Ein Netzfund: GENDERN – eine verkappte Idee?

"Reden wie gedruckt" ist keine Hexerei!

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Beim Stöbern im Netz, gern als Recherche oder Information bezeichnet, fand ich einen Leserbrief in der FAZ. Den Autor benenne ich mal nicht, doch die Quelle ist hiermit genannt.

Auch Jan Fleischauer vom Focus machte zum Gendern kürzlich ein paar wirklich interessante Bemerkungen, die ich unterstreichen kann und möchte.

Hier der Leserbrief (kursiv), den ich unseren Lesern nahebringen möchte:

 

„In der deutschen Sprache gibt es ein natürliches Geschlecht (Sexus) und ein grammatisches Geschlecht (Genus). Beides wird von feministischen Linguistinnen gerne verwechselt, um nicht zu sagen: wild durcheinandergeworfen. Dabei können auch sprachwissenschaftliche Laien, wenn ihr Blick nicht ideologisch getrübt ist, den Unterschied leicht erkennen.

Erstens nämlich gibt es drei Genusformen (maskulin, feminin, neutrum), aber nur zwei biologische Geschlechter (männlich und weiblich). Zweitens wird das Genus auch für Objekte ohne jede erkennbare Parallele zum natürlichen Geschlecht verwendet: der Herd, die Straße oder das Buch. Auch dass der Busen maskulin, die Eichel feminin und das Glied neutrum sind, beruht ganz offensichtlich nicht auf irgendwelchen biologischen Hintergründen.

Ähnlich verhält es sich z. B. mit der Leser oder der Kunde. Während der Genus übergeschlechtlich verwendet wird (der Gast, der Mensch, die Person, die Waise, das Kind, das Individuum), stellt der Sexus eine weitere Aufsplitterung in männlich und weiblich dar.

Wir haben es hier mit etwas zu tun, was man in der Sprachwissenschaft „Synonymie“ nennt. Synonyme sind gleichlautende Wörter, die aber unterschiedliche Dinge meinen.
Ein „Flügel“ kann beispielsweise der Teil eines Vogels sein, der Teil einer Fußballmannschaft oder ein Klavier. Manchmal sind diese Synonyme nicht so leicht auseinanderzuhalten, und da kommt es dann zu Missverständnissen wie in der feministischen Sprachwissenschaft. „Kunden“ kann nämlich ebenfalls zweierlei bedeuten: „Menschen, die einkaufen“ ebenso wie „Männer, die einkaufen“. Indem Sprachkritiker*innen behaupten, mit „Kunden“ seien nur Männer gemeint, erzeugen sie den Eindruck, Frauen würden sprachlich unterdrückt.
Sie richten sich nicht danach, was Menschen meinen, wenn sie etwas sagen, sondern danach, was sie ihnen unterstellen, was sie meinen: „Sie reden ja nur von den Männern! Uns Frauen lassen Sie mal wieder unter den Tisch fallen!“

Aber das ist ebenso Nerv tötend wie falsch.

Auch sorgt der Artikel im Singular mit dem grammatischen Geschlecht für den Unterschied zwischen der (frohen) Kunde und dem Kunden sowie der Leiter und dem Leiter…

Aus eben den soeben erklärten Gründen sind 99 Lehrerinnen und ein Lehrer zusammen hundert Lehrer: Es wird nämlich der grammatikalische Oberbegriff verwendet, sobald eine auch nur irgendwie gemischte Gruppe besteht.
Ohne einen solchen Oberbegriff, der für beide Geschlechter gilt, würden sich bestimmte Sachverhalte auch überhaupt nicht formulieren lassen (etwa „Jeder dritte Unternehmer in Österreich ist eine Frau.“ oder „Wir kennen nicht mal das Geschlecht des Verdächtigen.“)
Ein „Tag“ mit seinen 24 Stunden besteht aus Tag und Nacht, genauso wie „der Kunde“ männlich oder weiblich sein kann – unabhängig von seinem grammatischen Geschlecht.

Ähnlich verhält es sich mit „die Katze“: Die weibliche Form steht als Oberbegriff sowohl für das weibliche Tier als auch für das männliche, das wir, wenn wir es genauer spezifizieren möchten, als „der Kater“ bezeichnen (so wie „der Kunde“, wenn weiblich, zu „die Kundin“ wird). Zu behaupten mit „der Kunde“ seien nur Männer gemeint, allein weil „der“ davorsteht, ist grammatisch ungefähr so durchdacht wie es die Argumentation ist, mit „die Kunden“ seien offenbar nur Frauen gemeint, weil „die“ davorsteht.
In Wahrheit drückt natürlich keiner der beiden Artikel den Sexus aus: „die“ bezieht sich auf die Pluralform, „der“ auf den Genus. Erst durch die konsequente Doppelbenennung in der feministischen Sprache „die Kunden und Kundinnen“ wird der Sexismus in die Sprache eingeführt, wo er vorher durch den geschlechtsunabhängigen Oberbegriff nicht vorhanden war.

