Einbruch nach der Pause – MT verliert Heimspiel gegen Balingen

Stefan Salger Nr.55, im Vordergrund Jona SchochNr.22

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Die MT Melsungen hat am Donnerstag gegen den HBW Balingen-Weilstetten eine weitere bittere Heimniederlage einstecken müssen. Mit 24:25 (16:12) unterlagen die Nordhessen aufgrund einer vor allem im Angriff ganz schwachen zweiten Hälfte. War der Ausfall von Kai Häfner bis zur Halbzeit noch einigermaßen zu kompensieren, häuften sich die Fehlwürfe und technischen Fehler in der MT-Offensive nach dem Seitenwechsel. Stefan Salger erzielte als bester Melsunger Torschütze fünf seiner sechs Tore vor der Pause. Demgegenüber drehte Oddur Gretarsson erst nach Wiederbeginn richtig auf. Er machte sieben seiner neun Tore im zweiten Durchgang.

Stefan Salger Nr.55, im Vordergrund Jona SchochNr.22

Mit Felix Danner am Kreis und Stefan Salger im rechten Rückraum reagierte Trainer Gudmundur Gudmundsson auf die verletzungsbedingten Ausfälle von Arnar Freyr Arnarsson und Kai Häfner. Dafür wieder auf der Bank: die Flügelzange Tobias Reichmann und Michael Allendorf. Anfangen durften aber Yves Kunkel und Timo Kastening. Komplettiert wurde die Startformation von Nebojsa Simic im Tor sowie Julius Kühn und Domagoj Pavlovic. Wobei gerade der Regisseur von der ersten Sekunde an hellwach war und die ersten beiden MT-Treffer zum 2:1 setzte (3.).

Auch wenn sich Melsungen feldüberlegen präsentierte und über Julius Kühn sogar auf zwei Tore ausbaute, zeigten die Gäste keinen übermäßigen Respekt. Im Gegenteil kamen die Nadelstiche in die MT-Deckung hinein kurz und knackig. Immer wieder beteiligt: Jona Schoch. Der Halblinke hielt sein Team in Schlagdistanz und machte mit einem Doppelschlag auch den 7:7-Ausgleich perfekt (12.). Möglich machten diese Entwicklung auch starke Paraden von Mike Jensen im Tor, der freie Bälle von Yves Kunkel und Finn Lemke im Gegenstoß wegfischte. Dass die Hausherren dennoch immer wieder in Vorlage gehen konnten, lag auch an Häfner-Backup Stefan Salger. Der behielt nach James Scotts Doppelpack zum 9:9 einmal mehr die Nerven und brachte die Nordhessen mit seinem vierten Treffer abermals in Vorlage (18.).

Es war keine Handball-Feinkost, was beide Mannschaften ablieferten, aber solide Arbeit mit weiterhin leichten Vorteilen bei Melsungen, die ihre Fehlerquote niedriger zu halten verstanden als ihr Gegner. Deshalb war es fast zwangsläufig eine Frage der Zeit, wann der Vorsprung anwachsen würde. Timo Kastening vollstreckte per Tempogegenstoß zum 13:10, Julius Kühn setzte das 14:11 drauf (26.). Melsungen schien also trotz eines zwischenzeitlich von Kastening an den Pfosten gesetzten Siebenmeters auf einem guten Weg. Auch wenn der eingewechselte Mario Ruminsky gleich mit seiner ersten Aktion gegen Julius Kühn erfolgreich war, konnte er den vierten Treffer des Shooters ebenso wenig verhindern wie Stefan Salgers fünften. Pünktlich zur Pause führte die MT also erstmals mit vier Toren Vorsprung.

