EHF-Cup: Die MT hat in Finnland Glück auf ihrer Seite

Die MT Melsungen bleibt international weiterhin auf Erfolgskurs. Nach dem überzeugenden 32:22-Sieg zum Start in die Gruppenphase gegen Benfica Lissabon vor einer Woche in Kassel, setzte sich der nordhessische Handball-Bundesligist am Sonntag äußerst knapp beim finnischen Vertreter Riihimäen Cocks durch. Nach einer 15:14-Halbzeitführung schaffte es das Team von Trainer Michael Roth mit 29:28 über die Ziellinie. 12 Sekunden vor Schluss markierte Momir Rnic den 29. Treffer für die MT. Der Gegenangriff der Hausherren endete mit einem direkt abzuschließenden Freiwurf, der in der MT-Abwehr hängen blieb. Beste Torschützen vor 579 Zuschauern in der Elenia Areena in Hämeenlinna waren Nico Rönnberg (8/2) für die Cocks und Patrik Fahlgren, Momir Rnic und Timm Schneider mit jeweils vier Treffern  für die MT.
Riihimäen Cocks, Tabellenführer sowohl in der “SM Liiga”, der höchsten finnischen Spielklasse, wie auch in der supranationalen Baltic League, zeigte wenig Respekt vor dem deutschen Erstligisten. Gleich den ersten Angriff nutzte der Halblinke Nico Rönnberg zum 1:0, ehe Arjan Haenen, toll freigespielt von Patrik Fahlgren, eine Minute später ausgleichen konnte. Dieser auf Augenhöhe stattfindende Auftakt sollte symbolhaft für das gesamte Spiel stehen.

Doch der Reihe nach: Beim Stand von 3:3 verließ Kreisläufer Johannes Golla mit schmerzverzerrte Gesicht das Feld. Sein Gegner hatte ihm einen tüchtigen Schlag verpasst. Seinen Platz nahm fortan Timm Schneider ein. Danach  tankte sich Momir Rnic zum 3:4 durch (7. Min.). Statt des möglichen Ausgleichs durch Yury Lukyanchuk, der von der Siebenmeterlinie an Johan Sjöstrand scheiterte, musste Cocks den nächsten Gegentreffer hinnehmen: Patrik Fahlgren hatte sich zum 3:5 durch die Abwehr der Gastgeber gemogelt.

Das war die erste Gelegenheit für die MT, den Vorsprung auszubauen. Ebenso beim 4:6 durch abermals Fahlgren. Nach 13 Minuten war beim 7:7 wieder alles offen. Die zwei-Tore-Führung hatten Rönnberg und Bachko per Gegenstoß egalisiert. Danach kehrte Golla für Schneider zurück an den Kreis. Das Spiel lief weiter auf der engen Spur. Der Youngster holte beim 8:9 die Führung für die MT zurück. (15.).

Dann stockte den knapp 600 Zuschauern kurzzeitig der Atem: Angriff Cocks, Lukyanchuk geht mit Volldampf auf die MT Abwehr zu, prallt dabei mit Arjan Haenen zusammen, erzielt das 9:9. Beide bleiben zunächst liegen. Doch während der Weißrusse nach einer Minute wieder auf den Beinen steht, bleibt der MT-Rechtsaußen hustend und mit kaltem Schweiß angeschlagen auf dem Boden. Nach einer kurzen Untersuchung durch MT-Mannschaftsarzt Bernd Sostmann wird er vom Feld geführt, sitzt auch noch auf der Bank einigermaßen benommen. Seinen Platz auf Aussen nimmt Johannes Sellin ein.
 
Der vermeintliche Aussenseiter indes ließ sich auch in der Folge nicht abschütteln, sondern bot der MT immer wieder gekonnt Paroli. Zum Beispiel in Person von Andrej Novoselov, der von Linksaußen Johan Sjöstrand mit einem perfekten “Dreher” zum 10:10 (17.) überlistete. Kurz darauf holte Bachko, der ins verwaiste MT-Tor warf, sogar die erste Führung für die Finnen. Beim Stand von 12:12 setzte  Michael Allendorf einen Strafwurf über die Latte. Cocks Trainer Gintaras Savukynas wechselte dann gleich dreifach: Sjöman besetzte den Kreis statt Tsitou, Kovalenko kam für Bachko auf die Regieposition und da Silva löste Nenita auf Halbrechts ab. Und diese Frischekur machte sich sofort bemerkbar, als nämlich der Portugiese seinen ersten Ballkontakt zum 13:12 nutzte (23.).

Das war für Michael Roth das Signal für ein Timeout. Im Gegensatz zu seinem Trainerkollegen auf der anderen Seite nahm er aber keine Umbesetzungen vor, sondern justierte die bestehende Formation neu. Dazu gehörte auch die Änderung der Abwehr von einer 6:0- auf eine 5:1-Formation, bei der Allendorf den Part des Vorgezogenen einnahm. Das schien die Gastgeber kurzzeitig wie geplant aus dem Konzept zu bringen, sodass auch deren Coach ein Timeout nahmen.

