Neuer MT-Trainer offiziell vorgestellt

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Roberto García Parrondo ist der neue Chefcoach der MT Melsungen. Nachdem der Handball-Bundesligist zu Beginn der Woche die Beurlaubung von Gudmundur Gudmundsson bekannt gegeben hat, wurde unmittelbar die Suche nach einem Nachfolger gestartet. Nach gut einer Woche können die Nordhessen jetzt Vollzug melden. Der Spanier Roberto García Parrondo, 41 Jahre alt, derzeit noch als  Trainer der ägyptischen Nationalmannschaft tätig, hat am Dienstag seinen neue Arbeitsstelle bei der MT Melsungen angetreten und die Mannschaft umgehend auf das schwere Heimspiel am Donnerstag gegen Magdeburg vorbereitet. Am Mittwoch wurde Roberto García Parrondo im Rahmen einer Pressekonferenz in Kassel offiziell vorgestellt. Bei den Nordhessen hat er einen Vertrag bis Juni 2024 unterschrieben.

Unter großem Medieninteresse von Presse, Funk und Fernsehen hat Handball-Bundesligist MT Melsungen am Mittwochnachmittag ihren neuen Mann an der Seitenlinie vorgestellt. Mit Roberto García Parrondo (alle Fotos: A. Käsler) gelang es den Nordhessen, einen international viel beachteten und gefragten Trainer an die Fulda zu holen. „Unsere kurzfristige Suche nach einem neuen Coach war sicher mit einem gewissen Zeitdruck verbunden. Aber wir hatten uns selbstverständlich vorher bereits Gedanken gemacht, was passieren würde, wenn gewisse Entwicklungen eintreten“, sagte Vorstand Axel Geerken auf der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in den Räumen der Kasseler Rothenbach-Halle, wo Roberto Garcia Parrondo bereits am Donnerstag im Spiel gegen HBL-Tabellenführer SC Magdeburg seinen Einstand geben wird.

Der Spanier, parallel auch als Trainer der ägyptischen Nationalmannschaft tätig, fand die vergangene Woche, seitdem er den Anruf aus Deutschland bekommen hatte „unheimlich aufregend und kurzweilig“, wie er bekannte. „Ich musste aber nur kurz überlegen und habe dann direkt zugesagt“, meinte der 41-Jährige auf die Frage, wie er denn die letzten Tage verbracht habe. Er sei über die prominente Anfrage dennoch „sehr überrascht gewesen, weil die neue Saison erst so kurze Zeit läuft und Melsungen eigentlich einem renommierten Trainer hatte; das ist schon sehr ungewöhnlich“. Axel Geerken betonte, dass mit dem neuen Mann eine langfristige Entwicklung geplant sei. „Wir werden aber erst einmal kleine Schritte sehen und dürfen nicht erwarten, dass die Mannschaft schon morgen, ausgerechnet gegen Tabellenführer Magdeburg, explodiert. Natürlich kann so etwas auch mal passieren, davon ausgehen darf man aber nicht“, nahm der MT-Vorstand den Druck etwas raus.

Einer, der vor nicht gar zu langer Frist schon Kontakt zu seinem neuen sportlichen Vorgesetzten hatte, ist Timo Kastening, deutscher Nationalspieler in Diensten der MT. „Unsere Begegnung war enttäuschend, weil wir gegen Roberto und seine Ägypter bei Olympia in Tokio ausgeschieden sind“, erinnerte sich der Rechtsaußen. Ansonsten kann er aber nur Positives berichten: „Die Entwicklung Ägyptens im Handball ist eng mit dem Namen Parrondo verbunden. Er hat dort aus vielen guten Spielern ein echtes Spitzenteam geformt. Das kann man so ein bisschen vergleichen mit der MT, denn auch wir haben eine ganze Menge PS zu bieten, die wir endlich mal zusammen auf die Platte bringen müssen“, analysierte Kastening.

Wie der neue MT-Trainer das zu bewerkstelligen gedenkt, davon hat er bereits konkrete Vorstellungen: „Melsungen hat sehr gute Spieler, aber wir müssen unbedingt an der Teamfähigkeit arbeiten, um meine und unsere gemeinsam gesteckten Ziele zu erreichen. Im Vordergrund muss immer stehen, dass die Mannschaft wichtiger ist als jeder Einzelspieler. Ich bin zuversichtlich, dass die Umsetzung auch klappt“, ging der Spanier sofort in die Vollen, mahnte aber auch Vorsicht in der Erwartungshaltung an: „So eine Veränderung ist nicht von einem Tag auf den anderen umsetzbar. Aber ich habe viele Ansätze und auch Ideen, die die Spieler jedoch auch annehmen müssen“.

