Schweinehaltung: Özdemir will Landwirte unterstützen, Fleisch soll teurer werden

 

Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) will die Schweinehalterinnen und Schweinehalter in Deutschland unterstützen, die Tierhaltung zu verbessern. Das erklärte er im Interview mit dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR). Die gegenwärtige Situation produziere nur Verlierer, so Özdemir – bei den Bäuerinnen und Bauern, bei den Konsumentinnen und Konsumenten, aber vor allem auch bei den Tieren, die nicht artgerecht gehalten werden könnten.

Außerdem bekräftigte der Grünen-Politiker gegenüber „Panorama“, dass dafür auch das Schweinefleisch teurer werden müsse. Ein System, das für mehr Klimaschutz, mehr Tierwohl und für einen besseren Verdienst von Bäuerinnen und Bauern sorge und das nicht mehr koste, werde so nicht gehen.

„Natürlich soll Fleisch kein Luxusprodukt werden“, so der neue Minister. Aber an Preisen, die die Kosten der Bäuerinnen und Bauern nicht deckten, habe keiner ein Interesse. Özdemir weiter: „Und natürlich ist die Frage der sozialen Gerechtigkeit nicht ausschließlich beim Agrarminister zu lösen, sondern da gibt es schon auch noch ein paar andere Ressorts, die einen Beitrag leisten.“

Özdemir versprach auch öffentliches Geld für eine bessere Tierhaltung. Die Förderstruktur müsse umgebaut werden, so dass zum Beispiel mehr Platz für Tiere honoriert werde. Wie genau er diese staatliche Unterstützung gestalten und ob er den bisher reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Fleisch abschaffen wolle, ließ er offen.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) erklärte dazu gegenüber „Panorama“, der geforderte Umbau zu Ställen mit Außenklima oder Auslauf habe für die Schweinehalter eine ähnliche Bedeutung wie die Abkehr vom Verbrennungsmotor für die Automobilindustrie. „Denn weit über 90 Prozent der Schweine werden in Deutschland in geschlossenen Ställen gehalten“, so der Verband. Für den einzelnen Schweinehalter bedeute dies, dass er seinen Schweinestall mit hohen Investitionskosten umbauen müsse. Dabei sei am Ende entscheidend, wer die Zeche zahle, erklärte die ISN. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert, dass mehr Geld bei den Höfen ankommen müsse. Hier seien umfangreiche staatliche Finanzhilfen erforderlich, heißt es.

Als ersten konkreten Schritt kündigte der Bundeslandwirtschaftsminister gegenüber „Panorama“ an, in diesem Jahr eine verbindliche Haltungskennzeichnung auf den Weg zu bringen. Diese soll zunächst im Handel kommen: Erstmal gelte sie für das, was im Laden zu kaufen ist, für frisches und verarbeitetes Fleisch, so Özdemir.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dagegen fordert eine solche gesetzliche Haltungskennzeichnung auch für den Großhandel und für die Gastronomie. Greenpeace möchte Verbesserungen in der Tierhaltung dabei aber nicht allein der Branche und den Verbraucher*innen überlassen. Die Organisation fordert eine Verschärfung der Nutztierhaltungsverordnung, damit die Tiere deutlich mehr Platz bekommen, sowie wirksame Kontrollen, die eine tierschutzwidrige Haltung unmöglich machen.

 

Ov von NDR / Das Erste

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