Europäisches Recht unerträglich strapaziert

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Mit scharfer Kritik kommentieren die im Bündnis Lebendige Tideelbe zusammengeschlossenen Umweltverbände BUND, NABU und WWF den heutigen Medienauftritt von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, der an der Pflanzung von Exemplaren des bedrohten Schierlings-Wasserfenchels auf der Elbinsel Kaltehofe teilnimmt.

„Während die Verschlickung der Elbe weiter zunimmt, der Stadt die zu entsorgenden Schlickmengen über den Kopf wachsen und die Elbfische bei Sommerhitze tonnenweise ersticken, lassen sich die Verantwortlichen mit dem Spaten fotografieren“, entrüstet sich Malte Siegert, der Vorsitzende des NABU Hamburg. Die sogenannte „Ausgleichsmaßnahme für die Fahrrinnenanpassung“ sei ein Botanischer Garten für die extrem bedrohte und weltweit nur in Hamburg vorkommende Pflanze. Als Ausgleich für die im Rahmen der Elbvertiefung auf weite Strecken erheblich beeinträchtigten Tide-Lebensräume tauge diese Maßnahme jedoch nichts.

„Mit der Pflanzaktion vor der Kamera wird die Öffentlichkeit bewusst genarrt, um die Schäden der Elbvertiefung kleinzureden“, ergänzt die BUND-Vorsitzende Christiane Blömeke. „Wäre die Hamburg Port Authority davon überzeugt, dass die neuen Flächen ein geeigneter Ersatzlebensraum sind, dann bräuchte sie die Pflanzung nicht. Der Schierlings-Wasserfenchel käme aufgrund der Samen im Elbwasser ganz von allein.“ Die Elbe brauche keinen Senator, der eine Pflanzenshow präsentiert, sondern eine Regierung, die tatkräftig anpackt, um das Dahinsiechen der Elbe zu stoppen und das Ende des Ausbaggerns verkündet.

Die Umweltverbände gehen davon aus, dass die Bestände des angepflanzten Schierlings-Wasserfenchels hinter dem Sperrwerk Billwerder Bucht schon bald schrumpfen werden. Es fehlten dort die für die Pflanze wichtigen Spitzentiden, die Becken würden verschlicken, die Gehölze stark nachwachsen und somit dem Schierlings-Wasserfenchel Licht und Platz wegnehmen.  Diese Auffassung werde auch von Wissenschaftlern der Uni Hamburg geteilt. Die Umweltverbände fordern deshalb, dass jedes Jahr öffentlich dokumentiert wird, wie viele von den gepflanzten Exemplaren noch übrig sind und ob sich neue angesiedelt haben.

Beatrice Claus, Ästuarexpertin des WWF Deutschland, weist darauf hin, dass in Folge der Elbvertiefung das Salzwasser aus der Nordsee weiter Richtung Hamburg vordringt und das Verbreitungsgebiet der vom Aussterben bedrohten Pflanze deutlich verkleinert. Dazu führe die höhere Fließgeschwindigkeit des Elbwassers an vielen Stellen zu verstärkter Erosion, an anderen zu vermehrter Ablagerung von Schlick und Sedimenten in den sensiblen Lebensräumen. „Die Kompensationsmaßnahmen in der Billwerder Bucht sind nicht ansatzweise geeignet, diese Beeinträchtigung auszugleichen und damit das Überleben des Schierlings-Wasserfenchels zu sichern. Mit der Genehmigung der Elbvertiefung wird das europäische Naturschutzrecht bis zur Unerträglichkeit strapaziert“, so Claus. Die Umweltverbände gehen zudem davon aus, dass die bislang anerkannte Verkleinerung des Verbreitungsgebietes noch deutlich dramatischer ausfallen wird. Ein Ausgleich für diesen Falle ist nicht geplant.

Die Umweltverbände fordern deshalb die Rücknahme der letzten Elbvertiefung. Nur so könnte die schleichende ökologische Zerstörung der ganzen Flussmündung gestoppt und auch das Aussterben des Schierlings-Wasserfenchels verhindert werden.

 

OV von WWF Deutschland

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