Dass das erste Pflichtspiel für ihn im Melsunger Dress sofort ein Aufeinandertreffen mit dem aktuellen Tabellenführer der Liga ist, sieht Parrondo nicht als seine persönliche Herausforderung an, sondern eher „hier anzukommen und ein Team zu bilden“. Überhaupt haben der Job in Melsungen und in Ägypten für ihn etwas gemeinsam: „Ich musste dort wie hier praktisch bei Null beginnen, was meine Vorstellungen vom Handball betrifft“. Das Ergebnis gegen den SC Magdeburg sei sicher wichtig, aber auch, „dass ich meine Vorstellungen, Vorgaben und Anweisungen umgesetzt sehen will“. Melsungen sei ein aufstrebendes Team mit großen Zielen, die zu erreichen er helfen möchte.

Zum Abschluss gab Timo Kastening schon einmal seinen persönlichen Eindruck von den ersten Trainingseinheiten unter Roberto García Parrondo wider: „Das Training beinhaltete viel und war ziemlich lang. Aber ich glaube, wenn wir als Mannschaft ein neues System und neue Taktiken erlernen wollen, wird das sowieso viel Arbeit mit sich bringen. Wir als Mannschaft müssen das annehmen, was der Trainer an Input einbringt, und darauf vertrauen, dass es funktioniert. Und ich glaube, dass wir das schaffen“.

“Dass es bei der Suche nach einem neuen Trainer so schnell zu einem Ergebnis kam, war nicht zu erwarten, geschweige denn zu einem so guten”, zeigte sich Axel Geerken erleichtert. Der MT-Vorstand räumt ein: “Dazu gehört natürlich immer auch etwas Glück. Aber wir haben auch einiges dafür getan. In den letzten Tagen haben die Telefondrähte geglüht, mit Unterstützung von Michael Allendorf haben wir sehr viele Spuren verfolgt, Informationen eingeholt und Gespräche geführt. Dabei hat Roberto Parrondo den mit Abstand besten Eindruck hinterlassen. Überzeugend waren nicht nur seine Vorstellungen, wie er mit unserer Mannschaft arbeiten will. Eine Rolle haben natürlich auch seine bisherigen Ergebnisse als Trainer gespielt. Herausragend war dabei der Champions League-Sieg mit Vardar Skopje, beeindruckend ist, wie er die ägyptische Nationalmannschaft dicht an die Weltspitze herangeführt hat. Ja, man kann sagen, mit der Verpflichtung von Roberto García Parrondo ist uns ein echter Coup gelungen, auf den die MT stolz sein darf.”

Roberto García Parrondo, geboren in Madrid, spielte in der spanischen Liga Asobal für BM Valladolid, mit dem er 2003 die Copa Asobal gewann. Im selben Jahr wechselte der meist auf Rechtsaußen eingesetzte Linkshänder zum Lokalrivalen Ademar León, wo er 2005 Europapokalsieger wurde. Nach drei Jahren kehrte er zu seinem Stammverein zurück, schaffte es mit Valladolid 2007 bis ins Champions League-Halbfinale. Die folgende Jahr sollte sein erfolgreichstes als Spieler werden. Er wechselte zum Top-Club Ciudad Real und feierte einen Fünffach-Triumpf: In Spanien die Meisterschaft, den Pokal, den Supercup, den Copa ASOBAL und auf internationalem Parkett die Champions League. Den Erfolg in der Königsklasse wiederholte er mit Ciudad in 2009 gleich noch einmal. Für die spanische Auswahl spielte Parrondo 87 mal, erzielte 205 Tore. Mit ihr erreichte er unter anderem bei der WM 2007 in Deutschland das Viertelfinale und gewann in 2011 bei der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille.

Der Wechsel vom Spielfeld an die Seitenlinie gelang ihm überaus erfogreich. In der Saison 2018/19 trainierte er den nordmazedonischen Topklub RK Vardar Skopje, mit dem er 2019 die SEHA-Liga, die EHF Champions League, die nordmazedonische Meisterschaft sowie den nordmazedonischen Pokal gewann. Seit Sommer 2019 ist er als Headcoach verantwortlich für die ägyptische Nationalmannschaft. Mit ihr schaffte er es bei der WM 2019 auf Platz 8 und in 2021 auf Platz 7, Deutschland wurde bekanntlich Zwölfter. Bei den olympischen Spielen in diesem Jahr in Tokio warf Ägypten im Viertelfinale die deutsche Auswahl mit einem 31:26-Sieg aus dem Turnier und belegte am Ende sogar Platz vier. Sein Vertrag bei der MT läuft zunächst bis zum 30.06.2024. Roberto García Parrondo wird demnächst auch seine Familie nach Nordhessen holen. Derzeit leben seine Frau und seine beiden Töchter, 14 und 11 Jahre, noch in Kairo.

Das Video der Pressekonferenz sehen Sie auf dem youtube Kanal

 


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