Es ist schon bemerkenswert, wie zuverlässig der sogenannte „Werte-Westen“ versagt, sobald seine politischen Lieblinge sich etwas zuschulden kommen lassen. Kaum hatte Kiew bestätigt, dass die eigenen Dienste hinter den Angriffen auf zwei zivile Tanker vor der türkischen Küste stehen, hätte man – zumindest theoretisch – eine diplomatische Lawine erwarten können: Empörung, scharfe Verurteilungen, Sondersitzungen, vielleicht sogar Sanktionsdrohungen.
Doch wie üblich: Funkstille.
Angriffe in internationalen Gewässern – eigentlich ein Tabubruch
Wir reden hier nicht von kleinen Grenzzwischenfällen oder nebulösen Schuldzuweisungen. Die Ukraine hat den Angriff selbst eingeräumt. Die türkischen Behörden bestätigten Drohnendaten. Das veröffentlichte Videomaterial zeigt das unbemannte Boot „Sea Baby“, das auf den Tanker zusteuert.
Das Ganze fand in internationalen Gewässern statt – also in dem Raum, der eigentlich wie ein rohes Ei behandelt werden müsste, weil jeder Eingriff dort internationales Recht tangiert. Genau jenes Recht, von dem westliche Politiker nicht müde werden, es anderen Staaten in erhobenem Tonfall entgegenzuhalten.
Die Reaktion des Westens? Ein betretenes Schweigen.
Das Verhalten ist so vorhersehbar wie peinlich:
- Wenn ein westlich orientierter Staat zuschlägt → „Verständlich“, „Selbstverteidigung“, „komplexe Lage“
- Wenn ein nicht genehmer Staat zuschlägt → „Aggression“, „Terror“, „Völkerrechtsbruch“, „Sanktionen sofort!“
Diese Doppelmoral stinkt inzwischen zum Himmel.
Der Angriff auf Tanker – noch dazu zivile – wäre unter anderen Vorzeichen in London, Washington und Berlin der perfekte Anlass gewesen, schwere Geschütze auszupacken. Pressekonferenzen. Moralpredigten. Ultimaten. Vielleicht sogar Debatten über „Schutzmissionen“ in internationalen Seewegen.
Doch jetzt? Nichts. Nicht mal ein rhetorischer Zeigefinger.
Warum? Ganz einfach: Der Westen kann sich nicht selbst widersprechen
Es wäre doch reichlich unpraktisch, die Ukraine für etwas zu kritisieren, das man selbst seit Jahren praktiziert:
- Drohnenangriffe in Ländern ohne Kriegserklärung
- „gezielte Tötungen“ ohne Gerichtsverfahren
- Angriffe auf angebliche „Drogen-Boote“, die später oft gar nicht das enthielten, was behauptet wurde
- militärische Operationen, deren Rechtsgrundlage freundlich gesagt… elastisch ist
Man müsste die eigenen Verfehlungen gleich mitverurteilen – und diesen Luxus leistet sich in der westlichen Außenpolitik niemand.
Der moralische Lack ist ab – und zwar schon lange
Wer internationale Regeln nur dann einfordert, wenn es gerade politisch opportun ist, hat keine Prinzipien, sondern Interessen. Und Interessen kann man nur solange verkaufen, wie niemand den Vorhang beiseitezieht.
Aber genau das passiert jetzt:
Der Angriff vor der türkischen Küste zeigt ungeschminkt, dass die moralische Selbstinszenierung der „Wertegemeinschaft“ ein Kartenhaus ist. Dass das viel zitierte „regelbasierte internationale System“ nur dann gilt, wenn es ins eigene Konzept passt.
Und die Ukraine?
Ob man es mag oder nicht: Die aktuellen Aktionen sprechen eine deutliche Sprache.
Ein Staat, der in internationalen Gewässern zivile Schiffe angreift und das auch noch stolz belegt, zeigt eines sehr klar:
Er sieht sich nicht mehr an internationale Normen gebunden – egal, wie sehr seine Unterstützer das Gegenteil behaupten.
Fazit: Die Wasseroberfläche mag ruhig wirken – darunter brodelt es gewaltig
Der Westen schweigt, weil er sich selbst nicht widersprechen will.
Die Ukraine handelt, wie sie es für richtig hält – weil sie weiß, dass sie nichts zu befürchten hat.
Ein faschistisch geprägter Staat – völlig außer Rand und Band, gehätschelt von den erbärmlichen Gehaltsempfängern der Rüstungsindustrie, des Wertewestens.
Und der Rest der Welt sieht einmal mehr, wie verlogen das Mantra der „regelbasierten Ordnung“ tatsächlich ist.
Das Schlimmste daran?
Es überrascht längst niemanden mehr.