Woher kommt eigentlich der Strandkorb?

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An den Stränden der Nord- und Ostsee ist er nicht mehr wegzudenken. Er schützt vor Wind, Sonne, Regen sowie Sandflug und ist je nach Ausstattung mehr oder weniger komfortabel ausgerüstet. Der Nutzer profitiert von Fußkästen, Markisen und Klapptischen, um den Tag am Strand so bequem wie möglich zu verbringen.

Die Ursprünge des Strandkorbes gehen auf das Ende des 16. Jahrhunderts zurück. Heute steht er nicht mehr nur an den deutschen Meeresküsten. Er dringt als Allrounder unter den Outdoormöbeln auch im Binnenland Schritt für Schritt in Gärten, Veranden und auf Balkone vor. Wie so oft bei bahnbrechenden Erfindungen dauerte es seine Zeit, bis das Potenzial des Strandkorbes erkannt wurde.

1882 – die Geschichte des Strandkorbes beginnt

Überdachte, geflochtene Weidensessel sind schon seit einigen Jahrhunderten bekannt. Sie fanden u. a. in der Zunftordnung Hamburg von 1595 Erwähnung. Die Möbel dienten in den großen, kalten Wohnräumen der Bürger- und Bauernhäuser zum Schutz vor Zugluft.

Mit der Gründung der ersten Seebäder wie Heiligendamm an der Ostsee und Norderney an der Nordsee hielt eine Badekultur mit medizinischem Hintergrund an deutschen Küsten Einzug. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam den Küstenorten dann vermehrt eine touristische Bedeutung zu. Strandhütten und Zelte in verschiedenen Größen übernahmen damals die Schutzfunktion gegen die Auswirkungen einer rauen See. 1882 machte dann die Erfindung des Rostocker Hof-Korbmachers Wilhelm Bartelmann (1845-1930) von sich reden.

Wilhelm Bartelmann als Erfinder des Strandkorbes

Im Frühjahr des besagten Jahres wurde Bartelmann von einer adeligen Dame aufgesucht, die unter chronischem Rheuma litt. Die Krankheit verleidete ihr die heiß geliebten Strandaufenthalte. Sie brachte ihr Bedürfnis nach einem Sitzmöbel zum Ausdruck, welches gleichzeitig vor Wind und Sonne schützt.

So setzte der Korbmacher des kaiserlichen Hofes die Vorstellung der Dame in die Tat um und flocht aus Rohr und Weiden den ersten Strandkorb, damals noch ein Einsitzer. Die ungewohnte Sitzgelegenheit erweckte unter vielen Badegästen Neugier und schon bald bekam die Werkstatt Bartelmanns weitere Aufträge.

Die Beliebtheit wuchs weiter an

Durchschlagenden Erfolg hatte die Geschäftsidee von Elisabeth, der rührigen Gattin des Erfinders. Sie ging davon aus, dass sich saisonale Artikel eher vermieten denn verkaufen lassen. Unter ihrer Ägide gründeten die Bartelmanns 1883 in der Nähe des Leuchtturmes von Warnemünde die erste Strandkorbvermietung der Welt. Diese trug entscheidend zum Geschäftserfolg des Unternehmens bei.

Schon bald begann Bartelmann, den ersten Zweisitzer zu produzieren. Er stattete die Modelle mit Markisen, Fußstützen und Seitentischen aus. Bis zur Jahrhundertwende eröffnete das inzwischen zum Familienunternehmen gereifte Geschäft sechs weitere Standorte u. a. in Kühlungsborn, Müritz und Graal an der Ostsee und breitete sich zur Nordsee hin aus.

Kein Patent angemeldet

 

Der Erfinder selbst sah sich eher als Handwerker, wurden die Strandkörbe bis dato doch ausschließlich in Handarbeit gefertigt. Deshalb versäumte er es, seine Erfindung zum Patent anzumelden. So ist es ein früherer Mitarbeiter des Meisters, Johann Falck, gewesen, der die Technik um eine klappbare Rückenlehne erweiterte und im Jahre 1897 die erste Strandkorbfabrik gründete. Er war es, der in den folgenden Jahren zu Reichtum gelangte und die gesamte Ostsee mit den beliebten Strandkörben ausstattete. Das Design hat sich im Laufe der Jahre nur minimal geändert: https://strandkorb-hanse.de/collections/ostsee-strandkoerbe

Wie viele Strandkörbe gibt es heute?

Es wird geschätzt, dass allein an den Stränden Deutschlands ca. 70.000 Strandkörbe aufgestellt sind. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, die nützlichen Möbel werden weltweit exportiert. Zudem kommen sie auch in heimischen Gärten, Wintergärten und Terrassen zunehmend zum Einsatz.

Typisch deutsch

Strandkörbe sind ein deutsches Phänomen. In den Niederlanden, den englischen Seebädern und an dänischen und polnischen Küsten ging der Gebrauch nach Ende des 2. Weltkrieges entscheidend zurück. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Strandkörbe Bestandteil der damaligen Erholungskultur der Machthaber und wurden gerne mit Reichsflaggen und Hakenkreuzen geschmückt.

Kritische Stimmen sehen im Strandkorb ein Symbol der Trutzburg und des Küsten-Schrebergartens. Sie erkennen darin die Versinnbildlichung der deutschen Abgrenzungsmentalität.


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