„Besondere Fähigkeiten mit großem Wert für die Polizei“


Nach erfolgreichem Pilotprojekt hessenweiter Einsatz von Super-Recognisern

 

Wiesbaden/Frankfurt. Innerhalb der hessischen Polizei gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die ein besonderes Talent dafür haben, sich Gesichter einzuprägen. Diese Fähigkeit sogenannter Super-Recogniser ist in vielen Fällen polizeilicher Arbeit von Nutzen, wie bei täglichen Ermittlungen, in der Fahndung oder auch bei Veranstaltungen und Versammlungslagen. Im Rahmen eines Pilotprojekts im Polizeipräsidium Frankfurt am Main wird der Einsatz von Bediensteten mit den besonderen Fähigkeiten seit November 2020 für die hessische Polizei erprobt. Innenminister Peter Beuth besuchte jetzt die Dienststelle, um sich über den Einsatz von Super-Recognisern bei der täglichen Polizeiarbeit zu informieren. Zukünftig kommen Super-Recogniser nicht nur beim Polizeipräsidium Frankfurt zum Einsatz, sie sollen fester Bestandteil bei allen Polizeipräsidien werden.

 

„Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Super-Recognisern stellen sowohl für die tägliche Polizeiarbeit als auch in besonderen Einsatzlagen einen deutlichen Mehrwert für die Polizei dar. Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass Super-Recogniser in der Lage sind, Gesichter oder Personen in einem direkten Abgleich zu erkennen. Selbst wenn nur Fragmente des Gesichts als Bildmaterial vorliegen, oder die Personen ihr Aussehen verändert haben, können sie identifiziert werden. Diese Begabung ist herausragend und von besonderer Bedeutung für die polizeiliche Arbeit, insbesondere die Kriminalitätsbekämpfung. Das bestätigen auch die im Pilotprojekt erzielten Erfolge. So konnten Super-Recogniser im Polizeipräsidium Frankfurt seit Mai 2021 in über 400 Fällen Personen wiedererkennen. Aufgrund der positiven Erfahrungen wollen wir den Einsatz von Super-Recognisern weiter ausbauen. Geplant ist, Super-Recogniser künftig bei der Polizei in ganz Hessen zu etablieren. Bereits am 19. Januar 2022 gab es dazu eine Auftaktveranstaltung mit den hessischen Polizeipräsidien. Die ersten Testverfahren der Präsidien folgen dann im Herbst 2022. Die Kolleginnen und Kollegen können so hervorragend die technischen Fahndungsmöglichkeiten ergänzen“, so Innenminister Peter Beuth.

 

Die Arbeit der Super-Recogniser

Gesichter wiederzuerkennen ist ein wichtiger Bestandteil polizeilicher Arbeit. Super-Recogniser sind Menschen, die überdurchschnittlich gute Fähigkeiten besitzen, Gesichter selbst nach vielen Jahren wiederzuerkennen. Auch wenn sich die Person äußerlich stark verändert hat, sei es durch Alterung oder vollkommene Typveränderung, stellt dies kein Problem für einen Super-Recogniser dar. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, in der Fahndung nach Personen, bei Ermittlungen oder auch bei Veranstaltungen und Demonstrationen.

 

Tests zeigen Fähigkeiten

Super-Recogniser sind selten. Um Menschen mit diesen besonderen Fähigkeiten aus vielen Tausenden zu identifizieren, hat die Universität Greenwich in England ein mehrstufiges Testverfahren entwickelt, welches einen ersten Aufschluss über diese Fähigkeiten gibt.  Gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main wurden im August 2020 in enger Zusammenarbeit und unter der Leitung von Prof. Dr. Davis der Greenwich Universität in einem mehrwöchigen Testverfahren Bedienstete des Polizeipräsidium Frankfurt getestet. Im Rahmen einer zweijährigen Kooperation konnten bereits unter den rund 1.000 Teilnehmenden der Frankfurter Polizei letztlich 45 Personen identifiziert werden, die eine besondere Gesichter-Merkfähigkeit aufweisen. Von diesen sind aktuell zwei hauptamtlich als Super-Recogniser im Einsatz. Bei Bedarf werden sie von ihren Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls diese Fähigkeiten besitzen, im Nebenamt unterstützt. Jüngst startete das Polizeipräsidium Frankfurt am Main ein erneutes Testverfahren innerhalb der Behörde, um weitere Kolleginnen und Kollegen im Frankfurter Polizeipräsidium mit dieser Fähigkeit zu finden.

