viel Grün, Spielflächen, Shops und Cafés

(ots) Wer das Rad als alltägliches Verkehrsmittel nutzt, hat andere Anliegen als Freizeitbiker. Zu den wichtigsten gehört Mobilität und Sicherheit in den immer noch von Autos dominierten Straßen – von einer „Verkehrswende“ ist nicht viel zu sehen. Doch das sei auch die falsche Perspektive, findet der niederländische Wissenschaftler und Experte für Infrastrukturplanung, Marco te Brömmelstroet. „Was es stattdessen braucht, ist eine Gesellschaftswende“, sagt er in der aktuellen Ausgabe des Magazins karl, die ab heute im Handel oder unter shop.motorpresse.de erhältlich ist (auch als E-Paper).

„Der öffentliche Raum sollte nicht nur für den Verkehr da sein, sondern für alle – und muss daher auch von allen diskutiert werden“, sagt te Brömmelstroet, der wegen seiner Rad-Expertise oft „Cycling-Professor“ genannt wird. „Vieles erscheint so normal, dass es gar nicht mehr hinterfragt wird“, sagt karl-Chefredakteur Björn Gerteis. „Warum zum Beispiel wird Autofahrern eingeräumt, ihre privat genutzten Autos auf öffentlichen Straßen abzustellen? Könnte man sich für diese Räume nicht auch andere Nutzungen vorstellen wie Grünflächen, Spielbereiche und kleine Shops, für die man nicht ans andere Ende der Stadt fahren muss?“ Das Wesentliche – Lebensqualität – sei mit der Konzentration auf einen möglichst reibungslosen Autoverkehr aus dem Blick geraten, findet er.

Zur Fokussierung auf das Auto gehört auch, dass deren Fahrern bei Unfällen mit Radfahrern und Fußgängern durch unbewusste Wortwahl in Polizei- und Medienberichten häufig mildernde Umstände zugesprochen werden. Auf dieses Phänomen macht der Politik- und Sozialwissenschaftler Dr. Dirk von Schneidemesser aufmerksam, der bereits seit längerem dazu forscht. Im Interview mit karl nennt er mehrere Beispiele. So klingt es wie unabwendbares Schicksal, wenn ein Radfahrer aufgrund schlechter Sichtverhältnisse „übersehen“ wird – dabei hat der Autofahrer versäumt, die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. Sprache ist jedoch nicht unschuldig, sie prägt die Wahrnehmung und macht Radfahrer und Fußgänger auf subtile Weise zu Störfaktoren im „eigentlichen“ Verkehr.

Weitere Themen im aktuellen Heft sind eine Kaufberatung für die besten E-Bikes 2023, ein zehnseitiges Special zu Cargobikes sowie Tipps für die Wahl des richtigen XXL-Bikes. Bisher fanden große und schwere Radler nämlich eher wenig Beachtung in der Fahrradwelt, aber das ändert sich gerade. Zudem gibt es eine Übersicht über die aktuelle Situation der Branche: Was hat sich bei Preisniveau, Lieferschwierigkeiten und Reparaturstau getan? Plus: aktuelle Trends für Bekleidung und Zubehör sowie die wichtigsten DIY-Tipps für den Rad-Check zum Saisonstart.

Mehr von karl gibt es zudem online auf dem Radportal der Motor Presse Stuttgart unter bike-x.de.

Motor Presse Stuttgart, KARL