Das Ahrtal sieht schlimm aus, aber 1945 war es schlimmer…

Innenstadt von Essen 1945

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Ich weiß, dass ich da ein heikles Thema angehe, aber es muss gesagt werden! Die Kriegsvergleiche sind unangebracht!

Die Verwüstungen im Ahrtal und in anderen Hochwassergebieten sind schlimm. Besser gesagt, sie sind mitleidserregend schrecklich. Niemand hätte gedacht, dass es in einem Europa, das alle Mittel der Wetterbeobachtung und -vorhersage hat, so etwas passieren kann.
Dass Hochwasserprävention so vernachlässigt werden konnte, Warnmeldung so missachtet werden konnten und die Trägheit der Entscheidungsverantwortlichen so unvorstellbar sein könnte. Und schon gar nicht in Deutschland, wo man doch alles tut, um die Klimakatastrophe zu bekämpfen und sich … proaktiv vorzubereiten. Dafür wurden Unsummen ausgegeben. Allein die sog. Energiewende hat uns fast eine Billion Euro gekostet. 1.000.000.000.000

Und was müssen wir sehen?

 

Hochwasserschäden Ahrtal 2021


Über die Qualifikation gewisser Politdarsteller, gern auch auf kommunaler Ebene bis hoch zu Kreisen, brauchen wir uns nicht unterhalten. Manchmal wäre es besser gewesen einen x-beliebigen Schimpansen aus dem Zoo zu nehmen.
Aber: MAN HAT SIE GEWÄHLT! Sie fielen nicht vom Himmel und sie wurden auch keinem aufgezwungen.

Wer also auf Landräte oder Bürgermeister böse ist sollte sie abwählen. Oder, wenn das zu lange dauert eindringlich davon überzeugen selbst den Platz frei zu machen. In Duisburg hat das nach der Love-Parade etwas gedauert. Da war auch keiner der Wähler selbst betroffen. Hier könnte das nun schneller gehen. Wenn es denn nachdrücklich gewollt ist. Und wenn nicht, dann kann es nicht so schlimm sein, oder?

 

 

Was aber erstaunt ist diese Mentalität, dass es Jahre dauern wird die Trümmer wegzuschaffen. Alles wieder aufzubauen. Es wieder schön zu haben. Denn das ist falsch. Es geht schneller. Wir sind nur von der offensichtlichen Aufgabe erschlagen. Oder fühlen uns so.

Mal ehrlich, und hier beginne ich mich auf dünnem Eis zu bewegen, WAS soll das denn? Ist das die Mentalität, die uns groß gemacht hat? Wird das unseren Groß- und Urgroßeltern gerecht?

 

Die Hochwassergebiete sind lokal begrenzt. Hilfe kommt von überall. In den letzten vier Wochen wurde Erhebliches geschafft. Täglich reisen neue freiwillige Hilfskräfte an und helfen, wo es nur geht. Schweres Gerät ist überall und reichlich verfügbar. Es gibt schwere Lkw, die pro Ladung 20 Tonnen Müll, Trümmer und Dreck wegschaffen können.
Es gibt Versicherungen, die jetzt greifen. Und es gibt staatliche Hilfsgelder. Mitunter zögerlich fließend, aber es gibt sie.

 

Wiki: Köln 1945

Und nun erinnern wir uns an 1945. ALLES lag in Trümmern. Nicht örtlich begrenz, sondern überall. JEDER war betroffen. Sieben Millionen waren tot. Nahezu jede deutsche Stadt zu 50 bis 95 Prozent zerstört.
In Düren standen noch nicht mal mehr zwanzig Häuser unzerstört. Man wollte die Stadt anderswo wieder aufbauen.
Köln war eine in Trümmern gesunkene Ruine, in der dort 45.000 Menschen hausten, wo 1939 noch über 900.000 lebten.
Hamburg war niedergebrannt. Das Ruhrgebiet ein Trichterfeld. Und fast jede Brücke zerstört. Bundesweit.
Dazu drängten in diese zerstörten Städte 15 Millionen Vertriebene aus dem Osten. In Städte, die die ursprüngliche eigene Bevölkerung nicht aufnehmen konnten.
Fast acht Millionen Männer waren in Kriegsgefangenschaft, von denen 1,1 Millionen dort umkamen. Typhus und TBC breiteten sich aus. Und Wellblechhütten, Nissen-Hütten (HIER), wurden bis Mitte der 60er Jahre eine traurige Wohnrealität.

 

Trümmerfrauen bei der Arbeit

Der Wiederaufbau hing an Alten, Frauen und Kindern, die nicht jammerten, aber täglich ohne schweres Gerät, händisch und bis zu 12 Stunden Ziegelstein um Ziegelstein retteten. Sie sauber klopften. Und den Rest entsorgten. 
Trümmermengen, gegen die das Ahrtal beispielsweise bestenfalls als Kleinproblem anstinken kann.

