Artgenossen, Freiflug und Futterspiele – PETA-Expertin gibt zehn Tipps für ein vogelgerechtes Zuhause

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Stuttgart, 19. November 2020 – So gelingt ein glückliches Vogelleben: In deutschen Haushalten leben etwa vier Millionen Vögel. Doch viele Tierhalter wissen nicht ausreichend über die Bedürfnisse ihrer Schützlinge Bescheid. Oftmals haben Vögel nicht genügend Platz, keinen Kontakt zu Artgenossen und zu wenig geistige Anregung. Damit sich die gefiederten Mitbewohner so wohl wie möglich fühlen, hat Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA, zehn wichtige Tipps zusammengestellt.

„Vögel haben aufgrund ihrer Flugfähigkeit und ihrem meist ausgeprägten Sozialverhalten besondere Bedürfnisse“, so Jana Hoger. „Ein kleiner Käfig aus der Zoohandlung oder die Haltung ohne Artgenossen bedeutet für die bewegungsfreudigen Tiere ein qualvolles Leben wie in Einzelhaft.“

Zehn Tipps für ein vogelgerechtes Zuhause:

  • Im Tierheim schauen: Wer sich für die Aufnahme von Vögeln entscheidet, sollte heimatlosen Tieren aus dem Tierheim ein neues, liebevolles Zuhause schenken, anstatt im Zoohandel, im Internet oder bei Züchtern zu kaufen. Bereits vor der Adoption müssen sich angehende Halter gründlich über die Bedürfnisse der Tiere informieren.
  • Vögel nicht alleine halten: Die meisten in Privathaltung lebenden Vögel sind äußerst soziale Tiere, die in Freiheit niemals alleine leben würden. Fehlen Artgenossen, kann das vor allem bei besonders sozialen Vögeln wie Papageien und Sittichen zu schwerwiegenden Verhaltensstörungen führen. Die Tiere können aggressiv auf ihre Halter reagieren oder sich selbst verstümmeln, indem sie sich Federn ausrupfen und in die eigenen Gliedmaßen beißen. Vögel sollten niemals alleine gehalten werden. Deshalb ist in der Schweiz beispielsweise eine Einzelhaltung von Vögeln zu Recht verboten.
  • Vögel brauchen täglich viele Stunden Freiflug: Ein Balkon oder eine Veranda kann zu einer Voliere umgebaut werden, in der die gefiederten Freunde Platz zum Fliegen haben. Noch besser ist eine große Außenvoliere im Garten – mit einem Schutzraum, der im Winter wohl temperiert ist und vor Nässe und Zugluft schützt. Alternativ kann auch ein Vogelzimmer eingerichtet werden, in dem sich die Tiere dauerhaft frei aufhalten können.
  • Vögel benötigen immer Zugang zu Nahrung und frischem Wasser: Das Wasser sollte mindestens einmal täglich gewechselt werden, um die Vermehrung von Krankheitserregern durch Verunreinigungen zu unterbinden. Nahrungs- und Wasserbehälter befinden sich am besten oberhalb der Sitzstangen, damit sie nicht von herabfallenden Vogelexkrementen verschmutzt werden können.
  • Ein ruhiger Rückzugsort ist wichtig: Vögel ziehen sich vor allem nachts gerne in eine sichere und ruhige Umgebung zurück. Ein abgedeckter Käfig eignet sich beispielsweise sehr gut. Wichtig ist, dass die Vögel auf Wunsch jederzeit Unterschlupf finden und auch wieder herausfliegen können.
  • Vögel haben besondere Lichtanforderungen: Vögel sehen wesentlich besser als Menschen. Sie können UV-Licht sehen und nehmen 150 bis 200 Bilder pro Sekunde wahr (Menschen nur 23 bis 25 Bilder pro Sekunde). Dadurch ergeben sich spezielle Anforderungen, wenn Vögel in Räumen gehalten werden. Sie brauchen UV-Licht, um sich mit den Artgenossen verständigen zu können. Fensterscheiben filtern aber UV-Licht aus dem Tageslicht und handelsübliche Lampen haben keinen UV-Anteil. Normale Leuchtstoffröhren sind zudem nicht geeignet, da sie sich 50-mal pro Sekunde ein- und ausschalten, was Vögel als ein ständiges Flackern sehen können. Daher ist die Verwendung spezieller Leuchtstoffröhren (bird lamps) wichtig. Sie sind online oder im Fachhandel erhältlich.
  • Heizungsluft kann schaden: Besonders Papageien aus tropischen Regionen mit hoher Luftfeuchte wie Graupapageien, Amazonen und Aras erkranken häufig an Schimmelpilzinfektionen – die trockene Wohnungs-Heizungsluft schädigt ihre Schleimhäute. Die Pilze können die Lungen befallen und zu quälender Atemnot führen. Es sollte daher unbedingt auf eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 Prozent geachtet werden. Wasserschüsseln oder feuchte Tücher auf der Heizung helfen ebenso wie spezielle Luftbefeuchter, die online oder im Fachhandel erhältlich sind.
  • Vögel baden gerne: Eine flache Schale befüllt mit frischem lauwarmem Wasser eignet sich sehr gut als Vogelbad. Einige Vögel mögen es auch, wenn sie mit einer Blumenspritze mit frischem Wasser besprüht werden.
  • Abwechslung tut gut: Zusätzlich zu den dauerhaften Sitzstangen können freischwingende Wippstangen und immer wieder auch frische Äste angebracht werden. Das sorgt für Beschäftigung und fördert die Aktivität.
  • Vögel wollen auch geistig gefördert werden: Tägliche „Futtersuchspiele“ eignen sich dafür sehr gut. Dabei wird Nahrung innerhalb der Voliere oder zum Beispiel in einer ausgestopften Toilettenpapierrolle versteckt. Obst und Gemüse kann auf Zweige aufgespießt und an schwer erreichbaren Stellen aufgehängt werden. Wenn Hirsestangen freihängend angebracht werden, fördert auch das die Aktivität und Geschicklichkeit der Vögel.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

Weitere Informationen:

PETA.de/Vogelhaltung

PETA.de/Voegel-Kaefig


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