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Das Wasserrisiko im Einkaufskorb

 

Temperaturrekorde, Dürreperioden, Jahrhundertfluten – durch die Klimakrise häufen sich Wetterextreme. Mit ihnen steigen auch weltweit die Wasserrisiken für Anbauregionen von in Deutschland besonders beliebten Obst- und Gemüsesorten. Das ergibt eine WWF-Analyse zum Weltwassertag. Demnach leiden Kartoffelfelder in Ägypten und Avocadoplantagen in Chile sowie Peru zukünftig unter Wasserknappheit, während lateinamerikanische Bananenplantagen gegen Überschwemmungen und den Verlust ihrer Ernte kämpfen. Davon direkt betroffen ist auch der deutsche Lebensmitteleinzelhandel. Juliane Vatter, Expertin für internationale Wasserressourcen bei WWF Deutschland kommentiert: „Wasserrisiken haben einen Dominoeffekt auf die globalen Lieferketten des Lebensmitteleinzelhandels. Nach Ernteausfällen durch Überschwemmungen oder Dürren kommen weniger Bananen bei uns an und die Preise im Handel klettern nach oben. Die Verbraucher sehen die Folgen der Wasserrisiken also auch in ihrem Einkaufskorb.“
 
Die WWF Analyse basiert auf dem WWF Wasserrisikofilter und zeichnet ein alarmierendes Bild: Im Jahr 2050 werden 46 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus Regionen mit einem hohen Wasserrisiko stammen. Unter den Bedingungen eines pessimistischen Szenarios könnten etwa die Bananenanbaugebiete in Ecuador und Kolumbien bis 2050 fünf Mal häufiger überflutet werden. Das zeigt, dass Unternehmen schon jetzt ihr Wassermanagement überdenken müssen, um in Zukunft wirtschaftlich zu bleiben.  Mit einem nachhaltigem Wassermanagement sind sie besser gegen erhöhte Wasserrisiken gewappnet. Bei einem gemeinschaftlichen Zitrus-Anbauprojekt von WWF und EDEKA  in Andalusien  ist es zum Beispiel gelungen, durch eine nachhaltige Bewässerung 1.446 Millionen Liter Wasser einzusparen – und die Betriebe so widerstandsfähiger gegen Dürre aufzustellen.
 
Die WWF-Untersuchung setzt ihren Fokus auf fünf umweltrelevante sowie auf dem deutschen Markt besonders populäre Agrarprodukte und deren wichtigste Anbauregionen: Bananen, Zitrusfrüchte, Trauben, Kartoffeln und Avocados. Sie sind bei Verbraucher:innen beliebt, ihr Anbau zugleich wasserintensiv. Einige der untersuchten Anbauregionen[1] sind der WWF-Analyse zufolge einem überdurchschnittlich hohen Wasserrisiko ausgesetzt. Besonders stark trifft das auf die Kartoffelanbauregion im Nildelta zu. Von dort importiert Deutschland zwischen Dezember und Mai Kartoffeln, wenn hierzulande kaum frische Kartoffeln verfügbar sind. Das in dieser Region bereits heute hohe Wasserrisiko könnte unter einem pessimistischen Szenario bis 2050 sogar um weitere 20 Prozent steigen. Auch die jetzt schon hohe Wasserknappheit in spanischen Anbaugebieten für Zitrusfrüchte könnte in den nächsten 30 Jahren um weitere 10 Prozent wachsen.
 
„Die WWF-Untersuchung zeigt, die Wasserrisiken werden mit großer Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen. Dabei droht am häufigsten eine Verschärfung der Wasserknappheit. Aber auch Überschwemmungen und die Verschlechterung der Wasserqualität nehmen stark zu“, erklärt Juliane Vatter. „Die Lebensmitteleinzelhändler müssen verstehen, wie sich Wasserrisiken auf ihre Waren auswirken und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. Gemeinsam mit Zulieferern, Produzenten und anderen Wassernutzern vor Ort müssen Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Wassernutzung entwickelt werden.“     
 
Der Lebensmittelhändler EDEKA hat Süßwasserschutz bereits seit 2012 als einen Schwerpunkt in seinem Bestreben für nachhaltigere Lieferketten von Agrarprodukten festgelegt. Damals startete das Water Stewardship-Programm. „Wir haben mithilfe des WWF Wasserrisikofilters die relevanten Risiken für über 2.300 unserer Eigenmarken-Produkte in unseren globalen Lieferketten analysiert und bewertet. Nun arbeiten wir mit den Landwirten vor Ort intensiv daran, die Widerstandsfähigkeit unser Lieferketten in Bezug auf Wasserrisiken zu erhöhen“, erklärt Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation der EDEKA-Zentrale.

 

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