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Schlechtes Zeugnis für Luftqualität in deutschen Städten

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht sich in ihrer Forderung nach wirksamen Maßnahmen für saubere Luft durch die heute veröffentlichte Rangliste der Europäischen Umweltagentur (EEA) zur Feinstaubbelastung in europäischen Städten bestätigt. Die oberste europäische Umweltbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass die Luftqualität in vielen deutschen Städten allenfalls das Prädikat „mäßig“ verdient. Berlin schafft es sogar nur auf Platz 219 von 323. Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Feinstaubbelastung, die über den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt und jährlich zu 60.000 vorzeitigen Toden führt.

Dazu Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die neueste Auswertung der Europäischen Umweltagentur zeichnet ein klares Bild: Deutschland hat ein Feinstaubproblem. Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam Sofortmaßnahmen ergreifen, damit Menschen endlich überall saubere Luft zum Atmen haben. Diese Maßnahmen müssen vor allem Holzöfen und Holzheizkessel betreffen, die eine entscheidende Quelle von Feinstaub und Ruß darstellen. Wirksame Abgasreinigung muss bei diesen Anlagen zur Pflicht gemacht werden. Mit dem Blauen Engel für Kaminöfen steht schon jetzt ein Instrument bereit, dass schnellstmöglich als zwingender Mindeststandard in Kommunen eingeführt werden muss.

Das schlechte Abschneiden der deutschen Städte zeigt außerdem, dass die Verkehrswende hierzulande bislang kaum vorankommt. Bessere Radwege bedeuten weniger Autos und sind damit ein wichtiger Baustein für saubere Luft in Städten. Nicht ohne Grund weist die Fahrradstadt Göttingen die beste Luftqualität unter allen deutschen Städten auf.

Auch bei den Vorgaben jenseits des Straßenverkehrs wird zu wenig getan. Im Gegensatz zur Schweiz etwa, wo es seit Jahrzehnten eine Filterpflicht für Baumaschinen gibt, werden diese in deutschen Städten nach wie vor ohne Partikelfilter betrieben – zu Lasten von Arbeitnehmern auf den Baustellen und Anwohnern. Gleiches gilt für Diesel-Triebwagen.

Nicht zuletzt muss die Bundesregierung auch bei der Landwirtschaft ansetzen. Ammoniak, das bis zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft und vor allem der Nutztierhaltung kommt, wird nämlich zu Feinstaub umgewandelt. Obwohl Deutschland laut einer EU-Richtlinie verpflichtet ist, seine Ammoniakemissionen bis 2030 gegenüber 2005 um 29 Prozent zu verringern, sind bisher kaum Reduktionen zu verzeichnen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist vor allem eine Verringerung der Tierbestände notwendig.

 

OV von Deutsche Umwelthilfe (DUH)




Trotz COVID-19-Krise sorgen sich junge Menschen in Deutschland am meisten um Umwelt und Klima

 

Die COVID-19-Pandemie hat die Sicht junger Menschen in Deutschland auf die wirtschaftliche Zukunft eingetrübt. Bei Millennials, also den Jahrgängen 1983-94, erwarten 47 Prozent eine Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, vor zwei Jahren waren es nur 32 Prozent. Bei der Generation Z, den Jahrgängen 1995-2003, stieg der Anteil im selben Zeitraum fast genauso stark von 32 auf 45 Prozent. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Millennial Surveys, den Deloitte 2021 zum zehnten Mal durchgeführt hat. Dazu wurden im Januar und Februar weltweit rund 23.000 Menschen unter 40 Jahren in insgesamt 45 Ländern online befragt, 800 davon in Deutschland.

Resilienz in der Krise

Bei jungen Generationen in anderen Ländern stiegen die wirtschaftlichen Sorgen ähnlich. Dennoch gibt es Unterschiede in der Reaktion auf die Krise. So haben junge Menschen in Deutschland die Probleme weniger stark in positive Energie für gesellschaftliches Engagement umgewandelt als Gleichaltrige im Ausland: 36 Prozent der Millennials in Deutschland reagierten nach eigener Aussage auf die Pandemie, indem sie etwas unternahmen, um die Gesellschaft positiv zu verändern – weltweit lag der Anteil sogar bei 59 Prozent. In der Generation Z lag der Anteil in Deutschland bei 43 und global ebenfalls bei 59 Prozent.

Folglich sehen weltweit mehr junge Leute positive Nebeneffekte in der Pandemie. So erwarten 43 Prozent der global Befragten der Generation Z, dass das Mitgefühl unter Menschen nach der Pandemie höher sein wird als davor – in Deutschland sind es nur 29 Prozent. Millennials in Deutschland und weltweit teilen diese Hoffnung ähnlich unterschiedlich, aber insgesamt etwas weniger optimistisch.

„Auch, wenn sich die wirtschaftlichen Erwartungen während der Pandemie verschlechtert haben, sind einige positive Aspekte zu erkennen“, erklärt Dr. Elisabeth Denison, Chief People Officer bei Deloitte. „Die Hoffnung auf langfristige Verbesserungen, zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit, und die Fähigkeit, aus der Krise eine Motivation für persönliches Engagement zu ziehen, zeigt die Resilienz vieler junger Menschen.“

Der Stress für junge Frauen

Trotz dieser Widerstandskraft lösen die wirtschaftlichen Erwartungen bei jungen Menschen Stress aus. So erklären 28 Prozent der Millennials und 38 Prozent der Gen Zs in Deutschland, dass ihre langfristige finanzielle Zukunft Ängste bei ihnen auslöse. Global liegen die Werte noch höher bei jeweils 46 und 47 Prozent.

Ebenso fühlen sich Millennials in Deutschland in ihrer Gesamteinschätzung etwas weniger gestresst als ihre Altersgenossen im Ausland: 36 Prozent von ihnen sagen, dass sie sich oft oder immer gestresst fühlten – weltweit liegt der Wert bei 41 Prozent. Bei der Generation Z liegen die Werte sowohl in Deutschland als auch global jeweils bei 46 Prozent.

Damit ist der überraschende Stressrückgang aus dem vergangenen Jahr, den der letztjährige Millennial Survey bescheinigt hatte, zumindest bei der Generation Z großenteils wieder verpufft. In den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres, also zu Beginn der Pandemie, war der Anteil der gestresst lebenden Millennials und Gen Zs um jeweils 19 und zwölf Prozentpunkte zurückgegangen. Eine Erklärung dafür war die Verlangsamung des Alltags. Doch seitdem ist der Anteil bei Millennials wieder um sechs Prozentpunkte und bei Gen Zs um neun Prozentpunkte gestiegen.

Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den Geschlechtern – insbesondere in Deutschland. So fühlen sich hierzulande 43 Prozent der weiblichen Millennials gestresst; bei den Männern sind es nur 28 Prozent. Bei der Generation Z ist dieser Unterschied noch einen Prozentpunkt größer.

Sorge um die Umwelt

Obwohl sich die wirtschaftlichen Aussichten der unter 40-Jährigen in Deutschland verschlechtert haben, sehen sie andere gesellschaftliche Anliegen als noch drängender: Am höchsten rangiert die Entwicklung der Umwelt und des Klimas, die für 38 Prozent der Millennials und 39 Prozent der Generation Z das wichtigste Anliegen ist. Auf dem zweiten Platz liegt bei Millennials der Anstieg von extremistischen politischen Ansichten (20 Prozent) und bei Gen Zs der Terrorismus (20 Prozent).

Diese Einschätzung unterscheidet sich von den Sorgen junger Menschen weltweit. Global sehen nur 26 Prozent der Gen Zs Umweltprobleme als größte Bedrohung. Kurz darauf folgt schon die Bedrohung durch Arbeitslosigkeit für 25 Prozent der Befragten. Unter globalen Millennials sind Umweltängste sogar auf Platz drei: 26 Prozent sorgen sich darum, während 27 Prozent Arbeitslosigkeit und 28 Prozent Gesundheitsversorgung als dringendste Probleme erachten.

„Die Tatsache, dass Umweltfragen selbst während einer globalen Pandemie eine so zentral Rolle spielen, verdeutlicht, wie wichtig dieses Thema für junge Menschen weltweit und insbesondere in Deutschland ist“, resümiert Dr. Elisabeth Denison. „Zudem zeigen die jungen Generationen, dass sie selbst bei hoher persönlicher Belastung weiterhin ein starkes Empfinden für gesellschaftliche Herausforderungen haben und bei deren Lösung einen aktiven Part spielen wollen.“

Die komplette Studie finden Sie hier: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/innovation/contents/millennial-survey.html

 

OV von Deloitte




Trippelschritte Richtung Glasgow

 

Die Klimazwischenverhandlungen enden an diesem Donnerstag mit nur wenig Fortschritt bei wichtigen Themen wie der zwischenstaatlichen Kooperation bei CO2-Minderungen. „Bei der Umsetzung des Pariser Abkommens tasten wir uns leider noch immer langsam durch Treibsand vor, obwohl wir schon längst festen Boden unter unseren Füßen haben könnten und müssten“, sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Bei der Frage der zwischenstaatlichen Kooperation unter Artikel 6 – also unter anderem der Anrechenbarkeit von CO2-Minderungsprojekten eines Landes in einem anderen Land – gilt es, Doppelzählungen und das Einbeziehen von Zertifikaten aus der Prä-Paris-Ära zu vermeiden, damit das Pariser Abkommen nicht gleich zu Beginn Löcher bekommt. „Gut ist, dass sich viele Delegierte für Menschenrechte stark gemacht haben. Begrüßenswert ist auch die Idee, immer eine Zahl an Zertifikaten automatisch zu löschen, sobald überhaupt mit Minderungen gehandelt wird. Die endgültigen Entscheidungen zu Artikel 6 müssen nun dringend im November in Glasgow getroffen werden“, so Raddatz.

Bei der Frage zu den Umsetzungszeiträumen für die nationalen Klimabeiträge (NDC) gab es leider keine Einigung – die klimafreundliche und vom WWF geforderte Lösung von fünf Jahren stieß bei einigen wenigen Staaten auf noch großen Widerstand. Die EU blieb leider bei ihrer neutralen Position und konnte so keinen Fortschritt forcieren. „Damit die nationalen Klimabeiträge ihre volle Wirkung entfalten können, ist es wichtig, sie in einheitlichen und relativ kurzen Zeiträumen umzusetzen. Und das heißt innerhalb von fünf Jahren, nicht von zehn“, sagt Raddatz.

Von den Diskussionen um Transparenz u.a. von Berichtspflichten waren beobachtende Organisationen ironischerweise ausgeschlossen. „Die intransparenten Verhandlungen haben Vertrauen zwischen Staaten und Beobachtern untergraben und in den geschlossenen Räumen wurde auch inhaltlich an vielen Stellen Fortschritt verhindert“, kritisiert Raddatz. Es braucht hier ein gemeinsames Vorgehen, um Umsetzungslücken rechtzeitig zu erkennen und gegensteuern zu können.

„So wichtig es war, dass die Zwischenverhandlungen stattgefunden haben – sie haben uns nur Trippelschritte näher an gute Ergebnisse bei der COP im November geführt. Aber ein Erfolg der Klimakonferenz ist elementar im Kampf gegen die Klimakrise. Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen nun mit maximaler Dringlichkeit an ambitionierten Lösungen arbeiten. Für Deutschland bedeutet das, die neuen Klimaziele mit umfassenden und schnellen Maßnahmen erreichbar zu machen.“

 

OV von WWF Deutschland




Der Amazonas wird verramscht

 

 Zur Grillsaison wirbt der Einzelhandel mit Steaks oder Grillwürstchen vom Schwein mit einem Preis von durchschnittlich 6,36 Euro pro Kilo. Die Tofuwurst und der Sojaburger schlagen im Angebot mit einem Kilopreis von durchschnittlich 13,79 Euro zu Buche – und sind damit mehr als doppelt so teuer. Das sind Ergebnisse einer Rabattanalyse, die der WWF Deutschland zum Beginn der Grillsaison bei acht deutschen Lebensmitteleinzelhändlern durchgeführt hat. „Mit Billigfleisch wird der Amazonas verramscht“, kritisiert Tanja Dräger de Teran, Ernährungsreferentin beim WWF Deutschland. „Damit Fleisch zu günstigen Knallerpreisen angeboten werden kann, muss massenhaft Vieh gehalten und im großen Stil Futtermittel, vor allem Soja, importiert werden. Das heizt das Klima an und treibt die Zerstörung wertvoller Lebensräume wie etwa Regenwälder und Savannen in Lateinamerika voran.“

Durchgeführt wurde die WWF-Analyse vom 26. April bis 22. Mai 2021. Insgesamt wurden 922 Grillfleisch-Angebote in den Werbeprospekten von acht deutschen Supermarktketten erfasst. Die ausgewiesenen Rabatte betrugen zwischen 6 und 56 Prozent. Im Schnitt waren 85 Prozent des rabattierten Grillfleisches billiger als pflanzliche Alternativen. Erst im April 2021 hatte ein WWF-Report aufgedeckt, dass die EU nach China der größte Importeuer von Tropenwaldzerstörung ist. 16 Prozent der globalen Tropenabholzung im Zusammenhang mit dem internationalen Handel gehen demnach auf das Konto Europas. Zwischen 2005 und 2017 wurden für deutsche Importe von Agrargütern im Schnitt mehr als 43.700 Hektar Tropenwald pro Jahr vernichtet.

„Derzeit ist Fleisch für preisbewusste Käufer attraktiver als die umweltfreundlicheren, vegetarischen Grill-Produkte“, kritisiert Dräger de Teran. „Nachhaltige Ernährung wird dadurch zu einer sozialen Frage. Gerade wer beim Einkauf aufs Geld achten muss, wird quasi dazu gezwungen zum billigen Schweinenackensteak zu greifen, anstatt zum höherpreisigen Tofu-Würstchen.” Neben der Preispolitik des Handels kritisiert sie auch die aktuelle Landwirtschaftspolitik. „Die nächste Bundesregierung muss bis 2022 eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie auf den Weg bringen, deren Maßstab die ökologischen Grenzen der Erde sind.” Künftig müsse die einfache Wahl auch die gesunde und nachhaltige Wahl sein. Dazu solle die Bundesregierung ab 2023 eine Lenkungssteuer für tierische Lebensmittel einführen, die sich an Nachhaltigkeitskriterien orientiert und Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft weniger belastet.

Nur bei zwei Prozent der untersuchten Angebote handelte es sich zudem um Bioprodukte. „Wir können also davon ausgehen, dass 98 Prozent des rabattierten Grillfleischs nur die gesetzlichen Mindestkriterien beziehungsweise minimale Zusatzanforderungen erfüllt”, bilanziert Dräger de Teran. Nachhaltige Fütterung und Haltung scheinen in der Grillsaison keine Rolle zu spielen.

„Immer mehr Deutsche ernähren sich vegetarisch oder vegan. Pflanzenbasierte Produkte sollten daher in der Vermarktung bevorzugt und künftig keine Lockangebote mehr auf Fleisch- und Wurstwaren ausgewiesen werden”, so die WWF-Expertin. Davon ausgenommen seien Angebotspreise kurz vor Ablauf des Verbrauchsdatums.

Hintergrund: Methodik der Analyse
In der Stichproben-Analyse wurden die rabattierten Angebote von Grillfleisch und fleischlosen Grillprodukten von acht deutschen Lebensmitteleinzelhändlern untersucht (Aldi Nord, Aldi Süd, EDEKA, LIDL, Netto, Norma, Kaufland und REWE). Vom 26. April bis 22. Mai 2021 wurden dabei insgesamt 56 Angebotsprospekte ausgewertet. Neben den Preisen und Rabatten auf Grillfleisch wurden die Angebote für Grillkäse, Feta, Baguette, Barbecue-Soße und grillbare Fleischersatzprodukte erhoben und verglichen. Als Fleischersatzprodukt wurden pflanzliche Produkte begriffen, die wie Fleisch aussehen und schmecken sollen sowie zur Zubereitung auf dem Grill gedacht sind. Dazu zählen etwa Burger oder Würstchen auf Basis von Erbsenprotein, Soja oder Tofu.

Hintergrund: Ernährungsstudie
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des WWF könnten jährlich 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, indem alle Deutschen ihren Fleischkonsum auf 470 Gramm pro Wache halbieren und stattdessen mehr Gemüse und Hülsenfrüchte verzehren. Das entspricht fast den gesamten Emissionen der deutschen Landwirtschaft (66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente).

 

OV von WWF Deutschland




Klimaneutralität benötigt auch technische Senken

 

(ots) Kurzgutachten untersucht Potenzial und Herausforderung bei technischen Senken und gibt Handlungsempfehlungen / Technologien müssen zügig und parallel aufgebaut werden

Klimaneutralität braucht Senken. Alle 1,5 Grad-kompatiblen Pfade des IPCC (und die Mehrheit der 2-Grad-Pfade) betonen die Notwendigkeit des massiven Einsatzes von negativen Emissionen ab 2050, aber auch bereits auf dem Weg dahin. Nach der deutschen Treibhausgasneutralität müssen wir netto-negativ werden. Negative Emissionen durch Senken entstehen, wenn langfristig CO2 aus der Atmosphäre entnommen wird. Für Klimaneutralität werden neben den natürlichen Senken auch technische CO2-Senken benötigt. Das Klimaschutzgesetzt fordert seit kurzem für 2045 eine jährliche Senkenleistung des LULUCF-Sektors von 40 Millionen Tonnen CO2.

Dies wird von allen Experten als überaus ambitioniert wahrgenommen. Zudem kann die Senkenleistung durch zunehmende Extremwetter auch deutlich geringer ausfallen. Die dena-Leitstudie geht gegenwärtig davon aus, dass es im Jahr 2045 noch Residualemissionen aus den Sektoren Industrie und Landwirtschaft von mindestens 60 bis 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten geben wird. Möglichkeiten zur technischen Entnahme von CO2 werden deswegen ebenfalls benötigt. Auch wenn die Technologien für technische Senken grundsätzlich zur Verfügung stehen, besteht noch hoher Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Sie müssen zudem zeitnah eingesetzt werden, um über Skalen- und Lerneffekte die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Die zukünftigen Potenziale für technische CO2-Senken hängen von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien (DACCS), vom nachhaltigen Biomasseangebot und von dessen energetischer Nutzung in der Industrie (BECCS) und letztendlich auch von der jährlichen CO2-Transport- und -Einspeisekapazität ab. Hier kommen komplexe Wechselwirkungen ins Spiel, etwa zwischen der Größe anzunehmender natürlicher Senken-Potenziale und dem dadurch eingeschränkten Potenzial für Bioenergie. Das sind Kernergebnisse des von der Prognos AG erstellten und im Rahmen der dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität veröffentlichten Kurzgutachtens ‚Technische CO2-Senken. Techno-ökonomische Analyse ausgewählter CO2-Negativemissionstechnologien‘.

Die Priorität sollte immer auf der Reduktion des Treibhausgasausstoßes liegen, so eine Schlussfolgerung des Kurzgutachtens. Negativemissionen leisten dann den Beitrag, die unvermeidbaren Residualemissionen auszugleichen und einen wahrscheinlich absehbaren Overshoot der Emissionen umzukehren. Durch Elektrifizierung, Energieträger- und Technologiewechsel können CO2-Emissionen aus energetischer Nutzung und zu Teilen auch prozessbedingte Emissionen vermieden werden. Wo dies nicht möglich ist, sollten Emissionen – insbesondere aus Anwendungsfeldern wie der Zementproduktion – abgeschieden und langfristig gebunden werden bzw. gespeichert werden (CCUS). Darüber hinaus können neben der reinen Vermeidung von Prozessemissionen in der Industrie auch negative Emissionen über BECCS oder DACCS erreicht werden.

Ob Transport, Nutzung (CCU) oder Speicherung (CCS) von CO2 aus Punktquellen oder der Atmosphäre, in den meisten Fällen stehen großen Potenzialen limitierende Faktoren gegenüber. Dazu zählen noch zu hohe Kosten, die Technologiereife, jährliche Einspeisekapazitäten oder fehlende Akzeptanz. Das Gutachten zeigt beispielhaft auf, wie sich Kostenpfade entwickeln können und wie etwa Direct Air Capture auf unter 100 Euro Abscheidekosten pro Tonne CO2 gesenkt werden kann. Hier sind besonders die Betriebsstunden, CAPEX-Kosten und der Strompreis relevante Faktoren.

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, „Das Ziel der Klimaneutralität ist in einem Ausmaß ambitioniert, dass es schon längst nicht mehr ausreicht, sich allein auf das massive Senken von THG-Emissionen zu konzentrieren. Alle internationalen Szenarien und auch die Arbeiten an der dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität zeigen, dass an einem umfassenden Konzept für natürliche und technologische Senken gearbeitet werden muss. Das novellierte Klimaschutzgesetz adressiert dieses Thema, wirft aber andererseits eine Reihe nachfolgender Fragen auf, die auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Biomasse und die Notwendigkeit von technologischen Senken hat. Hier voran zu kommen ist nicht nur ein Beitrag zum nationalen Ziel der Klimaneutralität, sondern auch ein erforderlicher Beitrag zur Erfüllung unserer globalen Verantwortung beim Klimaschutz. Natürliche Senken werden nicht genügen und müssen durch den großskaligen Einsatz von technischen Senken begleitet werden. Um nachhaltige Erfolge zu erzielen, müssen so schnell wie möglich die benötigten Technologien skaliert und Infrastrukturen aufgebaut werden. Die Bedingung hierfür ist ein politischer und gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit technischer CO2-Senken. Zu diesem Diskurs trägt das Kurzgutachten bei.“

Das von der Prognos AG erstellte Kurzgutachten ‚Technische CO2-Senken. Techno-ökonomische Analyse ausgewählter CO2-Negativemissionstechnologien‘ gibt einen Überblick zum technischen Status quo, den wirtschaftlichen Parametern und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu CO2-Abscheidung, -Transport, -Nutzung sowie CO2-Speicherung. Vor Veröffentlichung des Abschlussberichts der dena-Leitstudie werden in den kommenden Wochen weitere Kurzgutachten publiziert, die ausgewählte Themenschwerpunkte im Handlungsfeld Klimaneutralität behandeln.

