Fit für die Ausbildung – Stadt Kassel startet Projekt für junge Flüchtlinge

Auf dem Foto ist der Ausbilder Günter Woike mit zwei Teilnehmern des Projekts „Fit für die Ausbildung“ zu sehen. Links im Bild ist der aus Afghanistan geflüchtete Mubarak Shafaq zu sehen. Rechts im Bild ist Abukar Abshir Omar – er kommt aus Somalia. Das Foto entstand im Dezember 2016 in den Werkstätten der StadtBild gGmbH bei einer praktischen Unterweisung Teilnehmer für erste Grundlagen im Bereich Metallverarbeitung. Konkret ging es um eine Vorübung zum Drahtbiegen. Foto: Erwin Wiedergrüßer/Jafka/Stadt Kassel

Zehn junge Geflüchtete werden in den Mitgliedsbetrieben des Kasseler Stadtnetzes Ausbildung fit gemacht für eine duale Berufsausbildung. Das Projekt ist gleich in mehrfacher Hinsicht innovativ.

„Fit für die Ausbildung“ heißt ein Projekt, mit dem zehn junge, nach Kassel geflüchtete Menschen in den betrieblichen Ausbildungsmarkt integriert werden sollen. Innerhalb von zehn Monaten werden die jungen Flüchtlinge so qualifiziert, dass sie anschließend eine duale Berufsausbildung in der Verwaltung oder der Wirtschaft und insbesondere im Handwerk beginnen können. Das Ausbildungsprojekt geht auf eine Initiative von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zurück.

„Eine berufliche Tätigkeit auszuüben ist neben dem Spracherwerb die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in unsere Gesellschaft“, erklärt Oberbürgermeister Hilgen. „Im Arbeitsleben können die Menschen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse anwenden, dabei Selbstbewusstsein und Zufriedenheit aufbauen, ein von staatlicher Unterstützung unabhängiges Leben führen und letztlich ihre Träume realisieren.“

Das Projekt „Fit für die Ausbildung“ hat im November 2016 begonnen und dauert zehn Monate. Zehn Flüchtlinge zwischen 18 und 25 Jahren nehmen daran teil. Sie stammen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und Indien. Diese Altersgruppe macht mit etwa 28 Prozent einen großen Teil der Asylbewerber aus. Ein regulärer Bildungszugang durch einen Schulbesuch ist ihnen nicht möglich. Daher ist es wichtig, ihnen spezielle Qualifizierungsprogramme anzubieten, so dass sie nicht dauerhaft von staatlichen Transferleistungen abhängig werden.

Damit Flüchtlinge größtmögliche Lernfortschritte erzielen und in den Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsmarkt integriert werden können, haben sich betriebsnahe Qualifizierungen als wirkungsvoll erwiesen. Denn dabei werden die Lerninhalte für die Berufstätigkeit und solche zum Erwerb der deutschen Sprache kombiniert.

Diesen Ansatz verfolgt auch das Projekt, das von der StadtBild gGmbH durchgeführt wird. Inhaltlich eingebunden ist es in das Programm „Stadtnetz Ausbildung“, das vom Personal- und Organisationsamt der Stadt Kassel koordiniert wird.

Zum Stadtnetz Ausbildung gehören

  • die Stadt Kassel,
  • Jafka GmbH,
  • Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH,
  • Kassel Marketing,
  • Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt mbH (GWG),
  • Eigenbetrieb Die Stadtreiniger
  • die Gesundheit Nordhessen Holding AG.

In den ersten Monaten werden die Projekt-Teilnehmer in den Werkstätten der StadtBild gGmbH betreut. Sie sammeln erste praktische Erfahrungen und können ihre bereits vorhandenen Deutschkenntnisse in der Alltags- und Berufssprache erweitern. Ab März werden die jungen Flüchtlinge drei Tage in der Woche ein Praktikum in einem Kooperationsbetrieb des Stadtnetzes Ausbildung absolvieren. An den beiden anderen Tagen findet in den Räumen der StadtBild gGmbH berufsbezogener Deutschunterricht, fachtheoretischer Unterricht, Förderunterricht in Mathematik und Deutsch aber auch Kurse zum Thema Bewerbungstraining, Sprache und Kultur oder persönlichkeitsbildende Seminare statt. Durch das Praktikum,  fachsprachliche Unterrichtseinheiten und eine sozialpädagogische Betreuung sollen die jungen Erwachsenen während des Projektes individuell gefördert werden. Das Ziel ist, dass sie anschließend eine duale Berufsausbildung beginnen können.

Der 20-jährige Asmerom M. aus Eritrea ist einer der zehn Teilnehmer des Projekts. Nach einem Deutschkurs Anfang Januar 2014 hat Asmerom M. im Sommer 2016 seinen Hauptschulabschluss an der Elisabeth-Knipping-Schule geschafft.Asmerom M. interessiert sich für eine duale Ausbildung als Teilezurichter. Bei den Arbeitsaufträgen, die er im Rahmen des Projektes angefertigt hat, zeigt Asmerom M. handwerkliches Geschick und ein gutes technisches Verständnis. „Im März geht es in das Praktikum in einen Betrieb, darauf freue ich mich jetzt schon“, sagt Asmerom M.

Das Projekt besitzt gleich in mehrfacher Hinsicht einen innovativen Charakter: Neben den angebotenen Inhalten ist dies vor allem das kommunale Netzwerk, das dieses Projekt ermöglicht. Durch das effiziente Zusammenwirken von Stadtverwaltung, kommunalen Eigenbetrieben und Gesellschaften  sowie dem stadteigenen gemeinnützigen Träger StadtBild gGmbH gelingt es, eine breit ausgerichtete Qualifizierung zu organisieren geflüchteten Menschen den Weg zur Integration zu ebnen.

Eine weitere Besonderheit ist das selbstentwickelte Fortbildungskonzept für die Ausbilderinnen und Ausbilder, die sich in den Praxisbetrieben um die Projekt-Teilnehmer kümmern und diese anleiten. Angeboten werden Informationen zu wichtigen Themen wie  etwa Krieg und Trauma, interkulturelle Kompetenzen und  verständliche Sprache im Berufsalltag. „Dahinter steht die Idee, dass nur über emotionale, gesellschaftliche und kulturelle Empathie ein gegenseitiges Verständnis wachsen und Integration erfolgreich gelingen kann“, erklärt StadtBild-Geschäftsführer Jürgen Hartrumpf.

Finanziert wird das Projekt vom Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration aus dem Landesprogramm „Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget“ und von der Stadt Kassel. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 156.000 Euro. Davon trägt die Stadt Kassel Kosten in Höhe von 75.000 Euro.

 

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