Goodbye Diesel – Bahn in Hessen steigt auf Wasserstoff um

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Nichts weniger als die „weltgrößte Flotte von Wasserstoffzügen“ hat die Bahn für das kommende Jahr im Rhein-Main-Gebiet geplant. Der Rohstoff wird im Industriepark Frankfurt-Höchst produziert, wo das Gas in rauen Mengen als Chemieabfall anderer Herstellungsprozesse abfällt. Die Flotte, die insgesamt 27 Züge umfasst, soll ab Ende 2022 im DB-Regio-Werk im benachbarten Griesheim in Betrieb genommen werden, wie der Verbund aus der Deutschen Bahn, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und Alstom am Freitag mitteilte. Für die Zugführer der Neuartigen Flotte wird es in den nächsten Wochen eine europaweite Ausschreibung geben, wie RMV-Geschäftsführer Knut Ringat verlauten ließ. Die Technologie der Zukunft nutzen auch viele online casino spiele.

Als der größte Hersteller von Dieselzügen des Landes hat sich auch Alstoms Manager Jörg Nikutta gefragt, was denn dann nach dem Diesel kommt. Da das Teilnetz im Taunus nicht elektrifiziert ist, lautete die Antwort für die vier Strecken westlich von Frankfurt also Brennstoffzellen. Statt Diesel baute Alstom sie inklusive Wasserstofftanks und Pufferbatterien in seinen hundertfach bewährten Nahverkehrszug ein. Dank einer Reichweite von etwa eintausend Kilometern und einer hohen Zuverlässigkeit auch bei klimatischen Herausforderungen sollten die iLINT-Züge dem Diesel in entscheidenden Punkten nicht nachstehen. Auch den Lokführern soll die Umstellung möglichst leicht gemacht werden. 

Die RMV-Tochter fahma hat die Züge, die auch in Norddeutschland und Baden-Württemberg getestet werden, für rund eine halbe Milliarde Euro gekauft, um mit der neuen Technik die sonst zu komplizierten Prozesse zu vereinfachen. Alstom stellt gemeinsam mit Infraserv Höchst die Energieversorgung sicher und hat nun DB Regio mit der Wartung der Züge beauftragt. Die Bahntochter wird sich sicher auch an der Ausschreibung für den Zugbetrieb beteiligen, wie Vorstandsmitglied Oliver Teerhag ankündigte.

Bei einer erwarteten Lebensdauer von 25 Jahren müsse man nach alternativen Antrieben suchen, um die Klimaziele zu erreichen, beschreibt RMV-Mann Ringat die Ausgangssituation. Über den gesamten Zeitraum betrachtet, lohnt sich die Erprobung der bisher wenig genutzten Brennstoffzellentechnologie. Ausschlaggebend waren letztlich die Verfügbarkeit von Wasserstoff im Industriepark und die fehlende Elektrifizierung auf den Taunusstrecken.

Denn die Züge kommen ohne Oberleitung aus. In den auf dem Zugdach montierten Brennstoffzellen reagiert der Wasserstoff sauber mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Das Ergebnis ist Wärme, Strom für die Motoren und Wasserdampf als Abfallprodukt. Von klimaschädlichen Stoffen wie CO2, Stickoxiden oder Feinstaub ist bei diesem Prozess keine Spur. Wasserstoff, das häufigste chemische Element im Universum, muss jedoch erst mit großem Energieaufwand aus seinen natürlichen Verbindungen herausgelöst werden.

Im Industriepark Frankfurt-Höchst geschieht dies bei der Herstellung von organischen Rohstoffen in der Chlorchemie schon seit mehr als 100 Jahren. Erfahrungen mit dem flüchtigen Gas, das unter bestimmten Bedingungen explosiv ist, gibt es also reichlich. Für die Chlor-Alkali-Elektrolyse wird zunächst viel fossile Energie eingesetzt, weshalb der so gewonnene „graue“ Wasserstoff noch nicht als klimaneutral gelten kann.

Das Gas aus Höchst wurde bis dato lediglich zur Herstellung von landwirtschaftlichem Dünger verwendet oder einfach verbrannt. Jetzt wird eine Zugtankstelle an den Gleisen gebaut. Als Backup wird eine große Elektrolyse-Anlage in Betrieb genommen, die ebenfalls dank zugekauftem Ökostrom genug Wasserstoff für die neuen Taunuszüge produzieren kann. Bei dieser Anlage wird einfaches Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten.

In der DB Regio-Werkstatt in Griesheim freuen sich Chef Ingo Albrecht und sein 220-köpfiges Team auf das neue Fahrzeug. Es werden zunächst einmal rund 1,2 Millionen Euro investiert, die unter anderem für eine moderne Dachentlüftungsanlage aufgewendet werden, für den Fall, dass ein Teil des Wasserstoffs entweichen sollte.

Zusätzliche Arbeitsplätze werden vorerst jedoch nicht benötigt, erklärt DB-Vorstand Teerhag, denn zunächst wird die bereits vorhandene Arbeit in den Werkstätten umstrukturiert und neu verteilt. Viele Bestandteile der neuen Züge sind außerdem identisch mit denen der älteren Modelle. Dass man nicht ewig am Diesel festhalten kann, ist auch den Mechatronikern klar. Nicht zuletzt, weil die Deutsche Bahn bis 2040 alle Dieselantriebe durch klimafreundliche Alternativen ersetzt haben will.


 

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