Das Kurzgutachten „Technische CO2-Senken. Techno-ökonomische Analyse ausgewählter CO2-Negativemissionstechnologien“ ist hier kostenfrei zum Download erhältlich.

 

OV von  Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)




Mit der Natur

 

Die Staats- und Regierungschefs der Welt kommen in diesem Jahr zu verschiedenen Treffen zusammen, um über den Schutz des Klimas, der Natur und nachhaltige Entwicklung zu beraten. Eine aktuelle Studie von rund 30 Naturschützer:innen, indigenen Völkern und Menschenrechtsorganisationen zeigt nun, welche enorme Bedeutung indigenen und lokalen Gemeinschaften bei der Erreichung dieser Ziele zukommt. Mindestens 32 Prozent (oder 43,5 Millionen Quadratkilometer) der globalen Landfläche, so stellt der Bericht fest, sind im Besitz von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften oder werden von ihnen verwaltet. Damit decken sie mindestens 36 Prozent der Flächen der wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots mit besonders hoher Artenvielfalt ab. 91 Prozent dieser Ländereien sind in einem guten ökologischen Zustand.

„Mit indigenen und lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten heißt, von ihnen zu lernen und sie dabei zu unterstützen, ihre Territorien weiter erfolgreich zu schützen“, sagt Dr. Julia Gorricho, Südamerika-Referentin beim WWF Deutschland. „Die vorliegende Studie beweist, dass wir die globalen Ziele im Umweltschutz ohne sie nicht erreichen können. Und trotzdem werden indigene und lokale Gemeinschaften viel zu häufig außen vorgelassen, wenn es um den Schutz unser aller Lebensgrundlagen geht. Aktuell ist die Lage für viele von ihnen besonders kritisch: Auf der ganzen Welt geraten Indigene immer stärker unter Druck und werden aus den Gebieten vertrieben, die sie über Generationen erhalten haben.“

Der Bericht „The State of the Indigenous Peoples’ and Local Communities’ landscape and territories“ ist die erste umfassende räumliche Analyse, die die Ausdehnung der Ländereien indigener und lokaler Gemeinschaften und ihren Zustand weltweit erfasst. Untersucht wurden der ökologische Zustand, die biologische Vielfalt, die ihnen erbrachten Ökosystemdienstleistungen (wie etwa saubere Luft uns sauberes Wasser, Abmilderung der Erderhitzung, Schutz vor Überschwemmungen etc.) und welchen Bedrohungen sie und die in ihnen lebenden Menschen ausgesetzt sind. Mehr als ein Viertel dieser Territorien sieht der Bericht in Zukunft einem hohen Entwicklungsdruck ausgesetzt und damit in Gefahr, nachhaltig geschädigt zu werden.

Als Antwort müsse die internationale Staatengemeinschaft indigene und lokale Gemeinschaften dringend stärken, fordern die Autor:innen der Studie. Das gelte insbesondere für das neue globale Rahmenwerk zur Biodiversität, das in diesem Jahr verhandelt wird. Indigene Völker und lokale Gemeinschaften müssten besser anerkannt und unterstützt werden – auch finanziell, um ihr Land zu erhalten, zu verteidigen und wiederherzustellen. Alle globalen Schutzbemühungen, einschließlich der Forderung, bis 2030 mindestens 30 Prozent des Landes, des Süßwassers und der Ozeane der Welt unter Schutz zu stellen, hingen von der direkten Beteiligung der indigenen und lokalen Gemeinschaften ab und blieben unerreichbar ohne sie.

„Wenn für einen Menschen der schützenswerteste Teil des Körpers das Herz ist, was wäre es dann für den Planeten Erde? Der Bericht verweist auf die traditionellen Territorien, die seit langem im Besitz indigener Völker und lokaler Gemeinschaften sind, in denen ein Drittel der weltweiten Biodiversität gedeiht und erhalten bleibt. Mir ist kein besserer Schutz oder Rezept für den kränkelnde Planeten Erde bekannt“, Giovanni Reyes vom Volk der Kankanaey auf den Philippinen und Präsident des philippinischen ICCA-Konsortiums.

„Lokale Gemeinschaften haben die Fähigkeit und die Leidenschaft, das Land und die natürlichen Ressourcen um sie herum zu verwalten und zu kontrollieren. Was sie brauchen, ist die volle Unterstützung und Anerkennung, sowohl von lokalen und nationalen Behörden als auch von Entwicklungspartnern“, sagt Edward Loure vom Ujamaa Community Resource Team in Tansania.

 

OV von WWF Deutschland




Viele Worte, wenig Taten

 

Die Staats- und Regierungschefs der G7 haben trotz wichtiger Bekenntnisse laut WWF zu wenig Tatkraft für den weltweiten Umwelt- und Klimaschutz bewiesen. Der Gipfel im britischen Cornwall endete mit einer aus Umweltsicht unzulänglichen Erklärung, in der viel bereits Beschlossenes bekräftigt wurde, häufig, ohne mit Maßnahmen oder Zeithorizonten zu konkretisieren. Positiv zu bewerten ist die Verabschiedung eines sogenannten “Nature Compact” zum Schutz der Biologischen Vielfalt, der das richtige Ambitionsniveau vorgibt, nämlich den fortschreitenden Verlust der Biologischen Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Konkrete Verpflichtungen transformativer Maßnahmen für die Wirtschaft und die dringend notwendige Erhöhung der Biodiversitätsfinanzierung blieben jedoch weitgehend aus. Dazu sagt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand beim WWF Deutschland:

“Bekenntnisse sind gut, aber sie dürfen nicht auf den Lippen hängen bleiben. Nur wenn die G7 nun auch tätig werden, können sie ihrer Verantwortung als einige der größten Industrienationen und derzeit noch einige der größten Verschmutzer gerecht werden. Ohne weitreichenden Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas steigt auch das Risiko für unsere eigene Gesundheit, wie uns die aktuelle Pandemie nur zu klar vor Augen führt. 

Wir müssen unseren ökologischen Fußabdruck, den wir durch unsere Produktion und unseren Konsum in der Welt haben, bis 2030 mindestens halbieren. Bis 2030 muss ein Drittel der Erde unter Schutz stehen. Und Deutschland muss die Biodiversitätsfinanzierung im Laufe der nächsten Legislaturperiode auf zwei Milliarden Euro erhöhen.

Wir müssen das 1,5 Grad Limit des Pariser Klimaabkommens sicher einhalten – unter anderem über einen schnellstmöglichen Ausstieg aus fossilen Energieträgern weltweit. Deutschlands Pfad eines Kohleausstiegs bis 2038 ist immer noch nicht auf der richtigen Spur. Übrigens auch nicht, um die neuen Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können, hierfür wäre ein wesentlich schnelleres Ende der Kohleverstromung bis 2030 notwendig. Bei der internationalen Klimafinanzierung hat die Bundesregierung zwar eine Erhöhung bis 2025 auf 6 Milliarden Euro jährlich angekündigt, nötig wären aber 8 Milliarden Euro. 

Der Erfolg der Konferenzen zum Erhalt der biologischen Vielfalt (CBD) im Oktober in China und zum Klimaschutz im November in Großbritannien ist nun noch einmal wichtiger geworden. Das erhoffte starke Signal des Gipfels für die Biodiversitätsverhandlungen blieb leider weitgehend aus. Wir erwarten, dass die G7 Ende des Jahres ihrer Verantwortung nachkommen und Maßnahmen wie die Erhöhung der Biodiversitätsfinanzierung und zur Einhaltung des 1,5 Grad Limits auf den Tisch legen.“

 

OV von WWF Deutschland




Stromerzeugung im 1. Quartal 2021: Wieder mehr Strom aus konventionellen Energieträgern


WIESBADEN – Im 1. Quartal 2021 wurden in Deutschland 138,2 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren das 2,6 % weniger als im 1. Quartal 2020. Während der Strom im 1. Quartal 2020 mehrheitlich aus erneuerbaren Energiequellen stammte (51,4 %), wurde der Strom im 1. Quartal 2021 zu 59,3 % aus konventionellen Energieträgern erzeugt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die Stromeinspeisung aus konventionellen Energieträgern um 18,9 %. Die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien sank dagegen um 23,0 %. 

Insbesondere die Stromeinspeisung aus Windkraft war mit einem Minus von 32,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal stark rückläufig. Die Einspeisung von 33,5 Milliarden Kilowattstunden war der niedrigste Wert für ein 1. Quartal seit 2018. In den Jahren 2019 und 2020 hatte die Stromeinspeisung aus Windkraft aufgrund starker und lange anhaltender Frühjahrsstürme im 1. Quartal deutlich höhere Werte erreicht. Das 1. Quartal im Jahr 2021 war dagegen vergleichsweise windarm.

Kohle wichtigster Energieträger für Stromerzeugung im 1. Quartal 2021 

Im 1. Quartal der Jahre 2019 und 2020 wurden konventionelle Kraftwerke aufgrund der großen Menge an Windstrom und des Einspeisevorrangs von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zurückgefahren. Im 1. Quartal 2021 dagegen wurde die geringere Menge an Windstrom vor allem durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohle- und Erdgaskraftwerken kompensiert. Die in Kohlekraftwerken erzeugte und eingespeiste Strommenge stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 26,8 % auf fast 40 Milliarden Kilowattstunden. Mit einem Anteil von 28,9 % an der insgesamt eingespeisten Strommenge war die Kohle der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung im 1. Quartal 2021. Die Stromeinspeisung aus Erdgaskraftwerken stieg um 24,0 % auf 22,5 Milliarden Kilowattstunden. 

Stromimporte deutlich gestiegen 

Die importierte Strommenge ist im 1. Quartal 2021 im Vergleich zum 1. Quartal 2020 um 18,4 % auf 12,2 Milliarden Kilowattstunden gestiegen. Die Stromimporte aus der Tschechischen Republik stiegen mit +220 % am stärksten, dagegen gingen die Importe aus Frankreich mit -44,7 % deutlich zurück.

Die exportierte Strommenge sank um 4,3 % auf 20,1 Milliarden Kilowattstunden. Insgesamt wurde weiterhin mehr Strom aus Deutschland exportiert als nach Deutschland importiert.

Des Weiteren ist der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen am Bruttostromverbrauch ein wichtiger Indikator in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie: https://dns-indikatoren.de/7-2-b/

DESTATIS | Statistisches Bundesamt





Steiniger Weg für mehr Insektenschutz

 

Nach erneuter Verzögerung hat in seiner heutigen Sitzung der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages eine Beschlussempfehlung zum  Insektenschutzgesetz verabschiedet. Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz von WWF Deutschland und Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft zeigte sich in einer Stellungnahme erfreut über den gefunden Kompromiss: „Mit der heutigen Zustimmung im Umweltausschuss zum Insektenschutzgesetz geht ein wichtiger Teil aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz endlich auf die politische Zielgerade.  Das ist für Biene, Schmetterling und Co. eine gute Nachricht, der aber weitere wichtige Schritte folgen müssen. Für einen wirklichen Durchbruch beim Insektenschutz kommt es jetzt darauf an, die Praxis der Landwirtschaft naturverträglicher auszugestalten. Die Bestäubungsleistungen der Insekten für die Nahrungsmittelproduktion ist von enormer Bedeutung. Wir dürfen nicht den Ast absägen, auf dem wir selbst sitzen.“  

Der WWF-Vorstand begrüßte, dass mit dem Gesetz insektenschädliche Lichtverschmutzung reduziert, die Liste der besonders geschützten Biotope um artenreiches Grünland, Streuobstwiesen, Steinriegel und Trockenmauern ergänzt oder die Ausbringung von Biozidprodukten in Schutzgebieten eingeschränkt wird. Nun muss das Insektenschutzgesetz noch vom Deutschen Bundestag offiziell beschlossen werden. Zudem müsse am 25. Juni, so Heinrichs Forderung, der Bundesrat der Anpassung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung zustimmen, um auch die Reduzierung des Einsatzes von insektenschädlichen Pflanzenschutzmitteln zu beschließen. Und auch für die künftige Bundesregierung gelte es,  den Insektenschutz weiterzuentwickeln: „Das Thema ist noch längst nicht vom Tisch. Die jetzigen Entscheidungen im Bundestag und Bundesrat können nur der Anfang sein, um wirklich langfristig die Insekten als elementare Bestandteile des Ökosystems und ebenso als wichtiger Wirtschaftsfaktor – zum Beispiel für die Landwirtschaft – zu schützen.“

 

OV von WWF Deutschland




Green 7?

 

Im Vorfeld des G7 Gipfels fordert der WWF entschlossenes Handeln für den Klima- und Biodiversitätsschutz von den sieben großen Industrienationen. „Als einige der Hauptverursacher von Klimakrise und Verlust der Biologischen Vielfalt sowie maßgebliche Kapitalgeber tragen die G7-Staaten eine besondere Verantwortung: Sie können globale Impulse setzen, um ein Leben innerhalb der planetaren Grenzen und so auch unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen“, sagt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand beim WWF Deutschland.

Ein solcher Impuls wäre, dass sich die G7 auf dem Gipfel klar positionieren, um im Oktober bei der UN-Biodiversitätskonferenz (CBD) in China ein ambitioniertes internationales Rahmenwerk zum Erhalt der Biologischen Vielfalt zu verabschieden – inklusive eines starken Ziels zur Halbierung des globalen ökologischen Fußabdrucks und einem robusten und transparenten Umsetzungsmechanismus. „Die Covid-Pandemie führt uns eindrücklich vor Augen, wie wichtig es ist, unsere Umwelt zu schützen – denn das Risiko von Zoonosen steigt, je stärker wir Wildtieren auf den Leib rücken und ihren Lebensraum rauben“, so Brandes.

Ein weiterer Impuls muss für die Klimakonferenz COP26 im November in Großbritannien ausgehen: „Auf die G7 entfallen 27 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Die  G7-Staaten haben zwar ihre Klimabeiträge bereits angepasst – aber sie reichen bei weitem noch nicht aus, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Hier müssen die G7 noch eine deutliche Schippe drauflegen“, fordert Brandes. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, unter die Subventionierung fossiler Energieträger endlich einen Schlussstrich zu ziehen und einen gerechten Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise zu ermöglichen.

Ein besonderer Fokus kommt dem Thema Finanzen zu – vereinen die G7 doch auch rund die Hälfte des globalen BIP auf sich. „Wir brauchen einerseits eine bedeutende Erhöhung der internationalen Biodiversitätsfinanzierung noch vor der CBD COP im Oktober sowie eine deutlich höhere Klimafinanzierung – denn es klafft noch eine große Lücke zu der Zusage von 100 Mrd. US-Dollar jährlich ab 2020. Vor allem die Bundesregierung sollte ihre Beiträge zur Klimafinanzierung auf 8 Milliarden Euro jährlich ab 2025 verdoppeln. Bei der Biodiversitätsfinanzierung wäre langfristig sogar eine Vervierfachung angebracht. Kommen hier nicht rechtzeitig ausreichende finanzielle Zusagen, droht uns bei der CBD COP in China ein zweites Kopenhagen“, sagt Brandes.

Neben der Lenkung von Kapital in internationalen Klima- und Biodiversitätsschutz geht es andrerseits darum, Strukturen dafür zu schaffen, dass Finanzflüsse strukturell und systemweit nachhaltig ausgerichtet werden. „Die G7 müssen ihrer Ankündigung, den verbindlichen Berichtsstandard auf Basis der Task Force for Climate related Financial Disclosures (TCFD) zu stützen, Taten folgen lassen und auch die Task Force for Nature related Financial Disclosures (TNFD) unterstützen, insbesondere die Umsetzung in verbindlichen nationalen Regulierungen“, fordert Brandes.

Taxonomien und konkrete Berichtspflichten für bessere Transparenz an den Kapitalmärkten wie derzeit etwa in der EU in Entwicklung müssen wissenschaftsbasiert sein und dürfen keine Schlupflöcher lassen. Nicht-nachhaltige Technologien oder Praktiken wie die umfassende Nutzung von Biomasse oder Atomstrom würden die Glaubwürdigkeit zerstören. „Nicht zuletzt müssen sich die G7 am eigenen Anspruch messen lassen, die Konjunktur- und Wiederaufbauprogramme nach der Covid-Pandemie konsequent an ihrer Wirkung auf die Gesundheit unserer Erde und unserem Wohlergehen auszurichten.“

 

OV von WWF Deutschland




Schwache Agrargesetze auf wackliger Grundlage

 

Gestern wollte der Deutsche Bundestag die Verteilung der rund 30 Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen für die deutsche Landwirtschaft bis 2027 beschließen. Im April hatte sich die Bundesregierung in Abstimmung mit den Ländern bereits auf ein entsprechendes Gesetzespaket geeinigt. Die geplanten Regelungen, die der Bundestag nun verabschieden soll, greifen laut NABU jedoch zu kurz, um den Herausforderungen im Klima- und Naturschutz zu begegnen. Großen Nachbesserungsbedarf sieht der Umweltverband beim Flächenanteil der “nicht genutzten” Naturflächen, beim Moorschutz und dem Schutz von Grünland. Zudem wird den Verhandlungen auf EU-Ebene vorgegriffen. 

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Die Große Koalition versucht mit Nachdruck ihre ambitionslosen Agrargesetze durch den Bundestag zu bringen. Den Abgeordneten sollte klar sein: Wenn sie den Entwürfe in ihrer jetzigen Form zustimmen, helfen sie niemandem – weder dem Schutz von Natur und Klima, noch den Landwirtinnen und Landwirten. Ein Nachsteuern ist dringend notwendig, um den Klimawandel zu bremsen, Grundwasser und Böden zu schützen und das Artensterben aufzuhalten. Nur mit den richtigen Rahmenbedingungen können sich landwirtschaftlichen Betriebe auf die kommenden Veränderungen einstellen.“ 

Konstantin Kreiser, Teamleiter für Agrarpolitik: “Die Gesetze sind in dreifacher Hinsicht auf Sand gebaut: Erstens stehen die Rahmenbedingungen auf EU-Ebene noch nicht fest – dort wird noch verhandelt. Zweitens sind die Gesetze nicht kompatibel mit dem EU Green Deal und deshalb in Gefahr von der EU-Kommission abgelehnt zu werden. Und drittens droht Deutschland in den kommenden Monaten eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof – wegen unzureichenden Schutzes des artenreichen Grünlands. Auch im Sinne der Planungssicherheit für die Betriebe bitten wir daher die Abgeordneten, die Gesetze abzulehnen und die Bundesregierung zum Nachbessern aufzufordern.“ 

Der NABU kritisiert auch massive Fehler beim Klimaschutz – unter anderem, da Moore als eine der größten Quellen für Treibhausgase der Landwirtschaft kaum im Gesetzespaket berücksichtigt werden. Auch der Schutz des Grünlands mit seiner wichtigen Funktion als Kohlenstoffspeicher und Lebensraum verschiedener Tier- und Pflanzenarten wird im Gesetzesentwurf nur unzureichend beachtet. 

Für die Artenvielfalt fordert der NABU mindestens zehn Prozent nicht-bewirtschaftete Blüh- und Brachflächen pro Betrieb für Naturschutz zu reservieren. Der aktuelle Gesetzesentwurf sieht lediglich drei Prozent der Ackerfläche vor und lässt hierbei das Grünland außen vor. Darüber hinaus sollten wesentlich mehr Subventionen von der pauschalen Flächenprämie für das neu eingeführte Instrument der Ökoregelungen umgewidmet werden – nämlich 50 statt der vorgesehenen 25 Prozent. 

 

OV von NABU




Wie weiter mit dem Wald?

 

 Vor der heute beginnenden Agrarministerkonferenz (AMK) fordert der WWF die Agrarminister:innen von Bund und Ländern auf, sich für einen Paradigmenwechsel in der Waldwirtschaft einzusetzen. Künftige Förderprogramme sollten nicht mehr den Wald als Holzlieferant, sondern seine Funktion als Kohlenstoffspeicher und als Lebensraum für Arten in den Mittelpunkt stellen, so die Naturschutzorganisation. Auf der Tagesordnung der AMK steht auch die Frage, wie zukünftig die Ökosystemdienstleistungen der Wälder besser honoriert werden können. Denn der Wald in Deutschland spielt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz, ist aber zum Teil in einem desolatem Zustand. Johann Rathke, WWF-Experte für Forstpolitik, betont:

„Die Länder haben auf dieser AMK die Gelegenheit, über die politischen Grundsätze für eine zukunftsfähige Waldpolitik zu verhandeln. Angesichts der dramatischen Waldkrise brauchen Waldbesitzende vor allem zwei Dinge: finanzielle Hilfen, um ihre Wälder ökologisch umzubauen und zu stabilisieren, sowie Planungssicherheit durch verbindliche, bundeseinheitliche Grundsätze für eine naturnahe Waldbewirtschaftung.

Die Honorierung von Ökosystemleistungen des Waldes spielt dabei eine entscheidende Rolle. Hier braucht es ein kluges Modell, das Leistungen honoriert, die den ökologischen Zustand des Waldes verbessern oder erhalten. Denn nur so kann der Wald langfristig erhalten bleiben, seine Klimaschutzfunktion erfüllen, zur Artenvielfalt beitragen und den wertvollen Rohstoff Holz zur Verfügung stellen. Die Agrarministerinnen und Agrarminister haben nun die Chance, sich klar und deutlich gegen eine pauschale Prämie auszusprechen. Im Gießkannenprinzip verteilte Steuermillionen entfalten keine waldbauliche Lenkungswirkung, so hat die Bundeswaldprämie zwar den einen oder anderen Liquiditätsengpass geschmälert, aber einen Richtungswechsel in der Waldbewirtschaftung hat sie bisher nicht ausgelöst.

