Olympia: Pferdedrama – oder dümmliche Ignoranz?

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Der Tierschutz ist wichtig. Auch bei Olympia. Und das Drama um den Ritt und das Pferd unserer Athletin hat nicht nur den Kommentator fassungslos gemacht. Jeder, der das Pferdedrama sah, hatte Mitleid. Mit Pferd und Reiterin. Nur nicht immer in dieser Reihenfolge… Wenn wir ehrlich sind.

Ich kenne das Gefühl wenn etwas, worauf man jahrelang hart hingearbeitet hat, sich innerhalb von Sekunden in Nichts auflöst. Unwiderruflich und unwiederbringlich. Ein Invest in Arbeit, Mühen, Zeit und Geld mit einem Wumm in sich zusammenfällt. Schneller als Luft ein Vakuum zu füllen vermag.
Und jedes Krisenmanagement, all die Erfahrung und jede noch so professionelle wie geniale Lösung versagt. Alles sinnlos ist. Bei mir war das 9/11… 

In den Hochwassergebieten kennen die Menschen dieses Gefühl gerade nur zu gut. 40 Jahre Existenzaufbau gegen Wassermassen, die innerhalb von 30 Minuten 7 Meter Höhe erreichten. – Ende Gelände!

Eine jahrelang vorbereitete Tournee eines Künstlers, der 2020 kurz vor dem Durchbruch stand? Corona, Lockdown, Geld weg und Bedeutungslosigkeit.

Nur sind das alles Naturereignisse. Da kann man wenig machen. Soll ich in die Kirche gehen und Gott zürnen? Auf den Altar eintreten und vor Wut Jesus vom Kreuz holen? Mit der Bibel Weitwurf gestalten? 
Man kann sicher sein, dass aus reiner Verzweiflung und dann auch aus Wut sowie in Ermangelung eines greifbaren  Schuldigen genau das schon oft passiert ist.

 

20 min zum Kennenlernen… Ab JETZT!

Doch wie reagiert der Mensch, wenn da jemand oder etwas ist, dem man sehr wohl die Schuld geben kann? So rein menschlich gesehen? Wenn da beispielsweise ein Pferd ist, das man erst seit 20 Minuten kennt.
Oder ein Pferd, das einen selbst erst vor 20 Minuten zum ersten Mal gesehen hat.
Der eine will gewinnen und der andere Statist will eigentlich nur von diesen Idioten befreit sein, die meinen mit ihm über dämliche Stangen springen zu müssen. Und das auch noch in einer Arena, wo Tausende gröhlend rumhüpfen…

Klassischer Interessenkonflikt, würde jeder sagen. Das Drama mitunter vorprogrammiert.

 

Reiter wissen (ich bin keiner und sehe Pferde als große aber verblödete grasfressende Hunde an!), dass Pferde erst dann wirklich gut mit dem Menschen interagieren, wenn man sich kennt und einander vertraut. Soll auch mit anderen Menschen so laufen, sagen Gerüchte. – Und besonders unter Druck.

Eine ach so tolle olympische Regel diese Partner einander auf gut Glück zuzulosen ist an dieser Stelle mehr als nur hirnrissig. Schlicht widernatürlich.

 

Formel 1 – Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Italien 2018. Lewis Hamilton

Man stelle sich vor: Bei der Formel 1 werden die Autos den Fahrern zugelost… das gab es sogar einmal. Gleich zu Anfang des Rennsports. Wurde dann aber schnell fallengelassen.
Läufer laufen in den Schuhen anderer. Schießsport mit den Waffen anderer. Oder Radsport mit den Rädern anderer.

Diese Pferdeglücksradnummer ist also… sportlich überholt und daher auch schon moralisch nicht weiter zu kommentieren. Was mit Gegenständen nicht funktioniert, sollte also auch nicht mit Lebewesen passieren.

