Klage wegen schleichender CO-Vergiftung Langanhaltende CO-Vergiftungen werden selten erkannt

Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen // Fotograf: Urban Ruths

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(ots) Erstmals hat eine Mieterin ihren Vermieter wegen einer andauernden Kohlenmonoxidvergiftung verklagt. Bei der Frau aus Lüneburg traten über mehrere Monate hinweg Symptome wie permanente Kopfschmerzen, Seh- und Konzentrationsstörungen, Taubheitsgefühle, Übelkeit sowie extreme Müdigkeit auf. Ihre behandelnden Ärzte waren dabei jedoch von einer neurologischen Krankheit und nicht von einer Kohlenmonoxidvergiftung ausgegangen, so dass eine Blutuntersuchung ausblieb. Erst ein Heizungsbauer entdeckte die tödliche Gefahr, die von der defekten, nicht gewarteten Therme im Badezimmer der Mieterin ausging. Er maß direkt an dem Gerät austretendes Kohlenmonoxid (CO) in einer höchst gesundheitsschädlichen Konzentration von 2000 ppm.

CO-Vergiftungen bleiben oft unerkannt

„Kohlenmonoxid ist ein heimtückisches Atemgift, das unsichtbar, geruchslos sowie geschmacksneutral und stark gesundheitsgefährdend ist. Atmet ein Mensch zu viel davon ein, wird sein Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Zeichen einer CO-Vergiftung werden aber häufig nicht richtig erkannt, da sie in der Regel nicht eindeutig zuzuordnen sind“, erklärt Dr. med. Holger Wißuwa vom Bundesverband der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Deutschland e.V.

CO-Vergiftung schwer nachweisbar

Neurologin Dr. Gabriele Wöbker, Direktorin der Klinik für Intensivmedizin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, ergänzt: „Zirkuliert Kohlenmonoxid längere Zeit im Körper, kann es zu Gedächtnis- und Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen, Tinnitus, Lichtempfindlichkeit oder chronischen Schmerzen kommen. Auch parkinsonähnliche Symptome, neurologische Defizite und Depressionen sind möglich. Allerdings können Monate vergehen, bis sich eine chronische Intoxikation bemerkbar macht, denn in der Regel ist der Patient dem Gas nicht ununterbrochen ausgesetzt. Die hieraus resultierenden schwankenden CO-Konzentrationen im Blut erschweren die Diagnostik. Korrekt einordnen lassen sich die Symptome nur, wenn man neben den Beschwerden des Patienten auch dessen Lebensverhältnisse betrachtet.“

Darüber hinaus gilt, dass es keine sichere Korrelation zwischen CO-Spiegel im Blut und späteren neurologischen Auffälligkeiten gibt. Aussagen zu Spätfolgen sind nur durch eine Langzeitverfolgung und MRT-Untersuchungen möglich.

Abgaswegeüberprüfung und CO-Warnmelder schützen

Gesundheitsgefährdende Vergiftungen durch CO kommen häufiger vor als vermutet. Sie sind nach Arzneimitteln und Drogen die Vergiftungsart mit den meisten Todesfällen in Deutschland. Ein häufiger Grund sind schlecht oder nicht gewartete Gasthermen. „Bei unseren CO-Messungen stellten wir im Jahr 2020 bei rund 250.000 Gasfeuerungsanlagen einen Kohlenmonoxid-Gehalt von mehr als 500 ppm im Abgas fest. Um dem Austritt von CO in Wohnräumen vorzubeugen, empfehlen wir eine regelmäßige Wartung von Gasthermen, Heizkesseln und Lüftungssystemen durch einen Fachbetrieb. Außerdem ist die wiederkehrende Messung und Abgaswegeüberprüfung durch den Schornsteinfeger gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Alexis Gula, Sprecher des Zentralen Innungsverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV).

Als zusätzliche Absicherung können CO-Warnmelder in Räumen mit brennstoffbetriebenen Geräten und in Aufenthalts- und Schlafräumen installiert werden. Mithilfe eines chemischen Sensors erkennen diese bereits geringe Mengen des Atemgiftes in der Umgebungsluft und geben rechtzeitig Alarm, bevor gesundheitsschädliche Konzentrationen erreicht werden.

 

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