Ebenso entscheidend ist es, dass die Agrarministerinnen und Agrarminister von Bund und Ländern endlich das Bundeswaldgesetz an die neue Situation anpassen und bundeseinheitlichen Standards für eine naturnahe Waldbewirtschaftung definieren. Das schafft Planungssicherheit für Waldbesitzende und einen zwingend benötigten gesetzlichen Referenzrahmen, um tatsächlich übergesetzliche Leistungen der Waldbesitzenden zu honorieren.“

 

OV von WWF Deutschland




Klimakiller FCKW in Kühlgeräten

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die führenden deutschen Kühlgerätehersteller Miele, Bosch, Liebherr und Electrolux dafür, dass diese die Entsorgung alter Kühlgeräte nach europäischen Entsorgungsstandards (EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4) versprechen, aber hierfür keine zweifelsfreien Nachweise vorlegen. Dies ist nach Einschätzung des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes deshalb problematisch, weil eine aktuelle Studie im Auftrag der EU-Kommission zeigt, dass eine mangelhafte Kühlgeräteentsorgung in Europa jährlich für Emissionen von insgesamt 6,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten verantwortlich ist. Bei einem unsachgemäßen Recycling von Kühlgeräten werden Stoffe freigesetzt, die das Klima und die Ozonschicht stark schädigen können. Durch die daraus resultierende Zunahme der UV-Strahlung werden Menschen zudem gesundheitlich gefährdet.

Diese Umweltschäden müssen künftig durch ein hochwertiges Kühlgeräterecycling verhindert werden. Verantwortlich für die Entsorgung alter Kühlgeräte sind deren Hersteller. Sie entscheiden, in welchen Anlagen die Altgeräte entsorgt werden. Es gibt in Deutschland unter insgesamt 18 Recyclinganlagen aktuell nur sieben, die durch eine staatlich akkreditierte Zertifizierung nachweisen können, dass sie die europäischen Entsorgungsstandards einhalten und somit dem Stand der Technik entsprechen. Die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland übernehmen die höheren Anforderungen der europäischen Entsorgungsstandards nur teilweise und stellen daher nach Ansicht der DUH keine umweltgerechte Entsorgung sicher. Deshalb fordert die DUH, dass Hersteller für die Entsorgung von Kühlgeräten ausschließlich zertifizierte Recyclinganlagen beauftragen.

Die Situation beim Kühlgeräterecycling erinnert an Diesel-Gate. Die gesetzlichen Kontrollen sind im Bereich der Kühlgeräte-Entsorgung genauso unzureichend und laden zu unsachgemäßen Praktiken ein. Viele Kühlgerätehersteller werben mit ihrem Klimaengagement, bleiben zweifelsfreie Nachweise für die ordnungsgemäße Entsorgung FCKW-haltiger Kühlgeräte jedoch schuldig. Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, müssen die Hersteller ein umweltgerechtes Recycling bei den beauftragten Kühlgeräterecyclern auch wirksam kontrollieren und bei Verstößen sanktionieren„, sagt die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH Barbara Metz.

Als zweifelsfreie Nachweise für ein umweltgerechtes Recycling betrachtet die DUH bestandene Prüfungen, die alle Anforderungen aus den EU-Standards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 abdecken und durch unbefangene und hierfür staatlich akkreditierte Prüfer erfolgt sind. Doch genau diese Nachweise fehlen für den Großteil deutscher Recyclinganlagen.

Miele hat sich zum Ziel gesetzt, in seiner eigenen Branche weltweit führend beim Umweltschutz zu werden. Das Unternehmen behauptet, Altgeräte nach den europäischen Entsorgungsstandards zu entsorgen, legt dafür jedoch auch auf Nachfrage keine Nachweise vor. Wir fordern Miele aber auch alle anderen Hersteller von Kühlgeräten dazu auf, Prüfberichte der beauftragten Entsorgungsanlagen offenzulegen, damit die Qualität der Entsorgung und insbesondere die Menge der verbleibenden Klimagasemissionen bekannt werden„, sagt der Stellvertretende Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer.

Die DUH kritisiert, dass in Deutschland ein umweltgerechtes Kühlgeräterecycling nach den EU-Standards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 derzeit nicht gesetzlich vorgeschrieben ist und fordert von der Bundesregierung eine vollständige Festlegung der Standards im Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Da auch die Hersteller bei der Kühlgeräteentsorgung keine Transparenz über die Einhaltung der Standards schaffen, haben Entsorger große Spielräume, um Kosten zu sparen. An die DUH herangetragene Informationen aus der Branche legen nahe, dass etliche deutsche Recyclinganlagen die dem Stand der Technik entsprechende FCKW-Rückgewinnungsrate von 90 Prozent nicht erreichen.

 

OV von Deutsche Umwelthilfe (DUH)




Macht Wasser zum Querschnittsthema!

 

 Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat heute die erste Nationale Wasserstrategie vorgestellt. Der WWF begrüßt die Strategie, als thematisch breit angelegten Ansatz, eines der drängendsten Probleme unserer Zeit zu lösen und die Wertschätzung von Wasser in Politik und Gesellschaft zu stärken. Es fehle allerdings bisher an Ambitionen, nachhaltiges Wassermanagement auch in der Förderpolitik für Land- und Forstwirtschaft zu verankern, kritisiert die Naturschutzorganisation. Übermäßige Entwässerung von landwirtschaftlichen Flächen und Wäldern ist eine der Hauptursachen für die Austrocknung der Landschaft.

Stephan Zirpel, Fachbereichsleiter Naturschutz Deutschland beim WWF Deutschland kommentiert: „Drei Dürrejahre in Folge haben das Land dramatisch verändert: Selbst in Flussauen sinkt der Grundwasserspiegel bedrohlich, Feuchtgebiete und zahllose Kleingewässer in der Landschaft trocknen aus, ganze Bestände von Amphibien wie Frösche und Unken verschwinden. Deswegen ist es so wichtig, dass die Wasserstrategie nun auch den Rückhalt von Wasser in der Landschaft in den Blick nimmt. Das heißt zum Beispiel Grabensysteme anzupassen oder Feuchtgebiete wiederzuvernässen. Ein intakter Wasserhaushalt ist die beste Versicherung gegen künftige Dürreschäden. Je stabilerer der Wasserhaushalt ist, desto widerstandsfähiger sind Flüsse, Seen und Feuchtgebiete in Trockenperioden.

Nachhaltiges Wassermanagement muss aber dringend als Querschnittsthema in die Land- und Forstwirtschaft integriert werden. Momentan entziehen Entwässerungsgräben dem Wald das Wasser, es fehlt an gesunden Böden als natürliche Wasserspeicher. Hier muss die nächste Bundesregierung dringend nachlegen: Auch Förderprogramme wie die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) oder eine künftige Bundeswaldprämie müssen einen intakten Wasserhaushalt unterstützen, statt ihn zu schädigen.

Begrüßenswert ist das Anliegen der Wasserstrategie, das Verursacherprinzip konsequenter anzuwenden. So tragen Wasserentnahmeentgelte zu einer größeren Wertschätzung von Wasser bei. Wir brauchen künftig mehr ökonomische Anreize für den sorgsamen Umgang mit den Wasserressourcen. Beregnungswasser zum Schleuderpreis oder ganz umsonst zu nutzen ist mit dem Verursacherprinzip nicht vereinbar.“

 

OV von WWF Deutschland




Nord- und Ostsee kommen unter die Windräder

 

Ende vergangener Woche haben Bundesinnenministerium und Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie den finalen Entwurf der neuen marinen Raumordnungspläne für die Ausschließliche Wirtschaftszone der deutschen Nord- und Ostsee veröffentlicht. Angesichts heute verfehlter Umweltziele befürchtet der NABU eine massive Industrialisierung und Überlastung der Meere. Im Mittelpunkt stehen dabei Pläne für einen verstärkten Ausbau der Offshore Windenergie im Nordseeschutzgebiet Doggerbank.

„Während der Weltbiodiversitäts- und Weltklimarat in gut gemanagten Meeresschutzgebeiten eine Hoffnung in der Klimakrise sehen, plant Deutschland deren Industrialisierung und nimmt den Verlust mariner Artenvielfalt in Kauf“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, „Mit dem Bau von Windenergieanlagen in Meeresschutzgebieten überschreiten wir eine rote Linie.“

Der Entwurf der Raumordnung verzichtet auf den Ausschluss von Windenergie in Schutzgebieten wie noch in seiner Vorgängerversion aus dem Jahr 2009. Jetzt soll bis Ende 2024 geprüft werden, ob bis zu sechs Gigawatt Offshore-Windenergie mit den Schutzgebietszielen der Doggerbank vereinbar sind. Auch gehen Mindestabstände zwischen Windparks und Schutzgebieten verloren. Für den NABU ist das unvereinbar mit geltenden Naturschutzverpflichtungen.

„Der Windpark Butendiek westlich von Sylt schädigt ein Drittel des Vogelschutzgebiets Östliche Deutsche Bucht. Haben wir aus diesem Beispiel nichts gelernt? Was wird die Europäische Kommission angesichts des gegen Deutschland eröffneten Vertragsverletzungsverfahrens wegen unzureichender Umsetzung des Natura-2000-Schutzgebietsnetzwerks zum Entwurf der Raumordnung sagen? Deutschland manövriert sich unter dem Druck des Wirtschaftsministeriums in eine Sackgasse. Das ist Wirtschaftspolitik unter dem Deckmantel des Klimaschutzes auf Kosten von geschützten Walen, Delfinen und Seevögeln“, kritisiert NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff. „Offensichtlich hat die Bundesregierung den Wert gesunder Meere in der Bewältigung der Klimakrise nicht verstanden. Als wichtige Kohlenstoffsenke sind auch die Nord- und Ostsee heute schon die stabilisierende Kraft des Klimasystems.“

Die Standorte für Windenergieanlagen auf dem Meer müssen außerhalb von Schutzgebieten gefunden werden. „Wer Offshore-Windkraft will, muss insbesondere Fischerei oder Schifffahrt viel stärker regulieren. Unsere Meere sind schon jetzt an ihrer Belastungsgrenze. Die verantwortlichen Ministerien drücken sich hier um ihre tatsächliche Aufgabe des Interessenausgleichs zwischen Schutz und Nutzung der Meere“, so Krüger.

 

OV von NABU




Afrikas Menschenaffen in Not

 

Afrikas Menschenaffen werden bis 2050 voraussichtlich den größten Teil ihres Lebensraumes verlieren. Das ist das Ergebnis einer Studie von über 60 Wissenschaftler:innen verschiedener Organisationen, die am Montag in der Fachzeitschrift Diversity and Distributions veröffentlicht wurde. Bis zu 94 Prozent ihres heutigen Verbreitungsgebiets werden danach für Gorillas, Bonobos und Schimpansen bis zur Mitte des Jahrhunderts unbewohnbar sein. Als Treiber der Zerstörung identifizieren die Autor:innen die Auswirkungen der Erderhitzung, Landnutzungsänderungen (in der Regel die Abholzung von Wäldern) sowie menschliches Bevölkerungswachstum.  
 
„Gorillas, Bonobos und Schimpansen blicken in eine düstere Zukunft“, sagt Dr. Ilka Herbinger, Programmleiterin für Zentral- und Westafrika beim WWF und Co-Autorin der Studie. „In vielen Regionen Afrikas drohen unsere nächsten Verwandten schon bald auszusterben. Wir müssen dringend den Klimakollaps stoppen, die Zerstörung der Wälder aufhalten, neue und gemeindebasierte Schutzgebiete einrichten und miteinander vernetzen. Das ist unsere einzige Chance, das Menschenaffen-Massensterben soweit wie möglich abzumildern.“  
 
Für die Studie „Predicting range shifts of African apes under global change scenarios” haben die Forscher:innen die Auswirkungen von Klima-, Landnutzungs- und Bevölkerungsänderungen in den Verbreitungsgebieten afrikanischer Menschenaffen unter Best- und Worst-Case-Szenarien untersucht. Im Best-Case-Szenario gehen die CO2-Emissionen langsam zurück, im Worst-Case-Szenario steigen sie weiter ungebremst an. Letzteres führe dazu, dass die Tiere bis 2050 94 Prozent ihres Verbreitungsgebietes verlieren, im günstigeren Szenario fallen 85 Prozent der Gebiete weg. Besonders betroffen sind in beiden Szenarien die Lebensräume außerhalb von Nationalparks und anderen geschützten Gebieten, wo zwischen 50 (Best Case) und 61 Prozent (Worst Case) der Lebensraumverluste anfallen. 
 
Entscheidend für das Schicksal der Menschenaffen sei auch die Frage, inwiefern sie von ihren derzeitigen, von Zerstörung bedrohten Verbreitungsgebieten in neue Areale umsiedeln könnten. So sind beispielsweise Gebirge für einige Menschenaffenarten als Lebensraum derzeit weniger geeignet als Tieflandgebiete. Die Erderhitzung werde das vielerorts jedoch ändern: Tieflandgebiete werden wärmer und trockener und weniger Nahrung bereithalten, während die nahegelegenen Berge die vormals in den Tieflandgebieten herrschenden Bedingungen annehmen. Wenn die Tiere in der Lage sind, aus dem Tiefland in die Berge zu wandern, könnten sie theoretisch dort überleben und ihr Verbreitungsgebiet sogar ausweiten.  
 
„Flüchten oder lokal aussterben – vor dieser Alternative werden unzählige Tier- und Pflanzenarten stehen. Die Erderhitzung wird sie dazu zwingen, sich neue Lebensräume zu suchen, aber in den meisten Fällen wird die Zeit nicht reichen, um auszuweichen. Viele Arten werden einfach verschwinden“, so Ilka Herbinger.  
 
„Wir sehen anhand der Studie, wie Klima- und Landnutzungsänderungen sowie die menschliche Bevölkerungsentwicklung die Verbreitung der afrikanischen Menschenaffen einschränken“, sagt Joana Carvalho, Postdoktorandin an der Liverpool John Moores University und Hauptautorin der Studie. „Wichtig ist, dass ein besonders massiver Verlust des Verbreitungsgebiets außerhalb von Schutzgebieten zu erwarten ist. Diese Erkenntnis zeigt uns, wie unzulänglich die Schutzgebietsnetzwerke in Afrika derzeit sind, um geeignete Lebensräume für Menschenaffen zu erhalten und die Populationen miteinander zu verbinden.“  

 

OV von WWF Deutschland




Grüner Wasserstoff ohne EEG-Umlage

 

Die Marktoffensive Erneuerbare Energien begrüßt, dass die Bundesregierung die Herstellung grünen Wasserstoffs vollständig von der EEG-Umlage befreien will. Alle Sektoren, insbesondere die Industrie, benötigen große Mengen grünen Wasserstoff, um ihre individuellen Klimaschutzziele zu erreichen. Hierfür muss der heimische Markt dringend angereizt werden, so die Marktoffensive, die von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie dem Klimaschutz-Unternehmen e.V. im vergangenen Jahr gegründet wurde.

Zugleich solle mit der Verordnung das Ziel verfolgt werden, den marktgetriebenen Ausbau erneuerbarer Energien mittels Green Power Purchase Agreements (Green PPAs) energischer voranzutreiben, wie es die Koalitionsfraktionen in ihrem EEG-Entschließungsantrag vom Dezember 2020 angekündigt hatten. Daher sollte nach Einschätzung der Marktoffensive Erneuerbare Energien der Strom für die Wasserstoffproduktion aus ungeförderten Wind- und Solaranlagen stammen, die mittels eines Green PPA kontrahiert werden, unabhängig davon, ob es sich um Neuanlagen oder sog. Ü20-Anlagen handelt. Diesen Ansatz verfolgt auch der Verordnungsentwurf. Green PPAs erfüllen die künftige Vorgabe, dass es sich um Erneuerbare-Energien-Strom handelt, der keine Förderung in Anspruch nimmt und für den Herkunftsnachweise entwertet wurden. Dies kann über ein Green PPA sichergestellt werden.

Die Marktoffensive betont die Notwendigkeit, über Green PPAs zusätzliche Mengen an erneuerbarer und zugleich ungeförderter Erzeugungskapazität in Deutschland in Betrieb zu nehmen. Auch die EU -Kommission wird darauf drängen, für die Produktion von grünen Wasserstoff nur zusätzliche Stromerzeugungsanlagen in Betracht zu ziehen.

Um das gesamte Marktpotenzial für Green PPAs zu erschließen, ist es notwendig, die im Entschließungsantrag zum Ausdruck gekommene Stärkung von PPAs umzusetzen, zum Beispiel durch eine Weiterentwicklung des Herkunftsnachweissystems. Hierzu hat die Marktoffensive im März einen ersten Vorschlag vorgelegt und entwickelt derzeit weitere Vorschläge.

 

OV von  Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)




Neuer Meilenstein in der internationalen Luftfahrt: Erster Rettungshubschrauber fliegt mit Bio-Kerosin


(ots)

 

-  ADAC Luftrettung und Safran Helicopter Engines besiegeln Kooperation 
-  Ziel sind Einsätze mit bis zu 100 Prozent Biokerosin 
-  Biokraftstoff von TotalEnergies besteht aus gebrauchten Ölen und Fetten 
-  Zusammenarbeit auch mit Airbus Helicopters für Langzeittests mit Biokerosin 
-  Pilotprojekt mit ADAC Rettungshubschrauber "Christoph Rheinland" in Köln 
-  Erster Schritt auf dem Weg zu klimaneutralem E-Fuel

ADAC Luftrettung / Theo Klein

Neuer Meilenstein in der internationalen Luftfahrt: In München ist ein Rettungshubschrauber zum ersten Mal mit umweltfreundlichem Kerosin geflogen. Bei der Maschine handelte es sich um einen Helikopter der gemeinnützigen ADAC Luftrettung. Der Rettungshubschrauber des Typs Airbus H145 wurde an der Luftrettungsstation an der München Klinik Harlaching feierlich im Beisein des Vorstands der ADAC Stiftung sowie von den Geschäftsführern und Vertretern der Unternehmensleitung der ADAC Luftrettung, des französischen Triebwerksherstellers Safran Helicopter Engines, des Hubschrauberherstellers Airbus Helicopters und des Multi-Energie-Konzerns TotalEnergies mit Bio-Kerosin (Biokraftstoff) betankt. Die Unternehmen wollen gemeinsam treibende Kraft bei der Dekarbonisierung des Luftverkehrs sein, indem sie Alternativen zu konventionellen Flugkraftstoffen entwickeln und einsetzen. Dekarbonisierung bedeutet, den Luftverkehr durch die Abkehr von fossilen Energieträgern CO2-neutral zu machen.

Der verwendete Biokraftstoff ist ein sogenannter Sustainable Aviation Fuel (SAF), ein nachhaltiger Flugkraftstoff, mit dem die CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent reduziert werden können. Biokraftstoffe sind Kraft- und Brennstoffe, die auf Basis von Biomasse hergestellt werden. Im Fokus der Luftfahrt stehen Biokraftstoffe der zweiten Generation aus Rest- und Abfallstoffen. Das Verfahren nennt sich auch Biomass-to-Liquid, kurz BtL.

Der Treibstoff wird gewöhnlich aus Abfällen der Kreislaufwirtschaft wie zum Beispiel gebrauchten Speiseölen und -fetten hergestellt und hat damit keine Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion. Der für den ersten Rettungshubschrauberflug in München verwendete Kraftstoff wurde von TotalEnergies in seinen Anlagen in Frankreich aus Altspeiseöl produziert, ohne Verwendung von natürlichem Pflanzenöl. Mit dem in München verwendeten Bio-Kerosin könnte die Flotte der ADAC Luftrettung eine Verringerung des CO2 Ausstoßes um 33 Prozent erreichen, was bei mehr als 50.000 Rettungseinsätzen und mehr als 3,3 Millionen geflogenen Kilometern pro Jahr, einer Reduzierung von rund 6.000 Tonnen CO2 entspricht.

Weil es über den dauerhaften Betrieb mit Bio-Kerosin bislang keine belastbaren Erfahrungen gibt, starten die ADAC Luftrettung, Safran Helicopter Engines und Airbus Helicopters ein Pilotprojekt mit dem ADAC Rettungshubschrauber „Christoph Rheinland“ in Köln. So sollen schon ab Sommer 2021 langfristige Auswirkungen auf die Technik des Airbus Helicopter des Typs H145 getestet werden.

Eine langfristige Vereinbarung zu Sustainable Aviation Fuel (SAF) unterzeichneten die Geschäftsführer der ADAC Luftrettung und Safran Helicopter Engines, Frédéric Bruder und Franck Saudo, im Anschluss an die Biofuel-Premiere. Diese Vereinbarung sieht vor, den Beimischungsgrad von Biokraftstoff in den kommenden Jahren auf bis zu 100 Prozent zu erhöhen und in der Folge auch den Einsatz von synthetischem E-Fuel, auch Power-to-Liquid-Kerosin (PtL) genannt, als weiteren Schlüssel auf dem Weg zu einer klimaneutralen Luftfahrt voranzutreiben. PtL bezeichnet die Erzeugung flüssiger (Liquid) Brenn- oder Kraftstoffe mithilfe von elektrischer Energie (Power) aus erneuerbaren Quellen.

Zertifiziert und zugelassen für die Luftfahrt ist Bio-Kerosin aktuell in einer Mischung von maximal 50 Prozent mit herkömmlichem Kerosin des Typs JET-A1. Der ADAC Rettungshubschrauber wurde mit einem 40-Prozent-Gemisch geflogen. Dieses steht wegen der aufwendigen Produktion noch nicht in größeren Mengen zur Verfügung und es ist um ein Vielfaches teurer als konventioneller Flugkraftstoff.

Statements der Partner:

Dr. Andrea David, Vorstand der gemeinnützigen ADAC Stiftung, zu der die ADAC Luftrettung gehört: „Für uns ist das Biofuel-Pilotprojekt ein erster großer Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen ADAC Stiftung und Luftrettung und unser Beitrag als gemeinnützige Organisation, die Klimaschutzziele in Deutschland und Europa zu erreichen“.

Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH: „Wir wollen in der Luftrettung mit umweltfreundlichem Kerosin Vorreiter bei der Reduzierung von CO2 sein. Und wir wollen die Luftrettung damit auch technologisch weiterentwickeln, um sie längerfristig zukunftssicher zumachen. Um dies zu erreichen, haben wir starke Partner an unserer Seite. Wichtig dabei: Bei Biofuel handelt es sich um einen offiziell zugelassenen Kraftstoff – die Flug- und Patientensicherheit bleiben somit auf dem gewohnt höchsten Niveau“.

