Eine Krise mit 40jähriger Ansage: das 50Plus-Desaster

Wie die Zeit vergeht...( Fotolia_70591977)

 

 

Das, was neudeutsch demographischer Wandel heißt, und je nach persönlichem Gusto für vielerlei Themenkomplexe als Begründung herangezogen wurde und wird, ist eine Krise mit Ansage. Mitunter sogar eine seit 40 Jahren dokumentierte Ansage, die statistischer nicht umfänglicher hätte dauerpräsentiert werden können.

 

Alle Daten waren waren da – HURRA!

 

Mit dem Ende der Babyboomer-Generation, auch gern als Pillenknick verklärt, begann etwas, was bis heute nun zu dem geführt hat, was erst tautologisch umschrieben als Schieflage der Sozialkassen und bald schon als demographische Katastrophe bedauert werden wird.

Doch trotz sich abzeichnender „Schieflage“ durch fehlenden Nachwuchs glaubte man seit Jahrzehnten an das Wunder des „glücklichen Einzelfalls“. Ein inzwischen sehr gespaltenes Wort, denn es verbindet inzwischen nichts Glückhaftes mehr mit solchen Einzelfällen.

 

 

Glücksfall 1: die Wiedervereinigung
Mit dem Zugewinn der DDR und ihrem im Vergleich zur BRD recht hohen Anteil an Kindern, glaubte man den westdeutschen Pillenknick wieder in der Griff zu bekommen.  Das war leider nicht so.

Glücksfall 2: EDV / IT / Internet
Mit dem Aufkommen immer besserer IT glaubte man die Volkswirtschaft insgesamt so umsteuern zu können, dass der so eingesparte personelle Überhang in Produktion und Verwaltung die durch Wachstum und Transformation erkennbaren und zu erwartenden  personellen Lücken im Gesamtbedarf aufgefangen werden können.
Leider scheiterte der Ansatz dann an der wenig schnellen Transformation des Schul- und Ausbildungsbetriebes, der mehr alte Berufsbilder nachsteuerte als wirklich benötigte Berufsabschlüsse hervorbrachte.

Glücksfall 3: Globalisierung
Mit dem Internet konnten live Prozesse und Produktionen weltweit gesteuert und miteinander vernetzt werden. Damit konnten personalintensive und damit teure Produktionsarten global ausgegliedert werden.
Die so eingesparten Arbeitskräfte waren in den Köpfen der Verantwortlichen wieder frei für die weitergehende Transformation der Wirtschaft, die nun allgemein Digitalisierung heißt.

Glücksfall 4: Migration
Leider erkannte man recht schnell, dass die digitale Transformation andere Berufsbilder braucht, als man selbst allein schon quantitativ nachsteuern kann. Auch unter dem Aspekt, dass die technologisch explosionsartig fortschreitenden Bedarfe an immer neuen IT-Technologien (SW, HW, WLAN, …) auch immer neue Qualifikationen erforderte. Manchmal ad hoc verfügbar sein mussten, um dem (nun) globalen Konkurrenzdruck gewachsen zu sein.

Daher war das Elend 2014/15 im Nahen Osten der Auslöser hier im großen Stil Fachkräfte zu erwarten, die hier dann gebraucht wurden. Daher auch die Euphorie gewisser Manager, die medial das Loblied des flüchtenden Facharbeiters verkündeten.
Leider stellte sich schnell heraus, dass die bedarfsgerechte Quote innerhalb der Gesamtanzahl recht klein war. Und die, die kamen, hatten nicht die „zertifizierte/beurkundete“ Qualifikation, die hier nötig und gefordert war. Man mitunter nachschulen musste, was bei fehlenden Sprachkenntnissen langwierig und teuer war.
Man pickte als Wirtschaft die Rosinen heraus und überließ den Rest der Gesellschaft, die nun immer weniger bereit ist diversen Migrationsfanasien zu glauben.

Glückloser Fall 5: Nachwuchs und Berufsanfänger
Leider stellte sich in den letzten 10 bis 15 Jahren auch der Ausbildungsbetrieb in Deutschland an sich alles andere als robust dar. Immer mehr wollten studieren und immer weniger in die Ausbildung. Dazu wurde das Studieren erleichtert und der Zugang zum Studium fast allen zugänglich gemacht (HIER).
Der Trend möglichst etwas zu tun oder zu studieren, wozu man möglichst wenig MINT-affine Fähigkeiten braucht, setzte sich bis dato ungebrochen fort. Es wurden sogar wissenschaftliche(!!) Studiengänge explizit so konstruiert, dass in ihnen keinerlei Mathematik erforderlich ist.