 

Deutliche Erfolge

„Die ersten positiven Erfahrungen mit Super-Recognisern konnten wir bereits im November 2020 im Rahmen der Einsatzmaßnahmen rund um den Weiterbau der Autobahn 49 im mittelhessischen Dannenröder Forst sammeln. In enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Super-Recognisern der Münchener Polizei konnten die Spezialisten erstelltes Bildmaterial von zunächst noch unbekannten Personen erfolgreich auswerten. Die Super-Recogniser konnten rund die Hälfte der tatverdächtigen Personen wiedererkennen und zuordnen. Nicht selten hatten die Personen versucht, sich der (Straf-) Verfolgung bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten durch Unkenntlichmachung des Gesichts mit Farbe und dem Zerstören der Papillarlinien auf den Fingerkuppen zu entziehen. In solchen Fällen bieten Super-Recogniser einen erfolgversprechenden Ansatz, Personen dennoch zuordnen zu können“, so Polizeipräsident Gerhard Bereswill über die Einsätze und Erfolge der Frankfurter Super-Recogniser.

 

Auch im alltäglichen Dienst gestalten sich die Aufgaben der aktuell zwei hauptamtlichen Super-Recogniser und ihrer nebenamtlichen Mitstreiter im Polizeipräsidium Frankfurt vielfältig. Täglich gleichen die Super-Recogniser aktuelle Personenfahndungen mit Bilddaten von Straftaten ab und erkennen Tatverdächtige wieder. Die Super-Recogniser ergänzen somit die bereits bestehenden Möglichkeiten zum Personenabgleich. Insbesondere bei Bildmaterial von schlechter Qualität liefern sie einen wertvollen, komplementären Baustein und stellen damit eine wichtige Unterstützung zur schnellen Aufklärung von Straftaten dar. Das Bildmaterial von Videokameras kann somit künftig noch effizienter genutzt und ausgewertet werden, um Straftaten schneller aufzuklären.

 

Beispiele für Erfolge

  • Bemerkenswertestes Beispiel ist ein versuchtes Tötungsdelikt im Frankfurter Hauptbahnhof Ende Oktober 2021. Ein Abgleich der Bilder aus der Sicherheitskamera mit der polizeilichen Bilddatenbank durch die Super-Recogniser brachte den entscheidenden Treffer, der zur Festnahme eines tatverdächtigen Mannes führte. (siehe hierzu: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/4970/5056760)
  • Identifizierungen im Rahmen der Einsatzmaßnahmen in Zusammenhang mit dem Ausbau der Autobahn 49:  1.668 Bilder vermeintlich unterschiedlicher Personen konnten die Super-Recogniser auf 942 Einzelpersonen zusammenführen. Im Ergebnis leitete die Polizei 270 Strafverfahren und 426 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Von den 410 festgestellten Einzeltätern erfolgten 131 Identifizierungen nur durch die Wiedererkennungen der Super-Recogniser.
  • Festnahme zweier überregional und international agierenden Serientäter im Bereich Taschen- und Trickdiebstahl sowie Computerbetrug auf frischer Tat. Im Nachgang konnten die Super-Recogniser dem Duo durch Abgleich ihrer Fotos mit etlichen Fahndungsausschreibungen mindestens 19 Taten allein in Hessen, im Zeitraum August 2020 bis April 2021, zuordnen. Dazu kommen weitere Taten im Ausland und in benachbarten Bundesländern. Mittlerweile wurden die Täter, eine Frau und ein Mann, zu Haftstrafen von fünf Jahren und vier Jahren und neun Monaten verurteilt.

 

Zukünftige Ausrichtung

Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt im Polizeipräsidium Frankfurt ist der Einsatz von Super-Recognisern in ganz Hessen in der Planung. Aktuelle Punkte, wie organisatorische Anbindung, Ausbildung und weitere Einsatzmöglichkeiten stehen kurz vor der Finalisierung. Aufgrund ihres besonderen Einsatzwertes, insbesondere bei der Fahndungs- und Ermittlungsarbeit, bieten die Super-Recogniser schon heute einen großen Mehrwert für die Polizei, der zukünftig noch erhöht werden soll.

HMDIS


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