Einsturz eines 12-stöckigen Wohnhauses in Miami: Wie sicher sind Hochhäuser in Deutschland?

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Düsseldorf. Die Ingenieurkammer-Bau NRW blickt bestürzt auf den Einsturz eines 12-stöckigen Wohnhauses in Miami und gedenkt der Opfer, deren Zahl zur Stunde noch ungeklärt ist. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Standsicherheit vergleichbarer Wohnhäuser in Deutschland. Hierzu Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW: „Bei einer gewissenhaften Planung und überwachten Ausführung des Bauwerks ist der Einsturz eines solchen Gebäudes in Deutschland nicht vorstellbar. Gerade in der Planung bietet das in Deutschland praktizierte Vier-Augen-Prinzip große Sicherheit.“

Das Vier-Augen-Prinzip besagt, dass ein Ingenieur die Tragwerksplanung erstellt und ein zweiter, institutionell unabhängiger Ingenieur diese Planung auf Schwachstellen und Fehler prüft. Dr.-Ing. Heinrich Bökamp: „Wichtig ist dann, dass die Planung auch korrekt und adäquat ausgeführt und diese Ausführung entsprechend engmaschig überwacht wird. Eine Vielzahl an der Ausführung beteiligter Subunternehmer macht diese Überwachung nicht immer leicht. Aber eine plangemäße Ausführung ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor, insbesondere auch für die Standsicherheit von Hochhäusern.“ Bei den Bemessungsverfahren für diese Gebäude werde stets ein Sicherheitsfaktor von 1,35 für die Eigenlasten und von 1,5 für die Verkehrslasten berücksichtigt. Die Standsicherheit von Hochhäusern in Deutschland in Erdbebenzonen oder in Gebieten mit hoher Windlast werde durch ergänzende Nachweise abgesichert.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW: „Bleiben Mängel unentdeckt, könnte dies bei Hochhäusern tatsächlich verheerende Folgen haben. Denn wir haben es bei dieser Gebäudeart selten mit einem angekündigten Versagen, beispielsweise durch Rissbildung zu tun. Vielmehr führt ein sogenanntes unangekündigtes Versagen ohne größere Warnzeichen in die Katastrophe. Deshalb gilt: Gewissenhafte Planung und überwachte Bauausführung verhindern in Deutschland vergleichbare Katastrophen.“

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp IK-Bau NRW/Samuel Becker

Das erste Risiko bei der Planung und Errichtung eines Hochhauses sei der Baugrund. Hier müsse die Frage gewissenhaft beantwortet werden, was der Baugrund tragen kann, damit man nicht sprichwörtlich auf „Sand baut“. Zudem verfüge ein Hochhaus anders als kleinere Gebäude über eine Vielzahl sensibler Stellen mit hoher Beanspruchung. Dr.-Ing. Heinrich Bökamp: „Deshalb darf es bei einem Hochhaus an keiner Stelle zu einem Materialversagen kommen. Ansonsten kommt aufgrund der großen Lasten schnell eine Kettenreaktion in Gang, die das gesamte Tragwerk in Mitleidenschaft zieht.“

Betreiber und Eigentümer einer Immobilie seien gut beraten, den Zustand ihrer Immobilie regelmäßig zu prüfen. Leider gebe es dazu keine gesetzliche Verpflichtung in Deutschland. Allerdings werde der Eigentümer durch Verkehrssicherungspflichten im Falle eines Falles zur Rechenschaft gezogen, wenn ein Unglück durch regelmäßige Kontrollen vermeidbar gewesen wäre. Kleinere, insbesondere Haarrisse seien aber in der Regel ungefährlich. Bei größeren Rissen sollte man den Eigentümer informieren und ein Tragwerksplaner zur Begutachtung herangezogen werden. Man beobachtet dann zuerst, ob ein Riss sich verändert und vergrößert. Grundsätzlich ist aber nicht jeder Riss ein Risiko.

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp: „Gute Planung und gute Ausführung bleiben die wichtigsten Mittel zur Prävention von Unglücken. Insbesondere, weil Hochhäuser auf feingliedrigen Tragwerken lasten, die im Unglücksfall zu einem Versagen ohne Vorankündigung neigen.“ // Ingenieurkammer-Bau NRW


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