Im Übrigen bin ich öfter mal „die Vertretung“ für einen Kollegen. Ist kein Problem für mich.

Aber ich kenne auch den Unterschied zwischen Genus und Sexus. Und ehrlich gesagt, möchte ich nicht so gerne ein Vertreter, ein Klinkenputzer sein… Aber ein Mann, der allen Frauen mit Respekt auf Augenhöhe gerne begegnet und hofft, dass alsbald keine Lohn-/Gehaltsdifferenz zwischen den Geschlechtern mehr besteht. Denn nur damit unterstützen wir die Emanzipation – nicht aber mit umständlichem Gender-Sprich-und-Schreib-Stil.“

 

 

Unnötig zu erwähnen, dass ich nach der Lektüre einen „inneren Reichsparteitag“ gefeiert habe, der natürlich nur sprichwörtlich existiert und nicht zum realen Sturm des Reichstages geführt hat. Der Verfassungsschutz kann also sitzen bleiben. Keine Gefahr im Verzug…

Ich fand den Leserbrief deshalb so gut, weil ich mir, wie wohl viele andere auch, NIE darüber Gedanken gemacht habe, wie hier die Sprache an sich wirkt und unterscheidet und WARUM sie es so macht. Letztlich auch so machen muss, wenn sie denn gewillt ist ein Großteil ihres Vokabulars behalten zu wollen.
Auch wird klar, warum man in Frankreich, wo die französische Sprache hier allein schon grammatikalisch noch viel „geschlechtslastiger“ aufgestellt ist, eben solche Ideen verworfen hat.

Sprachwissenschaft ist nicht mein Ding. Ich gebe es offen zu. Und die Wenigsten haben hier ein solches Verständnis entwickeln können, wie der Autor des Leserbriefes.
Dass Baerbock und anverwandte „Experten“ auch Gesetzte gendern wollen (HIER mein Artikel dazu), sollte also nach der Lektüre dieses Leserbriefes mehr als nur abschrecken.

Ich hatte einen Kameraden der verstand es selbst eine Einkaufsliste sprachlich schön zu gestalten. Einladungen und Briefe so zu verfassen, dass sie dem nahe kamen, wie die Formulierung der US-Unabhängigkeitserklärung heute sprachlich auf uns wirkt.
Auch wir waren einmal in der Lage solche Texte zu verfassen. Die ehemalige Präambel des Grundgesetzes mag als Anhalt dienen.
Briefe unserer Groß- und Urgroßeltern erinnern heute noch dran. Selbst wenn sie nicht Literaturwissenschaft studiert haben. Nur Volksschulabschluss hatten, wie es damals hieß.

Wir haben es geschafft unsere Sprache so abzustumpfen, dass sie nicht mehr klingt. Nicht mehr schön zu lesen ist. Nur noch Information enthält – im besten Fall.
Wir haben sie mit Floskeln aufgeweicht, mit Akronymen zugemüllt und dann mit englischen Ausdrücken der absoluten (Un)Wichtigkeit aus der Balance getreten.

Dann haben wir versucht diese Sprache, die ein Goethe, Schiller, Lessing und von Kleist sein eigen nannte, mit einer sogenannten Rechtschreibreform zu „verbessern“, die von Leuten an allen gesellschaftlichen Interessen und Meinungen vorbei in kleinstem Kreis konzipiert wurde, die nicht das Niveau des Mannes hatten, der das Ergebnis hätte beurteilen können: Marcel  Reich-Ranicki (HIER)

Und eben dieser Mann, der den Kanon der deutschen Literatur ersonnen, geschrieben und bis zu seinem Tod auch abgeschlossen(!) hat rotiert gerade schneller in seinem Grab, als ein Pulsar es je könnte.
Der Wortlaut seiner Kritiken mag einmal als Beispiel dessen anzusehen sein, was Sprache an sich ausmacht und wie sie klingen kann. Abseits des Niveaus einer taz, Morgenpost oder BILD. Oder auch abseits der schreibenden Nachahmer von SZ und FAZ oder… uns, dem NHJ… Soviel Ehrlichkeit muss sein.

