Ob der Typ wohl noch ’ne alte Rechnung mit den Rittern offen hat? Oder wurde er damals als Knappe so schlecht behandelt, dass er heute noch Albträume von rostigen Helmvisieren hat?
Fest steht: Am Kasseler Weihnachtsmarkt tobte am Wochenende ein epischer Zwei-Tage-Feldzug – geführt von einem bislang unbekannten Krieger mit Irokesenschnitt. Sein Schlachtfeld: ein Bratwurststand am Opernplatz. Sein Feind: eine dekorative Ritterrüstung, die sich absolut nichts hatte zuschulden kommen lassen.
Bereits am Samstag um 17:30 Uhr stürmte der mutmaßliche „Anti-Ritter-Aktivist“ heran, beleidigte die Verkäuferin und verpasste der Rüstung mit der Faust ein paar fachkundig ausgeführte Wut-Hiebe. Vermutlich wollte er den Ritter zum Duell herausfordern – der war jedoch aus Stahl und damit äußerst schwer zu beeindrucken.
Doch der Irokesenträger hatte offenbar noch offene Punkte auf seiner To-do-Liste. Am Sonntag kehrte er zurück, beleidigte erneut die Bratwurstfrontfrau und verprügelte diesmal die andere Seite der Rüstung. Symmetrische Schäden sind ja wichtig – selbst bei spontanen Rüstungsprügeleien.
Die Polizei leitete zwar eine Fahndung nach dem entflohenen Möchtegern-Ritterbezwinger ein – Mann mit grünlicher Hose, sichtbaren Kopftattoos und Frisur Marke „starker Gegenwind“ –, doch der Verdächtige verschwand so spurlos wie die letzte Bratwurst kurz vor Feierabend.
Der Schaden an der stählernen Ritterfigur beläuft sich auf rund 2.000 Euro. Vielleicht sollte er froh sein, dass echte Ritter das nicht mehr mitbekommen – die hätten sonst direkt ein Turnier angesetzt.
Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigung und Sachbeschädigung.
Zeugen mögen sich bitte unter Tel. 0561-9100 melden – insbesondere, falls jemand einen Mann gesehen hat, der ohne ersichtlichen Grund mittelalterliche Deko vermöbelt und dabei aussieht, als wäre er gerade aus einem Punkfestival gefallen.