Trittstein Thüringer Wald

 

Anlässlich des Internationalen Tags des Luchses am 11. Juni stellen der BUND Thüringen, der WWF Deutschland, die Wildtierland Hainich gGmbH und das Thüringer Umweltministerium ihr neues Projekt für die Zukunft des Luchses in Mitteldeutschland vor. So soll im strategisch wichtigen Thüringer Wald ein Trittstein für die Vernetzung bisher voneinander isolierten Luchspopulationen etabliert werden.

Einst großflächig verbreitet, kommen Luchse heute in Deutschland nur in drei voneinander isolierten Verbreitungsgebieten vor: dem Harz, dem Bayerischen Wald und dem Pfälzerwald. Ein Austausch von Tieren zwischen diesen Populationen findet derzeit nicht statt. Mit ihrem neuen Projekt wollen der BUND Thüringen, die Wildtierland Hainich gGmbH und der WWF Deutschland wieder eine Verbindung zwischen diesen Populationen schaffen.

Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) umgesetzt und vom Thüringer Umweltministerium in Höhe von 677.000 Euro gefördert. Dazu erklärt Umweltministerin Anja Siegesmund: „Mit diesem Projekt können wir einen entscheidenden Beitrag zum Fortbestand des Luchses in Deutschland leisten. Der Thüringer Wald hat mit seiner zentralen Lage dabei eine Schlüsselrolle. Unser Projekt vernetzt viele unterschiedlichste Akteure aus Forst, Jagd und Naturschutz. Der bisherige Erfolg zeigt, wie wichtig die gute Teamarbeit ist.“

Robert Bednarsky, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, ergänzt: „In unserem Vorgängerprojekt konnten wir eine Computersimulation entwickeln. Diese belegt, dass die natürliche Wiederbesiedelung von Lebensräumen wie dem Thüringer Wald ohne aktive Unterstützung auch in 25 Jahren unwahrscheinlich ist. Auch unser erstes systematisches Fotofallen-Monitoring im zentralen Thüringer Wald konnte bisher nur einzelne Luchse nachweisen.“

Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, ergänzt: „Um diesen Luchsen einen Anreiz zu geben, dauerhaft im Thüringer Wald zu bleiben, planen wir, zukünftig aktiv weitere Luchse anzusiedeln. Das trifft auch bei der Thüringer Bevölkerung auf Zustimmung. In einer von uns in Auftrag gegebenen repräsentativen forsa-Umfrage fand sich mit 87% eine breite Mehrheit für eine Wiederansiedlung von Luchsen in Thüringen. Im Thüringer Wald waren die Menschen im Mittel sogar noch positiver gegenüber dem Luchs eingestellt als der Thüringer Durchschnitt.“  

Um den Status des Luchses im Thüringer Wald noch umfänglicher zu erfassen, soll zunächst das Fotofallen-Monitoring im Thüringer Wald mit Unterstützung von ThüringenForst und jagdlichen Vereinigungen ausgeweitet werden. „Die ThüringenForst-AöR begrüßt die Rückkehr des Luchses in unseren Wäldern sowie die angestrebte Vernetzung der unterschiedlichen Populationen“, erklärt Volker Gebhardt, Vorstand von ThüringenForst AöR. „Ein gutes Monitoring der bisherigen Luchsvorkommen ermöglicht zukünftig gezielte Projektmaßnahmen.“

Als zweiter zentraler Bestandteil des neuen Projektes ist der Bau und die Inbetriebnahme eines eigens konzipierten Luchsgeheges im BUND Wildkatzendorf Hütscheroda geplant. Mit diesem Gehege möchte das Wildkatzendorf Teil eines Netzwerkes aus Zoos und Wildgehegen werden, welches sich die Zucht geeigneter Luchse für Freilandprojekte auf die Fahnen geschrieben hat. In diesem Gehege sollen in Gefangenschaft geborene Tiere unter möglichst natürlichen Bedingungen ohne Kontakt zu Menschen aufwachsen. Das Gehege soll ab Frühjahr 2023 bezugsfertig sein. Einige der in Hütscheroda gehaltenen Luchse könnten dann zukünftig durch den Thüringer Wald oder durch andere Wälder in Europa streifen.

 

OV von WWF Germany

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