Die McDonnell XF-85 Goblin: ein Jäger startet vom Bomber aus

USAF: McDonnell-XF-85-Goblin bei Testversuchen

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Die Idee war nicht neu, als man 1946 den Gedanken weiterverfolgte Jäger von Bombern aus zu starten.
Ursprünglich hatten diese Idee schon deutsche Stellen, als man mit Zeppelinangriffen England im ersten Weltkrieg bombardierte und die englischen Jäger im Laufe des Krieges immer besser wurden und die sehr hoch fliegenden Luftschiffe endlich erreichen konnten.
Die mit Wasserstoff befüllten Zeppeline verwandelten sich so innerhalb von Sekunden nach dem ersten Beschuss in Fackeln, was die Angriffe dann zunehmend sinnlos machte.
Damals scheiterte der Gedanke an der verfügbaren Gesamtnutzlast.

Quelle: US Navy History-Webseite ; F9C Sparrowhawk der USS Macon beim Abflug

In den 30er-Jahren wurden aus erbeuteten deutschen Zeppelinplänen von Goodyear ein solcher Trägerzeppelin zur Seeaufklärung entwickelt. Anstatt der ehemaligen Bombenabwurfgestelle hatte die USS Macon (HIER) und ihr Schwesterschiff USS Akron einen Hangar, in dem vier Flugzeuge am Fanghacken hingen, die dann heruntergelassen und gestartet werden konnte.
Nach dem Aufklärungsflug flogen die Flugzeuge unter den Zeppelin, hakten sich wieder in den Fanghaken ein und wurden an Bord gezogen. Dort wurden sie dann betankt und wieder einsatzbereit gemacht.
Die USS Macon ging 1935 aus bekannten technischen Ursachen über See verloren, während die USS Akron schon 1933 abstürzte.
Es gab bei dem Konzept zahlreiche kaum lösbare technische Probleme, die im Prinzip auch das Scheitern des Startups Cargolifter AG anno 1996 schon vorhersehbar machten (HIER).

Der Unfall der LZ-129 Hindenburg (HIER) in Lakehurst 1937 beendete nicht nur den Passagierdienst von Zeppelinen sondern auch ihren militärischen Einsatz an sich. Auch mit Helium- anstatt Wasserstoffbefüllung hatte das Projekt keine Chance mehr.

 

In den 1940 sahen US-Planer, dass im Zuge der britischen Bomberangriffe auf Deutschland ein eklatanter Mangel an Jagdbegleitung zu erkennen war. Die verfügbaren Jäger konnten die Langstreckenbomber nicht ins Einsatzgebiet begleiten, was deren Überlebenschancen eher zum Glücksspiel machte.
Eine Erfahrung, den auch die deutsche Luftwaffe bei der Luftschlacht um England machen musste, als die aus Frankreich kommenden deutschen Jäger maximal 30 Minuten über England bleiben konnten.

Quelle: USAF: B-36 Peacemaker im Vergleich zur legendären B-29 Superfortress

In allen Fällen spielte man mit dem Gedanken den Jagdschutz quasi als Ladung mitzunehmen und dann bei Bedarf vom Trägerflugzeug aus zu starten. Nach erfolgtem Verteidigungseinsatz sollte das Jagdflugzeug wieder aufgenommen werden. Letztlich so, wie bei Flugzeugträgern auf See.

So richtete sich die Planung und Konstruktion auf sog. Parasite Fighters, die als Kleinjäger von Standardbombern aus eingesetzt werden konnten.
Diese Idee wurde im zweiten Weltkrieg dann nicht weiter entwickelt, da es den USA gelang mit den P-51 Mustang, P-47 Thunderbolt und P-38 Ligthning hervorragende Langstreckenjäger zu entwickeln, die die US-Bomber bis zu den Zielen und zurück begleiten konnten.

 

Nach dem Krieg, wurde der Mangel an die Bomber begleitende Langstreckenjäger aber wieder relevant, da Jets nicht über die relevante Einsatzreichweite zur Begleitung strategischer Bombereinsätze verfügten. Keine interkontinentale Reichweite hatten, wie sie das Strategic Air Command (SAC) nun gegen die UdSSR plante.

 

Quelle: USAF: Testpilot Ed Schoch vor der Goblin nach einem Testflug (Schoch war ein Ass von der USS Lexington im Krieg)

Schaut man sich das Flugzeug an, was als Lösung angedacht war, dann versteht man sofort die Wahl des Namens „Goblin“ (HIER), zu Deutsch „Kobold“. Das eiförmige Schiff sollte mit bis zu vier schweren 12,7mm-Maschinengewehren bewaffnet werden. 

Der Jäger sollte im Falle eines gegnerischen Angriffs feindlicher Abfangjäger aus dem Bombenschacht der Convair B-36 Peacemaker (HIER) abgeworfen werden, in der Luft starten und nach getaner Arbeit wieder ins Trägerflugzeug zurückkehren können.
Es kam aber nie zur geplanten Serienproduktion. Der Grund war, dass man bezweifelte, dass es das kleine Flugzeug, trotz überdurchschnittlicher Flugeigenschaften, mit konventionellen Kampfflugzeugen aufnehmen konnte.

So endete die letzte Idee von der Machbarkeit sog. Parasite Fighters in der Geschichte. Zumindest was bemannte Versionen angeht.

 

Im Rahmen von Marschflugkörpern wurde die Idee der bombergestützten und selbst weiterfliegenden Angriffswaffe wieder aufgegriffen und für die Bomber B -52, B-1 und B-2 perfektioniert.

Auch im Rahmen von Drohneneinsätzen könnte sich das System flugzeuggestützten Trägereinsatzes wieder etablieren. Egal ob als dann selbst weiterfliegende Waffenträger, als separat agierender autonomer Täuschkörper oder auch als (autonome) Waffe an sich (z.B.: Schwarmdrohnen) gibt es zahlreiche sinnvolle Einsatzideen, die sich verwirklichen lassen könnten.

 

 

PS.: In Computerspiele hat diese Idee auch schon – wie bei Fallout 4 mit der Prydwen –  Einzug gehalten… (Video zum Absetzen von Flugzeugen HIER )

Quelle: eigener Screen mit Fallout 4…

 

 

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