 Quellenangabe: „obs/Dreilinden-Gymnasium, FinTeachWorld“

Mitunter war und ist das schulische Bildungsniveau durch allerlei pädagogischer Experimente so heruntergekommen, dass der Nachwuchs nicht mehr studierfähig oder sogar auch nicht mehr ausbildungsfähig ist. Trotz anderslautender Noten im Zeugnis!
Daher ergibt sich aus der sicher geglaubten Bank an arbeitendem Nachwuchs ein weiteres Defizit in der Gesamtzahl von benötigten wirklichen Fachkräften. Und das in immer schneller divergierenden Berufsbildern und –feldern.
Auch hat sich gezeigt, dass die Softskills der neuen Bewerber sich stark von dem unterscheiden, was am Markt präsent ist und/oder organisatorisch/prozessual abbildbar bzw. gefordert ist!
Dazu kommt, dass die Berufsausbildung oft aus zeit- und Kostengründen dermaßen differenziert und aufgespalten wurde, dass so verfügbare Fachkräfte nur noch sehr begrenz austauschbar einsatzfähig sind. Der Werkzeugmacher von einst hat nun fünf(!) eigene Berufsbilder hervorgebracht.
Dazu kommt, dass viele Großunternehmen zur Aufhübschung der HR-Kosten in der Bilanz auf eine eigene Ausbildung lange Jahre verzichtet haben, was sich nun rächt.

Glücksfall 6: Anpassung der Lebensarbeitszeit
Diese wurde nicht nur im Hinblick auf die kollabierenden Sozialsysteme und aus volkswirtschaftlicher Sicht eingeführt, sondern auch im Hinblick auf die betriebswirtschaftliche Gesamtsituation in Verwaltung, Produktion und Handwerk. Es zeigte sich, dass ohne die „Alten“ recht wenig läuft. Gewisse Berufe ohne sie gar nicht mehr denkbar wären.
Dass 70jährige von heute fitter sind als vor 40 Jahren mag stimmen, aber die „Drehzahl“ unserer Wirtschaft war auf die Nutzung der Arbeitskraft bis 60 ausgelegt. Und hier scheiterten schon viele wichtige Berufsbilder vorher (Fliesenleger, Maurer, Fließbandarbeiter,…).
Es stellt sich die berechtigte Frage, ob die so immer noch vorfindbaren Arbeitsmodelle für immer älter werdende Menschen überhaupt noch möglich sind.
Wie der rapide vonstattengehende Leistungsverlust älterer Arbeitnehmer aufgefangen werden kann (HIER).
Dass hier dann auch das betroffen ist, was als Lebensabend gedacht war, und nun allein schon rententechnisch immer weiter nach hinten verschoben werden wird, wird dann auch zum Konfliktpotential. Erst individuell und dann auch gesellschaftlich (HIER), was immer stärker zum Tragen kommt. Gerade auch bei Geringverdienern, die durch die längere Arbeitszeit kaum eine zusätzliche Rentenperspektive gewinnen können; zumal die auch volkswirtschaftlich nicht darstellbar ist. Egal ob sie Bürgergeld, bedingungsloses Grundeinkommen oder dann Basisrente heißen soll.
Und so ergeben sich gesundheitliche, organisatorische und sozialpolitische Minenfelder, die eine weitere Anpassung nach oben kaum noch – auch und gerade (volks)wirtschaftlich – gestaltbar machen.

 

 

 

So stehen wir nun nach 40 Jahren beständiger Glücksfälle nicht besser da, als Anfang der 80er als aus der EDV immer schneller IT wurde und unsere international ausgerichtete Wirtschaft zu einer global vernetzten Wirtschaft wurde. Während die Technik rasant zulegte, hinkte die Transformation des Personals dieser Entwicklung immer um Jahre hinterher.

Inzwischen ist es so, dass die Babyboomergeneration von einst die 50Plus-Gesellschaft ist, die nun im Gegensatz zu allen anderen bis 70 arbeiten und produktiv sein soll – und muss!
Obwohl diese Generation mit Masse den Wohlstand erarbeitet hat, den Deutschland für sich als Maßstab nimmt, soll diese Generation am Ende weit weniger haben, als die, die davon profitiert haben.
Auch im Hinblick auf die junge Generation, ist das unfair. Sie wird schon jetzt im Alter absehbar weit weniger haben, als zu Beginn ihres Lebens von ihren Eltern als Maßstab vorgegeben wurde.

 

Wie eine Gefährdung dieser Arbeitskraft durch Corona einzuschätzen ist, braucht nicht spekuliert zu werden.
Senioren der Belegschaften, die seit 30 oder 50 Jahren gewohnt sind zusammen zu arbeiten, was auch einen guten Anteil ihrer Produktivität ausgemacht hat, ist die Isolation (z.B.: Homeoffice) eine riesige psychologische Belastung. Mitunter auch ein Grund zur schnell wachsenden Arbeitsunfähigkeit.
Stress am Arbeitsplatz durch Schutzmaßnahmen reduzieren die Arbeitsleistung (Atemmaske/Sauerstoffversorgung) weiter oder machen sie gar unmöglich.
Das sind nur zwei Beispiele, die fast überall zu beobachten sind. Zwei Beispiele, die aber die Brisanz aufzeigen, wie Corona zusätzlich schon gesunde Mitarbeiter trifft und die Produktivität der Betriebe sinken lässt.