Franck Saudo, CEO Safran Helicopter Engines: „Safran ist führend in der Triebwerksindustrie, die CO2-Emissionen von Hubschraubern zu reduzieren. Zusammen mit diesem historischen Erstflug haben wir mit der ADAC Luftrettung eine Vereinbarung zur Ausweitung des Einsatzes von SAF in ihrer von Safran angetriebenen Hubschrauberflotte unterzeichnet. Alle unsere Triebwerke sind für den Betrieb mit bis zu 50 Prozent nachhaltigem Kraftstoffverbrauch, einschließlich Biokraftstoff, zertifiziert. Unser Ziel ist es 100 Prozent zu erreichen.“

Bruno Even, CEO von Airbus Helicopters: „Wir bei Airbus haben das Ziel, ein Pionier der nachhaltigen Luftfahrt zu sein. Die Nutzung von nachhaltigem Flugkraftstoff ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Branche. Unsere Produktpalette hat bereits die niedrigsten CO2-Emissionen der Welt und mit der heutigen Demonstration tun wir einen weiteren Schritt, um diese Position zu stärken.“

Christian Cabrol, Geschäftsführer TotalEnergies Deutschland GmbH: „TotalEnergies hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 gemeinsam mit der Gesellschaft CO2-Neutralität zu erreichen. Mit der Entwicklung von Biokraftstoffen helfen wir unseren Kunden aus der Luftfahrtindustrie, die Kohlenstoffintensität der von ihnen verwendeten Energieprodukte zu reduzieren. Dabei kann unser Biokerosin (SAF) ohne jegliche Veränderung an der logistischen Infrastruktur für Lagerung und Verteilung und somit auch unmittelbar in Flugzeugen und Hubschraubern eingesetzt werden. Das erleben wir heute in der Praxis. Im vergangenen März haben wir in Frankreich erfolgreich mit der Produktion von nachhaltigen Flugkraftstoffen begonnen, die bereits vor zwei Wochen auf einem Langstreckenflug zwischen Paris und Montreal zum Einsatz kamen und bald auch unseren deutschen Kunden zur Verfügung stehen werden.“

Über die ADAC Luftrettung gGmbH

Mit mehr als 50 Rettungshubschraubern und 37 Stationen ist die gemeinnützige ADAC Luftrettung eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas. Die ADAC Rettungshubschrauber gehören zum deutschen Rettungsdienstsystem, werden immer über die Notrufnummer 112 bei der Leitstelle angefordert und sind im Notfall für jeden Verunglückten oder Erkrankten zur Stelle. „Gegen die Zeit und für das Leben“ lautet der Leitsatz der ADAC Luftrettung gGmbH. Denn gerade bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen gilt: Je schneller der Patient in eine geeignete Klinik transportiert oder vor Ort vom Notarzt versorgt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen bzw. seine Rekonvaleszenz. Seit 2017 ist die ADAC Luftrettung ein Tochterunternehmen der ADAC Stiftung.

Über die ADAC Stiftung

Die gemeinnützige und mildtätige ADAC Stiftung fördert Forschungs- und Bildungsmaßnahmen zur Vermeidung von Unfällen, um mit wissenschaftlichen Erkenntnissen die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Außerdem sensibilisiert die ADAC Stiftung Kinder und Jugendliche mit eigenen Programmen für Gefahren im Straßenverkehr. Durch die Förderung der Mobilitätsforschung trägt die Stiftung dazu bei, den Straßenverkehr nachhaltiger zu gestalten. Zudem leistet die ADAC Stiftung einen wichtigen Beitrag zu mehr Sicherheit und Innovation im Bereich Amateur-Motorsport. Die Stiftung unterstützt außerdem hilfsbedürftige Unfallopfer mit Maßnahmen, die ihnen ein Stück ihrer persönlichen Mobilität zurückgeben. Mit dem Förderschwerpunkt Rettung aus Lebensgefahr unterstützt die ADAC Stiftung die Luftrettung im In- und Ausland und die Verbesserung der akut- und notfallmedizinischen Versorgung von Notfallopfern. Die ADAC Luftrettung gGmbH ist eine 100-prozentige Tochter der ADAC Stiftung und eine der größten Luftrettungsorganisationen in Europa.

Über Safran Helicopter Engines

ADAC Luftrettung / Theo Klein

Safran ist ein internationaler Hightech-Konzern mit den Schwerpunkten Luft- und Raumfahrtechnik (Triebwerke, Ausstattung und Kabinenteile) sowie Verteidigung. Seine Mission: Nachhaltiges Engagement für eine sicherere Welt, in der Luftfahrt noch ökologischer, komfortabler und breiter zugänglich wird. Mit 79.000 Beschäftigten auf allen Kontinenten erwirtschaftete das Unternehmen 2020 einen Gesamtumsatz von 16,5 Milliarden Euro und konnte so, gemeinsam mit seinen Partnern, seine Spitzenposition auf europäischen und weltweiten Märkten festigen. Safran investiert im Rahmen seiner Roadmap für technische Innovation maßgeblich in Forschungs- und Entwicklungsprogramme zur Umsetzung seiner ökologischen Prioritäten. Safran Helicopter Engines ist der weltweit führende Hersteller von Hubschraubertriebwerken, von denen seit der Gründung der Firma mehr als 75.000 produziert wurden. Das Unternehmen bietet die weltweit breiteste Palette an Hubschraubertriebwerken und hat mehr als 2.500 Kunden in 155 Ländern.

Über TotalEnergies

TotalEnergies ist ein Multi-Energie-Unternehmen, das Energien auf globaler Ebene produziert und vermarktet: Öl und Biokraftstoffe, Erdgas und grüne Gase, erneuerbare Energien und Strom. Unsere 105.000 Mitarbeiter engagieren sich, damit Energie, zunehmend erschwinglicher, sauberer, zuverlässiger und für so viele Menschen wie möglich zugänglich wird. TotalEnergies ist in mehr als 130 Ländern aktiv und stellt die nachhaltige Entwicklung in all ihren Dimensionen in den Mittelpunkt seiner Projekte und Tätigkeiten, um so zum Wohlergehen der Menschen beizutragen.

Über Airbus

Airbus ist Pionier einer nachhaltigen Luft- und Raumfahrt für eine sichere und vereinte Welt. Das Unternehmen arbeitet ständig an Innovationen für effiziente und technologisch fortschrittliche Lösungen in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie vernetzte Dienstleistungen. Airbus bietet moderne und treibstoffeffiziente Verkehrsflugzeuge sowie dazugehörige Dienstleistungen an. Airbus ist auch führend in Europa im Bereich Verteidigung und Sicherheit und eines der größten Raumfahrtunternehmen der Welt. Im Bereich Hubschrauber stellt Airbus die weltweit effizientesten Lösungen und Dienstleistungen für zivile und militärische Hubschrauber bereit.

ADAC SE





Abfallaufkommen in Deutschland im Jahr 2019 weiter auf hohem Niveau


WIESBADEN – Das Abfallaufkommen in Deutschland betrug im Jahr 2019 nach vorläufigen Ergebnissen 416,5 Millionen Tonnen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Internationalen Tages der Umwelt am 5. Juni 2021 weiter mitteilt, blieb die Abfallmenge mit einem Rückgang um 0,2 % gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Im Jahr 2018 hatte das Abfallaufkommen mit 417,2 Millionen Tonnen seinen bisherigen Höchststand erreicht. 

Bau- und Abbruchabfälle machen mehr als die Hälfte aus 

Die „Bau- und Abbruchabfälle“ bildeten mit 55,4 % (230,9 Millionen Tonnen) den Großteil des Gesamtaufkommens, gefolgt von den „Sekundärabfällen“ mit 13,5 % (56,2 Millionen Tonnen), also Abfällen, die bereits in einer Anlage behandelt wurden. Die „übrigen Abfälle“ (insbesondere aus Produktion und Gewerbe) hatten einen Anteil am gesamten Abfallaufkommen von 12,2 % (50,7 Millionen Tonnen). Auf „Siedlungsabfälle“ entfielen ebenfalls 12,2 % (50,6 Millionen Tonnen), 6,8 % (28,1 Millionen Tonnen) waren „Abfälle aus der Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen“. 

70 % der Abfälle recycelt 

339,8 Millionen Tonnen aller Abfälle wurden im Jahr 2019 verwertet, das entspricht einer Verwertungsquote von 81,6 %. Die meisten Abfälle (292,0 Millionen Tonnen bzw. 70,1 % aller Abfälle) wurden stofflich verwertet, also recycelt. Auf Deponien entsorgt wurden 16,5 % der Abfälle. Am geringsten ist diese sogenannte Ablagerungsquote bei den Siedlungsabfällen mit 0,2 %.





Ein Jahrzehnt für einen gesunden Planeten

 

Vor dem Start der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen fordert der WWF Deutschland Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die internationale Biodiversitätsfinanzierung Deutschlands auf mindestens zwei Milliarden Euro jährlich zu erhöhen. Die Bundeskanzlerin spricht am morgigen Freitag neben hochrangigen Vertreter:innen aus Politik, Kultur und Öffentlichkeit auf einer virtuellen Auftaktveranstaltung der Dekade. Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland sagt: „Wir begrüßen es, dass die Kanzlerin die Bedeutsamkeit der Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme wahrnimmt. Bei Lippenbekenntnissen darf es allerdings nicht bleiben. Deutschland muss seiner Verantwortung gerecht werden und die im Wahlkampf oft beschworene Wichtigkeit vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen auch finanziell nachhalten.“

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2021 bis 2030 als Dekade der Wiederherstellung von Ökosystemen ausgerufen. Der WWF ist offizieller Partner und wird sich in allen der drei strategischen Säulen der Dekade beteiligen – der Förderung einer globalen Bewegung für die Bewahrung, Wiederherstellung und nachhaltigen Nutzung von Ökosystemen; die Förderung entsprechender politischer Unterstützung; und die Bildung von Kapazitäten in der Umsetzung. „Wir freuen uns sehr offizieller Partner der Dekade zu sein und setzen uns dafür ein, dass Renaturierungsmaßnahmen neben Wäldern auch andere Ökosysteme wie Flüsse und Moore erreicht. Sie sind immens wichtig für Klima und Artenvielfalt, fallen aber auf der politischen Agenda oft hinten runter“, so Heinrich.  

Laut einer Studie[1] könnte die Wiederherstellung von 15 Prozent der durch menschliche Aktivitäten umgewandelten Flächen an den dafür geeigneten Stellen bis zu 60 Prozent des unter aktuellen Trends prognostizierten Artensterbens verhindern. 30 Prozent des seit der industriellen Revolution zusätzlich in die Atmosphäre geratenen CO2 könnten gebunden werden. Heinrich kommentiert: „Das ist auch dringend nötig: Wir verursachen im Moment den größten Rückgang der Biodiversität seit dem Aussterben der Saurier vor 66 Millionen Jahren. Um den Biodiversitätsverlust noch rechtzeitig stoppen und umkehren zu können, muss neben der Wiederherstellung der Ökosysteme allerdings auch ein dringend ein Umdenken in Wirtschaft und Finanzen stattfinden.“

[1] www.nature.com/articles/s41586-020-2784-9

 

OV von WWF Deutschland




Mehr als die Hälfte aller Passagierflüge in Deutschland waren 2020 Kurzstreckenflüge


  • Trotz Corona: Anteil der Kurzstreckenflüge mit 53 % auf dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019 (54 %)
  • Knapp drei Viertel aller Kurzstreckenflüge (Distanz bis 1000 Kilometer) waren Auslandsflüge
  • Jeder siebte Flug war 2020 ein Inlandsflug; Anteil unverändert gegenüber 2019

WIESBADEN – Derzeit wird über eine mögliche Beschränkung von Flügen über kurze Distanzen und innerhalb Deutschlands debattiert. Kurzstreckenflüge – hier definiert als Flüge mit einer Distanz bis 1000 Kilometer – hatten im Jahr 2020 einen Anteil von 53 % (313 000) an allen Passagierflügen, die auf den deutschen Hauptverkehrsflughäfen starteten oder landeten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war der Anteil damit trotz coronabedingt stark zurückgegangener Passagierzahlen ähnlich hoch wie vor der Pandemie: Im Jahr 2019 waren ebenfalls gut die Hälfte (54 %) aller Passagierflüge Kurzstreckenflüge. Bei der Betrachtung der Zahlen muss der beispiellose Rückgang der Flugreisen im Corona-Jahr 2020 berücksichtigt werden: Mit rund 596 000 Passagierflügen gab es in Deutschland rund 66 % weniger als vor Ausbruch der Pandemie (2019: 1,74 Millionen Flüge). 

Kurzstreckenflüge mit einer Distanz bis 1000 Kilometer waren dabei vor wie nach Ausbruch der Pandemie überwiegend Flüge zu beziehungsweise von nahegelegenen ausländischen Zielen: 73 % der 313 000 Kurzstreckenflüge waren 2020 Auslandsflüge, 2019 lag deren Anteil bei 74 %.

 

Anteil der Inlandsflüge an allen Passagierflügen vor der Corona-Pandemie rückläufig 

Während die Zahl der Passagierflüge insgesamt in den Jahren vor Ausbruch der Pandemie anstieg – von 1,61 Millionen Flügen im Jahr 2010 auf 1,74 Millionen im Jahr 2019 –, ging die Zahl der Inlandsflüge im selben Zeitraum von 289 000 auf 241 000 zurück. Entsprechend sank der Anteil der Inlandsflüge von knapp 18 % im Jahr 2010 auf knapp 14 % im Jahr 2019. Auch 2020 war jeder siebte Passagierflug in Deutschland ein Inlandsflug – insgesamt waren dies rund 85 000. Dabei wird nicht erfasst, ob es sich um einen Zubringerflug handelt oder nicht. Fast die Hälfte (48 %) aller Inlandsflüge entfiel im vergangenen Jahr auf Distanzen zwischen 400 und 500 Kilometern; das traf auf rund 41 000 Flüge zu.

 
 

Knapp 8 % des CO2-Ausstoßes der Passagierflüge wurden 2020 durch Inlandsflüge verursacht 

Fliegen verursacht Emissionen: Die Passagierflüge in Deutschland im Jahr 2020 waren nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für einen CO2-Ausstoß von insgesamt 9,75 Millionen Tonnen verantwortlich. Davon gingen 740 000 Tonnen auf das Konto von reinen Inlandsflügen – das entsprach einem Anteil von knapp 8 %. Der coronabedingte Einbruch des gesamten Passagierflugverkehrs in Deutschland wirkte sich stark auf dessen Emissionen aus: Der CO2-Ausstoß ging im vergangenen Jahr gegenüber 2019 um 63 % zurück.

Methodischer Hinweis:
Dargestellt wird der Flugverkehr an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen mit mehr als 150 000 Fluggasteinheiten im jeweiligen Vorjahr. Ob die darin befindlichen Fluggäste vor oder nach der Teilstrecke umsteigen (bzw. nach einem Zwischenstopp weiterfliegen), bleibt bei dieser Betrachtung unberücksichtigt.

Weitere Informationen:

Die Entfernungen zwischen den Flughäfen werden nach der Großkreismethode berechnet. Der Aufsatz „Entwicklung eines Algorithmus zur Berechnung der im deutschen Luftraum zurückgelegten Flugkilometer in der Luftverkehrsstatistik“ in „Methoden, Verfahren, Entwicklungen“ Heft 2/2009 beschreibt die entsprechende Methodik.

Weitere Ergebnisse zum Flugverkehr während der Corona-Pandemie finden Sie auf unserer Corona-Sonderseite .

 

DESTATIS | Statistisches Bundesamt





Politik lässt Verbraucher allein

 

Tanja Dräger de Teran, Referentin für Ernährung und Landwirtschaft beim WWF Deutschland zum «Konsummonitor Nachhaltigkeit» des Handelsverbandes Deutschland (HDE):

„Laut dem aktuellen Konsummonitor legen deutsche Konsument:innen bei ihrer Kaufentscheidung im Einzelhandel vor allem bei Lebensmitteln und Mode zunehmend Wert auf nachhaltige Produktionsmethoden sowie die Herkunft der Ware. Diesem Wunsch muss auch die Politik endlich Rechnung tragen. Leider lädt die jetzige Bundesregierung die Verantwortung für die ökologische Ernährungswende weiterhin auf den Schultern der Verbraucher:innen ab.

Im Moment werden jene Lebensmittel, die unser Klima und die Ökosysteme und damit die Grundlagen unseres Lebens und Wohlstands überbelasten, vorteilig behandelt. Wir brauchen einen Mind Shift bei unserer Ernährung. Ein Mind-Shift wäre zum Beispiel: Beim Catering für Veranstaltungen oder auf Reisen gibt es automatisch ein vegetarisches Menü. Wer Fleisch möchte, kreuzt das extra an. Künftig muss die einfache Wahl auch immer die gesunde und nachhaltige sein.

Die kommende Regierung muss daher bis spätestens 2022 eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie auf den Weg bringen, deren Maßstab die ökologischen Grenzen der Erde sind. Dazu gehören konkrete Klimaziele für das Ernährungssystem und verbindliche Mindestkriterien für die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen, wie etwa Schulen. Der WWF fordert zudem die Einführung einer Lenkungssteuer für tierische Lebensmittel. Wir brauchen eine Lenkungsabgabe, die sich an Nachhaltigkeitskriterien orientiert und so Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft weniger belastet.

Wir müssen unser Ernährungssystem dringend anpassen, um auch in Zukunft eine gesunde, ausgewogene Ernährung der Menschheit zu garantieren. Das Erreichen der Pariser Klimaziele und den Erhalt der Biodiversität, als Grundlage unserer Landwirtschaft, sind dabei essentiell. Deutschland ist Mitverursacher der globalen Ernährungskrise. Wer Regierungsverantwortung übernehmen will, braucht ein ernährungspolitisches Gesamtkonzept, um Teil der Lösung zu werden.“

 

OV von WWF Deutschland




Heute ist Weltumwelttag: „Höchste Zeit für das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt“

 

(ots) Umweltzerstörung und Klimawandel gefährden die Zukunft von Millionen Menschen, besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche in armen Ländern. Weltweit stehen vor allem die Zukunftschancen von Kindern auf dem Spiel. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation atmen 90 Prozent aller Kinder weltweit verschmutzte Luft, rund 600.000 Kinder sterben jährlich an Atemwegserkrankungen als Folge von Luftverschmutzung. Wassermangel und Dürre wie auch Überflutungen und Unwetter führen zu Ernteausfall und Hunger, dem nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 24 Millionen Kinder zum Opfer fallen könnten. Der UN-Menschenrechtsrat befürchtet, dass ab dem Jahr 2040 rund 600 Millionen Kinder in Gebieten ohne verlässlichen Zugang zu Trinkwasser leben werden.

„Genau wie die Folgen der Corona-Pandemie vertiefen auch die Auswirkungen der Zerstörung der Natur die Kluft zwischen Arm und Reich“, sagte Birte Kötter, Vorstandssprecherin von terre des hommes. „Klimawandel und daraus resultierende Armut ist die neue soziale Frage des 21. Jahrhunderts, die nur von der internationalen Staatengemeinschaft gelöst werden kann. Ein Meilenstein auf dem Weg dorthin wäre die rechtliche Anerkennung des Kinderrechts auf eine gesunde Umwelt.“

Mit der internationalen Kampagne MY PLANET MY RIGHTS setzt sich terre des hommes dafür ein, das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt langfristig durch ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention verbindlich zu machen. Wichtige Weichen hierfür wurden kürzlich gestellt. So kündigte die Vorsitzende des UN-Kinderrechtsausschusses, Mikiko Otani, auf Initiative von terre des hommes an, dass die Vereinten Nationen einen neuen Kommentar zur Kinderrechtskonvention herausgeben würden. „Wir sind froh, dass die Vereinten Nationen unseren Impuls aufnehmen und mit ihrem Kommentar eine Anleitung veröffentlichen werden, wie die Vertragsstaaten der Konvention Kinderrechte in der nationalen und internationalen Umwelt- und Klimapolitik angemessen umsetzen können“, so Birte Kötter. „Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur rechtlichen Verankerung des Kinderrechts auf eine gesunde Umwelt.“

 

OV von terre des hommes Deutschland e. V.




Gorch Fock auf Kurs zum EuGH?

 

Wurde die Gorch Fock, Segelschulschiff der deutschen Marine, mit illegal geschlagenem Tropenholz restauriert? Bald endet die Frist zur Aufbewahrung der Dokumente, die genau diese Frage beantworten könnte. Bisher weigert sich die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) jedoch trotz ihres staatlichen Prüfauftrags, den dringenden Verdacht und damit einige der Dokumente überhaupt zu prüfen. Genau dazu will der Deutsche Naturschutzring (DNR) mit fachlicher Unterstützung des WWF Deutschlands die BLE in einem gerichtlichen Eilverfahren verpflichten. Trotz der Dringlichkeit lehnte das Verwaltungsgericht Köln den Eilantrag kürzlich ab und verwies auf ein normales Klageverfahren. Dies könnte sich über Jahre hinziehen, wichtige Dokumente können bis dahin vom Importeur vernichtet werden und der Skandal um mögliches Raubholz auf dem Deck des Nationalsymbols der deutschen Marine bliebe für immer unaufgeklärt. Daher hat der DNR mit fachlicher Unterstützung vom WWF diese Woche Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Münster eingelegt. Die Münsteraner Richter sollen nun den Europäischen Gerichtshof (EUGH) dazu befragen, ob die BLE auch in einem zügigen Eilverfahren zu Kontrollen verpflichtet werden kann – oder ob das nur mit einer viel langsameren Klage geht. Bisher ist nämlich ungeklärt, inwieweit Umweltverbände Behörden auch im Eilverfahren verklagen dürfen, damit diese ihre staatlichen Aufträge wahrnehmen.

Nach Sichtung der Exportunterlagen bewertet der WWF das Teakholz gemäß der EU-Holzhandelsverordnung (European Timber Regulation, EUTR) als illegal, da beim Export allem Anschein nach Steuern hinterzogen wurden. Dem WWF liegen zudem Hinweise darauf vor, dass das Holz aus verbotenem Raubbau der “Holzmafia” stammt.

