Studie von SOS-Kinderdorf zeigt: Jugendliche sorgen sich in der Corona-Krise um ihre Zukunft

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(ots) Monatelang geschlossene Schulen, eingeschränkte soziale Kontakte und schlechte Aussichten auf Jobs und Ausbildungsplätze – Jugendliche der „Generation Corona“ treffen die Auswirkungen der Pandemie besonders hart. SOS-Kinderdorf hat einen Teil von ihnen in den SOS-Einrichtungen zu ihrer Situation befragt: Knapp die Hälfte sorgt sich um die berufliche Zukunft, ein Teil verspürt sogar Angst in der Corona-Zeit. Der Verein fordert die Politik auf, junge Menschen bei den Entscheidungen zur Bekämpfung der Pandemie stärker zu beteiligen und ihre Interessen auch während der Krise zu berücksichtigen.

Wie beurteilen Jugendliche in den stationären Erziehungshilfen bei SOS-Kinderdorf ihren Corona-Alltag? Vor allem reduzierte soziale Beziehungen zu Freunden und Familie sowie die eingeschränkte Alltags- und Freizeitgestaltung sehen sie als grundlegende Veränderungen durch die Corona-Pandemie an, so das zentrale Ergebnis der Befragung durch SOS-Kinderdorf. Auch Sorgen um die Zukunft spielen eine Rolle: Die Jugendlichen bringen in der SOS-Studie erhebliche Bedenken rund um Schule, Ausbildung und Beruf zum Ausdruck – die durchaus berechtigt sind.

Neuer Alltag in Corona-Zeiten: Wichtigste Ergebnisse aus der Corona-Befragung

Insgesamt zeigt sich eine hohe Akzeptanz der Situation und damit einhergehender Regeln und Beschränkungen. Aber: Ein Viertel der Befragten beschäftigt die Corona-Situation stark, über 13% macht sie sogar Angst. Mit Blick auf die sozialen Beziehungen zieht sich die Einschätzung durch, dass trotz digitaler Möglichkeiten zu wenig Kontakt zu Personen außerhalb der Einrichtung besteht (über 60%). Knapp die Hälfte hat während des ersten Lockdowns viel Zeit mit Freunden online verbracht und Kontakte mehr über soziale Medien gepflegt als sonst. Dennoch finden die Digital Natives mehrheitlich, dass sich das persönliche Zusammensein nicht über digitale Kanäle ersetzen lässt. Knapp die Hälfte (43,5%) schätzen zudem ihre berufliche Zukunft kritisch ein. Sie befürchten negative Auswirkungen der Corona-Krise auf den eigenen Schul- oder Berufsbildungsweg. „Es ist davon auszugehen, dass die Antworten heute, also sechs Monate nach der Befragung, deutlich kritischer ausfallen würden: Je länger die Pandemie andauert, desto schwieriger ist sie vermutlich zu bewältigen. Ganz besonders betroffen sind die jungen Menschen, denen es bereits vor der Pandemie nicht gut ging – etwa weil sie psychisch belastet waren oder sich in der Schule schwertun. Um diejenigen müssen wir uns bei SOS-Kinderdorf besonders kümmern“, erklärt Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts. „Darüber hinaus lässt sich generell sagen: Jugendliche leiden ganz besonders unter den Corona-Beschränkungen, weil viele Ereignisse und Möglichkeiten für sie wegfallen, die Spaß machen, die aber auch für ihre Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind und sich nicht einfach nachholen lassen. Die Corona-Krise wird mittel- und langfristige Folgen für junge Menschen haben. Und: Heranwachsende gehen meistens sehr verantwortlich mit der Situation um. Sorgen wir als Erwachsene dafür, dass sie nicht als ‚rücksichtslose Superspreader‘ unter Generalverdacht gestellt werden“, so Dr. Teuber weiter.

Die Interessen der Kinder und Jugendlichen bei politischen Entscheidungen stärker in den Blick nehmen

Die Befragung zeigt, wie wichtig reale Kontakte für die jungen Menschen sind. Im Umgang und Austausch mit ihren Peers machen Kinder und Jugendliche wichtige Erfahrungen für ihre Entwicklung. Dabei sind Beziehungen zu verschiedenen Freunden wichtig. Luise Pfütze, Advocacy-Referentin des Vereins, fordert: „Der Vorschlag der Bundesregierung, Kontaktbeschränkungen derart zu verschärfen, dass Kinder und Jugendliche jeweils nur einen festen Freund oder Freundin treffen dürfen, geht an der Lebensrealität vieler Kinder völlig vorbei. Nicht zuletzt gibt es auch Gruppen- bzw. Freundschaftskonstellationen, bei denen bei strikter Befolgung einer solchen Regel ein Kind quasi ‚leer ausgehen‘ würde. Es ist daher zu begrüßen, dass dieser Vorschlag von den Bundesländern nicht aufgegriffen wurde – und das sollte er auch bei künftigen Beschlüssen nicht. Wenn es um die Entwicklung weiterer Perspektiven für die kommenden Monate geht, sollte die Politik die Meinungen von jungen Menschen proaktiv einholen, ihre Interessen stärker in den Blick nehmen und berücksichtigen.“

Schulschließungen verletzen das Recht auf Bildung!

Auch bei der Diskussion, ob und wie Schulen im Pandemiewinter betrieben werden sollen, haben junge Menschen etwas zu sagen. Sie tragen die Regelungen zur Quarantäne ebenso wie den Unterricht mit halbierter Klassenstärke weitgehend mit – auch wenn ihnen diese viel abverlangen. Ein Großteil würde sich jedoch gegen eine Schulschließung aussprechen: Die Schule ist für Heranwachsende nicht nur ein Bildungs-, sondern auch ein Lebensort und damit zentraler Teil ihres Alltags. Bei politischen Entscheidungen zum Schulbetrieb müssen wir also neben dem Infektionsschutz und organisatorischen Fragen allem voran die Perspektive der Kinder und Jugendlichen bedenken: ihr Recht auf Bildung und auf die Begegnung mit Gleichaltrigen.

„Nach Monaten geschlossener Schulen, Einschränkungen beim digitalen Unterricht, Verunsicherung durch erneute Quarantänenotwendigkeiten und Zurückhaltung der Wirtschaft bei der Besetzung von Ausbildungsstellen, machen sich junge Menschen zu Recht Sorgen um ihre schulische und berufliche Zukunft. Hier muss die Politik handeln und Ausgleichsmöglichkeiten für diese Nachteile finden und finanzieren. Dazu braucht es eine ernsthafte Beteiligung der jungen Menschen, denn es geht um ihre Zukunft“, betont Dr. Birgit Lambertz, stellv. Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf e.V.

 

Original-Content von: SOS-Kinderdorf e.V

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