Die Welt braucht mehr Plasma – Lösung auf europäischer Ebene muss her

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Blutplasma von freiwilligen gesunden Spenderinnen und Spendern ist der Grundstoff für überlebenswichtige biologische Arzneimittel bei bestimmten chronischen Krankheiten. Pandemie-bedingt ist die Zahl der Plasmaspenden im letzten Jahr weltweit deutlich zurückgegangen, sowohl in den USA als auch in Europa. „Wir brauchen dringend mehr Plasmaspenderinnen und -spender, mehr Spendezentren und mehr Aufklärungsarbeit“, betont Dr. Frank Velte von der Plasma Protein Therapeutics Association Deutschland e.V. (PPTA). „Insbesondere Immunglobuline, Medikamente, die Antikörper aus dem gespendeten Plasma zur Abwehr von Infektionen enthalten, sind aktuell nur begrenzt verfügbar.“ Die PPTA setzt sich dafür ein, dass Patientinnen und Patienten weltweit Zugang zu sicheren und wirksamen Plasmapräparaten erhalten. Auf Einladung des Paul-Ehrlich-Instituts nimmt der Verband heute an einem Roundtable von Fachleuten teil, um erforderliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu diskutieren.

In jedem Jahr wird in der Europäischen Union mehr Plasma benötigt, um den stetig steigenden klinischen Bedarf an Plasmapräparaten zu decken – denn jedes Jahr werden mehr Patientinnen und Patienten mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung diagnostiziert, die eine durchgängige Behandlung mit Plasmapräparaten erfordert. Plasma kann nicht künstlich im Labor erzeugt werden, es kann ausschließlich von gesunden Spenderinnen und Spendern gewonnen werden. 31 Prozent des Plasmas in Europa stammen aus Vollblutspenden in Blutspendediensten, 39 Prozent stammen aus der direkten Plasmaspende, vornehmlich in privatwirtschaftlichen Spendezentren. Der Rest, 30 Prozent, wird aus den USA importiert. „Wegen der immer noch andauernden COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Schwierigkeiten haben Menschen weltweit in den vergangenen Monaten deutlich weniger Plasma gespendet als üblich – und das in einer Situation, in der Plasma sowieso schon ein knappes Gut ist“, stellt Dr. Frank Velte fest. „Wenn weniger Menschen spenden, kann das mit einer Verzögerung von sieben bis zwölf Monaten – solange dauert es, bis aus den Spenden die benötigten Medikamente hergestellt werden – zu einer begrenzten Verfügbarkeit von Plasmapräparaten führen.

Plasmapräparate für Betroffene so wichtig wie Insulin für Diabetiker*innen

Besonders kritisch entwickelt sich die Lage bei den Immunglobulinen. Auf diese sind Patientinnen und Patienten mit primären und sekundären Immundefekten dringend angewiesen, aber auch jene mit bestimmten autoimmunologischen oder autoinflammatorischen Erkrankungen. „Es ist zu befürchten, dass Ärztinnen und Ärzte in absehbarer Zeit nur noch eine eingeschränkte Auswahl an Präparaten – und diese auch nur in begrenzter Menge – für die Behandlung von Patientinnen und Patienten zur Verfügung haben. Dabei sind Immunglobuline für einen Menschen mit Immundefekt so wichtig wie Insulin für Menschen mit Diabetes“, erklärt Prof. Dr. med. Volker Wahn, Sprecher des Ärztenetzwerks FIND-ID. FIND-ID ist eine Netzwerkinitiative, in die Zentren für primäre Immundefekte, niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser und die Patientenorganisation dsai eingebunden sind.

Abhängigkeit von USA nimmt zu

„Der weltweite Bedarf an Immunglobulinen und damit an Spenderplasma ist in den vergangenen Jahren um jährlich etwa acht Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Plasmaspenden im letzten Jahr pandemiebedingt um etwa 20 Prozent weltweit eingebrochen“, macht Dr. Frank Velte von der PPTA deutlich. „Das mit diesem Einbruch einhergehende Fehlen von Spenderplasma mündet nun in eine beginnende begrenzte Verfügbarkeit von lebenswichtigen Plasmapräparaten wie den Immunglobulinen.“ Zudem verschärft diese Lage die ohnehin große Abhängigkeit Europas von Plasmaimporten aus den USA weiter.

FIND-ID fordert politische Unterstützung

Um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen und gleichzeitig Maßnahmen vorzuschlagen, hat das Ärztenetzwerk FIND-ID gemeinsam mit zwei medizinischen Fachgesellschaften eine Stellungnahme zum Thema Plasmaspende und Plasmapräparate versendet. Empfänger waren die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages. Die Unterzeichner – Prof. Dr. med. Volker Wahn, Prof. Dr. Stephan Ehl, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Immunologie, und Dr. med. Kirsten Wittke, Vorsitzende des Arbeitskreises Immundefekte und Immundysregulation der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. – fordern schnellstmöglich politische Unterstützung: „Langfristig kann die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten nur gesichert werden, wenn es gelingt, die einheimische, das heißt europäische, Plasmaspende zu fördern und so die Abhängigkeit von den USA schrittweise zu reduzieren. Dies wird ohne politische Maßnahmen nicht gelingen. Wir fordern daher schnellstmöglich politische Unterstützung.“

Europaweite Kampagne zur Plasmaspende

Unterstützt von Pharmaunternehmen, Patientenorganisationen, Mitgliedern des Europaparlaments, Spendenden und erkrankten Menschen hat die PPTA Europa die Kampagne „Jeder von uns kann Leben retten“ initiiert. Die Kampagne macht auf die aktuelle Plasmaknappheit und deren mögliche Folgen aufmerksam. Über möglichst viele Unterschriften will sie ein Umdenken auf europäischer Ebene bewirken – denn nur wenige Länder in Europa erlauben eine Aufwandsentschädigung für die Plasmaspende, was das Sammeln von ausreichend Plasma in und für Europa erschwert.

 

OV von PPTA Deutschland e.V.

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