WWF Holzexperte Johannes Zahnen kommentiert: „Ohne Eilverfahren wird der Skandal um Steuerhinterziehung beim Import des Teakholzes für immer an der Gorch Fock und damit dem Stolz der deutschen Marine kleben. Es ist verwunderlich, dass das Gericht nicht erkennt, dass eine normale Verfahrensklage den Vorwurf gar nicht mehr klären kann, weil dieses viel zu lange dauern würde. Dass es überhaupt ein Gerichtsverfahren braucht, um die BLE zum Prüfen der Vorwürfe zu zwingen, ist ein wahres Armutszeugnis.“

Die Umweltverbände hoffen jetzt darauf, dass das Oberverwaltungsgericht Münster die juristischen Fragen durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) beantworten lässt. Entscheidet der EuGH, dass Umweltverbände Behörden auch im Eilverfahren dazu bringen können, ihre staatlichen Aufträge auszuführen, gilt das EU-weit für alle Umweltschützer:innen. „Ein solches Urteil ist absolut nötig: In wenigen Jahren wird es in Myanmar keine gesunden Teakbestände mehr geben, Menschen und Tiere verlieren so ihre Lebensgrundlage. Wenn wir die letzten alten Wälder retten wollen, dann nur im Eilverfahren“, so Zahnen.

Hintergrund:

Die EU-Holzhandelsverordnung (European Timber Regulation, EUTR) soll illegales Holz von der Europäischen Union fernhalten und Holz aus nachhaltigen Quellen stärken. Wer Holz oder Holzprodukte in die EU einführt, hat dafür Sorge zu tragen, dass es sich um legale Waren handelt. Die BLE ist dafür zuständig die Einhaltung der EU-Holzhandelsverordnung zu überprüfen. Allerdings weigert sich die die Behörde standhaft die komplette Verordnung anzuwenden. Im Fall Gorch Fock wurden nur die Sorgfaltspflichten des Importeurs geprüft und somit nur einen Teil der Verordnung angewendet.

 

OV von WWF Deuzschland




Union kippt Aufteilung des CO2-Preises für Gebäude

 

(ots) Nachdem eine Einigung für eine Kostenteilung des CO2-Preises für Gebäudewärme im Bundeskabinett heute an der Unionsfraktion gescheitert ist, kritisiert Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe:

„Die Union opfert den Klimaschutz ihrer Klientelpolitik. Statt wirksame Anreize für Klimaschutz im Gebäudesektor zu setzen, macht sich die Bundesregierung einmal mehr zur Marionette der Wohnungswirtschaft. Im Ergebnis sollen Mieterinnen und Mieter alleine den CO2-Preis zahlen. Dabei entscheiden die Vermieterinnen und Vermieter über den energetischen Zustand von Gebäuden und den Tausch der Heizungsanlage. Ausgerechnet Sie aus der Verantwortung zu nehmen, zementiert den klimapolitischen Stillstand im Gebäudebereich. Vielmehr müssen Vermieterinnen und Vermieter den CO2-Preis zu 100 Prozent tragen. Gerade jetzt nach dem historischen Klimaschutzurteil des Bundesverfassungsgerichts steht die Bundesregierung in der Verantwortung, Bewegung in den Gebäudesektor zu bringen. Die Union muss ihre Blockade beenden und den Worten zu Klimaschutz endlich Taten folgen lassen.

 

OV von Deutsche Umwelthilfe DUH




Kapitalflüsse mit Schutz der Meere und Ozeane verbinden

 

Meere und Ozeane haben eine wichtige Bedeutung für den Planeten. Sie produzieren mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, nehmen große Teile der Treibhausgase auf und bremsen die Erderhitzung. Es hat einen direkten und indirekten Einfluss auf die Meere, wie Unternehmen handeln und welche Produkte sie herstellen. Der WWF Deutschland hat mit dem Vermögensverwalter DWS den Aktienfonds DWS Concept ESG Blue Economy Fonds entwickelt. Ziel des Fonds ist es, Unternehmen zu fördern, deren Geschäftsaktivitäten einen positiven Einfluss auf die Meere haben, oder jene zu transformieren, die mit ihren Geschäftsmodellen und Produkten ihre Wirkung auf Ozeane noch verbessern müssen.

Der Transformationsprozess wird im Rahmen eines Dialoges zwischen dem Vermögensverwalter und den Unternehmen angestoßen. Die Grundlage der Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Aktienfonds bilden die Sustainable Blue Economy Principles, entwickelt von der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI). In diese Kriterienentwicklung war der WWF für die Bereiche Schifffahrt, Fischerei, Aquakultur, Häfen, küstennaher Tourismus und erneuerbare Energien im maritimen Bereich eng eingebunden. 

„Mit Transformation fördernden Finanzprodukten soll die Verbindung von Kapitalfluss und nachhaltigen oder sich verbessernden Geschäftsmodellen gelingen. Das Engagement-Konzept im Bereich der nachhaltigen Entwicklung der Meere umzusetzen, ist neu in Deutschland“, sagt Parisa Shahyari, Ökonomin im Bereich Sustainable Finance beim WWF Deutschland. Der WWF wird das Fondsmanagement der DWS im Dialog mit ausgewählten Unternehmen unterstützen. Für diesen sogenannten Engagementprozess mit den Unternehmen definieren WWF und DWS Transformationspfade und Meilensteine auf Basis der Blue-Economy-Prinzipien.

„Je nach Sektor und Geschäftsmodell befragt die DWS in einem ersten Schritt mit einem detaillierten Fragebogen, wie weit Nachhaltigkeitsaspekte in Produkten und Prozessen integriert sind“, erklärt Parisa Shahyari. „Mit dem Management der Unternehmen werden Transformationsziele und Meilensteine vereinbart, deren Erreichung nachgehalten wird. Der Fortschritt der Transformation wird so zu einem wesentlichen Investmentkriterium. Ziel ist auch, dass von dem Fonds Impulse ausgehen in die jeweiligen Sektoren.“

Wenn die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen nicht fruchtet und die Ziele nicht eingehalten werden, folgt das Divestment als letzte Konsequenz und der Ausschluss aus dem Aktienfonds. Investitionen in Branchen und Unternehmen, deren Geschäftsmodelle gänzlich für die Ozeane schädlich und nicht transformierbar sind, kommen grundsätzlich für ein Investment nicht in Betracht. Hierzu gehören Unternehmen, die im Tiefseebergbau tätig sind oder ihr Geschäftsmodell hauptsächlich aus Erzeugung und Weiterverarbeitung von fossilen Energien besteht.

„Der Fonds zielt zu einem großen Teil auf Lösungsanbieter der Blue Economy ab“, sagt der DWS-Fondsmanager Paul Buchwitz. „Indem wir konkrete und messbare Nachhaltigkeitsziele für weitere Unternehmen festlegen und fördern, nehmen wir die umfassende Transformation zum Schutz der Meere und Ozeane langfristig in den Blick.“

 

OV von WWF Deutschland




Keine Wahlgeschenke nur für Waldbesitzende

 

Vor dem zweiten nationalen Waldgipfel am morgigen Mittwoch fordert der WWF einen Paradigmenwechsel in der Waldpolitik. Die Entwicklung der Wälder und dementsprechend künftige Förderprogramme sollten nicht mehr den Wald als Holzlieferant, sondern seine Funktion als Kohlenstoffspeicher und als Lebensraum für Arten in den Mittelpunkt stellen, so die Naturschutzorganisation. Auf dem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung ausgerichteten Bundeswaldgipfel diskutieren Vertreter:innen aus Politik, Forschung und Forstwirtschaft zum Thema Wald.

WWF-Forstpolitikexperte Johann Rathke betont: „In den letzten Jahren wurden mehr als 1,5 Milliarden Euro in Waldförderprogramme gesteckt. Wirkungsvoll waren diese allerdings nur bedingt. Gerade die 500 Millionen Euro schwere Bundeswaldprämie, die 2020 im Rahmen der Corona-Konjunkturhilfen ins Leben gerufen wurde, folgt dem Gießkannenprinzip und hat nahezu keine lenkende Wirkung. Statt an Flächengröße muss eine zukünftige Waldprämie, oder vergleichbare steuerfinanzierte Förderprogramme, an unmittelbare Leistungen gekoppelt sein. Dabei sollten nur Leistungen honoriert werden, die den ökologischen Zustand des Waldes verbessern oder erhalten. Alles andere ist ein steuerfinanziertes Wahlgeschenk kurz vor der Bundestagswahl im September.

Waldbewirtschaftung sollte in Zukunft in erster Linie auf die Entwicklung und Erhaltung möglichst intakter naturnaher Waldökosysteme ausgerichtet sein. Davon profitiert auch die Forstwirtschaft selbst: Ökologisch intakte Wälder sind die beste Absicherung gegen Dürreschäden.“

 

OV von WWF Deutschland




Bringt die Kohle zum Acker

 

Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Asien, Südamerika oder Afrika ernähren sich und die Welt – benötigen aber mehr Investitionen auch aus privater Hand, um nachhaltiger und produktiver zu wirtschaften. Darauf weist der WWF Deutschland anlässlich des „Weltbauerntag“ (1. Juni) hin. Laut der Umweltschutzorganisation besteht allein in Südostasien ein jährlicher Bedarf von rund 100 Milliarden US-Dollar für die nachhaltige Agrarfinanzierung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Nur ein Drittel davon steht aber derzeit zur Verfügung.

„Kleinbäuerliche Betriebe haben ein großes Potenzial ihre Erträge zu erhöhen und gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit zu fördern, Bodenerosion zu vermeiden, einen nachhaltigen Umgang mit lokalen Wasserressourcen zu gewährleisten, Ökosysteme zu bewahren und die Vielfalt der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten in landwirtschaftlich geprägten Lebensräumen wieder zu erhöhen. Dafür brauchen sie aber zielgerichtete Finanzierung. Finanzinstitutionen sind im Moment noch sehr zurückhaltend, wenn es um Kredit- und Fördermodelle in diesem Bereich geht. Vor allem fehlt es meist an mehrjährigen Finanzierungsangeboten, die besonders wichtig sind, um nachhaltige Praktiken umzusetzen“, sagt Jonas Aechtner, Experte für nachhaltige Agrarfinanzierung beim WWF Deutschland.

In Thailand hat der WWF den in den letzten Jahren den „Forest Landscape Restoration Fund (FLR349)“ auf- und ausgebaut. Er unterstützt Kleinbäuerliche Betriebe in Wassereinzugsgebieten technisch und finanziell dabei, auf agrarökologische Anbausysteme umzustellen – weg von waldzerstörender Monolandwirtschaft mit intensivem Chemikalieneinsatz, hin zu Anbausystemen, die zur Wiederherstellung der Umwelt beitragen, Biodiversität und fruchtbare Böden fördert und ein diversifiziertes Einkommen generieren. Der bisher spendenfinanzierte Fond soll nun zunehmend für private Investoren geöffnet werden. Um dies zu erleichtern wurde im letzten Jahr eine Firma zum Fond gegründet. Sie soll den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen besseren Marktzugang verschaffen für ihre Erzeugnisse und die Schnittstelle zu interessierten Finanzinstituten sein. „Dass sich Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Genossenschaften oder Firmen organisieren, ist wichtig. Das ermöglicht ihnen die Versorgung mit Betriebsmitteln besser zu managen, Marktaktivitäten zu koordinieren, Kredite und Verträge auszuhandeln oder politische Entscheidungsträger zu lobbyieren“, so Aechtner.

Allein in Südostasien gingen zwischen 2005 und 2015 80 Millionen Hektar Wald verloren. Zur Waldvernichtung tragen aus Mangel an Alternativen auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei. Sie bewirtschaften wenige Hektar. Sind ihre Erträge der zur Verfügung stehenden Flächen zu gering zum Überleben, wird häufig illegal gerodetes Land dazu genommen. Das passiert auch, wenn Böden endgültig ausgelaugt sind.

 

OV von WWF Deutschland




13.000 Tonnen Plastik pro Jahr landen in unseren Böden

 

Mehr als 13.000 Tonnen Kunststoffe, insbesondere Mikroplastik, werden jährlich in Deutschland durch landwirtschaftliche Aktivitäten in die Umwelt freigesetzt und verbleiben meist im Boden. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Fraunhofer UMSICHT und Ökopol im Auftrag des NABU. Der größte Anteil, rund 9.500 Tonnen, ist auf Plastik-Verschmutzungen im Klärschlamm sowie in Komposten und Gärresten zurückzuführen. Hier ist die Landwirtschaft Leidtragende der Verschmutzungen durch Dritte – beispielsweise durch Plastikfehlwürfe in der Biotonne oder durch Reifenabrieb und Textilfasern aus dem Abwasser, die in der Kläranlage im Klärschlamm gebunden werden. Zu den 13.000 Tonnen kommen weitere 5.800 Tonnen an Plastikabfällen hinzu, die von außen auf landwirtschaftlich genutzte Flächen geweht werden.

 

„Während Plastik im Meer und in Gewässern bereits intensiv erforscht und diskutiert wird, fliegt die Plastikverschmutzung von Böden noch unter dem Radar. Mit der Studie präsentieren wir die erste umfassende Untersuchung, auf welchen Wegen und in welchen geschätzten Mengen Kunststoffe in Deutschland über die Landwirtschaft in die Böden gelangen“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

 

Der Großteil der in der Studie identifizierten Emissionen wird direkt in den Boden eingetragen: Mit Plastik verschmutzte Klärschlämme, Komposte und Gärreste sowie mit synthetischen Polymeren bearbeitete Düngemittel, Bodenverbesserer, Pflanzenschutzmittel und Saatgut. Bei einem kleineren Teil der Kunststoffe ist ein Verbleib im Boden nicht beabsichtigt: Agrarfolien können reißen und Kunststoff-Kleinteile wie Pflanzhilfen können zerfallen. So gelangen auch diese Kunststoffe ungewollt in den Boden.

 

„Die Studie verdeutlicht den Handlungsbedarf: Im Sinne des Vorsorgeprinzips müssen die Einträge von Kunststoff so gut es geht unterbunden werden. Jede Tonne, die reduziert wird, zählt“, so Miller. „Mikroplastik im Boden ist nicht rückholbar und kann Jahrhunderte in der Natur verbleiben. Studien zeigen, dass hohe Konzentrationen an Kunststoff im Boden das Pflanzenwachstum hemmen und Plastikpartikel in Nanogröße von Pflanzenwurzeln aufgenommen werden können. Auch kann Mikroplastik die Bodenfauna, etwa Regenwürmer, schädigen.“

 

Der NABU fordert kein generelles Verbot der Kunststoffnutzung in Landwirtschaft und Gartenbau, da diese oft auch für den Naturschutz vorteilhaft sein kann, wenn dadurch beispielsweise weniger giftige Pestizide ausgebracht werden oder seltener gedüngt wird. Der NABU sieht die Politik jedoch in der Pflicht, eine Strategie zu entwickeln, um Kunststoffeinträge in die Böden zu minimieren und eine ökologisch verträgliche Nutzung von Kunststoffen in der Landwirtschaft zu erreichen. „Es gibt bereits Verordnungen für Klärschlamm, Düngemittel und Bioabfall, sie werden jedoch nicht ambitioniert genug eingesetzt. Das Düngen mit Klärschlamm muss vollständig verboten werden. Die Grenzwerte für Kunststoffe im Kompost müssen verschärft und die Bioabfallsammlung verbessert werden. Auch sollten Rücknahmesysteme für Folien, die es bislang auf freiwilliger Basis gibt, verpflichtend werden“, fordert Michael Jedelhauser, NABU-Referent für Kreislaufwirtschaft. „Wichtig sind außerdem verlässliche und realitätsnahe Standards für bioabbaubare Kunststoffe, die etwa bei Düngemittel- und Saatgutumhüllungen sowie Mulchfolien Teil der Lösung sein können. Denn zu häufig bauen sich diese bisher unter den realen Bedingungen auf dem Acker oder in der Natur nicht schnell genug im Boden ab.“ Auch für Flockungsmittel aus synthetischen Polymeren, die in der Kläranlage eingesetzt werden und am Ende im Klärschlamm landen, sind strengere Anforderungen an die Abbaubarkeit nötig.

 

OV von NABU




GAP-Trilog wird zur Farce

 

Nach tagelangem Ringen zwischen EU-Parlament, Rat und Europäischer Kommission um einen Kompromiss für die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) haben die Agrarminister:innen der Mitgliedstaaten die Verhandlungen vorzeitig abgebrochen. Christoph Heinrich, WWF-Naturschutzvorstand und Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft:

„Mit der Abbruch der Verhandlung gerät der GAP-Trilog zur Farce. Der 380-Milliarden-Euro-Poker geht nun in die Verlängerung. Leidtragende sind die landwirtschaftlichen Betriebe und die Natur. Ich erwarte, dass die Verhandlungspartner ihre Beratungen nun zügig und ambitioniert fortsetzen, denn nicht nationale Egoismen dürfen Grundstein der künftigen GAP-Ausrichtung sein, sondern eine Orientierung an den gegenwärtigen Herausforderungen, die wir bewältigen müssen.

Für die landwirtschaftlichen Betriebe selbst, aber auch für die Artenvielfalt, den Klima- und Ressourcen in der Europäischen Union steht enorm viel auf dem Spiel. Die Verhandlungen dürfen nicht von Taktiererei geprägt sein, sondern müssen sich an der Realität orientieren. Die GAP mit mehr als 380 Milliarden Euro bietet die Chance, den aktuellen Herausforderungen wirklich wirksam zu begegnen. Dafür müssen aber die Instrumente so ausgerichtet werden, dass Landwirtinnen und Landwirte befähigt werden, die Mittel ganz gezielt für mehr Arten-, Klima- und Ressourcenschutz sowie Tierwohl einzusetzen. Denn es geht dabei nicht nur um die Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen, sondern in erster Linie um die Erhaltung der Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft.

Ein Zurückziehen und Vertagen ist ein Zeichen fehlender Kompromissbereitschaft. Aber genau das braucht es jetzt. Und die Voraussetzungen sind eigentlich nicht schlecht. Der EU Green Deal, die EU-Biodiversitätsstrategie, die EU-Klimaziele oder die Farm-to-Fork-Strategie – all das sind gute Vorlagen von Kommission und Parlament, die in den GAP-Verhandlungen nun in Form gegossen werden sollten.“

 

OV von WWF Deutschland




Rückenwind für Pop-up-Radwege

 

Eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, dass sich die provisorisch eingerichtete autofreie Friedrichstraße in Berlin positiv auf die Luftqualität auswirkt. Demnach ist die Belastung mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid (NO2) in einem halben Jahr um mehr als 10 µg/m³ zurückgegangen. Seit Ende August 2020 dürfen keine Autos mehr auf der Friedrichstraße zwischen Leipziger Straße und Französischer Straße fahren. Stattdessen wurde ein breiter Radweg angelegt. Der Platz für zu Fuß Gehende wurde ausgeweitet und die Aufenthaltsqualität mit neuen Sitzgelegenheiten und Pflanzkübeln deutlich erhöht.

Für ihre Untersuchung hat die DUH acht Messstationen in verschiedenen Abschnitten der Friedrichstraße mittels kleiner Röhrchen, sogenannter Passivsammler, eingerichtet. Die Messung lief zwischen November 2020 und April 2021. Noch 2019, dem letzten Jahr, in dem durchgängig Autos auf der Friedrichstraße fahren konnten, lag die NO2-Belastung an einer Messstelle der Berliner Senatsverwaltung im jetzt autofreien Abschnitt bei 33 µg/m³. Die Messungen der DUH zeigen nun, dass die Belastung seit Sperrung für den Autoverkehr lediglich zwischen 19,6 und 20,4 µg/m³ liegt. Und das, obwohl die neue Flaniermeile Friedrichstraße in unmittelbarer Nähe zur Leipziger Straße liegt, der Straße mit der höchsten NO2-Belastung in ganz Berlin.

Das kommentiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Unsere Städte ersticken im Autoverkehr. In Berlin demonstriert man, wie einfach und schnell sich Rad- und Fußverkehr fördern lassen und sich dadurch die Aufenthaltsqualität in dieser wichtigen Einkaufsstraße erheblich verbessert. Mit dem deutlichen Rückgang der Luftverschmutzung kann man nun in der Friedrichstraße beruhigt in einem Straßencafé Platz nehmen. Wir brauchen kurzfristig eine Verdopplung der Radwege und die Zahl der Autos muss sich halbieren. Durch autofreie Zonen kann man diesem Ziel näherkommen. Wir rufen alle Städte auf, noch in diesem Frühjahr Frischluft-Oasen zu schaffen und damit Gastronomie und Einzelhandel nach einem schwierigen Corona-Jahr zu unterstützen.

Durch die teilweise Sperrung der Friedrichstraße hat diese keinerlei Funktion für den Durchgangsverkehr mehr. Das entlastet auch die Teile der Friedrichstraße, die bisher noch nicht autofrei umgestaltet wurden. In den angrenzenden Straßenabschnitten liegt die NO2-Belastung zwar etwas höher, aber mit maximal 23,8 µg/m³ ebenfalls deutlich unter der Belastung des Jahres 2019. Die Plausibilität der Messungen wird durch Verkehrszählungen der Berliner Senatsverwaltung bestätigt, die einen deutlichen Rückgang der Verkehrsstärken „über den Bereich der Flaniermeile hinaus“ zeigen.

Dazu Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Kaum werden Autos aus unseren Straßen verbannt, hält die Saubere Luft Einzug. Die Flaniermeile Friedrichstraße wurde mit geringem Aufwand und provisorischen Mitteln eingerichtet. Das zeigt eindrucksvoll, dass unsere Städte innerhalb weniger Monate sauberer, leiser, klimafreundlicher und sicherer werden können, wenn die Stadtverwaltung dies wirklich möchte. Darum fordern wir Städte und Gemeinden auf, jetzt mit schnell umsetzbaren Maßnahmen wie Pop-up-Radwegen und Flaniermeilen die Mobilitätswende voranzutreiben.

Die DUH arbeitet seit Oktober 2020 an dem Projekt „Pop-up-Republik: Mobilitätswende Berlin“, das vom internationalen Städtebündnis ICLEI im Rahmen des ICLEI Action Funds finanziert wird. Ziel des Projektes ist die Erhebung, Aufbereitung und Analyse von Umweltdaten, um Diskussionen über die Verkehrswende zu versachlichen. Dabei wird die Auswirkung von neuen Radwegen mit einem besonderen Fokus auf Pop-up-Radwegen, Parkraumbewirtschaftung, quartiersbezogener Verkehrsberuhigung und Tempo 30 auf die Verkehrsmenge und -zusammensetzung sowie auf die NO2-Belastung untersucht, um fundierte Aussagen über die Auswirkung auf Luftqualität und Klima treffen zu können.