Wir haben es in den letzten Jahrzehnten geschafft unsere Sprache so zu vergewaltigen, auszuhöhlen und zur Ansammlung tautologischer Nichtigkeiten zu machen, dass sie zum Teil schon nicht mehr lesbar ist. Meist davon getrieben möglichst nicht anzuecken, daher alles abzuflachen um ja nicht sonstwen in seinen Befindlichkeiten anzugreifen. Zu „tangieren“…

Probleme wurden zu Herausforderungen. Ein „Hochachtungsvoll“ verkümmerte erst zum „freundlichen Gruß“ und dann zu… „mfG“. So war es folgerichtig, dass gewissen Menschen nun glauben alles und immer mit Floskeln abwickeln zu können, die meist ergebnisoffen „Mit großer Bestürzung haben wir erfahren…“ beginnen und dann mit „Mitgefühl“ enden.
Weder die eröffnende Bestürzung noch das abschließende Mitgefühl sind daher noch glaubhaft, zumal sich beides dann in der sichtbaren Realität als tautologisch erweist. Bei Einzelfällen aller Art bis hin zum Ahrtal oder den Ortskräften.

Unsere Sprache spiegelt inzwischen die Bedeutungslosigkeit, Inhaltsleere und Realitätsferne wider, die überall sicht- und spürbar ist. Man dreht an Einzelmerkmalen. Überall und allzu gerne. Und verkauft uns das als neuen imposanten Wurf; ohne auch nur das grundsätzliche Strukturproblem zu benennen oder gar zu kennen!

Sprache reduziert sich als Begleittext zu spaßigen Bildchen, die an sich das ausdrücken sollen, was wir vor 30 Jahren noch schrieben. Ausdrücken konnten. Filigran, leserlich und auch tatsächlich verständlich klar und präzise. Ohne SMS, Message oder bloßem link.
All das mag eine Folge der Digitalisierung sein, könnten einige sagen. Aber es könnte auch ein Problem mit dem sein, was Sprache als kulturtragendes und –verbreitendes Gut ausmacht. Als Bindeglied und sozialer Kitt. Kurz: Sprache könnte ein WERT an sich sein, der im Kanon vieler Werte zu sehen ist, die gemeinsam wachsen – oder fallen (HIER).

Dass Gendern nun schon fast zu einer Wissenschaft erhoben wurde, ist schön. Aber die Tatsache, dass es selbst die ärgsten Fanatiker nicht machen, um nicht sofort ausgelacht zu werden, zeigt doch, wie unsinnig das ist. Besonders dann, wenn man den Unterschied zwischen Sexus und Denus nicht so richtig durchschaut hat. Oder gar nicht durchschauen will!

Der Leserbrief macht daher sehr schön und anschaulich deutlich, warum diese „Wissenschaft“ letztlich versagen muss. Und auch an der Lebensrealität der Menschen vorbeigeht, die Sprache zur Kommunikation nutzen. Zum Miteinander. Zur Lebensgestaltung in einer Gemeinschaft, deren Sprache über tausende von Jahren aus vielen Quellen, Sprachen und Dialekten zusammengewachsen ist.
Durch Luther und seine Bibel vereinheitlicht wurde und von Gutenberg im Druck allen zugänglich gemacht werden konnte. Radio und Fernsehen haben dafür gesorgt, dass Hochdeutsch zum Standard wurde, aber auch dass regionale Mundarten zunehmend zurückgedrängt wurden und weiter werden. Mundarten, die gesprochen aber außer einzelnen Vokabeln und Formulierungen nie geschrieben wurden. Warum wohl?

Der letzte Satz im Leserbrief trifft es ganz gut. Es zeigt auf, dass es wichtig ist Ursache und Folge zu kennen, um richtige Maßnahmen ergreifen zu können. Sprachlich klar benannt. Kurz und präzise formuliert. Als Projektmanager mag ich diesen Gedanken:

„Aber ein Mann, der allen Frauen mit Respekt auf Augenhöhe gerne begegnet und hofft, dass alsbald keine Lohn-/Gehaltsdifferenz zwischen den Geschlechtern mehr besteht. Denn nur damit unterstützen wir die Emanzipation – nicht aber mit umständlichem Gender-Sprich-und-Schreib-Stil.“

Hab fertig!

SIC!

 

Videos:

Eine unterhaltsame Bühnenshow zum Thema einmal vollumfänglich von Inka Meyer vorgeführt:  HIER.

Oder eher so: Wie Gendern unsere Sprache verhunzt (HIER)

 

P.S.: Man stelle sich einmal die Endlossätze von Baerbock vor, wenn sie die auch noch gendern würde. Könnte Sinnlosigkeit schöner zur Sprache kommen? -:))))

 

 

 

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