Tanz Uraufführung von Maciej Kuzminski (Polska)

Estimated read time 4 min read
[metaslider id=10234]

 Freitag 29. April 2022 Uraufführung/Tag des Tanzes  im Opernhaus des Staatstheaters Kassel

 

i spadda lekko ciato moje

my body falls lighter

mein körper schwerelos

 

Tanz-Uraufführung von Maciej Kuźmiński (Polen) Musik von Lepo Sumera u. a. mit dem Staatsorchester Kassel
Iris Posthumus, Esther Alberte Bundgaard, © Karl-Heinz Mierke
© Karl-Heinz Mierke

Maciel Kuzminski  als Vertreter der jungen polnischen Tanzszene beschäftigt sich in seinen Werken wiederkehrend mit der Frage nach Identität. Wer sind wir, woher kommen wir und wo soll es hingehen.

Die Reise begann mit einem Bühnenbild (Markus Meyer) was sehr ausgeräumt daher kam. Ein schwarzer  Kubus /Würfel der aus den Händen des Tänzers , langsam wie von Zauberhand gen Bühnenhimmel schwebte um dort dauerhaft den ersten Teil des Stückes zu verweilen.

Schwere und Zerfall unterstützt von den Sinfonien  Lepo Sumera’s unter musikalischer Leitung von Mario Hartmuth aus dem Orchestergraben.  Anzüglich schwarz  die Uniformierungen des Kassel Tanz Ensembles, wie man es zum letzten Geleit bei Beerdigungen zelebriert wird. Manchmal mich erinnernd an Hüllen denen das Leben ausgehaucht worden ist. Nicht sein vor dem nichts sein?

Die Lichtführung von Stefanie Dühr ist es zu verdanken, dass im  Zusammenspiel mit den Tanzenden sich eine zusätzliche Dynamik entwickelte. Gerade in Momenten der „Gruppierung“.  Nur Hände  & Gesicht (unbekleidet) reflektierten das Licht jedes einzelnen zu einem gefühlten Zusammengehören.

Nach einer Pause zum Luftholen/Sauerstoffreservat auffüllen ging es mit Minimal Music von John Adams maximal in den zweiten Abschnitt. War im ersten Teil nur eine Figur am äußersten hinteren Bühnenrand platziert,  so gewann das Figürliche  im 2. Teil dermaßen an Größe und Barock, als wäre das goldene Zeitalter greifbar.

Nature Morte /Stillleben.  Die Tanzenden dagegen in  der Blüte (bühnengerecht dahindrapiert) ihres Lebens,  erst ausruhend/beinahe vereint  in/mit selbiger und dann aus der Stille zu Bewegung erhebend .Nicht anders bei der Muschel (oder Buddha, mit abgewandtem Gesicht)  Körperbewegungen die durch die mehr oder weniger  Haut Farben  Bedeckung/Dress,  das Figürliche in den Bewegungen begleiteten.

 In Zeiten wo alles vorwärts ausgerichtet ist, mutet es beinahe revolutionär an, das die Motorik des Körpers Rückwärtslaufen, noch im analogen Bewegungsapparat abrufen kann, ohne zu kollidieren. Auch ein  Minuten langes Verharren auf der Stelle/menschliches Stillleben (Iris Posthumus)  in Form einer weiblichen Statue kann dazu führen, das man bei näherer Betrachtung schon mal „Hin und weg“ ist.

Tanz-Uraufführung von Maciej Kuźmiński (Polen) Musik von Lepo Sumera u. a. mit dem Staatsorchester Kassel
Iris Posthumus, Esther Alberte Bundgaard, © Karl-Heinz Mierke
© Karl-Heinz Mierke

So wie auf der Bühne geschehen, als Shafiki  Sseggayi  beim Anblick der  Frau  plötzlich  vom  Erdboden verschluckt,  den  Tanzboden  entrückt.

Schon in den Anfängen des 2.Aktes war fortwährend  die „Schwerelosigkeit der Körper“ zu bewundern, als diese kaum die Bühne im hinteren Teil seitwärts betretend wie von Zauberhand wenige Meter weiter in eine  befindlichen Grube/Grab fielen.

Es folgte ein einziges, nein immer wiederkehrendes „Kommen + Gehen“. Schwereloses Fallen. Nicht unerwähnt bleiben sollte das Moment, als eine der Tänzerinnen in ihren Bewegungen/Ringen mit sich selbst den sie bekleiden Anzug immer so zu handhaben wusste, dass  es vollherzig nach einem konsequenten halben Akt anmutete. Einfach genialer Einfall.

Auffällig das voneinander lassen/Abstand halten  der Einzelnen  untereinander, selten körperliche Berührungen.  Der Inszenierung geschuldet, ein Zeitphänomen oder schlichtweg der Zeit Geist, der  definitiv diesbezüglich nicht Covid19 heißt.

Finden Sie es heraus, bei einer der kommenden Vorstellungen. Trauen Sie sich.

Im Mai  am  7./20./28. + am  8. Juni,  jeweils um 19Uhr/Einführung + 19:30 Aufführung

p.brauer

Fotos : Karl-Heinz Mierke


[metaslider id=20815]

More From Author

+ There are no comments

Add yours

Wir freuen uns über Kommentare