Müssen Kinder und Jugendliche im Haushalt helfen?

(Archivbild nur zur Veranschaulichung)

Müll herunterbringen, Wäsche aufhängen, die Spülmaschine ausräumen – im Haushalt gibt es immer viel zu tun. In Familien stellt sich dabei die Frage, ob auch Kinder und Jugendliche Aufgaben im Haushalt übernehmen sollen oder sogar müssen.

Kleinen Kindern macht es oft Spaß, sich nützlich zu machen und ihren Eltern bei der Hausarbeit zu helfen. Aber dieses Interesse lässt oft nach, wenn die Kinder älter werden. Daher dürften die Streitigkeiten zwischen Teenagern und ihren Eltern etwa über ihr unaufgeräumtes Zimmer zu den klassischen und häufigsten Konflikten in Familien gehören.
Von solchen Auseinandersetzungen lassen sich viele Eltern aber nicht davon abhalten, ihre Kinder in die Hausarbeit einzubinden und ihnen Aufgaben im Haushalt zu geben. Dabei sollten Eltern einige pädagogische Regeln beachten. Aber nicht nur die Pädagogik, sondern auch das Recht kann nützliche Hinweise geben, wie die Mithilfe von Kindern und Jugendlichen aussehen kann.

Was ist die Dienstleistungspflicht von Kindern und Jugendlichen?

Dabei lohnt zunächst ein Blick in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Denn dieses legt in dem kaum bekannten und für viele wohl überraschenden § 1619 fest, dass Kinder und Jugendliche dazu verpflichtet sind, ihren Eltern bei der Hausarbeit zu helfen.
Solange ein Kind bei seinen Eltern wohnt und von diesen unterhalten wird, muss es „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste“ leisten, heißt es in dem kurzen Paragraphen. Das schließt auch die Pflicht des Kindes zur Mithilfe im Geschäft, in der Gaststätte oder dem Bauernhof der Eltern ein.
Diese familienrechtliche Dienstleistungspflicht gilt für alle Kinder, die noch zu Hause wohnen – selbst wenn sie bereits volljährig oder verheiratet sind. Erst wenn die Kinder aus dem Elternhaus ausziehen, endet diese Pflicht.

Wie viele Stunden muss ein Kind oder ein Jugendlicher im Haushalt helfen?

Das BGB sagt nichts darüber aus, wie lange Kinder und Jugendliche etwa im Haushalt helfen sollen, es gibt dazu keine verbindlichen Regeln. „Am besten ist es, wenn man solche Fragen in der Familie austariert“, erklärt der Oldenburger Rechtsanwalt Burkhard Bühre von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

„Der zeitliche Umfang der Mithilfe hängt etwa vom Alter des Kindes, seinem Gesundheitszustand und von seiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit ab. “

Für einen 14jährigen kann es angemessen sein, bis zu sieben Stunden pro Woche im Haushalt zu helfen. Aber die Stundenzahl kann variieren und sich erhöhen, wenn die Eltern beispielsweise krank oder berufstätig sind.
Beachten muss man aber in jedem Fall: Die Mithilfe im Haushalt darf nicht dazu führen, dass Kindern keine Zeit mehr bleibt, um ihre Hausaufgaben zu erledigen oder für Klassenarbeiten zu lernen. Auch müssen sie ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können. Von der Pflicht zur Mithilfe ohnehin befreit sind Jugendliche, die sich etwa in einer Ausbildung befinden.

Wann dürfen Kinder und Jugendliche nicht im Haushalt helfen?

Es gibt rechtliche Grenzen für die Mithilfe von Kindern und Jugendlichen, und diese zeigen sich vor allem beim Thema Einkaufen. Kinder bis zum 18. Lebensjahr sind nur beschränkt geschäftsfähig. Zwar können sie bereits ab dem 7. Lebensjahr kleinere Einkäufe tätigen, größere aber nicht unbedingt.
Und bei Alkohol und Tabak ist die Gesetzeslage eindeutig: „Das Jugendschutzgesetz verbietet es, Tabak an Kinder unter 18 Jahre zu verkaufen“, sagt der Familienrechtsexperte Burkhard Bühre. „Das gilt auch für Hochprozentiges wie Spirituosen.“ Bier, Wein, Sekt oder Mischgetränke dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder kaufen noch konsumieren.

Wie grenzt sich die Mithilfe im Haushalt vom Arbeitsverbot für Kinder ab?

Die Mithilfe im Haushalt nach § 1619 des BGB widerspricht nicht dem grundsätzlichen Verbot der Kinderarbeit, die in § 5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verankert ist. Dieses Verbot bezieht sich allein auf arbeitsrechtliche Dienstverhältnisse. Allerdings kann in besonderen Fällen die Mithilfe von Kindern und Jugendlichen in bestimmten Arten von Gaststätten mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz kollidieren.

Müssen Kinder und Jugendliche für ihre Mithilfe im Haushalt bezahlt werden?

Eltern können ihre Kinder rechtlich nicht zwingen, ihnen im Haushalt zu helfen. Jedenfalls ist dies etwa über den gerichtlichen Weg nicht möglich. Umgekehrt können Kinder nicht auf Geld für ihre Mithilfe pochen. „Eltern müssen ihre Kinder nicht entlohnen, wenn diese im Haushalt helfen“, sagt Rechtsanwalt Burkhard Bühre. Die Hilfe des Kindes gleicht sich nämlich mit dem Unterhalt und den Sachmitteln der Eltern aus.

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