Im 3. Quartal 3.255 Staustunden weniger als 2017

 

Der Verkehr auf hessischen Autobahnen ist auch von Juli bis September 2018 deutlich flüssiger gelaufen als im Vorjahr. Insgesamt standen die Autofahrer im zweiten Quartal 3.255 Stunden und damit gut 30 % weniger im Stau als im gleichen Zeitraum 2017. „Niemand steht gerne im Stau. Deshalb drehen wir an allen Stellschrauben, um den Verkehr so gut und intelligent wie möglich zu organisieren: Vom Baustellenmanagement über die schnelle Räumung von Unfallstellen bis hin zur temporären Seitenstreifenfreigabe“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Donnerstag in Wiesbaden. „Der Rückgang der Staus im dritten Quartal um gut 30 Prozent zeigt, dass wir dabei auf dem richtigen Weg sind. Auch wenn ich weiß, dass die Verkehrsbelastung und damit die Staugefahr auf den Autobahnen insbesondere im Rhein-Main-Gebiet nach wie vor hoch ist.“

© HMWEVL

Mit dem Rückgang der Staustunden im dritten Quartal setzt sich ein Trend fort, der sich bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres zeigte. Auch von Januar bis März standen die Autofahrer in Hessen rund 1.100 Stunden weniger im Stau als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dies entsprach im ersten Quartal einem Rückgang um ca. 20 Prozent. Im zweiten Quartal 3.700 Staustunden weniger als 2017. Das entsprach einem Rückgang von gut 30 Prozent. „Das ist uns gelungen, obwohl wir auch in diesem Jahr wieder in Rekordhöhe ins hessische Autobahnnetz investieren und beispielsweise auf der A3 bei Idstein und der A 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden große Baustellen eingerichtet haben, um unsere Infrastruktur in Schuss zu halten. In den letzten Tagen sind auch die notwendigen Bauarbeiten an der Salzbachtalbrücke in die nächste Phase eingetreten und diese werden über mehrere Jahre zu Verkehrsbehinderungen und damit auch zu Staus führen. Aber diese Investitionen ins bestehende Autobahnnetz sind dringend notwendig, weil viele Brücken schlichtweg in die Jahre gekommen sind.“

Nirgendwo so viele Autos unterwegs wie in Hessen

Obwohl Hessens Autobahnen die höchste Verkehrsdichte aller Flächenländer aufweisen, haben laut ADAC-Ranking andere Bundesländer deutlich größere Stauprobleme. Hessen lag 2017 bundesweit auf einem Platz im Mittelfeld. „Nirgendwo sind jeden Tag so viele Autos unterwegs wie auf hessischen Autobahnen. Die Spitzenwerte im Rhein-Main-Gebiet liegen viermal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und die Tendenz ist weiter steigend“, so der Minister.

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Zur weiteren Erhöhung des Verkehrsflusses auf der A 3 wurde vor kurzem zudem eine neue Streckenbeeinflussungsanlage mit integrierter Seitenstreifenfreigabe zwischen dem Wiesbadener Kreuz und Frankfurt-Süd freigeben. Um den Verkehrsfluss auf der A 5 zwischen Darmstadt und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg zu verbessern, ist zudem vorgesehen, eine temporäre Seitenstreifenfreigabe zwischen den Anschlussstellen Darmstadt-Eberstadt und Heppenheim in Fahrtrichtung Karlsruhe sowie überdies zwischen der Landesgrenze und der AS Darmstadt-Eberstadt in Fahrtrichtung Frankfurt am Main einzurichten. „Auch davon erhoffen wir uns weitere Entlastung auf diesem hochbelasteten Autobahnabschnitt“, so der Minister. In einem ersten Schritt wird hierzu im nächsten Jahr der Teilabschnitt zwischen Darmstadt-Eberstadt und der AS Seeheim-Jugenheim gebaut.

Seitenstreifenfreigaben: 3 Fragen – 3 Antworten 

1. Auf wie viel Kilometer Autobahn gibt es derzeit in Hessen eine Seitenstreifen-Nutzung und aus welchen Gründen?

Anlagen zur temporären Seitenstreifenfreigabe (TSF) sind derzeit auf 100,4 Richtungskilometern der hessischen Autobahnen in Betrieb. Sie wurden zum Zweck der Kapazitätserhöhung und Stauvermeidung eingerichtet.  

2. Welchen Effekt hat die temporäre Freigabe des Seitenstreifens für den fließenden Verkehr?

Diese Fragestellung wurde am Beispiel der Autobahn A5 zwischen Bad Homburger Kreuz und Nordwestkreuz untersucht. Für einen dreistreifigen Querschnitt ergab sich demnach eine Kapazitätserhöhung von 20 bis 25 % gegenüber dem Vorher-Zustand ohne Seitenstreifenfreigabe. Dadurch konnten auf der hochbelasteten Autobahn das Ausmaß der Überlastungen und damit die Zeitverluste für die Verkehrsteilnehmer erheblich reduziert werden.  

3. Hat die Seitenstreifen-Nutzung Auswirkungen auf die Anzahl der Verkehrsunfälle?

Erfahrungsgemäß ist die Verkehrssicherheitswirkung von TSF-Anlagen neutral bis leicht positiv. Eine Untersuchung der Auswirkungen von TSF auf das Unfallgeschehen wurde für einen Abschnitt der Autobahn A3 zwischen den Anschlussstellen Obertshausen und Offenbacher Kreuz durchgeführt. Die Untersuchung ergab, dass das Unfallgeschehen nach Einrichtung der TSF im betroffenen Abschnitt relativ konstant geblieben ist. Im Vorlauf der TSF-Anlage zeigte sich eine deutliche Reduktion der Unfälle, die auf das geringere Risiko von staubedingten Auffahrunfällen zurückzuführen ist. Voraussetzung für ein hohes Sicherheitsniveau ist die Integration der TSF-Anlagen in eine Streckenbeeinflussungsanlage sowie die Beobachtung der Seitenstreifen mithilfe von Videokameras durch Operatoren der Verkehrszentrale Hessen vor und während der Freigabe, um die Hindernisfreiheit des Seitenstreifens sicherzustellen und notfalls den Seitenstreifen wieder zu sperren.

Leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr ist notwendig für Mobilität in Hessen

Al-Wazir: „Hessen völlig ohne Staus wird es nicht geben. Dafür ist das Verkehrsaufkommen auf unseren Autobahnen zu hoch. Überlastungen zu Stoßzeiten werden sich nie ganz vermeiden lassen“, so der Minister. Auch Unfälle oder liegengebliebene LKW würden immer zu Behinderungen und damit zu Verzögerungen und Staus führen. „Das gleiche gilt für Baustellen, insbesondere bei Brückensanierungen unter Verkehr. Da weiter in die Erhaltung des Straßennetzes investiert werden muss und das unter laufendem Verkehr stattfinden wird es auch in Zukunft Behinderungen und damit auch Staugefahr geben. Unser Ziel ist es dennoch, Staus so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei sind wir heute schon sehr erfolgreich.“

„Eins muss uns aber klar sein: Allein auf der Straße werden wir die Probleme des Straßenverkehrs gerade im Rhein-Main-Gebiet nicht lösen können. Ohne einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr ist die Mobilität nicht zu sichern. Deshalb setzen wir uns ebenfalls massiv für einen Ausbau der Schienenstrecken ein. Nur eine leistungsfähigere Schieneninfrastruktur wird die Situation auf den Autobahnen des Rhein-Main-Gebiets langfristig verbessern“, so der Minister. 

 

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