Auch der Start in den zweiten Durchgang glückte den Hausherren zunächst besser als Balingen. Nebojsa Simic war gegen Vladan Lipovina auf dem Posten. Doch statt daraus gleich Kapital zu schlagen verwarf vorn erst Stefan Salger, hinten kassierte der für Kunkel eingewechselte Michael Allendorf seine erste Strafe noch vor der ersten Ballberührung und traf dann Oddur Gretarsson gleich dreimal hintereinander ins Netz, weil sich vorn weitere Fehler anschlossen. Statt Ausbau der Führung also urplötzlich wieder ein vollkommen offenes Spiel, zumal sich Stefan Salger und bereits zum zweiten Mal in kürzester Frist Michael Allendorf auf die Strafbank verabschiedeten. Zweimal konnte Simic Schlimmeres verhindern, dann traf Vladan Lipovina nach dem nächsten technischen Fehler im Angriff doch noch zum Ausgleich – 16:16 (38.).

Der absolute Fehlstart war endgültig komplett, als Jona Schoch den 5:0-Lauf der Süddeutschen mit deren erster Führung des Tages zum 16:17 abschloss. Sechs Sekunden fehlten schließlich noch an der 40-Minuten-Marke, bis Timo Kastening seine Farben erstmals nach dem Seitenwechsel wieder verhalten jubeln lassen konnte. Was folgte, war eine Kopie der ersten Hälfte. Melsungen, das sich wieder gefangen hatte, legte vor, Balingen zog nach. Handball wurde nicht gespielt, sondern größtenteils gearbeitet. Glänzen konnte in dieser Phase eigentlich nur einer: Nebojsa Simic hielt, was zu halten war. Das jedoch missfiel seinem Gegenüber Mario Ruminsky, der postwendend mit zwei Glanzparaden auf sich aufmerksam machte und ein erneutes Wegziehen der Gastgeber verhinderte (20:19, 48.).

Das Spiel blieb eng und der HBW hartnäckig dran. Trotz einer Strafe gegen Jona Schoch, der nach seinem Foul an Stefan Salger bei dessen 22:20 (50.) sogar kurz bangen musste. Doch die Referees beließen es nach kurzer Beratung bei einer Zeitstrafe. Oddor Gretarsson gelang der nächste Anschluss, Vladan Lipovina zwei Minuten später gar der Ausgleich. Ein Nervenspiel, in dem Tobias Reichmann eiskalt blieb und seinen zweiten Siebenmeter der Partie kalt von der Bank ins Netz jagte. Und in dem Michael Allendorf im schnellen Gegenstoß die Nerven einen Streich spielten, als er völlig frei am glänzend reagierenden Ruminsky scheiterte (23:22, 55.).

Dennoch kippte die MT nicht weg. Im Gegenteil ackerte gerade die Defensive aufopferungsvoll. Balingen wurde gnadenlos in passive Spiel gezwungen, der starke Block von Danner und Lemke gegen Lipovina hielt. Auch nach dem nächsten technischen Fehler vorn gab es an Lemke kein Vorbeikommen. Allerdings fiel das abprallende Leder wieder Gretarsson in die Hände und der bedankte sich: 23:23 (57.). Nächster Angriff Melsungen, nächster Schreck. Romas Kirveliavicius griff Julius Kühn brutal in die Schulter und sah dafür vollkommen zu Recht den roten Karton. Das Momentum nun doch wieder bei den Roten?

Nein, denn wieder gelingt kein Tor. Stattdessen der Ballverlust und im Gegenzug Lukas Saueressig – 23:24, nur noch 90 Sekunden zu spielen. Salger holt vorn den Siebenmeter, Reichmann zum Dritten von der Linie: Ausgleich und noch 48 Sekunden. Mit 25 Rest auf der Uhr nimmt Jens Bürkle die letzte Auszeit, bei noch genau zehn Sekunden zu gehen schafft Vladen Lipovina den Durchbruch halbrechts – und das 24:25. Dennoch kein Jubel beim HBW, sondern direkter Rückzug, taktisches Stockfoul und die Schlusssirene. Der letzte direkte Freiwurf von Julius Kühn geht über den Kasten, ein bei Halbzeit nicht überlegen geführtes, aber doch beherrschtes Spiel ist verloren.