 

OV von Deutsche Umwelthilfe (DUH)




Klimaschutz bekommt recht

 

Ein Gericht in Australien hat die Rechte junger Generationen auf besseren Klimaschutz gestärkt. Acht Schüler:innen hatten gegen die Umweltministerin des Landes wegen einer geplanten Erweiterung einer Kohlemine geklagt. Das Gericht entschied, die Umweltministerin stehe in der Pflicht, junge Menschen vor der Klimakrise zu schützen. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz in Deutschland und einem Urteil eines niederländischen Gerichts zu den Treibhausgasemissionen des Unternehmens Shell ist dies die dritte maßgebliche Gerichtsentscheidung zum Klimaschutz innerhalb kürzester Zeit. Dazu sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland:

„Endlich wird dem Klimaschutz umfassend Recht gesprochen: Keine Regierung und kein Unternehmen kann sich aus der Verantwortung stehlen, der Klimakrise Einhalt zu gebieten. Wir alle – und ganz besonders unsere Kinder – haben ein Recht darauf. Von den Gerichten weltweit kommen nun die entsprechenden Signale, was gleichzeitig begrüßenswert und schade ist, denn eigentlich hätten Politik und Wirtschaft schon längst von selbst aktiv werden können und müssen. Nun wird es darauf ankommen, den Gerichtsentscheidungen die nötigen Taten folgen lassen.

In Deutschland brauchen wir schnellstmöglich ein umfassendes Sofortprogramm, damit die neuen Klimaziele auch erreicht werden. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause muss die Große Koalition Maßnahmen für alle Sektoren auf den Weg bringen. Und auch die EU ist gefragt: In ihrem großen Sommerpaket im Juli sollte sie den Fokus darauf legen, das ‚mindestens‘ in ihrem neuen Klimaziel von ‚mindestens 55 Prozent‘ zu erreichen. Denn eigentlich müsste sie mehr tun, um einen fairen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten.“

 

OV von WWF Deutschalnd




Grüner Wasserstoff ist zu wertvoll, um ihn in Gebäuden zu verheizen

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert eine klare Absage an den Einsatz von Wasserstoff in der Wärmeversorgung von Gebäuden. Im geplanten Sofortprogramm für den Gebäudesektor müssen das Wirtschafts- und das Bauministerium den Betrieb von Gasheizungen mit Wasserstoff ausschließen. Grüner Wasserstoff wird auf absehbare Zeit ein knapper und teurer Energieträger sein. In einem heute veröffentlichten Mythenpapier belegt die DUH, weshalb Wasserstoff im Gebäudesektor dem Klima schadet und nicht nutzt. Aufgrund der schärferen Klimaziele für 2030 braucht besonders der Gebäudesektor kurzfristig wirksame Maßnahmen. Denn bereits im letzten Jahr hat dieser Sektor seine Zielvorgaben verfehlt.

Dazu DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner: „Das bis Mitte Juli angekündigte Sofortprogramm zum Klimaschutz im Gebäudebereich darf nicht auf den vermeintlichen Heilsbringer Wasserstoff setzen. Grüner Wasserstoff ist zu wertvoll, um ihn in unseren Gebäuden zu verheizen. Eine Beimischung im Erdgasnetz ist deshalb auszuschließen. Nur so lassen sich klimaschädliche Fehlinvestitionen vermeiden. Wir fordern von den Ministern Seehofer und Altmaier stattdessen ein Einbau-Verbot für neue Gasheizungen ab 2025. Andere erneuerbare Alternativen zum Heizen mit Gas sind ausreichend verfügbar und auch wirtschaftlich vernünftiger.“

Die Klimaziele im Gebäudebereich sind nur erreichbar, wenn die Energieeffizienz in Gebäuden und der Anteil der erneuerbaren Wärmeversorgung deutlich steigen. Noch immer dominieren jedoch fossile Heizungssysteme – selbst im Neubau machen Gasheizungen einen erheblichen Anteil bei der Wärmeversorgung aus. Mit Wärmepumpen, erneuerbarer Fernwärme oder solarthermischen Heizungsanlagen stehen erprobte und effiziente Technologien bereits heute zur Verfügung.

Heute sehen wir die Effekte einer orientierungslosen Förderpolitik im Gebäudebereich und dem mangelhaften Bekenntnis der Bundesregierung zu echter Klimaschutzpolitik„, kommentiert Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert, das Handwerk ist nicht ausreichend auf die bevorstehende Transformation vorbereitet. Mit der Nebelkerze Wasserstoff versucht die Industrie den notwendigen Ausstieg aus dem fossilen Energieträger Gas zu verhindern und setzt haltlose Versprechen in die Welt. Wir können es uns nicht erlauben, energetische Sanierungen weiterhin auf die lange Bank zu schieben und auf technologische Wunder zu hoffen. Das hat nicht zuletzt das wegweisende Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts zweifellos vor Augen geführt.“

 

OV von Deutsche Umwelthilfe (DUH)




43 Unternehmen fordern EU-Gesetz zum Stopp der globalen Entwaldung

 

Mehr als 40 europäische Unternehmen haben heute die Europäische Kommission aufgefordert, ambitionierte und verbindliche Regeln zum Stopp der EU-getriebenen globalen Entwaldung und für entwaldungsfreie Lieferketten zu verabschieden. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die Unternehmen  ein starkes EU-Gesetz, das den Import von Rohstoffen und Waren verbietet, die mit Naturzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen. Aus Deutschland unterzeichneten ALDI, Budni, EDEKA, Lidl und Netto Marken-Discount. Es ist die zweite Erklärung dieser Art von Unternehmen in nur einer Woche. Der WWF sieht in dem vermehrten Engagement einen klaren Kurswechsel: Bisher beließen es Unternehmen meist bei unverbindlichen Selbstverpflichtungen zum Thema Entwaldungsfreiheit, jetzt fordern sie ein festes EU-Regelwerk.

Christine Scholl, WWF-Expertin für nachhaltige Lieferketten kommentiert: „Viel zu lange schon ist es ein Wettbewerbsnachteil, wenn Unternehmen ihre Lieferketten frei von Naturzerstörung halten. Das kann die EU-Kommission jetzt ändern, indem sie ein wirkungsvolles Gesetz zum Stopp der globalen Entwaldung und für entwaldungsfreie Lieferketten auf den Weg bringt. Es muss verhindern, dass weiterhin für die Produktion von Rohstoffen und Lebensmitteln intakte Natur wie Wälder, Savannen und Feuchtgebiete in Ackerflächen umgewandelt werden.“

Kurz vor der Bundestagswahl wird die Verhandlung des Gesetzes in Brüssel auch zum Test für die Bundesregierung. Scholl sagt: „Die Bundesregierung muss ein ambitioniertes EU-Gesetz vorantreiben, um zu zeigen, dass sie es ernst meint mit dem vielfach beschworenen Klima- und Umweltschutz. Große Teile der Bevölkerung hat sie dafür auch im Rücken: Schon 2020 forderten 1,2 Millionen Menschen über ein Petition ein starkes EU-Gesetz gegen Entwaldung und Naturzerstörung.“

 

OV von WWF Deutschland




Nachhaltig leben dank intelligenter Technik: Diese smarten Gadgets sind besonders energieschonend

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Smarte Gadgets erleichtern den Alltag ungemein und nehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Die intelligente Technik bietet Nutzern nicht nur ein Maximum an Komfort, sondern sie schont auch die Ressourcen.

Wir stellen in unserem heutigen Artikel nachhaltige Gadgets vor und verraten, warum die smarten Geräte Umwelt und Portemonnaie schonen.

Weiterführende Informationen hält das Magazin Home&Smart für Sie bereit.

 

Smarte Bewässerungssysteme für eine optimale Wasserversorgung

Wer die sonnigen Tage vorzugsweise in seinem Garten verbringen möchte, der muss sich natürlich der Pflege seiner Grünanlagen widmen. Insbesondere die Bewässerung erweist sich als sehr zeitaufwendig, da jedes Gewächs einen individuellen Wasserbedarf aufweist. Auch der optimale Zeitpunkt des Gießens kann je nach Pflanze variieren.

Mit einem smarten Bewässerungssystem lassen sich die grünen Mitbewohner vollautomatisiert mit Wasser versorgen. Durch das Anlegen umfassender Bewässerungspläne wird sichergestellt, dass der individuelle Feuchtigkeitsbedarf aller Pflanzen berücksichtigt und kein Wasser verschwendet wird. Smarte Bewässerungssysteme lassen sich zudem auch mit dem Sprachassistenten steuern, sodass Hobbygärtner einen höchstmöglichen Komfort genießen.

Moderne Systeme verfügen über intelligente Sensoren, die mitunter die Bodenfeuchtigkeit sowie die Stärke der Sonneneinstrahlung bestimmen können und sogar die aktuellen Witterungsbedingungen einkalkulieren. Sie lassen sich flexibel in das heimische Netzwerk einbinden und ermöglichen die Einrichtung verschiedener Bewässerungszonen. Da sich die smarten Systeme bequem per App bedienen lassen, wird auch bei längeren Abwesenheiten eine optimale Bewässerung sichergestellt.

 

Smarte Wi-Fi-Steckdosen identifizieren potenzielle Stromfresser

Smarte Steckdosen sind wahrhaftige Allrounder und schlagen mit überschaubaren Anschaffungskosten zu Buche. Die Wi-Fi-Steckdosen werden auf die bereits bestehenden Steckdosen gesetzt und ermöglichen nun eine intelligente Verwaltung aller im WLAN-Netzwerk eingebundenen Geräte. Die meisten Wi-Fi-Steckdosen werden mit einer passenden Begleit-App gesteuert. So lässt sich die Stromversorgung für die einzelnen Haushaltsgeräte schnell und einfach mit dem Smartphone abstimmen.

Weiterhin können über die App komplette Zeitfenster für die Stromzufuhr der Geräte hinterlegt sowie verschiedene Szenarien festgelegt werden. Natürlich lässt sich die App auch als mobile Schaltzentrale nutzen, sodass Lampen und andere Leuchtmittel von unterwegs aus aktiviert werden können. Dies zahlt sich vor allem dann aus, wenn fremde Personen von dem eigenen Grundstück ferngehalten werden sollen. Wer zudem in hektischen Momenten nicht immer alle Geräte ausschaltet, der kann die Stromzufuhr ebenfalls außerhalb der Wohnung zuverlässig unterbrechen.

Außerdem lässt sich der Energieverbrauch der einzelnen Haushaltsgeräte mühelos über die App einsehen. Somit können potenzielle Stromfresser sofort identifiziert und durch energieeffiziente Geräte ausgetauscht werden. Insgesamt schonen Wi-Fi-Steckdosen sowohl die Umwelt als auch das eigene Budget und sollten daher in keinem Haushalt mehr fehlen.

 

Solar-Ladegeräte ermöglichen eine mobile Stromversorgung

Während der warmen Jahreszeit zieht es viele Outdoor-Begeisterte hinaus in die freie Natur. Da vor allem das Smartphone bei längeren Wanderungen sowie auch beim Camping unverzichtbar ist, sollte eine mobile Stromversorgung sichergestellt werden. Ein Solar-Ladegerät bündelt das Sonnenlicht und wandelt es in Energie um. Das Smartphone lässt sich mühelos mithilfe eines USB-Kabels an das Solar-Ladegerät anschließen, sodass die Sonne als mobile Steckdose fungiert. Je größer der Solarkollektor des Ladegerätes ausfällt, desto höher ist die Energiezufuhr.

Wer das Solar-Ladegerät vorzugsweise beim Camping nutzen möchte, sollte ein spritzwassergeschütztes Modell wählen. Übrigens leisten Solar-Ladegeräte keinesfalls nur beim Campen sehr treue Dienste. Dieses nachhaltige Gadget ist für alle Personen ideal, die sich erneuerbare Energien auch im Alltag zunutze machen möchten. Hochwertige Solar-Ladegeräte werden bereits ab rund zwanzig Euro angeboten.

 

Smarte Technik zahlt sich nicht nur für die Umwelt aus

Energieeffiziente Gadgets kommen nicht nur dem eigenen Budget zugute, sondern spielen auch im Zuge der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Smarte Technik muss keinesfalls kostenintensiv ausfallen. Die Anschaffung lohnt sich einmal mehr. Außerdem werden intelligente Geräte für jeden Lebensbereich angeboten, sodass jeder Nutzer das passende Gadget finden sollte.


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Bundestag muss nachlegen bei GAP-Reform

 

Der Deutsche Bundestag beriet erstmalig über die Gesetze zur nationalen Umsetzung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP). WWF-Naturschutzvorstand und Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft Christoph Heinrich betont erneut die herausragende Bedeutung für eine zukunftsfähige und umweltgerechte Gestaltung der Agrarpolitik und sieht noch Handlungsbedarf.
 
„Zwar haben die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern längst nicht das bestmögliche Ergebnis erzielt. Aber die Richtung stimmt schon: der Ausstieg aus pauschalen Direktzahlungen ist eingeleitet. Zukünftig werden immer mehr Gelder an unmittelbare Leistungen geknüpft. Wir befinden uns auf einem erkennbaren Transformationspfad für eine zukunftsfähige, klima- und umweltgerechte Agrarpolitik. Den gilt es dann Schritt für Schritt fortzusetzen“, resümiert Christoph Heinrich.
 
Die Veränderungsbereitschaft zeige sich mittlerweile auch bei den politischen Akteur:innen. Erst kürzlich hatte die CDU mit der Vorstellung ihres Agrarprogramms den Ausstieg aus pauschalen Flächenprämien ab 2028 verkündet. Allerdings schränkt Christoph Heinrich ein: „Wenn wir wirklich ab 2028 alle pauschalen Zahlungen abgeschafft haben wollen, dann müssen wir jetzt deutlich ambitionierter sein. Das heißt konkret: der Bundestag muss jetzt noch einmal nachschärfen.“
 
Heinrich fordert, dass der Anteil der Eco-Schemes in der ersten Säule, also die Verwendung der Direktzahlungen für umweltbezogene Leistungen, deutlich erhöht wird – auf 30 Prozent zu Beginn der Förderperiode mit einem jährlichen Aufwuchs von fünf Prozent.
 
Außerdem sollten verpflichtend mindestens fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der natürlichen Entwicklung und so dem Artenschutz vorbehalten sein. Die aus der ersten in die zweite Säule umgeschichteten Mitteln will der WWF zudem ausschließlich für den Klima- und Naturschutz sowie für die Verbesserung des Tierwohls verwendet sehen.
 
„Die Abgeordneten haben es jetzt in der Hand, der GAP den nötigen Feinschliff zu verpassen. Denn mit ihrer Entscheidung schaffen sie die Grundlage für den Übergang der kommenden in die übernächste Förderperiode. Wenn wir die Landwirtinnen und Landwirte mitnehmen und nicht verlieren wollen, brauchen sie Planungssicherheit und einen möglichst kontinuierlichen Übergang. Deshalb ist es so wichtig, schon jetzt einen ambitionierten Transformationspfad aufzuzeigen, an dem sich die landwirtschaftlichen Betriebe langfristig orientieren können. Das dafür erforderliche Geld ist da – es muss nur richtig eingesetzt werden“, appelliert Heinrich.
 
Voraussichtlich in der zweiten Juniwoche soll die Befassung des Bundestages bereits ihren Abschluss finden. Auf EU-Ebene laufen derweil noch immer die Trilogverhandlungen zwischen dem Rat, dem EU-Parlament und der EU-Kommission. Ein Abschluss der Trilogverhandlungen und damit endgültige Festlegungen, in welchem Rahmen die künftige Gemeinsame Agrarpolitik ihre Ausgestaltung auf EU-Ebene findet, wird womöglich schon für die nächste Woche erwartet.

 

OV von WWF Deutschland




Geplanter Einsatz der EU-Gelder wird die Klimaziele in der Landwirtschaft verfehlen

 

Die Bundesregierung wird die Klimaschutzziele in der Landwirtschaft deutlich verpassen, wenn sie die sechs Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen wie derzeit geplant einsetzt. Laut einer neuen Kurzstudie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace, senken die geplanten Maßnahmen den CO2-Ausstoß in der Landwirtschaft um lediglich 2,5 Millionen Tonnen. Notwendig ist aber eine Reduktion um 11 Millionen Tonnen bis 2030. „Die Bundesregierung ist dabei, eine Reform der Agrarpolitik zu beschließen, die den Klimaschutz außen vor lässt”, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Lasse van Aken. „Ohne gezielte Fördermaßnahmen werden die Klimaschutzziele in der Landwirtschaft nur mit verschärftem Ordnungsrecht zu erreichen sein. Das aber wird kaum im Interesse der Landwirt:innen sein.“ 

UMSETZUNG DER GEMEINSAMEN AGRARPOLITIK MUSS NACHGEBESSERT WERDEN

Im Bundestag findet heute die erste Lesung der Gesetze zur nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) statt. Noch ist Zeit für Nachbesserungen, zeigt die Greenpeace-Studie. Mit effektiven Klima-Maßnahmen lassen sich die CO2-Emissionen pro Jahr um 12,5 Millionen Tonnen senken (https://bit.ly/2RvGuQE). Das Öko-Institut schlägt gezielte Maßnahmen vor, mit denen die Agrarförderung die Betriebe in Deutschland deutlich klimafreundlicher und zukunftsfähig machen kann. Als wichtigste Schritte müssten hierzu Ackerflächen auf Mooren in extensives Grünland umgewandelt werden. Die klimaschädliche Stickstoffdüngung müsste im Rahmen der Öko-Regelungen freiwillig reduziert werden. Zudem müssten Rinderbestände insbesondere auf Moorböden abgebaut werden. „Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner braucht keine neuen Steuergelder für den Klimaschutz zu fordern, sie muss lediglich die vorhandenen Gelder wirksam einsetzen,” so van Aken.

Der Landwirtschaftssektor war im vergangenen Jahr für den Ausstoß von rund 67 Millionen Tonnen CO2 in Form von Lachgas und Methan verantwortlich. Über zwei Drittel davon stammen aus der Tierhaltung. Zusätzlich werden große Mengen an CO2 bei der Trockenlegung und landwirtschaftlichen Nutzung von ehemaligen Mooren frei. Diese Emissionen müssen laut Klimaschutzgesetznovelle, die derzeit im Bundestag verhandelt wird, ebenfalls deutlich reduziert werden. „Am gezielten Abbau der Tierbestände und der extensiveren Nutzung von Moorböden führt kein Weg vorbei”, so van Aken.  „Die betroffenen Landwirt:innen müssen beim Umbau ihrer Betriebe mit den Fördermitteln unterstützt werden. Doch dafür fehlt es der rückwärtsgewandten Agrarpolitik an Mut.“

 




Nord Stream 2: Bundesamt nimmt Anordnung für Sofortvollzug zurück

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich im Streit um den sofortigen Weiterbau von Nord Stream 2 zunächst durchgesetzt: Nachdem die DUH vor das Verwaltungsgericht Hamburg gezogen ist, hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gestern Abend die Anordnung zum sofortigen Vollzug der 2. Änderungsgenehmigung für den Bau der Mega-Pipeline aufgehoben. Diese Änderungsgenehmigung hatte den Bau im Zeitraum von Oktober bis Mai erlaubt. Das BSH hatte den Sofortvollzug der Genehmigung erst an diesem Montag (17. Mai 2021) überraschend angeordnet. Nur vier Tage später zog die Bundesbehörde nun die Notbremse.

Trotz des Erfolgs der DUH versucht das BSH dennoch einen Weiterbau der Pipeline zu erzwingen. Die Behörde beruft sich dabei auf die ursprüngliche Genehmigung der Nord Stream 2 AG aus dem Jahr 2018, die einen Bau der Pipeline grundsätzlich in den Monaten Juni bis September erlaubt. Gebaut werden soll nach Aussage von Nord Stream 2, die in dem Gerichtsverfahren beigeladen war, lediglich ein 2 Kilometer langes Teilstück in deutschen Gewässern. Der größte Teil der Pipeline in deutschen Gewässern bleibt weiterhin unvollendet.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Es ist traurig und peinlich, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hier agiert. Hektisch wird etwas angeordnet, dann zurückgenommen, dann argumentiert, dass alte Genehmigungen jetzt schon wieder gelten. Und es wird deutlich: Alle Schritte geschehen immer zugunsten des Weiterbaus von Nord Stream 2. Eine Bundesbehörde, die eigentlich neutral prüfen und genehmigen soll, liefert beim größten und umstrittensten Gasprojekt des Kontinents übereilte und rechtlich nicht haltbare Schnellschüsse – stets im Sinne eines Gasunternehmens und gegen Klimaschutz und die Interessen der zukünftigen Generationen. Das ist nicht hinnehmbar. Und das werden wir weiter mit allen Mitteln bekämpfen.“

Im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Hamburg konnte das BSH nicht plausibel darstellen, warum ein Weiterbau der Pipeline in deutschen Gewässern zu diesem Zeitpunkt notwendig ist und dafür ein sofortiger Vollzug der strittigen Genehmigung angeordnet werden muss, während das Hauptsacheverfahren dazu noch aussteht. Auch eilig beigebrachte Unterlagen der Nord Stream 2 AG konnten die Zweifel an der Notwendigkeit des Sofortvollzugs nicht ausräumen.

