Haie im Handelsstrom

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Bis zu 100 Millionen Haie und Rochen sterben jedes Jahr in der Fischerei. Der Handel mit Haifleisch entpuppt sich laut aktueller WWF-Analyse als ein komplexes, globales Geschäft, in dem europäische Staaten und die EU eine zentrale Rolle spielen:

Spanien ist der weltweit größte Exporteur von Haifleisch 184.000 Tonnen wurden zwischen 2009 und 2019 in 85 Länder und Territorien ausgeführt. Die EU hat sich als Hauptlieferant für die südostasiatischen Märkte etabliert, wobei ihre eigenen Exporte und Importe etwa 22 Prozent des gesamten globalen Haifleischhandels ausmachen. Unrühmlich aus hiesiger Perspektive: Deutschland ist der zweitgrößte Importeur im Segment von frischen Haifilets; vor allem Dornhaifilets werden frisch importiert, geräuchert und dann als sogenannte „Schillerlocken“ verkauft. Die Gesamtmenge ist mit durchschnittlich 32 Tonnen pro Jahr jedoch gering, im Vergleich zu den Importmengen anderer Staaten in anderen Marktsegmenten.  Mehr als 200 Länder und Regionen importieren und exportieren Hai- und Rochenfleisch. Dessen globaler Handelswert wird für den Zeitraum 2012 bis 2019 auf 2,6 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die vom WWF beauftragte wissenschaftliche Analyse nutzt erstmals die Graphentheorie, um nicht nur die wichtigsten Importeure und Exporteure von Hai- und Rochenfleisch aufzuzeigen, sondern auch die wichtigen Zwischenhändler, Beziehungen und Netzwerke innerhalb der Handelsströme sichtbar zu machen. Im letzten Jahrzehnt bestanden die wichtigsten Handelsbrücken für Haifleisch zwischen Japan und Spanien (und umgekehrt), Portugal und Spanien, Großbritannien und Spanien, Japan und Panama sowie China und Japan.

Eine überraschende Erkenntnis der Analyse: Obwohl Haiflossen im Allgemeinen viel teurer sind als Haifleisch, ist der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch tatsächlich größer als der Handel mit Flossen, dies gilt für Volumen und Wert gleichermaßen. Der Handelswert von Hai- und Rochenfleisch zusammen betrug zwischen 2012 und 2019 2,6 Mrd. US Dollar und überstieg den Wert von Haiflossen (1,5 Mrd. US Dollar) im gleichen Zeitraum.

„Oft steht die Nachfrage nach Haiflossen aus dem asiatischen Raum im Mittelpunkt, doch unsere Analyse zeigt, dass weltweit eine beträchtliche Nachfrage nach Fleisch von Haien und Rochen besteht, die den Rückgang dieser Arten mit vorantreibt“, verdeutlicht Heike Zidowitz, Haiexpertin des WWF Deutschland. Einige Haipopulationen sind aufgrund von Überfischung um mehr als 95 Prozent eingebrochen. Heute sind 36 Prozent der mehr als 1.200 bekannten Hai- und Rochenarten vom Aussterben bedroht. „Der Handel mit Haifleisch ist ein komplexes und undurchsichtiges Geschäft, das transparenter werden muss.  Rückverfolgbarkeit ist vom Fang bis zu jeder Stufe der Lieferkette erforderlich, um sicherzustellen, dass der Handel legal und überschaubar bleibt, und um geschützte Arten vom Markt fernzuhalten“, so Zidowitz weiter. Gerade die EU sei ein Hauptakteur, der mit Instrumenten wie der Fischereikontrollverordnung oder der IUU-Verordnung das Potential hätte, artspezifisch Aufschluss über die Fänge zu geben, illegale Haifischerei einzudämmen und Rückverfolgbarkeit zu erhöhen. Ein umfassendes Managementsystem für alle Haifischereien existiert jedoch bisher nicht.

Die weit verbreitete Einstufung von Haien und Rochen als Beifang ist höchst problematisch. „In vielen europäischen Thunfisch-Fischereien werden regelmäßig Haie in einem größeren Umfang als die Zielarten selbst mitgefangen und als lukrativer Fang vermarktet, ohne dass überhaupt artspezifische Höchstfangmengen festgelegt wurden. Dies verhindert, dass der Überfischung Einhalt geboten werden kann“, kritisiert Heike Zidowitz. Auf internationaler Ebene sind weitaus detailliertere Handels- und Zollcodes erforderlich.

Wenn die Ernährungssicherheit nicht davon abhängt, sollten Verbraucher:innen es laut WWF vermeiden Hai- und Rochenprodukte zu kaufen und zu essen. Insbesondere da nur sehr wenige Produkte auf dem Markt aus nachhaltigen und rückverfolgbaren Quellen stammen.

 

OV von WWF Deutschland

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