Hessens Jagdstrecke trotz Corona und Lockdown explodiert – PETA fordert von Umweltministerium: „Wildtiere schützen statt schießen“

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Wiesbaden / Stuttgart, 15. Juni 2021 – Mehr als 280.000 Tiere hat die Jägerschaft in der Jagdsaison 2020/21 allein in Hessen erschossen, darunter auch bedrohte Arten wie der Feldhase. Die kürzlich vom Umweltministerium in Wiesbaden präsentierte Jagdstrecke listet trotz des zeitweisen Lockdowns deutlich mehr getötete Tiere auf als im vergangenen Jahr, beispielsweise 7,7 Prozent mehr Füchse, was 28.995 Tieren entspricht. Zudem wurden zahlreiche sogenannte Haustiere im Zuge des „Jagdschutzes“ erschossen, darunter 128 angeblich wildernde Katzen. PETA fordert Landesumweltministerin Priska Hinz nun auf, endlich vorhandene wildbiologische Studien anzuerkennen und die Jagd auf Füchse und andere Beutegreifer als einen ersten Schritt in Hessen zu verbieten.

 

„Für ein gesundes Ökosystem spielen Wildtiere eine große Rolle. Rehe scharren die Humusschicht am Waldboden auf und ermöglichen den Samen von Birke, Kiefer und Tanne dadurch überhaupt erst zu wachsen. Rabenvögel beseitigen als Aasfresser tote Tiere. Sie essen auch Raupen, Mäuse, Maikäfer und Drahtwürmer und schützen somit den Wald vor ihnen. Elstern bauen mehr Nester, als sie zum Brüten benötigen und Vögel, die selbst keine Nester bauen, profitieren davon“, so Nadja Michler, PETAs Fachreferentin für Wildtiere. „Das hessische Umweltministerium erweist sich traurigerweise zunehmend als Sprachrohr der Jägerschaft sowie der Landwirte und Landwirtinnen und ignoriert seine Verantwortung im Hinblick auf Tierschutz und Umwelt.“

 

Jagd aus wildbiologischer Sicht kontraproduktiv

PETA weist darauf hin, dass nicht nur Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid zugefügt wird, sondern jährlich auch mehrere Dutzend Menschen von Jagenden getötet und verletzt werden. Dabei sind sich anerkannte Fachleute aus der Wildbiologie längst einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. Vielmehr finde eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste werden durch Nachkommen und Zuwanderung ausgeglichen oder gar überkompensiert.

 

PETA kritisiert hessische Regierung
PETA erinnert daran, dass der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, und kritisiert die hessische Regierung scharf dafür, dass sie das Töten von Wildtieren unter vorgeschobenen Vorwänden zulässt. So verweist das Umweltministerium auf angebliche Fraß-, Tritt- sowie Wühlschäden in der Land- und Forstwirtschaft und bezeichnet Wildtiere als Gefahr. [3] In der Folge tötete die Jägerschaft neben Füchsen und den bedrohten Feldhasen unter anderem auch 29.875 Waschbären, das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Weiterhin fielen 65.350 Wildschweine, Tausende heimische Wildvögel sowie 104.170 Rehe der Jagd zum Opfer – laut Michler „ein trauriger Rekord – zumal coronabedingt 50 Prozent weniger Drückjagden stattgefunden haben.“ [4]

 

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen oder in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

[1] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW. (15.05.2014).

[2] Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York. / Baker, P. & Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? Springer-Verlag 2005.

[3] Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ohne Datum): Jagd in Hessen.? Online abrufbar unter: https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/wald/jagd-hessen.(13.?06.?2021).?

[4] Deutsche Jagdzeitung: Hessen: Deutlich weniger Sauen wegen Corona.? Online abrufbar unter: https://djz.de/hessen-streckeneinbruch-wegen-corona/. (13.?06.?2021).?

 

Weitere Informationen
PETA.de/Themen/Jagd

 

PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.


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