 

 

 

Kommen wir zurück zu dem Drama. Man sitzt also auf einem Tier, das keinen Bock mehr hat den Scheiss der Menschen mitzumachen. Versteht es auch. Und obwohl man weiß, dass das Pferd nichts dafür kann, weiß man aber, dass man WEGEN ihm scheitern wird. Vier Jahre zum Teufel sind. Hier und jetzt.

Also mich würde das recht wütend machen. Zumal ich keinerlei Beziehung zu dem sog. „Partner da unter mir“ habe außer der, dass der mich gerade um den Sieg bringt.

Annika Schleu wurde auch wütend. Aus reiner Verzweiflung. Wie jeder normale Mensch mit Wünschen und Hoffnungen, um die man gerade betrogen wird. So das Gefühl.
Männer fluchen, schimpfen und schlagen auch gern mal um sich. Frauen fangen an zu rumzuflennen. Das mag evolutionstheoretisch richtig sein. Auch biologisch und psychologisch erklärbar sein. Es ist einfach so, wie wir alle wissen. Beide Geschlechter haben gelernt damit umzugehen. Flennende Frauen werden nicht geschlagen und um sich wütende Männer nicht umgebracht. Das hat die Spezies Mensch erhalten. Evolutionstechnisch.

 

Also flennte unsere Athletin aus verzweifelter Wut. Nur ist das im Wettkampf kein machbarer Lösungsansatz. Also griff die Trainerin ein und forderte sie auf das Pferd anzutreiben. Zur Konzentration zu ermahnen. Das hätte sie sicher netter formulieren können als sie es dann tat. Auch eloquenter und politisch korrekter. Nur war dafür keine Zeit. Ist in einem Wettkampf so, wo die Uhr tickt. Schließlich sind Sportwettkämpfe keine Parlamentsdebatten. – Nur mal so.

Also sagte sie verkürzt aber korrekt: „Hau drauf!“

Und schon haben wir den Skandal…

 

 

Klar. Unsere moralisch gepimpten Weltenversteher hätten jetzt gern eine Gruppentherapie samt angeschlossenem Workshop mit dem Pferd gestartet; nur war da halt wenig Zeit für. Pädagogische Diskussionen waren da auch fehl am Platz. Genauso wie der Gaul an sich, der hier auch nur übergroßes Opferlamm war. Eigentlich gar nicht mitmachen wollte. Wenn man ihn denn mal gefragt hätte.

Und dass Annika Schleu das Tier durchaus wertschätzte und professionell handhabte war klar zu sehen. Auch, dass sie sich zurückhielt, um das zunehmend panische und auch bockige Tier nicht noch mehr zu verunsichern.

Soweit die Fakten. Das konnte jeder sehen. Kommen wir nun zu der offensichtlichen Frage an sich, die gewisse Faktenchecker wieder einmal nicht gewillt sind zu erklären: WARUM hat die Reiterin von Anfang an eine Gerte dabei? warum haben ALLE Reiter Gerten dabei? Um die Tierchen zu verprügeln? Oder ist das Ding als Werkzeug zu sehen. Als Arbeitsmittel. Oder gar als Hilfe????

Und wenn wir dann mal den „kaum sichtbaren“ Einsatz dieses Instrumentes sportlicher Eleganz beim Pferderennen betrachten, und das mit der Olympia-Nummer vergleichen, was fällt dann auf?
Und wenn dann unsere Reitexperten kommentierender Zunft sich nicht zu dem äußern, was so auf Provinztunieren in Hintertupfingen zu sehen ist, als Breitensport(!), wo sie sofort und selbst und ohne Scheu eingreifen könnten, aber es nicht tun, dann fragt man sich, ob hier nicht mal wieder die Propagandamaschine derer läuft, die man Gutmensch nennt.

