WWF – Das Mittelmeer: Plastik-Müllkippe Europas? Teil 2

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1. Viel Müll im Alltag

Einige der Mittelmeerländer wie Frankreich, Italien und Spanien, aber auch Malta und Zypern gehören zu den europäischen Spitzenreitern bei der Müllproduktion. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren bereits viel getan, aber noch immer ist Plastik in den meisten mediterranen Ländern allgegenwärtig. Besonders problematisch sind Einwegverpackungen, die nach Benutzung direkt in der Mülltonne landen. Allein in Italien werden jeden Tag 32 Millionen Plastikflaschen benutzt – das ist europaweiter Rekord.
Dazu kommt: Das Abfallsystem ist in vielen dieser Länder mangelhaft. So landet zum Beispiel in Italien, Frankreich und Spanien noch immer die Hälfte allen Plastikmülls auf Deponien. Von dort aus können Makroplastik-Teile durch natürliche Einflüsse wie Wind oder Regen zum Meer gelangen. Dazu kommen Mikroplastik-Partikel aus Kosmetikprodukten wie Duschgels oder Zahnpasta oder kleine Teile, die sich beim Waschen von Kunststofftextilien ablösen. All das spült mit dem Abwasser ins Meer hinein

 

2. Mehr Müll durch Massentourismus

Der Tourismus am Mittelmeer boomt: Mehr als 320 Millionen Menschen besuchen die Region pro Jahr, Tendenz steigend. Und auch die Kreuzfahrtindustrie hat die Destination für sich entdeckt. Inzwischen ist das Mittelmeer das zweitbeliebteste Kreuzfahrtziel nach der Karibik. Und mit der wachsenden Zahl der Urlauber wachsen auch die Müllberge. Allein in den Sommermonaten gelangen rund 40 Prozent mehr Abfälle ins Meer.
Ob aus den Ferienunterkünften und Hotels oder durch Aktivitäten am Strand und im Wasser: Jedes Feuerzeug, jeder Plastikbecher und jeder Strohhalm, der im Sand liegen bleibt, landet irgendwann im Meer. Auch zahllose PET-Flaschen oder Lebensmittelverpackungen bleiben am Strand oder gehen bei Bootsausflügen verloren. So hinterlässt der Tourismus seine hässlichen Spuren. Gerade in der Nähe beliebter Badeorte vermüllen ganze Küstenabschnitte. Die betroffenen Regionen leiden doppelt: Sind die Strände verdreckt, bleiben die Touristen und damit die Einnahmen aus. Gleichzeitig sind die Kosten für Säuberungsaktionen enorm. Die südfranzösische Stadt Nizza zum Beispiel investiert jedes Jahr rund 2 Millionen Euro in die Reinigung ihrer Strände.

 

3. Bedrohung für den Menschen

Über die Fische und Meeresfrüchte gelangt das Plastik auch auf den Teller vieler Menschen. Noch ist nicht ausreichend untersucht, welche Bedeutung Mikroplastik bei der Aufnahme von Schadstoffen hat und wie es sich auf den menschlichen Körper auswirkt.
Forscher schätzen, dass Konsumenten von Schalentieren aus dem Mittelmeer bis zu 11.000 Mikroplastik-Partikel pro Jahr zu sich nehmen. Und das ist bedenklich: Denn das Plastik kann Giftstoffe enthalten. Diese werden zum Teil schon während der Produktion des Materials hinzugefügt oder im Laufe der Zeit aus dem Meereswasser absorbiert. Die Plastikteile wirken dabei wie ein Gift-Magnet: Schädliche Stoffe wie Chemikalien können sich massenhaft an das Material anlagern. Später werden sie im Körper von Tieren oder Menschen freigesetzt.
Und nicht zuletzt kann Plastik auch ein Nährboden für schädliche Organismen sein. Mikro-Organismen wie Krankheitserreger können sich auf den Kunststoffteilen ansiedeln. Das kann die bestehende Artenvielfalt im Meer gefährden. Durch Kontakt oder Nahrungsaufnahme kann das aber auch zur Bedrohung für den Menschen werden. Ein großes Problem, gerade im Mittelmeer, denn hier wurden so hohe Konzentrationen von Mikroorganismen auf Plastik nachgewiesen wie nirgends sonst.

 

 

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