Stimmen zum Spiel

Gudmundur Gudmundsson: Glückwunsch an Jens und an Balingen. Das war für uns eine ganz bittere Niederlage. Das war ein Spiel wie Weiß und Schwarz. In der ersten Halbzeit haben wir gut abgeliefert und führen auch mit 16:12. Aber wir haben es schon oft erlebt mit unserer Mannschaft. Da kommen wir zurück aus der Pause, der Gegner legt einen 5:0-Lauf hin und wir liegen mit 16:17 hinten. Die ganze zweite Halbzeit hatten wir nur zwei Tore aus dem Rückraum, nur fünf aus dem Feld, dazu drei Siebenmeter. Das ist zu wenig. In der Abwehr haben wir ganz gut gespielt, aber der Angriff war schlecht. Es war schade, dass wir nicht noch einen Punkt geholt haben, aber wir sind zum Schluss dann ein hohes Risiko gegangen. Daraus ist dann auch das entscheidende Tor gefallen.

Jens Bürkle: Ich muss meiner Truppe ein riesiges Kompliment machen, sie ist hier sehr gut aufgetreten. Von Anfang an eigentlich. Wie haben auch in der ersten Hälfte, als wir mit vier hinten lagen, viele Sachen gut gemacht. Deshalb hatten wir in der Halbzeit auch alle ein gutes Gefühl gehabt. Den Start in den zweiten Durchgang hat die Mannschaft wieder gut gemacht und wir kamen schnell wieder in Schlagdistanz. Wir haben aber hinten raus dann auch etwas Glück gehabt, zum Beispiel mit zwei Abprallern, die wir behalten haben. Wenn Melsungen die bekommt, sieht es vielleicht gleich anders aus. Ganz besonders freut mich, dass wir heute Leute mit guten Leistungen hatten, die in den letzten Wochen noch einige Probleme hatten.

Die komplette Pressekonferenz, einschließlich der Spielerstimmen, sehen Sie auf www.youtube.com/mtmelsungen

Statistik

MT Melsungen: Simic (11 Paraden / 25 Gegentore), Heinevetter (n. e.); Maric 2, Kühn 5, Lemke, Kompenhans, Reichmann 3/3, Kunkel 1, Mikkelsen, Danner 1, Allendorf, Pregler, Salger 6, Kastening 2, Kuntscher, Pavlovic 4 – Trainer Gudmundur Gudmundsson.

HBW Balingen-W.: Jensen (4 P. / 15 G.), Ruminsky (4 P. / 9 G.), Bozic (n. e.); Lipovina 4, Kirveliavicius, Huber, Thomann 1, Nothdurft 1, Wiederstein, Gretarsson 9/1, Beciri, Schoch 6, Zintel, Scott 2, Saueressig 2, Strosack – Trainer Jens Bürkle.

Schiedsrichter: Mirko Krag (Frankfurt) / Marcus Hurst (Berlin)

Zeitstrafen: 12 – 8 (Kühn 19:30, Danner 24:09, Allendorf 32:15 36:00, Salger 35:44, Kastening 47:10 – Kirveliavicius 2:32 20:44, Nothdurft 21:50, Schoch 49:52)

Disqualifikation: Kirveliavicius (HBW, Foulspiel, 57:33)

Strafwürfe: 4/3 – 2/1 (Kastening an den Pfosten 20:46, Gretarsson an den Pfosten 36:04)

Spielort. Rothenbach-Halle, Kassel, ohne Zuschauer

Die nächsten Spiele:
So., 28.03.21, 16:00 Uhr, Eulen Ludwigshafen – MT Melsungen, Friedrich-Ebert-Halle Ludwigshafen
Do., 01.04.21, 19:00 Uhr, MT Melsungen – Rhein-Neckar Löwen, Rothenbach-Halle Kassel

 


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