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Um eine Niederlage vor Gericht abzuwenden, hat das Bundesamt für Seeschifffahrt schließlich die Anordnung des Sofortvollzugs aufgehoben. Diese Behörde produziert am laufenden Band Chaos. Das zeigt auch die neue Volte, dass mit der alten Genehmigung, die eigentlich einen Zeitraum ab Juni betrifft, nun Verlegearbeiten ab ‚Ende Mai‘ gerechtfertigt werden. Und dieses Ende des Mai wird dann auch noch auf das gesamte letzte Maidrittel ausgedehnt. Warum auch hier so irritierend gehandelt wird, wird klar, wenn man sich anschaut, dass die Nord Stream 2 AG offenbar bereits ab morgen mit ihrem Verlegeschiff in deutsche Gewässer möchte. Das zeigt, was wirklich hinter den Kulissen läuft: Wenn die Nord Stream 2 AG etwas beim BSH bestellt, bekommt sie es – egal ob die Begründung passt oder nicht. Auf der Strecke bleiben dabei Klima- und Naturschutz. Mit dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts ist ein solches Vorgehen schon gar nicht in Einklang zu bringen.“

Bei Gericht hat die Nord Stream 2 AG erklärt, dass lediglich zwei Kilometer eines einzelnen Strangs der Pipeline, die aus zwei parallelen Strängen besteht, in deutschen Gewässern abgelegt werden. Das Bauschiff Fortuna, das derzeit in dänischen Gewässern arbeitet und sich Richtung deutsche Seegrenze bewegt, wird voraussichtlich am Pfingstsamstag die Grenze der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone erreichen. Es fehlen dann weiterhin mindestens 14 Kilometer beider Stränge der Pipeline in deutschen Gewässern. Die Fortuna soll nach Ablegen der Pipeline dann die Arbeiten in dänischen Gewässern fortsetzen, wo ein weitaus längerer Abschnitt der Pipeline noch fehlt.

Die DUH wird das Hauptsacheverfahren gegen die 2. Änderungsgenehmigung weiter fortsetzen. Zudem prüft die DUH weitere rechtliche Schritte gegen die ursprüngliche Genehmigung, die ab Juni den Weiterbau ermöglicht und die jetzt schon vom BSH angewendet wird. Unklar ist etwa, ob die zahlreichen Nebenbestimmungen erfüllt sind. Insbesondere, weil nun völlig andere Verlegeschiffe mit anderer Technik eingesetzt werden als ursprünglich vorgesehen.

 

OV von DUH




Nachhaltigkeit im Sojahandel: Interessiert nicht die Bohne

 

Zwei Drittel der weltweiten Sojaexporte (69 Prozent) liegen in der Hand von nur 22 Sojahändlern. Keine dieser Firmen setzt sich entschieden für Natur und Menschenrechte in ihren Lieferketten ein. Das hat der WWF in einem ersten, global angelegten Soja-Check herausgefunden. Maja-Catrin Riecher, Sojaexpertin beim WWF-Deutschland kommentiert: „Es ist erschreckend: Obwohl allgemein bekannt ist, dass Sojaanbau für einen großen Teil der Zerstörung von Wäldern, Savannen und Feuchtgebieten verantwortlich ist, sind die meisten großen Sojahändler so gut wie untätig. Das zeigt: Das Prinzip der Freiwilligkeit ermöglicht ungezügelte Naturzerstörung.“ Neben mehr Engagement von Sojahändlern fordert der WWF ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten, das Wälder und andere Ökosysteme wie Savannen und Feuchtgebiete schützt und Verbindlichkeiten für Unternehmen schafft.

Der globale Handel mit Soja ist im höchsten Maße intransparent, so das Ergebnis der WWF-Umfrage. Von 22 angefragten Händlern beteiligten sich nur neun an der Umfrage, keiner der Händler machte Angaben zu seinem Gesamtvolumen an gehandeltem Soja oder dessen Herkunft. Zwar bekannten sich sieben der Befragten zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards, keine der Firmen verlangte allerdings von ihren Zulieferern, dass sie entsprechende Selbstverpflichtungen für ihre eigenen Betriebe eingehen. Die großen Sojahändler liefern auch nach Deutschland, wo das Soja zum großen Teil als Tierfutter verwendet wird. Riecher sagt: „Die Gleichgültigkeit der Sojahändler und fehlende Gesetze führen dazu, dass die Zerstörung einzigartiger Natur in Form von Fleisch- oder Milchprodukten in unseren Kühlschränken landet.“

Nirgendwo in der Sojalieferkette gebe es so wenige relevante Akteure, wie unter den Händlern, so der WWF. Das Handeln einiger weniger könne daher große Veränderungen auslösen. Die Umweltorganisation fordert die Sojahändler auf, sich ab sofort zu verpflichten, in ihrer gesamten Sojalieferkette die Zerstörung natürlicher Ökosysteme auszuschließen und die Einhaltung von Menschenrechten zu garantieren. Neben einem Stichjahr, nachdem keine neuen Ackerflächen für den Sojaanbau entstehen dürfen, brauche es zudem solide Überwachungs- und Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Soja.

Hintergrund: Futtermittelsoja statt Soja-Drink

Um den Bedarf an Soja in Deutschland zu stillen, braucht es 2,84 Millionen Hektar Anbaufläche. 96 Prozent davon geht in die Erzeugung tierischer Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eier. Sojaöl ist außerdem in Margarine, Schokolade, Eiscreme, Backwaren, Kosmetika und Seifen. Soja in Form von Tofu, Soja-Sprossen und veganen Milchalternativen erklärt nur einen verschwindend geringen Anteil unseres Soja-Konsums in Deutschland: Lediglich 0,11 Millionen Hektar, das heißt, nur vier Prozent von den 2,84 Millionen Hektar des für Lebensmittel in Deutschland benötigten Sojas fließen in die genannten Produkte (Quelle).

 

OV von WWF Deutschland




Komplettversagen aller Bundesländer bei der Kontrolle und Durchsetzung von Energieausweisen für Immobilien

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) stellt den Marktüberwachungsbehörden der Bundesländer ein vernichtendes Zeugnis aus. Eine neue Untersuchung der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation zeigt: Keine einzige Länderbehörde kommt ihrer Pflicht nach, Energieausweise für Gebäude bei der Vermarktung konkret zu kontrollieren und durchzusetzen. Die EU-Vorgaben dazu sind eindeutig: Vermieter, Verkäufer und Makler müssen bereits bei der Bewerbung von Immobilien Energieverbrauchsangaben und Effizienzklassen angeben und bei der Besichtigung unaufgefordert vorlegen. Für die Kontrolle sind die Marktüberwachungsbehörden der Länder zuständig. Bei der Abfrage durch die DUH räumten diese jedoch ein, den Auflagen im Jahr 2020 nicht nachgekommen zu sein. Als Begründung wird unter anderem angegeben, dass ihnen ein Betretungsrecht bei Wohnungsbesichtigungen fehle.

„Wir erleben in Deutschland ein Komplettversagen der Bundesländer bei der Kontrolle ausgerechnet der Klimaschutzvorschriften bei Wohn- und Kaufimmobilien. Das ist ein absurdes und inakzeptables Versagen der Behörden. Die durch Heizung und zunehmend auch Kühlung notwendige Energie stellt für den Privathaushalt den größten CO2-Faktor und damit auch Kostenblock dar. Doch statt durch verdeckte Kontrollen und empfindliche Bußgelder sicherzustellen, dass Immobilienmakler und Wohnungsbaugesellschaften korrekte Angaben über Effizienz und Energieverbrauch machen, schädigen sie Verbraucherinnen und Verbraucher, denen bei fehlenden oder falschen Angaben eine Heizkostenfalle droht“, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Die Pflicht zu Energieangaben und -ausweisen ist eingeführt worden, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren und zu schützen, damit sie hohe Heizkosten bereits bei Kauf oder Anmietung erkennen können. Gleichzeitig soll der Klimaschutz im Gebäudebereich damit vorangetrieben werden, da verbrauchsarme Gebäude erkannt werden können und an Attraktivität gewinnen.

Die DUH untersucht die Arbeit der Länderbehörden in diesem Bereich bereits seit acht Jahren. Das Ergebnis ist gleichbleibend katastrophal und nur mit der Bewertung „Totalausfall“ zu umschreiben. Das betrifft nicht nur die Kontrolle der Angaben an sich, sondern auch die Art der inhaltlichen Prüfung vorgelegter Energieausweise. Selbst deutliche Mängel wie falsche Umrechnungsfaktoren in den Energieausweisen bleiben in der Regel ohne Konsequenzen.

„Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf frühzeitige und wahrhaftige Information. Da die Behörden so gut wie nicht ihren Pflichten bei der Durchsetzung des Energieausweises als wichtiges Marktordnungsinstrument nachkommen, wird die DUH ihre stichprobenhaften Kontrollen zur Durchsetzung der korrekten Angaben über Energieverbrauch und Effizienz in der Werbung und der Vorlage korrekter Energieausweise beim Besichtigungstermin intensivieren. Zumindest so lange, bis die Bundesländer beginnen, diese wichtige Klimaschutzmaßnahme ernsthaft eigenständig zu übernehmen“, so Agnes Sauter, Leiterin Ökologische Marktüberwachung der DUH.

 

OV von DUH




Brasiliens (il)legale Waldzerstörung

 

Die Entwaldungen im brasilianischen Amazonas und Teilen des Cerrado zwischen 2000 und 20201 waren in 94 Prozent der Fälle illegal. Insgesamt geht es um 18 Millionen Hektar zerstörte Wälder, was mehr als der Hälfte der Fläche Deutschlands entspricht. Das geht aus einer aktuellen Studie der Nichtregierungsorganisationen ICV und IMAFLORA sowie der Universität Minas Gerais mit Unterstützung des WWF Brasilien hervor. „Die illegale Waldzerstörung in Brasilien schreitet seit geraumer Zeit massiv voran, häufig mit Billigung der Behörden. Nun sehen wir, dass fast die gesamte Entwaldung in der Region gegen brasilianisches Recht verstößt“, sagt Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland.  

Die Studie „Illegal Deforestation and Conversion in the Amazon and MATOPIBA: lack of transparency and access to information“ vergleicht offizielle Daten aus dem PRODES-System des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) zum Waldverlust im Amazonasgebiet und Teilen des Cerrado (genauer gesagt der als Matopiba bekannten Region) mit den Datenbanken der brasilianischen Bundesstaaten, die die legal umwandelbaren Flächen festhalten (Autorização de Supressão de Vegetação Nativa, ASV). Nur Waldflächen, die in diesen Datenbanken enthalten sind, dürfen nach brasilianischem Recht abgeholzt werden.  

Doch sowohl der Zugang zu den Datenbanken als auch deren Qualität lassen nach Aussage der Forscherinnen und Forscher zu Wünschen übrig. Je nach Bundesstaat seien die Daten nicht aktuell, unvollständig oder gar nicht verfügbar. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Staaten waren dabei erheblich: So waren in Amapá rund 70 Prozent der entwaldeten Flächen in den offiziellen Datenbanken nicht oder nicht vollständig vermerkt und somit nicht gesetzeskonform umgewandelt worden, während es in Amazonas, Pará und Bahia über 98 Prozent waren. In einigen Staaten waren die Datenbanken überhaupt nicht einsehbar. Insgesamt waren bei 94 Prozent der abgeholzten Flächen im Amazonas und der Matopiba-Region die anders als vom Gesetz geforderten öffentlich zugänglichen Daten nicht einsehbar oder unvollständig, weshalb diese Rodungen nach brasilianischem Recht als illegal angesehen werden müssen, so die Studie.  

Es sei dramatisch, wie mangelhaft die Bestimmungen zum Waldschutz durchgesetzt würden. Das gelte für die brasilianische Bundesregierung wie auch die Verwaltungen in den Bundesstaaten. Nach Ansicht des WWF ergeben sich hieraus auch Auswirkungen für die internationalen Handelsbeziehungen und Handelspolitik. „Die in Europa und den USA diskutierten Reformen für entwaldungsfreie Lieferketten müssen jede Form von Entwaldung und Umwandlung ausschließen, denn die Handelspartner Brasiliens haben keine Chance, legale von illegalen Produkten zu unterscheiden“, so Roberto Maldonado. „Rodungen, die legal erscheinen, sind in der Realität häufig gesetzeswidrig. Unternehmen, die sich hier auf die brasilianische Politik und Verwaltung verlassen, machen sich mitschuldig an der Waldzerstörung.“  

 

OV von WWF Deutschland




Regierungsfraktionen fördern klimaschädliche Kraftstoffe statt wirklicher Mobilitätswende

 

Gestern stimmte der Bundestag über die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie II (RED II) ab und entschied darüber, welche Kraftstoffe und Antriebstechnologien künftig im Verkehr zum Einsatz kommen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt, dass die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD in letzter Minute weitere Änderungen zugunsten der Kraftstofflobby vorgenommen haben. Das Ergebnis sind Scheinlösungen, die als Erfolg verkauft werden, in Wahrheit aber Klima und Natur schädigen, kritisiert der Umwelt- und Verbraucherschutzverband. So sollen Agrosprit, sogenannte „fortschrittliche“ biogene Kraftstoffe und E-Fuels gefördert werden, die allesamt schon an sich problematisch sind und zudem noch die Lebenszeit des Verbrennungsmotors insgesamt verlängern. Die DUH fordert stattdessen eine konsequente Wende hin zu effizienter Elektromobilität als mit Abstand klimafreundlichster Antriebstechnologie für den Straßenverkehr.

Unter anderem soll die Quote, wie viel Treibhausgas im Verkehr eingespart werden muss, schneller und höher ansteigen als bisher vorgesehen. Das sieht auf den ersten Blick nach mehr Klimaschutz aus. In Wirklichkeit aber werden dadurch vor allem Kraftstoffe gefördert, die dem Klima und der Natur schaden: Agrokraftstoffe etwa aus Soja, Raps oder Zuckerrohr werden so für mindestens zehn weitere Jahre im Markt zementiert. Die Belegung riesiger Agrarflächen für die Produktion solcher Kraftstoffe erhöht den weltweiten Flächendruck und befeuert Entwaldung und Artensterben. Einzig positiv hervorzuheben ist, dass die Regierungsfraktionen den Ausstieg aus der Nutzung von Palmöl im Tank von 2026 auf 2023 vorziehen.

Der frühere Ausstieg aus Palmöl im Tank ist ein großer Erfolg der Deutschen Umwelthilfe und anderer Umweltverbände, die lange und hart dafür gekämpft haben. Der positive Effekt wird jedoch untergraben. Die Agrokraftstofflobby hat erreicht, dass Palmöldiesel nun, anders als im ursprünglichen Entwurf vorgesehen, durch ebenso umweltschädliche Anbaukraftstoffe wie Soja und Raps ersetzt werden darf. Ein Übel durch ein anderes zu ersetzen, und das auch noch als lebensverlängernde Maßnahme für den Verbrennungsmotor, ist Gift im Kampf für Natur- und Klimaschutz. Wir brauchen ganz im Gegenteil dringend einen Ausstieg aus allen Agrokraftstoffen und dem Verbrennungsmotor generell“, so Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Ebenfalls problematisch sind sogenannte „fortschrittliche“ biogene Kraftstoffe, etwa aus Waldrestholz, Ernterückständen oder Altspeiseölen. Sie werden zur Erfüllung der neuen hohen Quote in deutlich größerem Umfang gebraucht, als sie nachhaltig verfügbar sind. Die in der Richtlinie verankerten Nachhaltigkeitsanforderungen sind weitgehend wirkungslos, wodurch der Anstieg umweltschädlicher Praktiken absehbar ist. Bei importierten Altspeiseölen besteht außerdem der dringende Verdacht, dass hier in großem Stil betrogen wird. Weil gute Standards zur Rückverfolgung fehlen, können Kriminelle billiges, frisches und klimaschädliches Öl illegal zu Altöl umdeklarieren. In Großbritannien und den Niederlanden laufen dazu derzeit gerichtliche Verfahren.

Sascha Müller-Kraenner: „Mit den massiven Anreizen für Kraftstoffe aus Reststoffen, die nur sehr eingeschränkt verfügbar sind, setzen die Regierungsfraktionen den Startschuss für die Plünderung unserer Wälder. Baumkronen, Zweige und Blätter aus unseren Wäldern im Tank zu verfeuern ist kein Klimaschutz. Waldrestholz muss zur Stärkung der Kohlenstoffbindung, Humusbildung und Biodiversität unbedingt im Wald verbleiben – sonst können unsere Wälder nicht, wie im Entwurf für das Klimaschutzgesetz vorgesehen, als Kohlenstoffsenken dienen.“

Schließlich sollen auch noch Wasserstoff und sogenannte E-Fuels doppelt auf die Treibhausgaseinsparung angerechnet werden können. Dies setzt mit Blick auf den Straßenverkehr einen gravierenden Fehlanreiz: Synthetische Kraftstoffe sind etwa sechsmal ineffizienter als die direkte Stromnutzung – ihr Einsatz im Straßenverkehr verschwendet wertvollen Ökostrom und gefährdet die Energiewende.

„Union und SPD verpassen mal wieder eine Chance, die Antriebswende zur Elektromobilität voranzubringen. Die Änderungen in letzter Minute zeigen beispielhaft, wie sich die Interessen der Industrie unter dieser Regierung am Ende durchsetzen. Vom Entwurf des Umweltministeriums ist fast nichts mehr übrig: weniger Förderung für Elektromobilität, stattdessen ein noch größerer Fokus auf gefährliche Scheinlösungen wie Agrosprit und E-Fuels. So soll dem bereits todgeweihten Verbrennungsmotor der Anschein der Klimafreundlichkeit verliehen werden. Die Öl- und Kraftstoffindustrie freut’s, Verlierer der verschleppten Antriebswende sind Klima, Natur sowie Verbraucherinnen und Verbraucher“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

 

OV von Deutsche Umwelthilfe e.V.




Deutsche Haushalte produzieren pro Stunde rund 50 Tonnen Elektroschrott

 

 

(ots) Jährlich 436.548 Tonnen Elektroschrott verursachen deutsche Haushalte, indem sie defekte Geräte nicht reparieren lassen, sondern entsorgen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der imug Beratungsgesellschaft im Auftrag des Spezialversicherers Wertgarantie.

Die Studie zeigt: Knapp die Hälfte aller untersuchten Geräte weisen innerhalb der ersten zehn Jahre einen Defekt auf, der zur Funktionsunfähigkeit führt. 78 Prozent der Befragten entscheiden sich in diesem Fall gegen eine Reparatur, auch wenn diese möglich wäre. Bei nicht vorgenommener Reparatur entsorgen anschließend 84 Prozent das funktionsunfähige Gerät – was zu großen Mengen an Elektroschrott führt.

Reparaturen sind ein wichtiger Faktor zur Einsparung von Elektroschrott

Weshalb entscheiden sich Verbraucher mehrheitlich gegen eine Reparatur defekter Geräte? Jeder Dritte bezeichnet zu hohe Reparaturkosten als ausschlaggebend, 43 Prozent nennen Neuanschaffungen als Grund gegen eine Reparatur.

In 84 Prozent der Fälle, in denen sich Verbraucher gegen eine Reparatur entscheiden, werden die defekten Geräte anschließend entsorgt – was dazu führt, dass in Deutschland pro Stunde rund 50 Tonnen Elektroschrott produziert werden. Eine Menge, die sogar das Leergewicht eines Mittelstreckenflugzeugs (etwa 42 Tonnen) übersteigt.

„Der stetig wachsende Berg von Elektroschrott ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt“, warnt Wertgarantie-Vorstand Konrad Lehmann. „Die Studienergebnisse belegen das große Umweltschutz-Potenzial, das in Geräte-Reparaturen steckt. Im Jahr 2020 wurden dadurch für alle Haushalte in Deutschland insgesamt bereits 217.160 Tonnen Elektroschrott vermieden.“

Versicherungen tragen zu nachhaltigerem Konsumentenverhalten bei

Eine zentrale Botschaft der Studie lautet: Je mehr Elektrogeräte repariert werden, desto mehr Elektroschrott kann vermieden werden. Dabei hätte bereits ein kleiner Anstieg der Reparaturhäufigkeit einen großen Einfluss auf die Elektroschrottmenge: Wenn sich die aktuelle Reparaturhäufigkeit (von durchschnittlich 22 %) um ein Viertel auf 27,5 % erhöhen würde, könnten allein in Deutschland schon mehr als 100.000 Tonnen Elektroschrott vermieden werden.

Lediglich zwei Prozent der Deutschen schließen aktuell eine Versicherung für ihre Elektrogeräte ab, die im Schadensfall für eine Reparatur aufkommt – dabei tragen Geräteversicherungen dazu bei, die Lebensdauer von Geräten zu verlängern und Ressourcen zu schonen. Wertgarantie konnte im Jahr 2020 eine Reparaturquote von 75 Prozent aufweisen – das heißt, in drei von vier Fällen konnte ein Schaden mit einer Reparatur des Gerätes reguliert werden.

Detaillierte und weiterführende Informationen, die gesamte Studie, Bildmaterial sowie Infografiken zum Thema finden Sie unter www.reparieren-statt-wegwerfen.de.

Die deutschlandweit repräsentative Studie „Reparieren statt Wegwerfen“ im Auftrag der Wertgarantie SE liefert Ergebnisse zum typischen Nutzerverhalten deutscher Haushalte von 38 Elektrogeräten. Die Umfrage unter insgesamt 5.400 Haushalten in Deutschland wurde von der imug Beratungsgesellschaft im Auftrag der Wertgarantie SE im Dezember 2020 durchgeführt.

 

OV von  Wertgarantie




Deutscher Wind- und Solarstrom für LichtBlick-Kund*innen


Direktlieferung (PPA) aus 23 Wind- und acht Solarparks / Ökostrom ohne Subventionen

Hamburg, 19. Mai 2021 – LichtBlick bezieht ab 2022 im großen Stil Wind- und Solarstrom aus Deutschland. Das Klimaschutz-Unternehmen deckt damit die steigende Ökostrom-Nachfrage bei Privatkund*innen und Firmen. Grundlage sind Direktlieferverträge (Power Purchase Agreement PPA) mit den Anlagenbetreibern. Pro Jahr erzeugen die 23 Wind- und acht Solarparks 262 Gigawattstunden Erneuerbare Energie. Damit können umgerechnet 113.000 Haushalte versorgt werden.

„Wir senden heute ein starkes Signal für unsere Kunden und den Klimaschutz aus: Wind- und Solarstrom aus Deutschland sind wettbewerbsfähig. Die vereinbarten PPAs haben ein großes Volumen. Wir zeigen damit, dass der freie Ökostrommarkt funktioniert“, freut sich Dr. Enno Wolf, Geschäftsführender Direktor bei LichtBlick.