 

Dazu kommt eine wahrscheinliche Erkrankung selbst, die möglicherweise alle über die Jahre betreffen wird. Die Impfstoffe schützen weder vor Ansteckung, Verbreitung oder Erkrankung. Lediglich ein schwerer Verlauf soll verhindert werden, was Langzeitfolgen eben nicht ausschließt und für viele sehr wahrscheinlich macht, zumal sie ab 50plus zunehmend ein höheres Erkrankungsrisiko tragen.

Ein Risiko, dass durch eine höhere Lebensarbeitsleistung gesundheitlich deutlich steigt und die Lebenserwartung dadurch absenkt! (HIER)

Darüber redet niemand!

 

 

Momentan sieht es so aus, als wenn 2021 eine hohe Übersterblichkeit weltweit zu verzeichnen ist, die nicht allein coronabedingt erklärbar ist. In wie weit pandemiebedingte Anpassungen der Arbeitsumfelder auch hier maßgeblich sind, muss untersucht werden.
Fest steht allerdings, dass ALLE Daten aus ALLEN Ländern darauf hinweisen, dass es die üblichen Risikogruppen trifft, und damit auch die, die immer länger mitarbeiten müssen.

Daher besteht ein dringendes Gebot sich dem Problem zu stellen und nicht auf einen „Glücksfall 7“ zu warten, der das Wunderimpfstoff, Anti-Covid-Pille, oder Virenfilter XY heißen könnte und die Belegschaft ultimativ zu schützen vermag (HIER). Und es sei angemerkt, dass mit den bisher verfügbaren Mitteln auch geschützte Kleinumgebungen nicht darstellbar sind. Das hat nicht nur in der Antarktis versagt (HIER).

Wie es scheint ist man auf die 50Plus angewiesen, hat bisher aber keine Konzepte sie in Arbeit zu halten und sieht sie nun besonders in der Pandemie auch noch als Arbeitskraft zusätzlich und hauptsächlich gefährdet, wie die Übersterblichkeit klar belegt.

 

Es wäre an der Zeit mal den Kopf aus dem Wald zu strecken und zumindest eine mittelfristige Perspektive zu erarbeiten, die nicht auf Sicht fährt. Das war 40 Jahre lang ein Fehlschlag. Oder warten wir doch lieber auf den „Glücksfall 7“?

 

Ich schrieb 2014 einen vielbeachteten Fachartikel, der jetzt immer noch gilt. Gerade jetzt wieder gilt, denn Covid hat hier ein weiteres Element ins Spiel gebracht:

Future Work und die vernachlässigten Ressourcen im Arbeitsmarkt der Zukunft | Conplore Wirtschaftsmagazin

SIC!

 

 

 

Auch:

Ein deutsches Märchen: der abgesicherte und verdiente Ruhestand | Conplore Wirtschaftsmagazin

STRESSTEST: Altersarmut in Deutschland – wirtschaftliche, soziale und politische Faktoren | Conplore Wirtschaftsmagazin

Future Work und Versicherungen: Risiko der Absicherung von Arbeitskraft im demographischen Wandel | Conplore Wirtschaftsmagazin

Demografischer Wandel und Future Work: Kostendruck für die Wirtschaft | Conplore Wirtschaftsmagazin

Joint Future Work und die Bedeutung der Gesundheitsvorsorge für die Future Workforce als Gestaltungselement der Corporate Identity | Conplore Wirtschaftsmagazin

Logischer Stresstest für Impfkampagne: das Kreuzfahrtschiff (nordhessen-journal.de)

Altersabsicherung in Zeiten von Corona, Inflation und dem Endlosarbeiten (nordhessen-journal.de)

Inflation: so sieht es aus. Alles wird natürlich besser! (nordhessen-journal.de)

Hurra, die Inflation ist da (nordhessen-journal.de)

Endspiel mit Gold: Sobald der Kryptoeuro kommt! (nordhessen-journal.de)

Das Fanal der Demographie: Zusammenhang von Bildung, Handwerk, Facharbeit und Politik für die Zukunft | Conplore Wirtschaftsmagazin

Der pandemiegeschwängerte Schwanengesang Deutschlands im Glanze byzantinischer Dekadenz (nordhessen-journal.de)

50plus und Ruhestand: Immobilienverrentung als eine Möglichkeit der nötigen Nachsorge… (nordhessen-journal.de)

http://www.bestzeit-plus.de/der-karneval-der-ignoranz-der-soziale-aschermittwoch-einer-generation-ein-kommentar-von-sascha-rauschenberger/

http://www.bestzeit-plus.de/maeh-maeh-lieber-buerger-es-geht-dir-an-die-wolle-eine-glosse-von-sascha-rauschenberger/

Die Tafeln in Köln-Porz: Wahrheiten, wo der deutsche Staat gern wegsieht (nordhessen-journal.de)

50Plus: Arbeitsmodelle auf dem Prüfstand der Machbarkeit (nordhessen-journal.de)

Flaschenwertmarke für Rentner: Unser Staat tut etwas gegen die Inflation! (rabenspiegel.com)

 

 

 

 

 

 

 

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