Bundeswehr lässt afghanische Mitarbeiter im Stich

Mit ISAF hat die Bundeswehr erstmals einen internationalen Kampfeinsatz mitgemacht. Dazu brauchte sie Mitarbeiter vor Ort. Nun rückt man nach zwanzig Jahren erfolglos ab und überlässt diese afghanischen Mitarbeiter ihrem Schicksal. Und das nicht zum ersten Mal…

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Mit ISAF hat die Bundeswehr erstmals einen internationalen Kampfeinsatz mitgemacht. Dazu brauchte sie Mitarbeiter vor Ort. Nun rückt man nach zwanzig Jahren erfolglos ab und überlässt diese afghanischen Mitarbeiter ihrem Schicksal. Und das nicht zum ersten Mal…

2009/10 war ich selbst als Reservist in AFG. Als Militärberater in Feyzabad. Es ging um den Aufbau eines gemischten Stabes zur Koordination aller Sicherheitsbelange in der Provinz. Im Stab selbst waren 40 afghanische Offiziere von Armee, Polizei, Geheimdienst und Grenzpolizei. Diese sprachen durchweg zwar mehrere Sprachen, nur nicht Deutsch. Oder Englisch. Daher waren Dolmetscher nicht nur nötig, sondern unerlässlich.

Im PRT (dem Feldlager) selbst, gab es mehrere Dutzend einheimische Beschäftigte. Übersetzer, Putzkräfte, Hilfsarbeiter und Bauarbeiter, die für den damals niedrigst möglichen Lohn für uns arbeiteten.
In MeS, dem Hauptquartier aller ISAF-Truppen in Nordafghanistan, stellten sie sogar die Wachmannschaften.
Anfangs begleiteten Dolmetscher sogar unsere Kräfte in deutschen Uniformen, was dann abgestellt wurde.
Sie waren also immer und überall gut für die sichtbar, die wir als internationale Gemeinschaft zu bekämpfen hatten. Die mörderischen Taliban, die uns wie auch die Bevölkerung im Fadenkreuz hatten. Die mit Terror, Gewalt und Gräueltaten versuchten den Erfolg der Mission zur Befriedung von AFG zu vereiteln. Wir hatten keinen Erfolg. Sie schon.
Und ein weiterer Erfolg war, dass sie auch noch als Taliban in Deutschland Asyl bekommen, eben weil die bisherige Regierung in AFG auf solche Taten die Todesstrafe ausspricht. Zumindest dort weiß man, dass auf das Jenseits fixierte Mörder auch besser im Jenseits weiterleben sollten.

Doch während wir hier diese mörderischen Terroristen mit Teddybären und lebenslanger Alimentation begrüßten, hat die Bundeswehr bei ihrem Abzug aus Nordafghanistan ihre langjährigen und treuen Mitarbeiter samt Familien den schon freudig lächelnden Taliban ausgeliefert. Sie im Stich gelassen.
Damals schrieb ich an Guido Westerwelle im Außenministerium, da wir bekannt waren. Ich zeigte ihm detailliert auf, was die Taliban mit unseren Leuten und deren Familien machen würden. Wir hatten einen regen Austausch, nur war er damals schon gesundheitlich stark angeschlagen und die FDP im freien Fall. Es fehlte das nötige politische Gewicht. Besonders auch, weil von der Leyen die Hardthöhe „besetzte“ und ihren Schwerpunkt in … anderen Dingen sah.

Damals kam es dann auch zum Bruch mit dem, was mir mal wichtig war. Nicht mit dieser Armee an sich, wohl aber mit der Sicherheitspolitik und ihren goldbetressten Eierköpfen von Handlangern karrieregeiler Art und Haltung. Ich schickte meine zerrissene Ernennungsurkunde samt Rangabzeichen 2019 an das Personalamt zurück und beendete meinen Wehrdienst.

