Was macht der Honig im Bier?

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Wer sich in Deutschland, dem Land des Reinheitsgebots und der Pils-Trinker mit einem Honigbier an die Öffentlichkeit wagt, stößt schnell auf Skepsis und nicht selten auf offene Ablehnung.

Das kühle Blonde ist der vorherrschende Bierstil, der mittlerweile synonym für die ehemals breite Vielfalt an Brauspezialitäten steht. Im internationalen Vergleich sind das sehr gute Biere – wenn auch geschmacklich etwas eindimensional.

 

Doch seit einiger Zeit gibt es unter dem Oberbegriff „Craft-Beer“, von den USA ausgehend, eine wachsende Gegenbewegung von Brauern, die sich der Vielfalt und Experimentierfreude verschrieben haben.

Der Begriff „craft“ steht dabei nicht etwa für Starkbiere wie vielfach irrtümlich angenommen wird sondern bedeutet „handwerklich“ – als gedachter Gegenpol zur industriellen Massenware. Hierbei werden historische Bierstile, innnerhalb und außerhalb des Reinheitsgebots, neu interpretiert oder es werden komplett neue Kreationen entwickelt. Werden zum Beispiel bei den Standard-Pilssorten stets die beiden Hopfenarten Magnum und Herkules als Konservierungsmittel eingesetzt, nutzen die Kreativbrauer das ganze Spektrum der mittlerweile über 200 Züchtungen mit ihrem riesigen Aromaspektrum.

Aber auch Zutaten wie Gewürze, Kräuter oder Früchte kommen wieder zum Einsatz.
Einen eigenen Weg haben die Leute vom Kasseler Projekt craftBEE eingeschlagen. Von der Imkereiseite herkommend war von Anfang an klar, dass der historische Braustil des Honigbieres neu belebt werden sollte.

Bis zur Defintion des Reinheitsgebots im Jahre 1516 war Honig als Brauzutat durchaus verbreitet. Und das hatte nicht nur geschmackliche Gründe: die natürlichen Antioxidantien des Honigs sorgen nämlich für eine höhere Haltbarkeit. Auch so manches Sauerbier wurde durch den Honig für den Gaumen erträglicher gemacht.

 

Der älteste Nachweis für ein Honigbier in Deutschland stammt aus dem sogenannten Sängergrab in Trossingen, welches die letzte Ruhestätte eines alemannischen Edelmannes aus dem sechsten Jahrhundert war. Neben einer Leier und allerlei Waffen fand sich  dort auch eine gedrechselte Holzflasche, in der man durch chemische Analyse ein gemälztes Bier mit Honig nachweisen konnte.
Die Besonderheit von craftBEE besteht darin, dass der Honig beim Brauen nicht mit vergoren wird, sondern erst zum Ende der Gärung zugegeben wird, wodurch sich die speziellen Noten des Honigs  entfalten können. Man arbeitet vorrangig mit Honig aus eigener Imkerei, der von Kasseler Stadtbienen erzeugt wird. Ziel war es, die Essenz der Landschaft, die sich im Honig abbildet in ein gut trinkbares Bier zu übertragen. Nach aufwendigen Versuchsreihen ist es gelungen, eine gut ausbalancierte, harmonische Komposition zu entwickeln. Nicht die Süße des Honigs steht im Vordergrund, sondern kernige Malz- und Getreidenoten, die das Fundament für das subtile Wechselspiel des Hopfenbitteren und des Honigsüßen bilden. Dass dieses Konzept in die richtige Richtung geht beweisen zahlreiche Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Brauwettbewerben.
Aber auch Sortenhonige kommen zum Einsatz. Nach einem erfolgreichen Experiment mit Kornblumenhonig aus Brandenburg kam zuletzt neuseeländischer Manukahonig zum Einsatz, der als einer der teuersten Honige der Welt gehandelt wird. Er bringt die wuchtigen Aromen der neuseeländischen Urwälder mit und sorgt so für einzigartige Geschmackserlebnisse.
Fazit: wer eine süße Plörre erwartet wird angenehm enttäuscht sein, denn stets ist der Biercharakter erkennbar. Kein Alkopop, sondern ein richtiges Vollbier mit einem Extra an Aromafacetten.

 


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