Toller Fight bleibt unbelohnt – MT verliert gegen Rhein-Neckar Löwen

Timo Kastening Nr.73, im Hintergrund Uwe Gensheimer Nr.3

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Alles gegeben, stark gekämpft, aber am Ende mit leeren Händen da gestanden. Die MT Melsungen lieferte den Rhein-Neckar Löwen am Donnerstagabend beim 25:26 (14:15) vor leeren Rängen in der Kasseler Rothenbach-Halle einen tollen Fight. Die Mannschaft kam nach vier Toren Rückstand kurz nach der Pause noch einmal ganz stark zurück, doch in der Endphase fehlte letztlich das Glück, die geduldige Aufholjagd doch noch mit wenigstens einem Teilerfolg zu beenden. Stark präsentierten sich auf beiden Seiten die Abwehrreihen, so dass die Außen ihren Rückraumkollegen diesmal die Schau stahlen. Folgerichtig standen den sieben Toren von Timo Kastening ebenso viele von Jerry Tollbring gegenüber.

Timo Kastening Nr.73, im Hintergrund Uwe Gensheimer Nr.3

Ohne Kapitän Finn Lemke, dafür aber wieder mit den Rückkehrern Kai Häfner und Arnar Freyr Arnarsson wartete die MT in diesem Nachholspiel auf. Auf dem Feld beginnen durfte allerdings nur Häfner. Arnarssons Part im Abwehrzentrum besetzte Felix Danner, der aber in der Offensive Marino Maric Platz machte. Dahinter durfte Nebojsa Simic beginnen, der auch gleich den ersten Wurf auf seinen Kasten über die Latte lenkte und damit Domagoj Pavlovic den Weg zur ersten MT-Führung ebnete (2.).

Dass bei den Löwen in der Anfangsphase nicht so liefen wie geplant und ungewohnte Fehler das Vorwärtsspiel prägten, war ebenfalls ein Verdienst von Pavlovic. Der störte auf vorgezogener Position in der 5:1-Deckung effektvoll die Kreise von Andy Schmid und angelte sich den Ball, den Timo Kastening kurz darauf zum 3:1 in die Maschen setzte (5.). Dass aus dieser Führung dann nicht mehr wurde, lag mit an Löwen-Keeper Andreas Palicka. Der blieb nämlich gleich zwei Mal Sieger gegen Geburtstagskind Julius Kühn. Und an Nicolas Kirkeløkke, der ebenfalls zweimal von Rechtsaußen traf. Nach neun Minuten waren die Gäste 4:3 vorn.

Was bei den Melsungern in dieser frühen Spielphase prima funktionierte, war das schnelle Umschaltspiel. Mit Yves Kunkels Tempogegenstoß zum 6:5 (12.) lagen die Nordhessen mal wieder vorn, im Anschluss an Palickas dritte Parade gegen Kühn und Jerry Tollbrings zweiten Siebenmeter in Folge holten sich die Gäste den Vorteil zum 7:8 allerdings zurück (16.). Es ging hin und her, es war ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Auch wenn Andy Schmid während einer Zeitstrafe gegen Felix Danner aus der eigenen Hälfte zum 9:11 ins verlassene Gehäuse traf (20.) und Andreas Palicka knapp vier Minuten später das gleiche Kunststück zum 10:12 gelang.

Eine weitere Qualität der Melsunger an diesem Abend war das engagierte Auftreten in der Verteidigung. Was auch immer Andy Schmid versuchte, es war fast immer schon ein Roter da, um die eingeleitete Aktion zu stören. Und dann ging es entschlossen nach vorn, so wie bei Lasse Mikkelsens Ausgleich zum 12:12 (25.). Auch auf Timo Kastening war Verlass, trotz eines unglücklich vom Innenpfosten zurück ins Feld prallenden Siebenmeters. Aus dem Feld blieb der Rechtsaußen fast fehlerlos, traf zum 13:13 schon zum sechsten Male. Ein versuchtes Kempa-Anspiel auf den Linkshänder erreichte ihn jedoch nicht und diesmal war es Uwe Gensheimer, der den daraus resultierenden Gegenstoß erfolgreich abschloss. Zur Pause führten die Löwen knapp.

Der Start in den zweiten Durchgang war holperig. Romain Lagarde traf, Julius Kühn und Yves Kunkel dagegen nicht. Obwohl Silvio Heinevetter aufpasste und einen langen Gegenstoß-Pass abfangen konnte, häuften sich vorn die Fehler extrem. Einen Pass ins Seitenaus nutzte Schmid, um das Leder reaktionsschnell lang auf Albin Lagergren zu geben, der schon auf 14:18 erhöhte. Erst als die Uhr bereits die 36. Spielminute anzeigte, machte Julius Kühn sein erstes Tor zum 15:18. Vorangegangen war eine Auszeit von Gudmundur Gudmundsson, der mit der Leistung seiner Spieler alles andere als zufrieden war.

Die MT fing sich in der ursprünglichen Startbesetzung im Feld, bei den Löwen ging der Spielfluss durch einige Wechsel dagegen etwas verloren. Die Abwehr allerdings, mit Mait Patrail und Ymir Örn Gislason im Innenblock, stand sicher. Tore wurden zur Mangelware Angriffe endeten beidseitig entweder mit Fehlwürfen oder technischen Fehlern. Erst Jerry Tollbring brach den Bann der Flaute, allerdings auch „nur“ mit einem Siebenmeter. Das nächste Feldtor ließ dagegen weiter auf sich warten. Das machte Julius Kühn zum 19:21 (46.). Anschließend waren die Außen dran: Jerry Tollbring und Yves Kunkel stellten die Anzeigetafel auf 20:22 (48.).