Und die Bundeswehr hat nun bis dato nichts gelernt. Jetzt, im Vorfeld des endgültigen Abzuges der letzten Reste vom Ausbildungskommando, wollen wir wieder unsere Mitarbeiter im Stich lassen.

Als damaliger Militärberater mit Gesprächen bis hoch auf die Ebene von Landespolizeichef, Leiter Geheimdienst und dem Gouverneur

Abb.: Sohn des Kochs in Feyzabad, der die ISAF-Jacke, die wir ihm schenkten mit Stolz trug.

war ich auf gute und umfängliche Übersetzung angewiesen. Nicht nur inhaltlich, sondern vor allen auch auf die landestypischen Feinheiten afghanischer Gesprächsführung. Ein Ja oder Nein war oft kein Ja oder Nein. Noch nicht einmal die Bestätigung, dass man gewillt war überhaupt darüber nachzudenken. Da waren dann treue und uns loyale Dolmetscher ihr Gewicht in Gold wert, wie Martin Schulz einmal sagte. Denn sie verhinderten fatale Fehleinschätzungen der Gespräche.

„Oberstleutnant, der sagt, dass er zustimmt, aber ich glaube er lügt. Er hat eine traditionelle Redewendung verwendet, die Ablehnung bedeutet.“
„Er will nichts sagen. Er hat Angst.“
„Das geht doch nicht! – Der Übersetzer des PRT-Kommandeurs übersetzt nicht richtig!“
„Der Mann da mit dem indischen Halstuch, der als Berater hier sitzt, den kenne ich aus der Moschee. Der hasst ISAF.“
„Heute ist ein besonderer Feiertag. Da begrüßt man sich anders. Sie müssen jetzt das-und-das sagen. Es ist höflicher.“

Wie oft haben mich meine Dolmetscher vor Fettnäpfchen bewahrt, die ich unwissend mit Anlauf genommen hätte. Ohne diese Leute wäre meine Aufgabe nicht möglich gewesen. Und hätten wir auf ihre Übersetzungen und Ratschläge gehört, vollumfänglich, dann wäre die Mission auch nicht gescheitert und die Taliban wären nicht wieder an der Macht.

Und eben diese Taliban wissen sehr genau, wer für uns als was gearbeitet und WIE treu er seinen Dienst geleistet hat. Wie loyal er war. Und sie haben jetzt nicht nur ihn im Visir, sondern – landestypisch und traditionell!! – auch seine Familie. Ein Umstand zur Kriegsführung, den wir als Europäer nie verstanden haben. Darum scheiterten wir auch. Während wir uns mit westlicher Moral und Ethik beschäftigten führten diese Menschen den Krieg, den sie seit Jahrtausenden führten. Der weit über dem liegt, was wir mal als „totalen Krieg“ bezeichneten. Er richtete sich ganz spezifisch nicht nur gegen Zivilisten, sondern sollte durch Grausamkeit an Familien von Gegnern, auch abschrecken. Das hat geklappt. Wir sperrten Taliban nur in Gefängnissen ein und züchteten sie en masse. Sie töteten die Kinder unserer Mitarbeiter.
Daher war auch eine gewisse Fluktuation zu beobachten. Gerade in den Gebieten, wo die Taliban stark waren. In Südafghanistan war die Arbeit für ISAF gleichbedeutend mit dem baldigen Tod. Daher desertierten auch so viele Soldaten und Polizisten in AFG…

Die Fürsorgepflicht des Dienstherren für seine Soldaten ist die Gegenleistung für die Treue und die Loyalität des Soldaten. Er muss sich jederzeit auf den Staat, seine Organe und die politische sowie militärische Führung verlassen können. Dass sie IHN beschützt und in extremis auch versorgt. Oder seine Angehörigen. Und das nicht nur vielleicht, sondern mit absoluter Sicherheit und ohne Kommentar.