Niemand kam von Außen dazu, Denn jeder arbeitete am selben Problem da wo er gerade stand. Überall war es das gleiche.
Und die Last trugen die Frauen. Die sog. Trümmerfrauen, von denen heute keiner mehr spricht. Die aber in Summe die Städte von Trümmern befreiten. Mit bloßen Händen. Tausende von Tonnen pro Strasse!

 

 

Hamburg 1945

Bis in die 60er lebten Familien in Kellern von Gebäuden, die nur noch aus Keller bestanden. Und in den vorhandenen Wohnraum wurden Menschen ohne Wohnung zusätzlich zwangseinquartiert. 
Aus einer Dreizimmerwohnung mit vier Personen wurde dann eine Wohngemeinschaft aus zwei Familien mit acht oder zehn Personen. Nicht für Wochen oder Monate, sondern für Jahre.

Und wenn mal wieder Keller freigegraben wurden, die intakt waren, und als Wohnung taugten, dann war das Glück darüber manchmal etwas überschattet, denn in ihnen lagen Leichen. Verwest oder mumifiziert. Gefangen unter den zusammengestürzten Häusern, erstickt oder einfach durch die immense Hitze der über ihnen tobenden Feuerstürme völlig gehydriert worden. Lebendig heißluftgetrocknet… Und das waren keine Einzelfälle!
Und über PTBS und Traumata und psychologische Hilfe reden wir mal besser gar nicht. Das ist Wohlstandsdenken von Überversorgten. Aus damaliger Sicht!


Solche Keller fand man bis Mitte der 50er Jahre immer wieder!

Natürlich waren diese Aufräumarbeiten auch durch tausende Blindgänger aller Kaliber behindert. Von 2kg-Stabbomben bis hin zu 36-Zentner-Luftminen und 5,4-Tonnen-Tallboy-Bomben, wie in Wesel. Zwanzig Prozent aller abgeworfenen Bomben waren Blindgänger, die die Trümmer zu Minenfeldern machten. In denen Frauen arbeiteten, Kinder spielten und Menschen lebten. 
Der Aufwand, der heute gemacht wird, wenn eine Fliegerbombe gefunden wird hätte damals zu hysterischen Lachkrämpfen geführt. Da wurde die Arbeit noch nicht mal unterbrochen.

 

Und das alles parallel zu dem, was da Haushaltsführung heißt. Nur zu essen gab es wenig, denn nach dem Krieg brach die Versorgung zusammen. CARE-Pakete (HIER) wurden zum überlebenswichtigen Gut. Nur bekam nicht jeder und ständig eines.
Die Frauen mussten raus auf das Land und ihre letzten Habseligkeiten gegen Nahrungsmitteln bei den Bauern eintauschen. Hamsterfahrten nannte man das. Manche dieser heute subventionierten Leutchen von Bauern wurde damals reich. Am Hunger der Stadtbewohner.

Das Elend war so groß, dass sich viele Frauen bei den Besatzungstruppen prostituieren mussten, um über die Runden zu kommen. Das deutsche „Fraulein“ war geboren, wurde zum Begriff und dann zum verklärten Wunder (HIER).

Es gab keine Versicherungen, aber eine Währungsreform nach einer üblen Inflation und einer Zigarettenwährung als Ersatz. Es gab auch keine Staatshilfen. Weder als Fonds noch als Einmalzahlung. Aber es gab Bezugsscheine für rationierte Waren, die einige leichter bekamen als andere. Ähnlich den TAFELN heute. Nur halt für alle über Jahre.

Wenn hier also ein paar weichgespülte geschichtsvergessene Leutchen schreibender und labernder Zunft meinen die Flutgebiete und die Situation mit dem Krieg verwechseln wollen zu müssen, dann wir es Zeit dass die mal endlich wieder zur Schule gehen und das nachholen, was meine Generation noch gelernt hat als Leistung wahrzunehmen. Als Basis dessen, aus dem das deutsche Wirtschaftswunder dann erst wurde. Und diese Basis waren Millionen von Frauen mit den Kindern an der Hand, die ohne ihre toten oder in Gefangenschaft sitzenden Männer, mit Haushalt und Versorgung der Kinder als „Hobby“ die Infrastruktur wieder hinstellten, Städte enttrümmerten und dann in wirklichen Verschlägen leben mussten.

Emanzipation? Frauenpower? Gendersprache als Identität und Quote als Ziel? – Die hätten darüber vor Erschöpfung noch nicht mal lachen können aber unseren heutigen Tussi-Protagonisten einen Schaufel in die Hand gedrückt.

Wenn irgendeine geschichtliche Leistung je dem Leistungswillen der Frauen gerecht wird dann wohl diese unübertroffene Großtat, für die es noch nicht mal Denkmäler gibt! – SIC!

 

Eine Rotkreuz-Schwester betreut die Kinder in einem Flüchtlingslager.

