Die Psychologie von Wettbewerben

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Belohnungssystem

Wettbewerbe sind untrennbarer Teil unseres Lebens. Dabei geht es nicht immer um die heißbegehrten Medaillen und Pokale. Schulnoten, Bewerbungsgespräche und Gesellschaftsspiele sind alltägliche Situationen, in denen wir uns mit anderen Vergleichen und versuchen zu gewinnen. Bei den Dingen, bei denen wir dabei Vorteile erhalten – gute Noten öffnen uns mehr Türen, ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch verschafft uns einen neuen Job – ist es sinnvoll, als Sieger hervorgehen zu wollen. Bei Spielen wiederum könnte es uns eigentlich egal sein. Wir haben nichts davon, wenn wir den allwöchentlichen Spieleabend als Gewinner verlassen. Zumindest nichts Handfestes. Psychologisch sieht das dafür ganz anders aus.

Das mesolimbische System, auch Belohnungssystem, unseres Hirns ist für einen Großteil unserer positiven Gefühlsregungen verantwortlich. Dort finden Botenstoffe wie Dopamin ihre Rezeptoren. Dieser ist mit anderen Botenstoffen wie Serotonin dafür verantwortlich Bewegungen, Koordination, Konzentration, Motivation und geistige Leistungsfähigkeit zu steuern. Er macht wach, energiereich und vor allem glücklich. Ein Mangel an Dopamin führt deshalb zu Depressionen, kognitiven Einschränkungen und Antriebsstörungen.

Gefunden wurde das Belohnungssystem bei Forschungen über Lernprozesse im Jahr 1954. Eine Ratte, deren entsprechende Gehirnregion mit Elektrostößen stimuliert wurde, kehrte dabei immer wieder an den Ort zurück, wo die Versuche stattgefunden haben. Die Forscher vermuteten, dass sie auf weitere Stimulation hoffte. Daraufhin entwickelten sie einen Versuch, der es den Testratten möglich machte, sich selbst mit einem Knopfdruck zu stimulieren. Die Ratten, die das verstanden, drückten den Knopf im Fünf-Sekunden-Takt, bis zur Erschöpfung, und vergaßen dabei sogar das Fressen und Trinken.

Inzwischen weiß man auch bei Menschen: Wir sehen oder riechen etwas, das unser Hirn als positiv Wahrnimmt. Das limbische System entwickelt daraufhin einen Drang, der von der Großhirnrinde als Verlangen interpretiert wird. Sie gibt uns dann den Befehl, das Verlangen stillen zu wollen. Das limbische System belohnt und nach Erfüllung des Verlangens mit Dopamin und den dazugehörigen Glücksgefühlen. Das Dopamin wird auch an unseren Hippocampus gesandt. Da er für das Lernen und das Gedächtnis verantwortlich ist, speichern wir ab, dass etwas Positives passiert, wenn wir dem Drang nachgehen.

Kurz gesagt: Wenn uns ein möglicher Wettbewerb bevorsteht, wissen wir aus Erfahrung, dass es sich gut anfühlt, zu gewinnen. Unser Hirn lässt uns deshalb das Verlangen spüren, dieses Gefühl zu erreichen. Am Ziel angekommen, werden wir mit Dopamin belohnt. Das kann regelrecht zu einem sich immer steigernden Kreislauf führen. Deshalb entstehen auch viele Süchte durch das Belohnungssystem, wie bei den Ratten, die ihre Gesundheit vernachlässigt haben, um stattdessen das Glücksgefühl zu spüren.

Psychologische Auswirkungen

Das Glücksgefühl an sich ist bereits ein starker psychologischer Faktor. Aber auch nach dem Glücksmoment halten Auswirkungen auf unsere Psyche an. Wer gewinnt, ist selbstbewusst. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass die Person sich als der/die Beste empfindet. Ganz entscheidend ist auch unser Selbstwirksamkeits-Empfinden.

Verspüren wir uns als selbstwirksam, heißt das, dass wir daran glauben, Einfluss auf das Geschehen in unserem Leben zu haben. Wer sich nicht als selbstwirksam empfindet, fühlt sich als Opfer von Dingen, über die er keine Kontrolle hat. Das ergibt eine sehr unsichere Person, die sich nichts zutraut.

Ein selbstwirksamer Mensch weiß dafür, dass seine Handlungen Macht haben und er sein Leben positiv beeinflussen kann. Wer sich einem Wettbewerb stellt und gewinnt, lernt diese Kausalkette: Ich strenge mich an und sehe dafür auch ein positives Ergebnis. Es gibt uns das Gefühl, alles erreichen zu können.

Nichts aktiviert das Belohnungssystem unseres Hirns so sehr, wie von anderen Menschen gesehen und sozial anerkannt zu werden, sagt Joachim Bauer, Medizinprofessor und Psychotherapeut aus Freiburg. Deshalb zieht es viele auch zu öffentlichen Wettbewerben, statt sich mit sich selbst zu messen. Es geht mehr um die Anerkennung anderer, als ein Überlegenheitsgefühl.

Umgehen von negativen Auswirkungen

Was sich positiv auswirken kann, kann natürlich auch das Gegenteil bewirken.  Eine Person, wie häufig an dem scheitert, was sie sich vorgenommen hat, lernt keine Selbstwirksamkeit. Gefühle des Versagens und des Unterlegen-seins sind gefährlich, wenn sie häufig als bestätigt wahrgenommen werden.

Eine Person, insbesondere ein Kind, das Wettbewerbe eingeht, sollte deshalb auf ein gutes Umfeld setzen können. Dazu gehört es beispielsweise der Person klarzumachen, dass die Leistung nicht mit dem Wert einer Person gleichzusetzen ist und dass auch die Teilnahme selbst genossen werden kann.

Der Wettbewerb soll auch für die Nicht-Gewinner eine Rückmeldung über ihre Fähigkeit geben und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Ohne den Druck des Gewinnen-Müssens kann das auch positive Auswirkungen haben. Dafür braucht es aber den entsprechenden Rückhalt.

Kritiker glauben, dass damit der Antrieb eines Kindes gebremst wird. Eine gute Möglichkeit Kinder nach einem besonderen gescheiterten Wettbewerb für ihre Mühen zu belohnen ist es dennoch, wenn Eltern ihnen eigenhändig Pokale kaufen. Nicht, um ihnen zu vermitteln, dass man sich für einen Pokal nicht anstrengen muss, sondern um das Überschreiten einer Frustrationstoleranz zu verhindern, die das desillusionierte Kind davon abhalten will, weitere Anstrengungen zu versuchen. 

 


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