen Folgen der bundesdeutschen Ernährung:

Für die derzeitigen bundesdeutschen Ernährungsgewohnheiten belegt Deutschland landwirtschaftliche Fläche in anderen Regionen dieser Erde. So werden 17 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche, die wir in Deutschland für unsere Nachfrage nach Lebensmitteln benötigen, allein durch Soja-Anbauflächen in den USA, Brasilien und Argentinien in Anspruch genommen. Das entspricht mit 2,84 Mio. Hektar ungefähr der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern. 96 Prozent der Flächen werden für die Erzeugung von Sojaschrot als Futtermittel zur Erzeugung tierischer Produkte, wie zum Beispiel Fleisch oder Milch, benötigt.

Der bundesdeutsche Verbrauch von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst und Käse verursacht außerdem rund 70 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen. Halbiert sich der Fleischkonsum aller Deutschen auf im Schnitt 470 Gramm pro Woche und essen sie mehr Hülsenfrüchte und Nüsse, dann stoßen sie jährlich 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger aus. Das entspricht fast den gesamten Emissionen der deutschen Landwirtschaft (66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Gleichzeitig sinkt damit auch Deutschlands derzeitiger ernährungsbedingter Bedarf an Fläche um fast drei Millionen Hektar. Das ist in etwa die Größe Brandenburgs. Noch höhere Einsparungen sind laut WWF bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung möglich.

 

OV von WWF Deutschland

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