Den Leuten in den Katastrophengebieten geht es dreckig. Real, physisch und psychisch. Gerade deshalb so richtig dreckig, da sie wohlstandsverwöhnt waren. Daran gewöhnt man sich recht schnell. Und denkt dann, das es immer so ist. Licht, Strom, Heizung oder Klimaanlage, Fernsehen und WLAN. Im nahen Supermarkt immer und alles sofort bekommt. Dass alles immer sofort verfügbar ist. Wunschkonzert.
Und dann hat man Hunger, findet nach Tagen eine Konservendose und es ist kein verdammter Öffner da. Oder Trinkwasser fließt nicht. Oder die Toilette ist verstopft. Überall.
Kleinigkeiten werden zum Alptraum, der immer schlimmer wird. Belastend. Verstörend. Und dann traumatisierend. Jeder Nieselregen wird zum Angstfaktor. Auch weil das Vertrauen in die Behörden weg ist. Völlig fehlt.

 

 

Das war 1945 anders. Man war kriegserprobt, wusste was man am Nachbarn hatte und war das Improvisieren gewöhnt. Letzteres wurde von den Behörden unterstützt, nicht mit Argwohn bedacht. Kleiner aber feiner Unterschied.

 

Und  selbst wenn die vom Schlamm geräumten Wohnungen tagsüber schon schlimm aussehen, werden sie Nachts zu feuchten Höhlen, deren Wände die Menschen darin erdrücken. Wie Krakenarme wirken, die einen umklammern, so wurde mir gesagt. Und ich glaube es, denn ich habe selbst schon in feuchten Löchern übernachten müssen. Als Soldat. Im Manöver oder Einsatz. Nicht aber als momentane Dauerlösung.

 

Und ähnlich der Nachkriegszeit werden auch hier nun wieder lange überwundene Krankheiten ausbrechen. TBC sollte im Auge behalten werden. Nasse Wohnungen laden geradezu ein Tuberkulose (HIER) zu züchten.  Darüber hat man vermutlich auch noch nicht mit den Menschen vor Ort geredet. 

 

Was neu ist, ist der Umstand, dass der Dreck in den Hochwassergebieten verseucht und vergiftet ist. Mit Heizöl, diversen Chemikalien und Fäkalien. Das Problem hatte man 45 nicht. Dafür lag überall nicht abgebrannter Phosphor herum, der sich dann schnell auch mal entzünden konnte. Und das in unglaublichen Mengen.

Auch gab es keine Mülltrennung. Was nicht wiederverwertbar war, kam auf eine Abraumhalde oder füllte die unzähligen Trichter auf. Holz wurde verheizt und war knapp. Holzklau allgegenwärtig. Viele Parks überstanden diese Zeit nicht.

Mülltrennung, die den Räumungsprozess verlangsamt, ist ein Luxusproblem von Wohlstandsbürgern, könnte man sagen. Auch wenn sie richtig und wichtig ist. Doch wo sind die Prioritäten? 1945ff lag diese auf anderen Dingen. Fast 30 Jahre lang. Und bestimmt nicht, weil die Menschen dumm oder ignorant waren.

Wenn wir als Volk es nicht schaffen in diesen paar Gebieten schnell für eine Veränderung zu sorgen, dann brauchen wir andere Themen wie Digitalisierung, Klimawandel oder Demographie gar nicht mehr angehen. Das wäre dann X Ligen zu hoch gegriffen.

Aber die verwüsteten Gebiete samt Versorgungslage mit 45 zu vergleichen… ist ein wenig weit hergeholt. Unsere Groß- und Urgroßeltern hatten hier ganz andere Nummern zu stemmen, wie hoffentlich klargeworden ist.

 

ADN-ZB/Kolbe/Berlin/ 1947: Beseitigung der Kriegsschäden in der Behrenstraße.

Dennoch brauchen die Menschen dort weiter Unterstützung, damit das auch klappt ihnen in KURZER Zeit wieder eine Existenz zu ermöglichen, die auch diesem Land hier insgesamt als Anspruch gebührt.
Hilfen müssen fließen, Helfer unterstützt werden und es wird über Monate weiterer Freiwilliger bedürfen, die mit der Schaufel in der Hand dahin gehen, wo Bagger nun mal nicht wirken können.

Am Ende hängt es dann wieder an vielen Helfern, die in Reihen stehend Müll von Hand zu Hand weiterreichen. Wie 45 die Ziegelsteine durch die Frauen und Kinder weitergereicht und saubergeklopft wurden. Noch heute in hunderttausenden Häusern stecken wie man überall noch an den Farbunterschieden sehen kann, sofern der Putz fehlt.

 

 

 

Auch wenn der Satz vorbelastet ist, thematisch und moralisch übel vergewaltigt wurde, doch hier trifft er zu:

WIR SCHAFFEN DAS!

Wenn wir auf dem Teppich bleiben und das tun, was uns Deutsche einmal ausgezeichnet hat: anpacken, hart arbeiten und auf das Wesentliche konzentriert! –SIC!

 

 

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