 

Windstrom aus 23 Parks, deren Förderung ausläuft

Die wpd-Tochter wpd Strompool GmbH liefert jährlich 220 Gigawattstunden Strom aus 23 Onshore-Windparks. Die PPA-Vereinbarung sichert den Weiterbetrieb der Anlagen, deren EEG-Förderung nach 20 Jahren ausläuft. Der Vertrag gilt zunächst für die Jahre 2022 und 2023 mit einer zweijährigen Verlängerungsoption. „Wir erreichen mit diesem PPA unser Ziel, Altanlagen ohne politische Förderung wirtschaftlich zu betreiben. So kann die Energiewende gelingen“, erklärt Carsten Meyer, Geschäftsführer der wpd Strompool.

 

Solarstrom aus 8 neuen Parks

Wie schon im April bekannt gegeben, bezieht LichtBlick zudem rund 42 Gigawattstunden pro Jahr Strom aus acht Solarparks der Enerparc AG, deren Strom von der Enerparc-Tochter Sunnic Lighthouse GmbH vermarktet wird. Die Anlagen wurden in den Jahren 2019 bis 2021 mit EEG-Förderung in Betrieb genommen. Auf diese Förderung verzichtet Sunnic nun zunächst von 2022 bis 2024 zugunsten der Stromlieferung an LichtBlick. „Der maßgeschneiderte und in seiner Lieferstruktur wohl einmalige Vertrag zeigt, dass es in Deutschland möglich ist, Grünstrom zu marktwirtschaftlichen Konditionen zu liefern“, sagt Nils Kompe, Senior Originator der Sunnic.

Vertragspartner von wpd Strompool und Sunnic ist Eneco, der Mutterkonzern von LichtBlick. Eneco wickelt für LichtBlick den Energiehandel ab.

 

Über LichtBlick:

Vor über 20 Jahren fing LichtBlick an, sich als Pionier für erneuerbare Energien stark zu machen. Heute ist Ökostrom das neue Normal und LichtBlick Deutschlands führender Anbieter für Ökostrom und Öko-Wärme. Bundesweit leben und arbeiten über 1,7 Million Menschen mit der Energie von LichtBlick. Über 400 LichtBlickende entwickeln Produkte und Services für einen klimaneutralen Lebensstil. 2020 erreichte das Klimaschutz-Unternehmen einen Umsatz von 1,1 Milliarde Euro. LichtBlick gehört zum niederländischen Energiewende-Vorreiter Eneco. Eneco will bis 2022 saubere Energie für 2,5 Millionen Haushalte in eigenen Kraftwerken erzeugen. Info: www.lichtblick.de

 

LichtBlick SE





Der Biene droht der Untergang

 

Anlässlich des Internationalen Tages der Bienen am 20. Mai 2021 fordert WWF-Naturschutzvorstand und Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft Christoph Heinrich die Bundesregierung auf, den Insektenschutz stärker im Gesetz zu verankern.

„In dieser Woche entscheidet sich, ob die Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag es ernst meinen mit dem Insektenschutz. Denn jetzt haben CDU/CSU und SPD die Chance, mit der Zustimmung zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes einen wichtiges Versprechen einzulösen. Was im Koalitionsvertrag 2018 seinen Anfang nahm und 2019 mit Aktionsprogramm Insektenschutz innerhalb der Bundesregierung vereinbart wurde, muss jetzt umgesetzt werden“, so Christoph Heinrich. Stimmten die Regierungsfraktionen dem nun vorliegenden Gesetzesentwurf nicht zu, sei dies ein Trauerspiel. Noch immer scheint es keine Einigung dazu innerhalb der Union zu geben.

Neben der Anpassung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung, die derzeit noch vom Bundesrat behandelt wird, ist die Änderung des Bundesnaturschutzgesetz das Herzstück des Insektenschutzpakets der Bundesregierung. Weniger Lichtverschmutzung, ein Verbot insektenschädlicher Biozide in Schutzgebieten, die Stärkung kooperativer Ansätze und der Landschaftsplanung oder die Erweiterung der Liste besonders geschützter Biotope seien wichtige Maßnahmen, um den Insektenschutz in Deutschland rechtlich zu stärken, so der WWF.

„Bei den Insekten erleben wir seit Jahren einen dramatischen Rückgang. Freiwillige Maßnahmen zum Schutz der Insektenvielfalt sind zweifellos wichtig und sollten weiterhin gestärkt werden. Wir brauchen aber gleichzeitig wirksame Gesetze, die sich an der Realität orientieren. Um Wildbienen, Schmetterlingsarten und andere Insekten wirklich wirksam zu schützen, muss das Bundesnaturschutzgesetz angepasst werden. Das verschafft Rechts- und Planungssicherheit für Kommunen oder die Landwirtschaft“, stellt Heinrich fest.

„Es ist schon erstaunlich, mit welcher Euphorie vor drei Jahren alle Politikerinnen und Politiker sich dem Schutz der Biene, dem Schutz der Insekten verpflichtet sahen. Große Reden wurden geschwungen und Versprechen abgegeben. Diese Woche besteht die Chance, diese Versprechen einzulösen“ appelliert Christoph Heinrich.

Das Insektenschutzpaket könnte das letzte wichtige Vorhaben sein, welches die derzeitige Bundesregierung für den Schutz von Insekten noch umsetzt. Nach Einschätzung von Christoph Heinrich bedarf es jedoch darüber hinaus weitere wichtige Schritte, um den Insektenschutz zu stärken.

„Neben einer zeitgemäßen Anpassung der gesetzlichen Grundlagen braucht es noch mehr, um Insekten wirksam zu schützen. Der Einsatz insektenschädlicher Pestizide muss deutlich eingeschränkt werden. Wir müssen den Ökolandbau massiv ausbauen. Die Landwirtschaft muss noch besser zum Gewässerschutz und einer struktur- und artenreichen Agrarlandschaft beitragen. Die Politik muss dafür die Grundlage schaffen – durch eine gezielte finanzielle Unterstützung und ein gutes Beratungsangebot“, so Christoph Heinrich.

 

Hintergrund: Insektensterben in Deutschland

Auch hierzulande treibt die intensive Landwirtschaft den Rückgang der biologischen Vielfalt und damit der Insekten an. Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Durch den Einsatz von zu vielen Ackergiften, Stickstoff- und Phosphordünger schwindet die Nahrungsgrundlage vieler Tiere. Zugleich wird durch den Anbau immer größerer Felder wertvoller Lebensraum zerstört. Die Konsequenz: Seit 1998 haben wir in Deutschland 76 Prozent der Insektenbiomasse verloren. Auch bei 17 Schmetterlingsarten, die typischerweise im Grünland vorkommen, beobachten wir seit nunmehr 30 Jahren einen Rückgang um fast 50 Prozent.

 

OV von WWF Deutschland




Überraschender Weiterbau von Nord Stream 2: Deutsche Umwelthilfe ergreift weitere rechtliche Schritte

 

(ots) Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ergreift weitere rechtliche Schritte gegen einen überraschend genehmigten Weiterbau von Nord Stream 2. Das dem Bundesverkehrsministerium direkt unterstellte Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat heute den Sofortvollzug für den Weiterbau der Mega-Erdgaspipeline in deutschen Gewässern angeordnet. Mit der Anordnung wird die aufschiebende Wirkung der Klage der DUH gegen den Weiterbau zunächst aufgehoben. Der Umweltschutzverband kritisiert die überraschende Anordnung des BSH und kündigt weitere rechtliche Schritte an, um die aufschiebende Wirkung der eigenen Klage wiederherzustellen und die Bauarbeiten weiterhin zu stoppen.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Gegen jede klimapolitische Vernunft hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie den Weiterbau des größten fossilen Projekts Europas ermöglicht. Dieser Beschluss des Bundesamtes verstößt außerdem gegen Geist und Wortlaut des historischen Klimaschutzurteils des Bundesverfassungsgerichtes. Es ist völlig offensichtlich, dass Bau und Betrieb von Nord Stream 2 nicht mit den Klimazielen vereinbar sind. Eine Neubewertung des fossilen Mega-Projektes Nord Stream 2 im Lichte des Verfassungsgerichtsurteiles wurde nicht vorgenommen, ist aber dringend erforderlich. Wir werden nun beim Verwaltungsgericht Hamburg beantragen, dass die aufschiebende Wirkung unserer Klage wiederhergestellt wird. Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den Weiterbau dieses fossilen Mega-Projekts zu stoppen.“

Die DUH bemängelt darüber hinaus, dass das Vorgehen des BSH auch in diesem Verfahrensschritt wieder extrem intransparent ist.

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie scheint es für seine wichtigste Aufgabe zu halten, den Weg für Nord Stream 2 gegen alle Widrigkeiten frei zu machen. Das spiegelt sich auch in der Vorgehensweise wider: Obwohl wir mit unserer Klage gegen den Weiterbau der Pipeline direkte Verfahrensbeteiligte sind, hat uns das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie bisher nicht die vollständige Begründung für die Anordnung des Sofortvollzugs zur Kenntnis gegeben. Den eigentlichen Bescheid haben wir erst auf Nachfrage erhalten. Erstaunlich ist auch der zeitliche Ablauf: Erst am Freitag hat die Nord Stream 2 AG den Antrag auf Sofortvollzug vervollständigt – und gleich früh am heutigen Montag erfolgt die Anordnung durch das Bundesamt. Da die Genehmigung des Weiterbaus ganz offensichtlich rechtswidrig ist, werden wir vor Gericht ziehen, um einen weiteren Baustopp zu erwirken.“

Hintergrund:

Bereits im Juli 2020 hat die DUH beim OVG Greifswald Klage auf Überprüfung der Bau- und Betriebsgenehmigung von Nord Stream 2 eingereicht. Die Klage richtet sich gegen das Bergamt Stralsund. Daneben klagt die DUH vor dem Verwaltungsgericht Hamburg gegen das ebenfalls zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Gegenstand ist hier eine Genehmigung für den Weiterbau von Nord Stream 2 im Zeitraum von September bis Mai. Die Klage gegen das BSH hatte bis zur heutigen Anordnung des Sofortvollzugs eine aufschiebende Wirkung und hat den Weiterbau von Nord Stream 2 in deutschen Gewässern unmöglich gemacht. Beide Klagen sind anhängig.

 

OV von Deutschen Umwelthilfe e.V




Bundestagswahl ist Klimawahl

 

Die größten deutschen Umweltorganisationen und Kampagnenplattformen haben sich zusammengeschlossen, um die anstehende Bundestagswahl zur Klimawahl zu machen. Unter dem Titel “Klima-Pledge: Meine Stimme für die Zukunft” wollen 13 Organisationen, darunter Fridays For Future, Campact, NABU, WWF, BUND, Deutscher Naturschutzring, Germanwatch, GermanZero, Klima-Allianz, Naturfreunde, Umweltinstitut München, Together for Future und Avaaz, die Parteien zu überzeugender Klimapolitik verpflichten.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müssen laut dem Bündnis alle Parteien darlegen, wie sie mit ihren Wahlprogrammen das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten und dies in Regierungsverantwortung umsetzen wollen. Dabei zählten nicht nur verschärfte Langfrist-Ziele, sondern vor allem ganz konkrete Maßnahmen auf einem völlig neuen Ambitionsniveau.

Die gemeinsame Dachkampagne “Klima-Pledge” soll dabei helfen: Mit der Kampagne geben hunderttausende Bürgerinnen und Bürger das Versprechen ab, bei der Bundestagswahl die Partei zu unterstützen, die sich aus ihrer Sicht am überzeugendsten für Klimaschutz einsetzt. Sie machen damit die Wahl zur Klimawahl. Dafür sprechen sie im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Familie über die Bedeutung der Wahl für das Klima und fordern von Parteien und Bundestagskandidatinnen und -kandidaten echten Klimaschutz ein. Sofern es das Infektionsgeschehen zulässt, sind sie bei Massenprotesten auf der Straße dabei.

Christoph Bautz, Campact-Geschäftsführer und Initiator des Bündnisses: “Wir wollen das Kalkül der Parteien umdrehen: Nicht mit zu viel Klimaschutz verliert man Wahlen, sondern mit zu wenig. Daher machen wir die Wahl zur Klimawahl und lösen ein Wettrennen zwischen den Parteien aus, wer am konsequentesten Klimaschutz liefert. Keine Partei verfügt bisher über ein Wahlprogramm, das der Dimension der Klimakrise entspricht und das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhält. Höhere Klimaziele alleine reichen nicht – jetzt braucht es konkrete Maßnahmen.”

Viviane Raddatz, WWF-Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik:

“Die schnelle Reaktion der Bundesregierung auf das Verfassungsurteil zum Klimaschutzgesetz – das ist die Magie einer Bundestagswahl. Genau jetzt achten Politiker:innen ganz besonders auf unsere Wünsche als Wähler:innen, auf die Stimmung in der Gesellschaft. Dieses Momentum müssen wir nutzen. Mit dem Klima-Pledge können wir dafür sorgen, dass alle Parteien, die unsere Stimme wollen, auch mit einer Paris-konformen Klimaschutzstrategie antreten. So wird die neue Bundesregierung schon ab Tag eins in der Lage sein, mit der konkreten Umsetzung zu beginnen.“

Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident: “Natur- und Klimaschutz brauchen bessere politische Entscheidungen! Und zwar ganz unabhängig davon, wer gerade regiert. Bei dieser Wahl geht es um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Klima und Biodiversität. Nur eine intakte Natur mit gesunden Wäldern und Böden, sauberem Wasser, reiner Luft und großer Artenvielfalt sichert unsere Lebensgrundlagen. Jede heute nicht gut getroffene Entscheidung führt dazu, dass die Handlungsspielräume für künftige Generationen kleiner werden. Wer jetzt mit uns seine Stimme der Natur verspricht, sagt auch: Liebe Parteien, überzeugt mich bis zur Wahl, dass Ihr es ernst meint – nicht nur durch ambitionierte Ziele, sondern durch Handlungen.”

Weitere Informationen:
Hintergrund und Pledge-Konzept: Klima-Pledge – Meine Stimme für die Zukunft
Teilnahme und Übersicht: www.klima-pledge.org

Zum Bündnis gehören:
Der Klima-Pledge ist eine gemeinsame Aktion von Avaaz, BUND, Campact, Deutscher Naturschutzring, Fridays For Future, Germanwatch, GermanZero, Klima-Allianz Deutschland, NABU, NaturFreunde Deutschlands, Together For Future, Umweltinstitut München und dem WWF und ist auch auf Change.org verfügbar. Initiator ist die Bürgerbewegung Campact e.V.

 

OV von WWF Deutschland




Schlachthöfe verbreiten mit Abwasser Antibiotikaresistente Keime

 

Mit Abwässern aus Schlachthöfen gelangen antibiotikaresistente Keime direkt in die Umwelt. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Recherche, für die Abwasserproben aus sieben Schlachtbetrieben aus drei Bundesländern analysiert wurden (alle Ergebnisse: https://act.gp/3oaY6x4). Unter anderem wurden Betriebe von Tönnies, Westfleisch und Wiesenhof beprobt. 30 der insgesamt 33 untersuchten Proben enthielten antibiotikaresistente Keime. Außerdem wurden in elf Proben Resistenzen gegen das wichtige Reserve-Antibiotikum Colistin nachgewiesen. Colistin ist einer der letzten Wirkstoffe gegen bestimmte Infektionskrankheiten beim Menschen. „Auch Schlachthöfe verbreiten Resistenzen gegen überlebenswichtige Antibiotika und tragen damit dazu bei, dass Infektionskrankheiten immer schwerer zu behandeln sind“, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. „Wir alle sind von der ‚schleichenden Pandemie‘ der zunehmenden Unwirksamkeit von Antibiotika betroffen. Sie ist eine Folge der Massentierhaltung, die wir nur in den Griff bekommen, wenn deutlich weniger Tier besser gehalten werden. Anders lässt sich der Einsatz von Antibiotika in den Mastanlagen nicht weiter effektiv reduzieren.“

Die Abwasserproben wurden von Greenpeace-Rechercheuren im November und Dezember 2020 genommen und an der Universität Greifswald analysiert. Fast alle beprobten Schlachtbetriebe leiten ihr Abwasser direkt in die Umwelt ein und sind daher eindeutig als Verursacher der mikrobiellen Belastung des Wassers auszumachen.

SCHLACHTHOF-BETREIBER, POLITIK UND HANDEL IN DER PFLICHT

Mit den Ergebnissen der Abwasser-Analysen belegt Greenpeace, dass nicht nur mit der Gülle gefährliche Keime und Resistenzen großflächig in der Umwelt verbreitet werden. „Leider gehören Antibiotikaresistenzen genauso zur Massentierhaltung wie Tierleid, Verlust der Artenvielfalt und die Befeuerung der Klimakrise“, so Zimmermann. „Eine Konsequenz aus unseren aktuellen Ergebnissen muss die bestmögliche Klärung des Abwassers sein. Neben den Schlachthöfen ist auch die Politik in der Pflicht entsprechende Vorgaben zu machen. Und die Supermärkte müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und mit fairen Preisen eine bessere Tierhaltung ermöglichen. Billigfleisch zu Ramschpreisen darf es nicht länger geben.“ Greenpeace fordert daher auch ein Verbot der Werbung für Fleisch.

 

OV von Greenpeace e.V.




(Rücken)Wind für Klimaziele

 

Der WWF begrüßt die höheren und verbindlichen Ziele im Klimaschutzgesetz. Diese hatte das Kabinett am Mittwoch beschlossen. Allerdings reichen sie noch nicht aus, damit Deutschland einen fairen Beitrag zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad leistet. Zudem müssen die angekündigten Maßnahmen nun schnell präzisiert und auf den Weg gebracht werden. “Das Klimaschutzgesetz ist das Rückgrat deutscher Klimapolitik, mit dem die nötigen Maßnahmen Verbindlichkeit bekommen. Es hält den Klimaschutz aufrecht, aber nur die Maßnahmen bringen die Bewegung”, sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Sie bemängelt am heutigen Beschluss, dass gegenüber dem zuvor bekannt gewordenen Entwurf die Sektorziele und die jährlichen Minderungsziele nach 2030 nun in abgeschwächter Form verabschiedet wurden. Besonders beim Verkehrssektor, der ohnehin zu wenig beiträgt, ist das bedenklich. Das vorgesehene separate Ziel für natürliche Senken ist im Grundsatz richtig, eine Anrechnung zwischen den Sektoren darf jedoch nicht stattfinden. Positiv bewertet der WWF die Stärkung des Expertenrats.

Die Ankündigung von Maßnahmen über ein Sofortprogramm bleibt dagegen noch sehr vage. Das betrifft insbesondere den Ausbau der Erneuerbaren. “Die Koalition veranstaltet seit Monaten einen Eiertanz um den Erneuerbaren-Ausbau. Ohne deutlich mehr Energie aus Wind und Sonne hat Deutschland keine Chance, die neuen Klimaziele zu erreichen“, so Raddatz. Der Erneuerbaren-Ausbau ist zuletzt stark zusammengebrochen, 2020 wurden nur 6,3 Gigawatt zugebaut, nötig wären mindestens 15-20 GW pro Jahr. „Kein Sektor schafft es ohne Erneuerbare über die Ziellinie“, fasst Raddatz zusammen.

 

OV von WWF Deutschland




Bauplan Kreislaufwirtschaft

 

Die Circular Economy Initiative Deutschland (CEID) hat am Dienstag ihren finalen Abschlussbericht veröffentlicht. An der „Circular Economy Roadmap für Deutschland“ haben sich rund 130 Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft beteiligt, um einen Weg zu einem gemeinsamen Zielbild für eine Kreislaufwirtschaft im Jahr 2030 zu entwerfen. Auch der WWF Deutschland war intensiv an Ausarbeitung der Handlungsempfehlungen beteiligt. 

Rebecca Tauer, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland, kommentiert:
„Auf die Empfehlungen der Initiative müssen jetzt Taten folgen. Die Roadmap für eine umfassende Kreislaufwirtschaft muss im nächsten Koalitionsvertrag der Bundesregierung stehen. Grundlegend und wichtig sind dafür: Klima- und Ressourcenschutz zusammen zu denken und eine umfassende systemische Transformation der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Wir brauchen eine Kreislaufwirtschaft, um unsere Klimaziele zu erreichen und innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften. Deutschland braucht eine übergeordnete Strategie für Kreislaufwirtschaft.“
 
Weiter sagt Rebecca Tauer: „Nur ein ganzheitliches gesetzliches Rahmenwerk kann den bestehenden Flickenteppich aus Gesetzen und Absichten zusammenführen – zu einem kohärenten Ansatz für den Klima- und Ressourcenschutz. Eine punktuelle Veränderung in verschiedenen politischen Feldern oder individuelle, profitorientierte Kreislauf-Innovation reichen nicht aus.“ 

Der WWF sieht als wichtige nächste Schritte, dass steuerliche Anreize geschaffen und ordnungsrechtliche Instrumente überarbeitet werden, zum Beispiel die Verlängerung von Garantiezeiten und besseren Reparaturbedingungen. Dazu gehört auch eine proaktive Rolle der Bundesregierung auch auf EU-Ebene, aber auch die eigene öffentliche Beschaffung konsequent zirkulär auszurichten.

„Das erarbeitete Zielbild der Initiative ist eine ausgezeichnete Grundlage, um klare Ziele für den Ressourcen- und Klimaschutz durch Circular Economy zu formulieren, wie etwa ein absolutes Ressourcenreduktionsziel auf nationaler Ebene oder Sekundärrohstoffeinsatzquoten im Bausektor“, sagt Rebecca Tauer. Die Arbeitsgruppe Geschäftsmodelle zeigt klare Wege für Unternehmen auf, gemeinschaftlich in zirkulären Wertschöpfungsnetzwerken zu arbeiten, die dabei erarbeiteten Muster bieten eine gute Orientierung im nötigen Umbau der Unternehmen. „Die Industrie ist gefragt, weiter neu zu denken, Innovationsräume zu schaffen und neue Allianzen einzugehen. Hier ist vor allem im Bereich Digitalisierung viel Potenzial, Transparenz für Käufer:innen und Nutzer:innen zu schaffen und so einen Systemwandel zu unterstützen.“

 

OC von WWF Deutschland

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