Wer glaubt, dass Polizei und Soldaten dämlich genug sind ihren Dienst allein für Geld und innerer Überzeugung zu leisten, der sollte sich ganz schnell in medizinische Behandlung begeben. Was ist ein weggeschossenes Bein wert? Oder das eigene Leben? Kann man das bezahlen? In die Bezüge mit reinrechnen? Soldaten bekommen in AFG ca. 100 Euro am Tag steuerfrei als Gefahrenzulagen. Dafür fallen alle anderen Zeit- und Aufwandszulagen weg… Toll oder?

Unsere Hilfskräfte bekamen monatlich zwischen 350 und 900 US-Dollars, was für AFG Spitzenlöhne waren und sind. Und das sicher, pünktlich und vollständig ausgezahlt. Ohne Korruptionsabschläge. Und geködert wurden sie 2002 mit der Zusage deutsche Staatsbürger werden zu können, wenn sie zehn Jahre für uns arbeiten würden. Meine zwei Dolmetscher verließen sich darauf, zählten die Tage und lernten Deutsch!
Ein nicht unerheblicher Grund dafür uns gegenüber loyal und treu zu sein. Und das warfen wir 2011 und nun schon wieder weg.

Als Soldat und auch Polizist fragt man sich, wann der Staat seine Fürsorge auch uns gegenüber ad acta legt. Von jetzt auf gleich. Wenn es die Lage erfordert. Läuft das wie Stalingrad? 330.000 gingen hin, 90.000 kapitulieren und 6.000 kamen nach Hause. Und alles zuckt die Schultern? Kein Denkmal erinnert daran und wenn, ist es von denen besudelt, die zu schützen man einst geschworen hatte.

Wir Soldaten und Polizisten  haben erlebt wie man Fürsorge unseren Verwundeten und Toten gegenüber wahrgenommen hat. Sehr genau sogar. Und weil das so gut lief, haben wir neue Verbände gegründet, um unsere Rechte besser einzufordern. Dem Staat und auch der Gesellschaft gegenüber. Daher ist auch der Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V.. sofort tätig geworden, als die Politik wieder meinte unsere Kameraden im Regen stehen zu lassen. Und ja, Veteranen sehen die sog. „afghanischen Mitarbeiter“ als ihre Kameraden an. Eigentlich tut das jeder Soldat. Und dieser Aufruf des Vereins beweist es recht anschaulich (HIER).

Die Bundeswehr sieht jeden als Veteranen an, der jemals durch ein Kasernentor gestolpert ist. Als kleinsten gemeinsamen politischen Nenner. Die Veteranen der Einsätze sehen das ein wenig anders… gelinde gesagt. Und wir wissen sehr genau wer mit uns EPA Typ I-VI in Dreck und Hitze/Schneesturm gefuttert hat. Mit wem wir Seite an Seite standen als es hoch herging und wer da war, als man ihn brauchte.
Daher auch der Verein der Veteranen, der sich um die kümmert, die sich mit der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse schwer tun. Erkrankt sind. Denn auch das hat die Bundeswehr – irgendwie und medial unkommentiert – versäumt. Wieder einmal. Oder auch.

Inzwischen wurden hier über 200.000 Afghanen als Asylanten begrüßt. Über ein Prozent der afghanischen Gesamtbevölkerung. Tausende davon Taliban, die dies sogar als Asylgrund(!) ausdrücklich angegeben haben.

Und nun sollen wir unsere Leute samt Familie im Stich lassen? Die, die sich um Deutschland auch schon dort verdient gemacht haben, wo die inzwischen anerkannten Asylanten ihre Familien meuchelten? Mit Macheten in Stücke hackten? Sie lebendig verbrannten? Öffentlich und unter Lobpreisung von Allah?
So wie es jetzt zu sehen ist, während man vor Synagogen im Takt der Hasstriaden auf- und abhüpft?

Und ja, das gehört alles zusammen. So sehen Veteranen das. Soldaten wie Polizisten. Und wir stellen uns die Frage, wann ihr uns für was auch immer AUCH verraten werdet, liebe Verantwortliche. Und von eurer Antwort hängt dann das ab, was ihr Treue und Loyalität nennt. – SIC!


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