Die MT war dran, war eigentlich ebenbürtig, aber an ein Herankommen war nicht zu denken. Auch wenn Heinevetter nach zuvor vier erfolgreichen Versuchen Tollbring einen Siebenmeter „abkaufte“, war der Schwede im Nachwurf dennoch erfolgreich. Erst als Mai Patrail mit einer Strafe draußen saß, verkürzte erst Marino Maric, dann Tobias Reichmann auf die gleiche Weise wie zuvor Tollbring: er scheiterte von der Siebenmeterlinie an Andreas Palicka, angelte sich aber den Abpraller und versenkte ihn zum 22:23 (51.). einmal noch konnte Andy Schmid seinem Team etwas Luft verschaffen, dann schien der Ausgleich nach tollem Pass von Kai Häfner und ebenso formidablem Einsatz von Maric am Kreis schon gefallen, doch es gab stattdessen Strafwurf. Den machte Reichmann diesmal wieder direkt rein – bei 24:24 begann die Partie fünf Minuten vor dem Ende praktisch wieder bei null.

Einmal mehr war es Andy Schmid, der die Initiative ergriff. Ohne Rücksicht auf den Gegner oder sich selbst brach er durch die geballte Melsunger Deckung und wuchtete die Kugel in die Maschen. Was Julius Kühn als Herausforderung verstand und das Spielgerät auf der anderen Seite mit ähnlicher Gewalt in den Winkel jagte – 25:25 (58.). Den nächsten Siebenmeter für die Löwen übernahm auch ihr Kapitän zum 25:26, noch knapp zwei Minuten blieben. Die Sekunden verstrichen, die Arme der Referees gingen hoch. Einer musste die Verantwortung übernehmen, Kai Häfner tat es – und Andreas Palicka wehrte den Ball nicht nur einfach ab, sondern hielt ihn auch fest. Trotzdem gab es noch eine letzte Chance, als sich die Gäste zehn Sekunden vor Ultimo einen technischen Fehler leisteten. Die jedoch blieb ungenutzt, weil Timo Kastenings letzter Pass auf Julius Kühn nicht ankam.

Stimmen zum Spiel

Gudmundur Gudmundsson: Glückwunsch an Martin und die Rhein-Neckar Löwen. Das war eine enge Partie, aber ich habe es so erwartet. Wir waren fast die gesamte Zeit auf Augenhöhe. Was ich aber schlecht fand war, dass wir zur Halbzeit nur knapp zurückliegen, dann aber viele Fehler machen und uns die Löwen weggelaufen sind. Trotzdem waren wir am Ende wieder dran und hätten sogar gewinnen können. Die fünf Gegenstoß-Tore in der ersten Halbzeit waren gut, aber um so ein Spiel zu gewinnen, müssen wir eine viel bessere Quote aus dem Rückraum haben. Es war bitter, hier heute zu verlieren. Wenigstens einen Punkt hätten wir uns gewünscht.

Martin Schwalb: Danke für die Glückwünsche. Das Halbzeitergebnis sagte es schon aus, das war eine ganz enge Partie. Beide Mannschaften haben in der Abwehr gut agiert, deshalb haben sich die Angriffe schwer getan. Auch in unserem Spiel waren schon ein paar technische Fehler dabei, aber wir haben immer an uns geglaubt und Lösungen gefunden. Diesen Erfolg hier heute hat sich die Mannschaft und ein starker Andreas Palicka dahinter selbst erarbeitet.

Die gesamte Pressekonferenz sehen Sie hier auf dem MT YouTube Kanal.

MT Melsungen – Rhein-Neckar Löwen 25:26 (14:15)

MT Melsungen: Simic (2 Paraden / 9 Gegentore), Heinevetter (8 P. / 17 G.); Maric 1, Kühn 3, Reichmann 3/2, Kunkel 3, Mikkelsen 1, Danner 1, Arnarsson, Allendorf, Pregler, Häfner 3, Salger, Kastening 7, Kuntscher, Pavlovic 3 – Trainer Gudmundur Gudmundsson.

Rhein-Neckar Löwen: Palicka (1 Tor / 12 P. / 25 G.), Katsigiannis (n. e.), Späth (n. e.); Schmid 5/1, Gensheimer 3, Veigel, Kirkeløkke 3, Lagarde 1, Patrail, Tollbring 7/4, Ahouansou, Lagergren 1, Gislason 1, Nielsen, Nilsson 1, Kohlbacher 3 – Trainer Martin Schwalb.
Schiedsrichter: Colin Hartmann (Magdeburg) / Stefan Schneider (Irxleben)

Zeitstrafen: 6 – 6 (Danner 17:47 43:42, Mikkelsen 21:22 – Kirkeløkke 18:40, Patrail 48:51, Lagergren 50:33)

Strafwürfe: 4/2 – 6/5 (Kastening an den Pfosten 15:57, Tollbring scheitert an Heinevetter 48:14, Reichmann scheitert an Palicka 50:36)

Spielort: Rothenbach-Halle, Kassel – ohne Zuschauer

Das nächste Spiel:
Do., 08.04.21, 19:00 Uhr, MT Melsungen – TuSEM Essen, Rothenbach-Halle, Kassel.
Das eigentlich am 04.04. angesetzte Spiel beim Bergischen HC musste aufgrund von zwei Coronafällen beim BHC verlegt werden.


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