Betrunken auf dem E-Scooter: „Studie bestätigt unterschätzte Gefahr“

image_pdfimage_print

Unis in Düsseldorf und München untersuchten Fahrsicherheit nach Alkoholkonsum

Düsseldorf/Hamburg (nr). Wer alkoholisiert mit 1,1 Promille oder mehr auf dem E-Scooter unterwegs ist, begeht wie Kraftfahrer eine Straftat. Ob dieser Grenzwert tatsächlich ausreicht, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und das tatsächliche Unfallrisiko zu reduzieren, haben Experten für Rechtsmedizin aus Düsseldorf und München im Rahmen einer Fahrsicherheitsstudie untersucht.

Diese vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) gesponserte Untersuchung lässt daran zweifeln.

Basierend auf einer von den Rechtsmedizinern Prof. Benno Hartung (München) und Prof. Thomas Daldrup (Düsseldorf) vor einigen Jahren durchgeführten Studie zum Fahrradfahren unter Alkoholeinfluss, führte die Arbeitsgruppe eine vergleichbare Realfahrt-Fahrsicherheitsstudie mit E-Scootern durch. Der aktuelle Parcours – so Hartung – bestand unter anderem aus einer längeren, geraden, sich am Ende stark verjüngenden Spur sowie aus Toren und Gassen, die zu durchfahren waren.

Die Versuche wurden an verschiedenen Tagen mit jeweils anderen Teilnehmer/innen durchgeführt, und zwar bei Regen und Sonnenschein, um auch den Einfluss des Wetters zu berücksichtigen. Um die Fahrresultate unter Alkoholeinfluss einordnen zu können, wurden zeitgleich die Ergebnisse mit einer nüchtern fahrenden Kontrollgruppe verglichen.

„Überrascht hat uns die deutliche Verschlechterung der Fahrleistung auf etwa die Hälfte ab einer Alkoholisierung um 0,3 Promille“, sagt Thomas Daldrup. Insbesondere bei der Kreisfahrt hätten sich schon bei einer relativ geringen Alkoholisierung signifikante Einbußen der Fahrsicherheit gezeigt. Ab 0,8 Promille habe die Fahrleistung und -sicherheit signifikant weiter abgenommen, zunächst bei den Torfahrten und schließlich, und zwar ab etwa 1,0 Promille Blutalkohol, bei dem Streckenabschnitt mit seiner sich verjüngenden Fahrspur. „Angesichts dieser Ergebnisse“, so Daldrup, „sollten für E-Scooter-Fahrende in puncto Alkoholkonsum dieselben Maßstäbe gelten wie für Fahranfänger und Fahranfängerinnen“. Auch wenn sich niemand bei den Fahrten verletzt habe, ließe das Studienergebnis nur eine Interpretation zu: „E-Scooter sollten nicht unter Alkoholeinfluss gefahren werden“, betonen Daldrup und Hartung gemeinsam.

Für den BADS sieht der Vizepräsident Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban die eindringlichen Warnungen vor den Gefahren des Alkoholkonsums auf E-Scootern wissenschaftlich untermauert. „Neben unserer Präventionsarbeit ist nach diesen Ergebnissen der Gesetzgeber gefordert“.


Der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr wurde 1950 gegründet. Nach der Satzung des gemeinnützigen Vereins gehören zu seinen Aufgaben unter anderem die Aufklärung über die Gefährlichkeit von Alkohol und Drogen und die Förderung der Forschung auf diesem Gebiet. Der Schwerpunkt seiner Erziehungs- und Aufklärungsarbeit wird von 21 Landessektionen getragen. Internationale Akzeptanz findet unsere renommierte wissenschaftliche Publikation BLUTALKOHOL. Jährlich verleihen wir an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für ihr Engagement um mehr Sicherheit auf unseren Straßen die Senator-Lothar-Danner-Medaille in Gold. Der B.A.D.S. finanziert seine Arbeit hauptsächlich aus den von Staatsanwaltschaften und Gerichten zufließenden Geldbußen, aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.


Posts Grid

Bitte überall Teilen! Öffentlichkeitsfahndung in einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern

…sowie der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornographie im Darknet. Das Bundeskriminalamt fahndet im Auftrag der…

Europäischer Zoo-Dachverband diskutiert, „überzählige“ Gorillas zu töten – Statement von PETA

Stuttgart, 29. November 2021 – „Todesstrafe“ für männliche Gorillas? Wie aus einem Zeitungsartikel des englischen…

Unfall auf Parkplatz von Einkaufszentrum in Vellmar: Unbekannter Fahrer lässt Seniorin stehen; Ermittler suchen Zeugen

(ots) Vellmar (Landkreis Kassel): Am Donnerstagnachmittag ereignete sich auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Vellmar…

MT-Fanbeauftragter: Ein Ansprechpartner für die Fans

Was bei den Proficlubs im Fußball schon seit Jahren als eigenes Ressort im hauptamtlichen Management…

Entspannung geht nicht von allein

  Handflächen reiben und die Ballen locker auf die Augen legen – und entspannen. Wer…

Sie sorgen für mehr Sicherheit in Bus und Bahn

Elf neue Fahrbegleiter an der Marie-Durand-Schule in Bad Karlshafen – Vizelandrätin Silke Engler überreicht Zertifikate…

Mit Atomkraft nutzlos

  Die EU-Taxonomie steht kurz davor zu einem Instrument für Greenwashing zu werden. Wenn die…

Ransomware bedroht vernetzte Gesellschaft

Bonn/Paris, 25.November 2021. Ransomware ist aktuell eine der größten Bedrohungen für eine stark digitalisierte Gesellschaft…

Gigant als Nachbar

  Ein Grundstückseigentümer war nicht damit einverstanden, dass in unmittelbarer Nähe seines Anwesens eine Mobilfunkanlage…

Die für Casinos benötigten Innovationen

Online-Casinos haben die Existenz traditioneller Casinos mittlerweile fast vollständig ersetzt. Ihre Benutzerfreundlichkeit, große Reichweite, attraktive…

Steuertipp: Bahncard von der Steuer absetzen

  Selbst gekauft oder vom Arbeitgeber finanziert, geldwerter Vorteil oder nicht: Ob Beschäftigte die Ausgaben…

documenta fifteen stellt neue Gesprächsreihe lumbung konteks vor

Das öffentlichen Programm der documenta fifteen, genannt Meydan, wird nach lumbung calling mit der neuen…

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung

%d Bloggern gefällt das: