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Melsungen gegen Flensburg: Wieder gut gekämpft, aber wieder keine Punkte


Wieder hielt die MT Melsungen gegen ein Top-3-Team mit, wieder wurde sie am Ende für ihr engagiertes Spiel nicht belohnt. Beim 30:32 (15:18) gegen die SG Flensburg-Handewitt ließen sich die Gastgeber nie abschütteln, kamen immer wieder zurück und verpassten es in den entscheidenden Momenten aber erneut, den Schritt zurück zum Unentschieden oder gar einer Führung zu machen. Dabei war gegen den Tabellenführer durchaus was möglich. In den entscheidenden Momenten präsentierte sich der Favorit dann jedoch nervenstärker und entführte beide Punkte aus der Kasseler Rothenbach-Halle. Während für die MT Kai Häfner und Timo Kastening je achtmal trafen, ragte bei der SG Hampus Wanne mit elf Toren heraus.

Timo Kastening Nr.73

Drittes Spiel gegen ein Top-Team der Bundesliga innerhalb von nur acht Tagen und zum Abschluss dieser Woche gegen den Tabellenführer. Dass die beiden Spiele zuvor nicht spurlos an den Kräften der Gastgeber vorbeigegangen waren, war ihnen nicht anzumerken. Im Gegenteil startete die MT voller Elan und erkennbar mit dem Willen, ausgerechnet gegen den Vizemeister der vergangenen Saison etwas zu reißen. Einmal lief sich Domagoj Pavlovic an der Flensburger Deckung fest, einmal Arnar Arnarsson. Der dritte Versuch brachte nach Foulspiel am Isländer den von Tobias Reichmann zur ersten Führung verwandelten Siebenmeter und eine Strafe gegen Simon Hald. Weil Nebojsa Simic den Wurf von Gøran Søgard parierte und Kai Häfner vorn kurzen Prozess machte, führte Melsungen gleich mal mit 2:0 (3.).

Den ersten Flensburger Treffer markierte gewissermaßen auch ein „Melsunger“. Johannes Golla nämlich, der seiner erfolgreichen Jugendzeit an der Fulda bestritt und dann in den hohen Norden wechselte, zum Anschluss (4.). Es war der Auftakt eines regelrechten Verfolgungsrennens, bei dem die Torhüter auf beiden Seiten nur Zuschauer waren. Praktisch jeder Wurf ein Tor, wobei Melsungen jeweils auf zwei davonzog, Flensburg umgehend antwortete. Dass die Abwehrarbeit dennoch intensiv war, dokumentierten insgesamt fünf Siebenmeter in den ersten zehn Minuten, die allesamt ihren Weg ins Netz fanden: dreimal Hampus Wanne, zweimal Tobias Reichmann. Das Muster blieb gleich bis zu Lasse Svans 8:7 (12.).

Ein kleiner Bruch kam ins Spiel der Gastgeber, als Julius Kühn erst an Benjamin Buric scheiterte und seinen darauffolgenden Versuch krachend an die Latte setzte. Das nutzten Johannes Golla und noch einmal Lasse Svan, um die Vorzeichen umzukehren und die erste SG-Führung herauszuwerfen (8:9, 14.). Weil kurz darauf auch Kai Häfner in Buric seinen Meister fand, erhöhte Gøran Søgard auf 10:12 (18.). Der Keeper der Gäste wurde zunehmend ein Faktor, während der glücklose Simic nach gutem Beginn Platz für Silvio Heinevetter machte. Vorn blieb der Zug drin: Kai Häfner traf beim 12:13 schon zum fünften Mal (22.).

Es folgte eine für das Spiel völlig ungewohnte, mehrminütige Torflaute. Mit einem Mal ging nicht mehr viel. Hampus Wanne traf ebenso das Gebälk wie Lasse Svan und auf der Gegenseite Timo Kastening, sowohl die zuvor eiskalten Reichmann und Wanne scheiterten von der Siebenmeterlinie an Buric beziehungsweise Heinevetter. Weil aber Buric darüber hinaus aber noch zweimal glänzend parierte, zog Flensburg langsam doch davon. Erst durch Svan auf 12:16 (26.), nach einer Auszeit der MT durch Wanne sogar auf 13:18 (29.). Doch Häfner und Pavlovic trafen in den verbleibenden 60 Sekunden und so ging es, wie bereits drei Tage zuvor gegen Kiel, mit drei Toren Rückstand in die Kabine.

In den zweiten Durchgang ging es für die MT wieder mit Julius Kühn, dafür ohne Timo Kastening. Dessen Platz auf der rechten Außenbahn bekam Tobias Reichmann. Zuerst jubeln durften die Gäste über Johannes Gollas und Hampus Wannes Tore zum 15:20 (33.). Dazwischen lag ein Pfostentreffer von Felix Danner. Bis zur 34. Minute dauerte es, dann war auch Julius Kühn auf der Torschützenliste. Kurze Zeit später gefolgt von Johannes Rød für die SG und auch Felix Danner, der zwar wieder das Holz anvisierte, diesmal aber das Glück hatte, dass die Kugel von der Unterkante der Latte hinter die Linie prallte – 17:21. Und weil Kai Häfner an diesem Nachmittag kaum zu stoppen war, verkürzte er sogar auf 18:21 (36.).

Melsungen war wieder auf dem Weg zurück ins Spiel; langsam und bedächtig zwar, aber zielstrebig. Kühn fand seine Torgefährlichkeit wieder und glänzte beim 20:22 durch Domagoj Pavlovic auch als Vorbereiter (39.). Wie schon gegen Kiel kämpften sich die Nordhessen hartnäckig an den Favoriten heran. Um allerdings prompt heftige Nackenschläge zu kassieren. Erst die Gegentore durch Alexander Petersson und Simon Hald zum 20:24 (41.), dann einen Knockout, den Tobias Reichmann unbeabsichtigt von Hald kassierte. Es schien, als solle die kräftezehrende Aufholjagd erneut ohne Lohn zu enden.

Ausgerechnet als Reichmann draußen war und damit Kastening zurück aufs Feld musste, gab es einen Siebenmeter für die MT. Den übernahm der frisch wieder hereingenommene Linkshänder und setzte endlich seinen ersten Torerfolg des Tages. Dem sich sogar direkt der nächste anschloss, nachdem ihn Felix Danner mit einem abgefangenen Ball lang bediente – 22:24 (43.). Sicher, der Favorit führte noch, durfte sich aber keinesfalls sicher fühlen. Auch als Danner zwei Minuten runter musste, blieb die Deckung stabil. Wieder war es Kastening, der nach erfolgreicher Abwehrarbeit geschickt wurde – 23:25. Noch enger wurde es, als Heinevetter gegen Wanne parierte und vorn Kühn bei angezeigtem passivem Spiel „auf die letzte Rille“ zum 24:25 einwarf (48.).

Benjamin Buric, vor der Pause der Grundstein zur Flensburger Führung, brauchte satte 19 Minuten, bis er den ersten Ball abwehren konnte. Und war mit diesem ersten Erfolgserlebnis  wieder der Auslöser für die nächste Wende. Nach Kühn verfehlte auch Pavlovic das Ziel, während sich vorn Wanne, Rød und Søgard keine Schwäche leisteten. Flensburg war erneut auf vier weg (51.). Und diesmal gab es auch kein Zurück mehr für die tapfer kämpfenden Melsunger. Dazu präsentierten sich die Norddeutschen in der Schlussphase zu nervenstark. Obwohl Einsatz und Moral bei Melsungen stimmten, wie das feine Kempa-Anspiel von Häfner auf Kastening zu dessen 28:31 zeigte (57.). Am Ende jedoch holte Flensburg die Punkte, auch wenn Nebojsa Simic in der Schlussminute noch eine sehenswerte Doppelparade zeigte Timo Kastening doppelt traf.

Trainerstimmen zum Spiel

Gudmundur Gudmundsson: Glückwunsch an Maik und die SG. Ich fand, es war sehr lange alles möglich. Inder Zusammenfassung haben wir einfach zu viele Gegentore über die schnelle Mitte, die erste Welle und Gegenstöße bekommen. Das waren, glaube ich, allein 15 Stück. In der zweiten Hälfte sind wir auf 24:25 dran und alles ist noch drin. Dann haben wir aber einige klare Chancen verworfen. Uns fehlt nicht viel an den Top-Mannschaften, aber wir gewinnen eben nicht. Wir werfen gegen Flensburg 30 Tore und die müssen eigentlich reichen. Aber dann machen wir in einigen Phasen zu viele technische Fehler und uns selbst damit alles kaputt. Da müssen wir uns verbessern.

Maik Machulla: Die Glückwünsche nehmen wir heute gern an. Ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht, auch sehr strukturiert. Dazu haben wir immer wieder Lösungen gefunden. Wenn man nach einem Sieg in Melsungen etwas Negatives finden will dann hätte ich mir von meiner Abwehr vielleicht ein klein wenig mehr Kompaktheit und Aggressivität gewünscht. In der ersten Hälfte haben wir viel Druck gemacht und die Spezialistenwechsel von Melsungen, wie ich finde, sehr gut genutzt. Später dann haben wir unsere Abwehr auf 5:1 umgestellt und daraus einige gute Situationen gehabt. Insgesamt bin ich zufrieden, denn wir haben hier bei einer guten Melsunger Mannschaft gewonnen.

Die komplette Pressekonferenz, einschließlich der Statements von Timo Kastening und Johannes Golla, sehen sie hier auf dem MT YouTube-Kanal.

MT Melsungen – SG Flensburg-Handewitt 30:32 (15:18)

MT Melsungen: Simic (7 Paraden / 16 Gegentore), Heinevetter (6 P. / 16 G.); Maric, Kühn 3, Lemke, Reichmann 2/2, Mikkelsen, Danner 1, Arnarsson 1, Allendorf 2, Pregler, Häfner 8, Salger, Kastening 8/2, Pavlovic 5 – Trainer Gudmundur Gudmundsson.

SG Flensburg-H.: Buric (12 P. / 30 G.), Bergerud (n. e.); Golla 5, Hald 1, Svan 4, Wanne 11/6, Jøndal, Steinhauser, Mensah 1, Søgard 5, Gottfridsson 2, Petersson 1, Rød 2 – Trainer Maik Machulla.

Schiedsrichter: Fabian Baumgart (Neuried) / Sascha Wild (Offenburg)

Zeitstrafen: 6 – 2 (Allendorf 5:10, Danner 43:30, Kühn 55:49 – Hald 1:25)

Strafwürfe: 5/4 – 7/6 (Wanne scheitert an Heinevetter 23:17, Reichmann scheitert an Buric 24:17)

Zuschauer: Ohne Zuschauer in der Rothenbach-Halle, Kassel.

Die nächsten Spiele:
Do., 06.05.21, 19:00 Uhr, SC DHfK Leipzig – MT Melsungen, Quarterback Imm. Arena Leipzig
Sa., 08.05.21, 20:30 Uhr, MT Melsungen – FA Göppingen, Rothenbach-Halle Kassel


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