Frauen erleben in ihren Städten Angst, Belästigung und Gewalt

Maike Röttger (Vorsitzende der Geschäftsführung Plan International Deutschland) stellte den Bericht "Safe in the City?" gemeinsam mit Mirko Streiber (Leiter LKA Hamburg) und Simone Rabitz-Suhr (stv. Sachgebietsleiterin der Kriminologischen Forschungsstelle LKA Hamburg) in Hamburg vor. (Foto: Plan International / Dirk Eisermann) / Plan-Umfrage zur gefühlten Sicherheit in deutschen Großstädten. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/18591 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Plan International Deutschland e.V./Dirk Eisermann"

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 (ots) Kaum eine Frau fühlt sich sicher, wenn sie in Hamburg, Berlin, Köln oder München unterwegs ist. Das ist das Ergebnis der von Plan International von Januar bis März dieses Jahres durchgeführten Befragung „Safe in the City?“ zur gefühlten Sicherheit in deutschen Großstädten. Knapp 1.000 Teilnehmerinnen setzten dazu auf interaktiven Städtekarten so genannte „Pins“ (Markierungen) an Orte, die sie als sicher oder unsicher erlebt hatten. Von den insgesamt 1.267 gesetzten Ortsmarkierungen wurden 80 Prozent als negativ eingestuft. Begründet wurde dies zum Beispiel mit aufdringlichen Sprüchen beim Joggen im Park, mit schlecht beleuchteten Straßen auf dem Heimweg, Verfolgungen oder unsittlichen Berührungen. Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland: „Unsere Umfrage zeigt, dass Mädchen und Frauen sich in ihrer Stadt nicht wirklich sicher und frei bewegen können. Im Schnitt hat jede der Teilnehmerinnen einen unsicheren Ort in ihrem Umfeld markiert. Jede vierte Frau hat sexuelle Belästigung erlebt und jede fünfte wurde schon mal verfolgt, beschimpft und bedroht. Ein Ergebnis, das uns sehr zu denken gibt.“

Die am häufigsten genannten Gründe für ein unsicheres Gefühl sind Begegnungen mit Personengruppen die Alkohol oder Drogen konsumieren, ebenso schlecht beleuchtete Wege und Parks sowie einsame Gegenden, wo Hilfe im Notfall fehlen würde. Maike Röttger: „Unsere Umfrage hat gezeigt, dass der Handlungsbedarf groß ist. Jedes Mädchen und jede Frau hat das Recht, sich in ihrer Stadt frei und ohne Angst zu bewegen. Um dahin zu kommen, sollten Mädchen und Frauen aktiv in die Gestaltung ihres Umfeldes einbezogen werden. Städtebauliche Maßnahmen wie mehr oder bessere Beleuchtung oder das Abschaffen von uneinsichtigen, düsteren Ecken in Parks wären zum Beispiel ein guter erster Schritt. Genauso wichtig ist es aber, dass wir Geschlechterrollenbilder verändern, die vielen Jungen und Männern immer noch suggerieren, dass es völlig in Ordnung ist, Frauen zu belästigen. Stereotype und Diskriminierung sind die tiefer liegenden Gründe dafür, dass Mädchen und Frauen sich nicht sicher fühlen können.“

Eine 2018 veröffentlichte Befragung von Plan International in den Metropolen Delhi, Sydney, Kampala, Lima und Madrid hat bereits gezeigt, dass sich ein großer Teil der Mädchen und jungen Frauen in der Stadt nicht sicher fühlt. Von insgesamt über 21.000 Orts-Markierungen waren ebenfalls fast 80 Prozent negativ. Dieses Ergebnis ist deckungsgleich mit der deutschen „Safe in the City?“-Umfrage. Um den Lebensraum Großstadt für Mädchen und Frauen sicherer zu machen, hat Plan International 2014 gemeinsam mit UN-Habitat das „Urban Programme – Safer Cities for Girls“ ins Leben gerufen. Aktuell wird es in 12 Ländern durchgeführt, unter anderem in Ägypten, Indien, Peru, Uganda, Australien und Spanien.

Die wichtigsten Ergebnisse der „Safe in the City?“-Umfrage:

– Von 1.267 markierten Orten wurden 80 Prozent als unsicher und nur 20 Prozent als sicher bewertet. Im Schnitt hat also jede der 940 Teilnehmerinnen mindestens einen Ort in ihrer Stadt markiert, an dem sie sich nicht sicher fühlt. Nur jede dritte Frau hat hingegen einen für sie sicheren Ort markiert.

– Jede vierte Frau hat in ihrer Stadt bereits sexuelle Belästigung erlebt. Etwa 26 Prozent aller negativen Markierungen auf der „Safer Cities Map“ wurden damit begründet, dass sie dort bereits sexuell belästigt wurde.

– Durchschnittlich jede fünfte Teilnehmerin ist in ihrer Stadt schon einmal Opfer von Gewalt, Verfolgung oder Bedrohung geworden. Bei den erlebten Vorfällen handelt es sich in den meisten Fällen um tätliche Übergriffe und verbale Attacken.

– Der am häufigsten genannte Grund für ein unsicheres Gefühl bei Mädchen und Frauen sind angsteinflößende Personen und hier vor allem Menschen, die öffentlich Drogen oder Alkohol konsumieren. Auch schlechte Beleuchtung wurde häufig als Grund für ein unsicheres Gefühl angegeben. An dritter Stelle der Begründungen liegt das Gefühl, von Hilfe abgeschnitten zu sein.

– Am unsichersten fühlen Mädchen und Frauen sich, wenn sie auf der Straße unterwegs sind. Auch beim Warten auf oder der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln fühlen sie sich unwohl, oder wenn sie sich in Parks oder Grünflächen aufhalten. Sicher fühlen sie sich hingegen in Bars, Restaurants oder bei Veranstaltungen.

– Die Mehrheit der Teilnehmerinnen fühlt sich in ihrer Stadt am unsichersten, wenn es dunkel ist: 806 der 1.014 negativen Pins wurden abends oder nachts gesetzt, nur 208 Pins dagegen am Tag.

 

Original-Content von: Plan International Deutschland e.V.

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