Vier Minuten vergingen, ehe der nächste Treffer fiel. Es war der 13:13-Ausgleich durch Schneider, nachdem zuvor Sellin einen Strafwurf übers Tor beförderte. Dass die MT danach den 13:14-Rückstand bis zum Pausenpfiff noch in eine 15:14-Führung umwandeln konnte, lag an zwei beherzten Aktionen von Michael Müller und Timm Schneider, die beide Male von Erfolg gekrönt waren.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs nahm die MT das Heft entschiedener in die Hand. Und legte durch Boomhouwer, Fahlgren und einen verwandelten Strafwurf von Allendorf binnen vier Minuten auf 15:18 vor. Es schien sich bei den Nordhessen ein Lauf anzubahnen. Doch ausgerechnet jetzt unterbrachen die Referees, weil sich die Mittellinie zu lösen begann und es mehrere Minuten lang dauerte, bis der Techniker das Malheur behoben hatte. Offenbar brachte diese künstliche Pause die Gäste aus dem Konzept. Denn Cocks legte nun seinerseits einen Dreier hin und war beim 18:18 wiederum auf Augenhöhe (38.).

Doch das Blatt wendete sich erneut, wiederum gelangen Müller & Co drei Treffer in Folge. Nun schien ein weiteres Mal das  Absetzen vom hartnäckigen Kontrahenten möglich. Aber wieder standen sich die Gäste danach einige Male selber im Weg. Etwa als Schneider und Golla unmittelbar hintereinander freistehend von dem immer stärker werdenden Vitali Shitsko im Cocks-Gehäuse ausgebremst wurden. Wie gut, dass nach der Verkürzung von Nenita auf 20:22 (43.) Boomhouwer zur Stelle war und den Verfolger zunächst auf geringer Distanz hielt.

Nach einer Dreiviertelstunde, gerade hatten die Gastgeber zum 22:23 verkürzt, nahm Michael Roth ein Timeout, beorderte  Rnic für Philipp Müller auf Halblinks, Golla für Schneider an den Kreis und den wiederum für Fahlgren auf die Mitte. Die erhoffte Wirkung bleib zunächst aus. Denn in drei aufeinanderfolgenden Angriffen leistete sich die MT jeweils Fehler und ermöglichte so dem Gegner den 23:23 Ausgleich. Dabei hatte Rönnberg Sjöstrand mit einem mächtigen, von unten nach oben gezogenen Ball, verdeckt auf Halblinks abgefeuert, überrascht. Dadurch angestachelt, legte Bachko mit einem Wurf nach, sodass Cocks plötzlich wieder in der Vorhand war (24:23, 49.).

So blieb das Spiel auch im weiteren Verlauf äußerst spannend. Es war längst ein offener Zweikampf, bei dem auf beiden Seiten die Tore in schönem Wechsel fielen. Nach einem Timeout der Gastgeber holte Bachko mit einem starken 1 gegen 1 eine Zweiminutenstrafe (gegen Philipp Müller) und einen Strafwurf heraus, den Rönnberg 76 Sekunden vor dem Ende zum Ausgleich einnetzte (28:28). Michael Roth legte daraufhin die Grüne Karte auf den Tisch des Kampfgerichts.

Nach Wiederaufnahme des längst zum Krimi mutierten Spiels fasste sich Momir Rnic ein Herz und rackerte sich unwiderstehlich sich zum 28:29 durch. Cocks kam noch einmal in den Angriff. Den unterbrach Fahlgren auf Kosten eines Fouls, kassierte dafür eine Zeitstrafe. Weil aber auch noch Philipp Müller draußen saß, sah sich die MT in den verbleibenden 12 Sekunden bis zum Abpfiff dem Gegner in doppelter Unterzahl gegenüber. Die Finnen  hatten nun noch eine Chance, die die Referees vielleicht etwas zu früh mit einem Pfiff beendeten. Der anschließende Freiwurf musste dann bei bereits abgelaufener Uhr direkt ausgeführt werden, fand aber keinen Weg durch die MT-Mauer, und so bejubelten ,die Nordhessen kurz darauf samt ihren 25 mitgereisten Fans, den glücklichen Sieg.

(Stimmen zum Spiel folgen)

Statistik

Riihimäen Cocks:  – MT Melsungen 28:29 (14:15)

Riihimäen Cocks: Shitsko  (15 Paraden /  29 Gegentore), Morozov (n.e.)  – Tuominen, Valo (C), Bachko 5, Safronii, Tamminen 2, Lukyanchuk 3, Syrjälä, Novoselov 4, Sjöman, Rönnberg 8/2, Nenita 4, Kovalenko, Tsitou, da Silva 2 – Trainer: Savukynas.

MT Melsungen: Sjöstrand (14 Paraden /  28 Gegentore), Svetkic (n.e.), Villadsen (n.e.) – Sellin 3, Golla 3, Fahlgren 4, Danner, P. Müller 2, Boomhouwer 3, Rnic 4, Schneider 4, Allendorf 2/1, Vuckovic, Jaanimaa, M. Müller (C) 1, Haenen 1 – Trainer: Roth

Die nächsten Spiele

Mi., 22.02.17, 20:15 Uhr: THW Kiel – MT Melsungen (Sparkassen-Arena, Kiel)
Mi., 01.03.2017, 20:15 Uhr: TVB 1898 Stuttgart – MT Melsungen (SCHARRena, Stuttgart)
Sa., 04.03.2017, 20.00 Uhr: EHF-Cup: Helvetia Anaitasuna (ESP) – MT Melsungen (Pamplona, ESP)
Mi., 08.03.2017, 20.15 Uhr: MT Melsungen – SC Magdeburg ( Rothenbach-Halle, Kassel)

 
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