 

 

Nach reichlich Tiefschlägen und durchaus auch zu erhöhtem Adrenalinspiegel neigend, hängt bei mir ein Bild an der Wand. In Sichtweite des Schreibtisches. Es sind fünf Weisheiten vom römischen Kaiser Mark Aurel, der auch als Kaiser nicht immer das machen konnte oder bekam, was er wollte. Er war vom Wesen her Stoiker – also anders als ich.

 

 

[pdf-embedder url=“http://nordhessen-journal.de/wp-content/uploads/2021/08/Marcus-Aurelianus.pdf“ title=“Marcus Aurelianus“]

 

 

 

Die Lektüre hat schon oft Dramen verhindert. Gewissen Leuten den Hals gerettet. Denn ich bin nachtragend und dann auch in Konsequenz gnadenlos, gemein und absolut bösartig. Wenn nötig. Halt die Steigerung von dem, was andere nur Fluchen nennen. Oder Rumflennen. Je nach Sicht der Dinge.

Ich bin nicht der Einzige wohl aber ehrlich wenn ich sage, dass es Menschen gibt, die dieses Pferd nach dieser Nummer, trotz allem Verständnis, noch am selben Tag eigenhändig zum Abdecker gebracht hätten. Ich hätte den Gaul gekauft, ihn zum Schlachthof gebracht und auf den Weg nach Nirwana geschickt. Und im Anschluss hätte das olympische Dorf Pferdewurst bekommen…
Ich bin ehrlich genug das zuzugeben, was andere nur denken. Nennen wir es doppelten Charakterfehler, aber ich neige nicht zur Heuchelei. Heuchelei schafft nur schlimmere Probleme als gewöhnungsbedürftige Ehrlichkeit.

Ein Sportwettkampf ist ein Kampf. Athleten sind Kämpfer. Und sie treten ausschließlich dafür an, um zu gewinnen. Platz zwei gehört schon zu den Verlierern. Wer diesen sportlichen Grundsatz des Profisports missachtet, hat den Sinn des Wettkampfes nicht verstanden. Und auch nicht die Teilnehmer und deren Motivation sich jahrelang im Training zu quälen. Selbst Opfer zu bringen um am Tag X zu siegen! Nicht Platz 31 zu belegen.

 

Wer also etwas zu kritisieren hat, der sollte die hirnrissige Idee kritisieren Tiere als beliebige Austauschware so einem Wettkampf zuzuführen. Das Dressurreiten zeigt, wie die Symbiose von Reiter und Pferd aussieht oder aussehen kann. Und wie es beiden auch Spaß machen kann. Mitunter sieht man auch, wie das Pferd selbst darauf drängt es allen zeigen zu können! –  Deister war so ein Beispiel. Den habe selbst ich mir angesehen.

 

Wenn Gleichheit der Athleten hinsichtlich der Ausrüstung da sein soll, dann müssen vom IOC Sportmaterialien und Ausrüstung vorgegeben und/oder gestellt werden. Damit alle unter den selben materiellen Bedingungen kämpfen.
Hier spricht man inzwischen nun vom technischen Dooping, wenn Unterschiede zu groß werden. Wie bei den US-Laufschuhen, die von der Formel-1 entwickelt wurden und nur noch 137g pro Schuh wiegen.

Hier stehen aber die Sponsoren der Sportler und die Sportindustrie an sich dazwischen. Ergo wird das niemals stattfinden.

Aber wir können etwas tun. – Wir können den modernen Fünfkampf um den Aspekt bereichern, dass jeder sein Pferd selbst mitbringt. Vielleicht sehen wir dann einmal wie toll das aussieht, wenn Reiter und PFERD zusammen gewinnen wollen. Im Springreiten und der Dressur geht das doch auch.

Und bis dahin alle mal wieder hinsetzen und das Wort REITGERTE überdenken und sich fragen, warum die Reiter soetwas mit sich führen… Vermutlich nicht um die Fliegen vom Pferdearsch zu vertreiben. – SIC!

 

 

Wohlfühlbild für Hobbydenker! – SIC!

 

 

 

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